In all den Jahren

In all den Jahren Elsa ist Schauspielerin und lebt in München. Untypisch für ihr Metier gehört sie eher zu den Schüchternen und wartet auf ihren großen Durchbruch – wo auch immer der herkommen soll. Solange hält sie sich mit Synchron-Sprechrollen über Wasser. Eines Tages lernt sie Finn kennen, ihren neuen Nachbarn und erfährt direkt mehr über ihn, als sie wissen will.

Denn bei diesem ersten Kennenlernen steht Finn so vor ihr, wie der Herr ihn schuf.  Finn ist Maler und die Muse küßt ihn halt in unbekleidetem Zustand eher. Meint er. Dummerweise hat er sich aber selbst ausgesperrt und so bleibt Elsa nichts übrig, als den nackten Finn in ihre Wohnung zu lassen und Rettung herbei zu telefonieren. Dieser ersten Begegnung folgen weitere und so langsam werden aus Nachbarn Freunde. Allerbeste Freunde. Die Sorte Freunde, denen man alles erzählt, mit denen man alles teilt, von denen man sich den Kopf halten lässt, wenn man sterbenselend über der Schüssel hängt und die auch über Nacht bleiben, wenn die Welt mal wieder gemein zu einem ist.

Diese Sorte Freunde werden Elsa und Finn, aber mehr ist da nicht. Weiß man doch, wie schnell Beziehungen kaputt gehen. Da bleibt man lieber bei der Freundschaft. Denn die ist für ewig. Und wenn der mittlerweile gemeinsame Freundeskreis noch so oft insistiert, die Beiden wären das perfekte Paar – Elsa und Finn bleiben in all den Jahren standhaft. Durchgehend. Naja, fast. (Einmal spielt auch ein anderes standhaft eine Rolle. Aber mehr soll hier nicht verraten werden.)

Barbara Leciejewski schildert das Auf und Ab dieser ungewöhnlichen Freundschaft über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten. Sie erzählt von gut 20 Jahren ganz normalem Leben und streift dabei ganz en passant Themen der Zeit. Historische Ereignisse und deren Auswirkungen auf einzelne Schicksale sind mit eingewoben, sie widmet sich Themen, mit denen sich sicher auch viele ihrer Leser im Laufe ihres Erwachsenenlebens auseinandersetzen müssen wie Pachtworkfamilien, Alzheimer und Pflege älterer Angehöriger. Dazu gibt sie Einblicke in das Künstlermilieu der bayerischen Metropole, dankenswerterweise nicht in die exaltierte Schicki-Micki-Bussi-hier-Bussi-dort Welt, sondern in die Welt der eher wirklich kreativ Schaffenden.

Ihre Figuren sind allesamt liebenswert mitsamt ihrer größeren und kleinen Macken und decken eine große Bandbreite ab. So ziemlich jeder wird wohl einen Charakter finden, mit dem er sich identifizieren kann.  Zugegeben – der Plot erinnert an einen der größten Kinoerfolge der Neunziger, keine Frage. Elsa und Finn sind sowas wie Harry und Sally für die hippe deutsche Stadtbevökerung des 21. Jahrhunderts, aber – ihre Geschichte macht Freude und warum nicht? Nach fast 20 Jahren kann dieses Thema ja ruhig mal wiederbelebt werden. Vor allem, wenn es so unterhaltsam und liebenswert gemacht ist.

Ein Buch wie eine Atempause

„In all den Jahren“ ist ein Buch wie eine Atempause – endlich mal ein Gesellschaftsroman, der ohne hysterisches Rumgequake auskommt, der nicht alles bis ins Kleinste ausdiskutiert, sondern einfach erzählt.  Natürlich wird es ab und zu knapp vor kitschig, natürlich spielt die Autorin mit Klischees, das soll gar nicht verschwiegen werden. Aber sie tut es mit Stil und Herzenswärme. Die Charaktere sind allesamt liebevoll entwickelt, auch die in den Nebenrollen und nichts wird einfach in 08/15 Textbausteinen abgewickelt, wie man es sonst auch schon mal gerne bei Liebesromanen findet, die schnell aus der Feder geschüttelt werden, um eine Leser-Erwartung zu bedienen.

Wie die Autorin auf ihrer Webseite erzählt, hat sie in einigen Brot – und Butter Berufen gearbeitet, bevor sie sich entschloss, ihre Selbstzweifel zu ignorieren und auf ihr Herz zu hören, um Schriftstellerin zu werden. Mittlerweile sind 5 Bücher erschienen, einige erst Jahre nach Entstehung, das fünfte „Versuchen wir das Glück“ gerade eben.  Ihre Bücher erscheinen sowohl gedruckt als auch in der Kindle-Edition, sind aber noch nicht so ganz dem Status Geheimtipp entwachsen. Aber hinter den Autorinnen, die in diesem Genre gefeiert werden, braucht Barbara Leciejewski sich meiner Meinung nach nicht zu verstecken. Ich habe In all den Jahren mit Bedauern ausgelesen und ganz ungerne den Freundeskreis um Elsa und Finn verlassen. Mir hat die Autorin ein paar schöne erholsame Stunden geschenkt. und dafür dürfte es sich doch schon gelohnt haben, Selbstzweifel über Bord zu werfen.


Kategorie: Gesellschaftsroman, Liebesroman, Romane
Verlag: Acabus

Die Toten

Für alle, die es noch nicht wissen: Christian Kracht hat einen neuen Roman geschrieben. Über das aufstrebende Filmmilieu der dreißiger Jahre zur Zeit der NS-Machtübernahme. Titel: „Die Toten“. Ja, den Titel hat es schon mal gegeben. Bei James Joyce. Anspruch will eben formuliert sein.

Trailer ab. Es treten auf :

In den Hauptrollen:
Emil Nägeli, ein Schweizer Avantgarde-Regisseur, mit einem ausgewachsenen Vaterkomplex behaftet.
Masahiko Amakasu: Japanisches ex-Wunderkind, als Erwachsener vor allem durch sein Faible für deutsches Brauchtum und Mythen auffallend.

In den Nebenrollen: eine dralle, blonde deutsche Schönheit namens Ida, ferner UFA-Tycoon Hugenberg, Charlie Chaplin, Siegfried Kracauer, Lotte Eisner, Ernst „Putzi“ Hanfstaengl und Heinz Rühmann (geschickter Schachzug, auf nickende Kennermienen der Leser und Kritiker abgestellt).

 

Schauplätze:

das Berlin der Weimarer Republik
Japan vor einer Zeitenwende
Hollywood als vermeintlicher Rettungsanker
diverse Berge und Bauernhöfe

Handlung: Mit deutschem Geld soll in Japan ein Vampirfilm gedreht werden – sozusagen als Zelluloid-Achse, um die faschistoide zu unterstützen. Mit Vampiren, viel Blut und nicht ganz soviel Kultur gegen den amerikanischen Kulturimperialismus, der allerdings schon da ist – in Gestalt des gerade in Japan nahezu gottgleich verehrten Charlie Chaplin. Dazu Fressorgien, Besäufnisse und reichlich historische Ereignisse (die zwar nichts zur Sache tun, aber wenn sie sich schon zum Zeitpunkt der Handlung ereignen. Man will ja nicht umsonst recherchiert haben).

Trailer Ende.

Doch bevor es im Buch um den Plot geht, (sieht man mal vom in allen Details beschriebenen Harikiri eines japanischen Offiziers direkt zu Beginn ab) ist die Hälfte des Buches schon um. Denn zunächst geht es in epischer Breite um die Leiden des jungen Nägeli und des jungen Amasuko. Kann man ja nicht unter den Tisch fallen lassen. Problematische Vater-Sohn-Beziehungen oder frühe Traumata wie der Tod des weißen Nicht-Kuscheln-Wollen-Hasen geben literarisch ja auch richtig was her. Und erst die autoritäre Kadettenanstalt, die das kleine Genie Masahiko den Flammen überlässt.

Das alles taugt zwar nicht als Rahmenhandlung oder gar als roter Faden, ist auch komplett bedeutungslos für die weitere Handlung, aber gepflegtes Leiden ist schließlich auch wichtig. Und das alles schön parallel montiert. Es geht ja um den Film als Kunstform. Im Film ist Parallelmontage sehr gefragt. So kann man gleich ganz klug und beseelt schließen, ah ja, hier ist die filmische Kunstform ins Literarische übersetzt. Und gelitten wird später auch noch. Wenn auch eher kunstblutig. Aber vielleicht ist das ja der rote Faden. Irgendwie will man als Leserin den Kreis ja dann doch geschlossen kriegen.

Kommt man dann zum Plot, treffen sich Nägeli und Amakasu endlich in Japan, wird dummerweise die (gemäß Verlagsbeschreibung „…das Geheimnis des Films als Kunstwerk der Moderne feiernde“) begonnene Handlung schon wieder unterbrochen. Schade. Aber was will man machen, wenn die blonde Ida dem japanischen Genie den Kopf verdreht und auf ganz andere vampirische Art als die geplante saugt. Dem Nägeli bleibt immerhin noch die „Augenblicklichkeit des Universums“ und die blonde Spielverderberin kriegt ihre Kunstblut-Strafe. Und nicht zu vergessen: die Toten. Die haben wir ja auch noch. Die mischen sich dauernd zwischenrufend ein. Sind wahrscheinlich sowas wie das Kinopublikum für edel leidende junge und ältere Herren. Dass hingegen der Roman der dramatischen Struktur des japanischen No-Theaters folgt, das braucht man gar nicht groß herauszufinden. Kracht ist so stolz drauf, dass er einen mit der Nase draufstößt. Aber schön, oder? Da haben wir doch so einiges, was die Nicht-Rahmenhandlung und den kleinen Plot zusammenhält.

Der Roman schafft das Kunststück, viel zuviel Information bei gleichzeitiger Inhaltslosigkeit zu liefern. Aber immerhin in schön gedrechselten Sätzen, beinhaltend eine wahre Fundgrube für die beliebte Sammlung „Schöne, fast vergessene Wörter“. Die „Ästhetisierung des Schrecklichen“ passt dazu, aber es bleibt eine elegante Spielerei. Statt Herzblut spritzt einem auch dort nur Kunstblut entgegen und es ist einem ganz unglaublich egal, ob man Gewalt so beschreiben darf, weil diese Passagen so bemüht wirken, dass sie einen nur kalt lassen können. Christian Kracht ist sicherlich ein feinsinniger Autor, aber was nach der Lektüre dieses Romans bleibt, ist der Eindruck, inhaltsleere Manierismen eines klugen Kopfs gelesen zu haben. Und Fragen bleiben: Die nach dem Warum und Wozu? Und vor allem: Warum wird das derart gefeiert? Alles, was ich sehe, ist eine Klamotte, eine langweilige noch dazu. Garniert mit dem Muff deutschen Mythen, von denen einem auch nicht im Ansatz erklärt wird, warum sie so toll sind und schon gar nicht, welche Lehren man daraus für die Zukunft ziehen könnte. Irritierend.

Abspann: Vielleicht ist die Entstehung des Romans mit einem drängenden Bedürfnis des Autors zu erklären, sich mit aller Macht und Gewalt um jeden Preis aus den Schubladen lösen zu wollen, in die man ihn hineingepresst hat: Wunderkind, Popliterat und was da nicht immer alles an überfrachteten Erwartungen zu lesen ist. Dieser Intention und dem ganzen Roman hätte dafür allerdings eine Rückbesinnung auf Krachts Begabung als Satiriker gut getan.

Erstveröffentlichung dieser Rezension in den Revierpassagen.de


Kategorie: Roman
Verlag: Kiepenheuer & Witsch Köln

Der Dieb

nakamura-1 Nishimura ist ein erfahrener Taschendieb. Ein Maßanzug verleiht ihm Anonymität, elegant und unauffällig bewegt er sich durch Tokios Menschenmassen und stiehlt Fremden ihre Geldbörsen. Sein Gewerbe hat er zur Kunst erhoben, fließend und kaum merkbar sind seine Bewegungen. Der Diebstahl geschieht reibungslos und unbemerkt, manchmal so unbemerkt, dass nicht einmal er selbst sich an alle Diebstähle erinnern kann.

Dabei lässt er Prinzipien walten, er stiehlt nur von Menschen, die ihm reich und wohlhabend erscheinen. Geld an sich bedeutet ihm nichts, so wenig wie die Menschen, die er bestiehlt, beides ist für ihn nur eine weitere Unschärfe seines Lebens, in dem er keine Gegenwart und keine Zukunft sieht. Er lebt in einem armseligen Appartement, er hat keine Familie, keine Freunde, keine Verbindungen. Nur einen kleinen Jungen, der ihn sich als Vaterfigur ausgesucht hat und der von ihm die hohe Kunst des Diebstahls lernen will, den wird er nicht los. In dem Moment, wo er sein Herz ein klein wenig öffnet, eine Verantwortung fühlt, holt ihn das Einzige, was er noch hat, seine Vergangenheit ein.

Sein erster und bis dato auch einziger Partner, Ishikawa erscheint wieder in seinem Leben. Einst war er mit ihm ihn einen Raubüberfall verwickelt, danach trennten sich ihre Wege und Nishimura tauchte in der Anonymität der Großstadt unter. Ishikawa hingegen wurde zur Marionette des mächtigen Gangsterbosses Kizaki, der sich selbst mit Genuß als Herrn über Leben und Tod inszeniert, Kizaki zwingt Ishikawa und mit ihm Nishimura, Handlanger für seine Verbrechen zu sein. Das Schicksal des Diebes scheint besiegelt.

In seinem Roman „Der Dieb“ nimmt Fuminori Nakamura den Leser mit in die Unterwelt einer Kultur, die vielen Europäern unbegreiflich und undurchdringlich scheint. Über den Autor selbst ist wenig in Erfahrung zu bringen, außer dass er ein 1977 geborener japanischer Schriftsteller sei. Dieses Buch hat er unter Pseudonym geschrieben. Nakamura zeigt ein hoffnungsloses Land und seine Metropole. Sein Tokio ist keine Stadt heller Lichter und modernster Technologie, es ist farblos und düster, die Gesichter der Menschen sind blickleer, die Messer blutig und statt der modebewussten Mädchen mit ihren bonbonfarbenen Haaren kreuzen früh gealterte alleinerziehende Frauen den Weg des Diebs.

Dieser Thriller kommt ohne Action aus, dafür aber beschwört er Angst durch die Art, wie der Gangsterboss Kizaki seine Ansichten von Schicksal und Kontrolle lebt und gleichzeitig den Dieb mit einem lakonischen „Es ist alles nur ein Spiel. Nimm das Leben nicht so wichtig“ abfertigt und in sein Verderben schickt. Der Fokus liegt nicht auf den Verbrechen selbst, sondern auf der Psychologie und der Körperlichkeit des Verbrechens: „Die Zeit floss in ihrem eigenen, immer gleichen Tempo dahin, bestimmte den Lauf der Dinge und schob mich langsam vor sich her. Wenn ich jedoch meine Hände nach dem Eigentum fremder Leute ausstreckte, fühlte ich in der Anspannung des Moments so etwas wie Freiheit.“

Nakamura erzählt rasant, dabei aber sehr elegant und schnörkellos, jederzeit um die Symbole von Unausweichlichkeit wissend. Darin gleicht er in der Ausübung seines Handwerks seinem Helden. So akribisch, wie der Dieb seine Aktionen ausübt, so sorgfältig ist auch das Buch geschrieben. Ein kühler Thriller, der tief an existentielle Fragen rührt. Ein sehr intensives Leseerlebnis.

Erstveröffentlichung dieser Rezension in den Revierpassagen.de


Kategorie: Roman, Thriller
Verlag: Diogenes Zürich

Die Liebesgeschichten-Erzählerin

liebesgeschichtenerzaehlerin

liebesgeschichtenerzaehlerinDie Strandpromenade von Scheveningen im Jahr 1969: Eine Frau, Marie, sitzt auf einer Bank, schaut dem Wellenspiel zu, atmet die herbe Seeluft. Sie ist von Haus aus die Ostsee gewohnt, die rauen Gezeiten der Nordsee sind ihr neu, die Kraft, welche dieses Meer entfaltet, ebenfalls.

Dennoch spürt sie etwas von dieser Kraft in sich. Sie ist dieser Tage frei von Pflichten, Mann und Kinder kommen auch einmal ohne sie zurecht. Finanziell scheint es in ihrer Familie aufwärts zu gehen, das gibt ihr ungewohnte Freiheiten. Sie hat Zeit und Muße, sich auf sich selbst und ihre Ambitionen zu konzentrieren. So recherchiert sie in niederländischen Archiven den Liebesgeschichten ihrer Vorfahren hinterher. Den Liebesgeschichten, von denen sie schon lange spürt, dass sie erzählt werden sollten. Die Geschichte des ersten Königs der modernen Niederlande, der mit einer Berliner Tänzerin eine uneheliche Tochter zeugt, welche wiederum in ihre mecklenburgische Adelsfamilie verheiratet wird. Die Geschichte des Urenkels der Tänzerin (Vater der Erzählerin), der Geschehnisse aus seiner Zeit als kaiserlicher U-Boot Kapitän nie ganz verwunden hat. Und schließlich ihre eigene Geschichte. Sie hat einen Spätheimkehrer geheiratet, einen Gutsbesitzersohn. Und sie entfernt sich immer weiter von ihm.

Friedrich Christian Delius, Träger des Georg-Büchner-Preises, verarbeitet auch in seinem neuen Roman „Die Liebesgeschichtenerzählerin“ Teile seiner eigenen Familiengeschichte. Delius‘ Romane beschäftigen sich meist mit der bundesrepublikanischen Geschichte, so ist er auch einer der Wenigen, die sich literarisch an den „deutschen Herbst“ wagten. Diesmal erzählt er Sequenzen aus dem ganzen letzten Jahrhundert, dieser von Kriegen nie vorher dagewesen Ausmaßes geprägten Epoche, wobei die Liebesgeschichte des niederländischen Königs und der Berliner Tänzerin dem Leser schon aus „Der Königsmacher“ bekannt sein könnte.

Marie nun, die designierte Liebesgeschichtenzählerin, ist das literarische Denkmal für Delius‘ Tante, Irmgard von der Lühe, die ihr Studium für die Familie abbrach und sich erste Sporen als Biographin verdiente – wie Marie. Von der Lühe publizierte auch später noch, allerdings sind von ihr keine Romane veröffentlicht. In Delius‘ Roman bleibt folgerichtig das Ende offen: Wird Marie es wirklich schaffen, „die Liebesgeschichtenerzählerin“ zu werden? Sie verspürt den inneren Drang, „altes verborgenes Wissen von Not, Liebe und Schmerz als von den Vorfahren geerbtes Wissen weiterzugeben“. Diese Marie ist keine Rebellin, sie will auch nicht ausbrechen aus ihrem Leben als umsichtige Hausfrau und Mutter, sie mag dieses Leben. Aber sie hofft darauf, dass dieses Leben auch für sie nun Zeit und Gelegenheit bereithält, ihrem kreativen Gestaltungswillen Raum zu geben. Wobei der Leser nie so recht weiß, ob die Recherche für Marie nicht doch eher so etwas wie eine Flucht aus der Realität bedeutet, um sich nicht allzu tief mit der eigenen Vergangenheit als ehemaliges BDM-Mädel auseinandersetzen zu müssen. Dennoch zeigt Delius anhand ihrer Geschichte, wie sehr politische Geschehnisse in das Leben Einzelner eingreifen. Sehr greifbares Anschauungsmaterial gerade auch in unseren turbulenten Zeiten, besonders auch für diejenigen, die meinen, aktuelle Geschehnisse hätten mit ihnen und ihren Leben nichts zu tun.

Delius erzählt mit leiser, sehr eleganter Sprache, seine Figuren beschreibt er behutsam, immer eine gewisse Distanz wahrend. Auch kritischen Themen wie dem der deutsch-niederländischen Aussöhnung nähert er sich mit sehr viel gebotenem Respekt und Feingefühl. So wie das Ende des Romans offen bleibt, ist auch im Roman selbst bei weitem nicht alles auserzählt. Die Leser mögen die Gelegenheit nutzen, Bruchstücke aus dem eigenen Erinnerungsfundus hinzuzufügen. Auf das, was Marie berichtet, hat sie einen liebevollen Blick, sie ist keine Zynikerin. Auch wenn sie – typisch für ihre Generation – beim Anblick der „Hippies“ im Amsterdam nicht anders kann, als zu denken, ihre Geschichte möge dazu beitragen, dass diese Gestalten erkennen, wie gut sie es doch haben.

Im Roman nimmt die Vater-Tochter-Beziehung einen weiten Raum ein. Viel eher noch als das, was man von einer „Liebesgeschichtenerzählerin“ erwartet, ist er das eigentliche Thema der Marie: der Vater, der nach dem enttäuschten Kaiser-Gehorsam nathlos zum Gottesgehorsam wechselte und Marie unbewusst im Geiste des calvinistisch geprägten Teils der Niederlande erzog. Aber sei es drum: Ist die Vater-Tochter-Beziehung nicht auch eine Liebesgeschichte? Die, aus der sich weitere entwickeln? Insofern folgt Marie dem Leitsatz ihres altes Deutschlehrers: Schreiben heißt ordnen. Auch einordnen. Im Zug auf der Rückfahrt von den Niederlanden am Rhein entlang ordnet Marie das Recherchierte in ihr eigenes Leben ein: Sie ist eine Überlebende und sie ist stolz darauf. Marie ist fest entschlossen, noch vor ihrem Fünfzigsten sich im Familienleben einen neuen Platz als „Liebesgeschichtenerzählerin“ zu erobern und keine Rücksicht mehr darauf zu nehmen, was vor den Augen der Eltern und des Ehemanns Bestand haben könnte. Und vor allem will sie nicht mehr den vom Vater eingebimsten Familien-Imperativ „Schlucks runter, schlucks runter“ befolgen. Immerhin.

Erstveröffentlichung dieser Rezension in den Revierpassagen.de


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren, Romane
Verlag: Rowohlt

Belgravia

Belgravia von Julian Fellowes

Lady Mary ist glücklich, Lady Edith ist glücklich, Carson und Mrs Hughes auch, das vom Schicksal so gebeutelte Ehepaar Bates ist glücklich, wenn sie nicht gestorben sind und selbst Unter-Butler Thomas ist geläutert und belohnt. Alle sind glücklich, nur das Publikum nicht. Aus dem einfachen Grunde, dass eine der grandiosesten Fernsehserien der letzten Jahre zu einem unwiderruflichen Ende gekommen ist. Die Rede ist – natürlich – von Downton Abbey. Dieses einzigartige Vergnügen zu verdanken hatten wir in erster Linie Julian Fellowes, aus dessen Feder die epische Geschichte der Crawleys floss. Doch Abhilfe naht. Es gibt ein Trostpflaster und ein gar nicht mal so kleines:

Belgravia, der neue Roman des mittlerweile selbst in den Adelsstand erhobenen britischen Kultautors. Mit der Veröffentlichung wurden neue Wege beschritten. Belgravia ist als digitaler Fortsetzungsroman komponiert, eine Serie zum Lesen. In Deutschland wurde Belgravia seit Anfang Oktober digital in insgesamt 11 Folgen veröffentlicht und ist seit kurzem auch als kompletter Roman verfügbar, digital und klassisch.

Belgravia von Julian Fellowes

Belgravia ist seit dem Beginn der Industrialisierung der Londoner Stadtteil, der wie kein anderer für Luxus und adeligen Lebensstil steht. Dort leben Lady und Lord Brockenhurst, die ihren einzigen Sohn in der Schlacht von Waterloo verloren und deren Erbe nun der nichtsnutzige Neffe sein wird. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Oder besser gesagt, geschah. Denn es gibt ein Geheimnis, von dem sie lange nichts ahnen.

Die Geschichte um dieses Geheimnis nimmt seinen Anfang am Vorabend der Schlacht von Waterloo, in Belgien auf einem Ball der Herzogin von Richmond. Ein Ball, dem bis heute der Mythos des Legendären anhaftet. Auf der anderen Seite des Geheimnisses steht die Familie Trenchard, durch geschäftlichen Erfolg zu Geld und einem luxuriösen Lebensstil gekommen, allerdings nicht zu gesellschaftlichen Renommee. Denn zu Beginn des 18. Jahrhunderts steht man erst ganz am Anfang einer Zeit, in der sich die adelige Gesellschaft von Belgravia mit der der Emporkömmlinge und abschätzig als Kriegsgewinnler bezeichneten Neureichen überschneidet. Der Großteils des Romans ist der Aufdeckung eben jenes Geheimnisses gewidmet, ein Geheimnis, dessen Aufdeckung die Lebenswege aller Beteiligten unwiderruflich verändern wird.

Wer an die Vielfalt des Downton Universums gewöhnt ist, wird auch hier nicht enttäuscht. Alles da, alles drin: Die prunkvollen Häuser, Teenachmittage, Dinnerpartys, die Bediensteten, die mal loyal, mal intrigant in das Leben ihrer Dienstherren eingreifen. Liebe, Hass, Ehrgeiz, Intrigen, Mordversuche. Fellowes lässt auch in Belgravia nichts aus, gewohnt historisch genau, detailverliebt – nur, dass man sich den Film zum Geschehen diesmal selbst vorstellen muss. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Eine der Nebenwirkungen der Veröffentlichung in Episoden ist das Geühl, ein fast fertiges Drehbuch zu lesen.

Zunächst einmal profitiert aber der Roman davon, dass das Buch nicht in klassischen Kapiteln, sondern episodisch erzählt wird. Befreit von üblichen Kapitelbögen kann sich die Dynamik der Geschichte bestens entfalten, die Erzählung hat eine stark vorwärts treibende Kraft und lässt genug Platz für die von seinem Publikum so geliebte detailgetreue Zeichnung des Settings. Gleichzeitig liegt darin aber auch die Schwäche des Romans. Die Episoden konzentrieren sich zu sehr darauf, die Entwicklung der Geschichte voranzutreiben und vernachlässigen die Entwicklung der Charaktere.

Die handelnden Personen kommen über eine eindimensionale Ebene nicht hinaus, sie bleiben entweder grundgut oder unauflösbar böse. Die Entwicklung und Vielschichtigkeit der Charaktere war auch ein Grund mit für den enormen Erfolg von Downton Abbey und wird in Belgravia schmerzlich vermisst. Dennoch ist die Geschichte schön zu lesen, ein guter Schmöker für trübe Herbsttage und ein Trost für die trauernde Downton Abbey Fangemeinde. Denn in einem bleibt Fellowes sich treu. Die Zeit, eine Moral von der Geschicht‘ zu vermitteln, hat er sich genommen: Belgravia zeigt, wirkliche Liebe überwindet alle Hürden.


Kategorie: Belletristik, Gesellschaftsroman, Historischer Roman, Romane
Verlag: C. Bertelsmann München

Radio Heimat – das Buch zum Film

radio-heimat

radio-heimat Wie heißt es doch so schön: Du kriegst die Leute zwar aussem Pott, aber den Pott nicht aus den Leuten. Heimat kann eben doch eine Lösung sein, vor allem für die Leute im Ruhrgebiet, liebevoll Ruhrpott genannt.

Diesem Lokalpatriotismus ein literarisches Denkmal gesetzt hat Ruhrgebietschronist Frank Goosen im Kurzgeschichtenband „Radio Heimat“, der seine gesammelten „Geschichten von zuhause“ beinhaltet. Die Erstveröffentlichung des Bandes war im Jahr 2010, dem Jahr, als das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas war.

Nun sind Geschichten aus diesem Buch und aus dem Roman „Mein ich und sein Leben“ als retroselige 80er-Jahre Hommage unter dem Titel „Radio Heimat“ als Film im Kino zu bewundern, gestartet diese Woche. Aus diesem Anlass wurde das Buch „Radio Heimat“ neu aufgelegt. Die Neuauflage enthält Bilder aus dem Film, versehen mit Goosens ganz persönlichen Erinnerungen. Und einer Neu-Interpretation des berühmten Slogans von Goosen seine Omma: „Damals war auch Scheisse„.

War es natürlich nicht, aber es war eben auch nicht alles Kohlenstaub, was sich auf unsere Lungen legte. Film und Buch erzählen in „Radio Heimat“ vonne Malocher-Idylle inne Schrebergärten, von schäbigen Schabracken und Kneipen und natürlich von den Menschen, die diese auch jetzt noch typischen Ruhrpott-Orte bevölkern.
Die „Radio-Heimat“-Sammlung ist ein ganz prima Einstieg in das Goosensche Universum und spannt den Bogen zeitlich noch etwas weiter als der Kinofilm. Er porträtiert die Menschen anne Ruhr schnoddrig, aber nie unter der Gürtellinie, melancholisch, aber nicht sentimental. Film wie Buch eignen sich prima, um zu erinnern, wie es früher mal war. Und um zu zeigen, was davon geblieben ist. Popkultureller Anschauungsunterricht sozusagen.

Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Nein, das alles ist nicht nur was für verklärte „früher war alles besser“ Nostalgiker. Gerade hier im Pott, einem Gebiet, wo der Strukturwandel so tiefgreifend war wie sonst kaum irgendwo, interessieren sich viele junge Leute für ihre Wurzeln, wollen wissen, wie es früher hier war mit dem Kohlenstaub und den tausend Feuern in der Nacht. Das Bewusstsein für die Geschichte ist da, das Interesse auch. Und das ist doch schon mal ein guter Anfang. In diesem Sinne Glückauf für Film und Buch.


Kategorie: Kurzgeschichten und Erzählungen
Verlag: Heyne München

Fremde Gäste

Fremde Gäste

1922, London im Jahr 4 nach dem Ende des ersten Weltkriegs: Die Stadt ist geprägt von sozialen Unruhen, die hermetisch in Klassen abgeriegelte bürgerliche Welt ist im Umbruch. Im vornehmen Süden der Stadt sitzt die alte Mrs. Wray in einer hochherrschaftlichen Villa, die sie kaum noch halten kann. Ihre Söhne sind gefallen, ihr Mann vor Gram und Kummer verstorben, nicht ohne vorher noch das Familienvermögen durch gewagte Investitionen verschleudert zu haben. Geblieben ist ihr nur Tochter Frances, die auf dem besten Weg ist, eine alte Jungfer zu werden. Die beiden Damen müssen ohne Dienstboten auskommen, Frances übernimmt alle Arbeiten im Haushalt und seien sie noch so niedrig. Während die Mutter vor Scham vergeht, scheint es, als ob Frances sich mit der Fron für etwas selbst bestraft.

Fremde Gäste Die Damen Wray sehen sich in ihren schwierigen finanziellen Verhältnissen gezwungen, Mieter aufzunehmen. Ein junges Paar aus der Arbeiterklasse, Lilian und Leonard, zieht ein. Scheinbar modern sind sie, ausgelassen und jung, sie glauben an eine bessere Zukunft. Mit ihnen verändert sich alles, nicht nur die mühsam gewahrte Ruhe und Routine im Haus. Wecken Lilian und Leonard zunächst nur die Neugier der Damen Wray, üben beide bald schon auf Frances eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Sie zwingen sie, ihre eigenes Leben und einiges aus ihrer gar nicht so unbeschriebenen Vergangenheit neu zu überdenken. Hat sie ihre Verarmung, ihren Rückzug in traditionelle Werte und Pflichten nicht als eine Art Schutzschild mißbraucht?.Dazu kommt vor allem Leonards zupackende Art, mutig und ehrgeizig im Leben voranzukommen, die Frances zeigt, dass es auch in und an einem selbst liegt, was man aus seinem Leben macht.

Doch niemand hätte am Anfang gedacht, wie weitreichend und wie verheerend die Folgen wachsender Vertrautheit zwischen Frances und dem Paar seien könnten. Denn Frances will direkt etwas, was für die damalige Zeit undenkbar und unerhört ist und das führt schließlich zu dem sich entfaltenden Drama. Die Spannungen im Haus gipfeln in einem tödlichen Streit, der letztlich eine schwer vermeidbare Folge der neuen Ordnung und ihrer Möglichkeiten war. Ab diesem Punkt entwickeln die Ereignisse ein Eigenleben, es ist fast ein Schneeballsystem, das Lilian und Frances in Gang setzen. Die Frage ist zum Schluß nur noch, werden sie die Letzten sein in diesem System oder doch diejenigen, die damit durchkommen?

Mehr soll hier an dieser Stelle nicht verraten werden, denn Sarah Waters erzählt über fast 600 Seiten zwar eine fesselnde Geschichte, doch die Spannung speist sich hauptsächlich aus ihrer Erzählkunst. Der eigentliche Plot wirkt zusammengefasst betrachtet recht banal, aber Waters macht aus der zugrunde liegenden Situation, dem Verlust des Schutzes der Klassenzugehörigkeit, eine quälend spannende von Zärtlichkeit und Leidenschaft getragene Sozialstudie.

Waters große Kunst liegt in ihrer Detailgenauigkeit, man könnte fast sagen, Detailversessenheit. „Fremde Gäste“ ist ein minutiös aufbereitetes Kostümdrama in Schriftform, die Genres Krimi, Justizdrama und lesbischer Liebesroman als unerwartete, aber unerschrockene Beigabe dazu gemischt. Spannender als der eigentliche Plot ist die Schilderung der Atmosphäre, der Milieus im Nachkriegslondon aus weiblicher, noch dazu aus lesbischer Sicht. Eine Perspektive, ein Aspekt, über den man niemals in Geschichtsbüchern lesen wird. Genauso wie man in Geschichtsbüchern auch nie mit akribischen Schilderungen des Alltags und der Anstrengungen, die es kostet, den Schein bürgerlicher Ordnung wenigstens notdürftig aufrechtzuerhalten, konfrontiert wird. Als reine sachliche Beschreibung wäre dies wohl auch langweilig, aber eingebettet in den Kontext einer Romanhandlung entfalten gerade diese Teile des Romans einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Waters läßt sich viel Zeit, ihre Erzählung zu entfalten, aber es wird an keiner Stelle langweilig. Ein wenig erinnert ihre Erzählweise an die vielgelobten Serien wie Mad Men oder Downton Abbey, deren besonderer Reiz auch in der detailverliebten Zeitbeschreibung liegt.

Sarah Waters lässt mit den fremden Gästen eine verschwundene Epoche wiederauferstehen, mehr noch, sie zeigt die verborgenen Leben, die in dieser Epoche existiert haben und von denen man sonst ganz sicher nie etwas erfahren hätte. Dabei sind beide Milieus, sowohl das Arbeitermilieu als auch das der bürgerlichen Klasse akribisch genau rekonstruiert. Ihre Charaktere sind bis in die kleinste Nebenrolle scharf konturiert und durchweg glaubwürdig, wenn auch nicht immer sympathisch. Ein bißchen ins Lächerliche gezogen sind die Rollen der später hinzukommenden Polizei-Bediensteten, da wäre eine schärfere satirische Abgrenzung nicht verkehrt gewesen, um den teils arg an den Haaren herbeigezogenen Konstruktionen milde begegnen zu können.

Sarah Waters ist eine in Großbritanien sehr erfolgreiche Schriftstellerin. Bekannt wurde sie mit Tipping the velvet, einem Roman, der auch sehr erfolgreich als Fernsehserie adaptiert wurde. In Deutschland ist sie eher einem Nischenpublikum bekannt. Leider wird sie oft auf die Rolle einer Autorin lesbischer Liebesromane reduziert, was ihrem Gesamtwerk meiner Meinung nach ganz und gar nicht gerecht wird. Um für mich zu sprechen: Ich persönlich bin ganz grundsätzlich kein großer Freund von reinen Liebesromanen, gleich welcher sexueller Ausrichtung. Aber ich lese sehr gerne Gesellschaftsromane und Sarah Waters beherrscht dieses Genre ganz eindeutig sehr gut.Ich würde daher die Beschreibung Autorin gut auserzählter und recherchierter Gesellschaftsromane, die (nicht immer) auch lesbische Themen behandeln, bevorzugen.

Auch in Fremde Gäste ist die lesbische Komponente für die Handlung nur insofern entscheidend, als sie die Außenseiterposition klärt und die zu dieser Zeit herrschende Moral literarisch einfängt, es ist keineswegs das entscheidende Merkmal des Romans. Was ich im übrigen gerade sehr gekonnt finde und was mit ein Grund dafür ist, diesen Roman uneingeschränkt zu empfehlen. Zumindest all jenen, die ebenfalls gerne episch lesen.


Kategorie: Historischer Roman, Kriminalromane, Romane
Verlag: Bastei Lübbe

Rechts blinken, links abbiegen

Rechts blinken, links abbiegen

Rechts blinken, links abbiegenAls junge Frau kam Sonja aus Jütland nach Kopenhagen, um ein Leben voller Spannung und Aufregungen zu führen. Nun ist sie in ihren Vierzigern und die Träume und Ideale ihrer Jugend nur noch schwer erinnerbar. Zwar hat sie einen begehrten Job als Übersetzerin millionenfach gelesener Kriminalromane eines schwedischen Erfolgsautors. Doch die düstere Grundstimmung und Hoffnungslosigkeit dieser Romane stößt sie von Band zu Band mehr ab, immer schwerer fällt es ihr, für die Brutalität der Krimihandlungen Worte in ihrer Muttersprache zu finden.

Sie empfindet ihr Leben als festgefahren und beschließt als ersten Akt der Befreiung, endlich ihren Führerschein zu machen, doch sie scheitert schon daran, die richtigen Gänge einzulegen. Ganz zu schweigen von der richtigen Reihenfolge eines Abbiegemanövers. Rechts blinken, links abbiegen scheint ihr keine schlechte Metapher für ihr Leben zu sein. Dass ihre Masseuse Ellen als Metapher für die Verwerfungen ihres Lebens die nachlassende Spannkraft ihres Bindegewebes bevorzugt, hilft ihr hingegen weniger weiter.

Die Geschichte beginnt recht humorig, zunächst erwartet man eine witzige Emanzipationsgeschichte. Doch weit gefehlt. Rechts blinken, links abbiegen zeichnet eine selten dagewesene Aufrichtigkeit aus. Dorthe Nors erzählt von der Einsamkeit, unter der Alleinstehende in unserer auf Individualität bedachten Leistungsgesellschaft leiden. Sonjas Einsamkeit ist exemplarisch für viele, deren Lebenswege Abzweigungen genommen und nicht den Weg in klassische Gemeinschaftsmodelle gefunden haben. Sie fühlt sich von ihrer Unabhängigkeit überwältigt – und überfordert. Nur in der Natur fühlt sie sich freier und authentischer, doch in der großen Stadt gibt es die Natur nicht, die sie sucht. Wie überhaupt das Dänemark in diesem Buch ein relativ trostloses Land ist. No country for lonely people. Denn auch der Umgang mit anderen Menschen fällt Sonja immer schwerer. Was nicht Wunder nimmt, da diese genau wie Sonja selbst fast nur in ihrem eigenen Kosmos kreisen.

Rechts blinken, links abbiegen ist ein schonungsloser Roman, aber er ist angenehm frei von Larmoyanz. Dorthe Nors gelingt das Kunststück einer zärtlich geschriebenen Geschichte über eine einsame Frau an dem Punkt ihres Lebens, wo sie nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt ist. An dem Punkt, an dem es klug wäre, die Richtung zu bestimmen, die ihr Leben nehmen soll. Doch wie soll sie das Steuer ihres eigenen Leben herumreißen, wenn sie nicht einmal die Gänge des Fahrschulautos richtig einlegen kann? Nun, Gänge richtig einlegen, das lässt sich mit viel Geduld und Willen lernen. Aber gilt das auch für die Weichenstellungen des Lebens? Muss man nicht erstmal wissen, wonach genau man sucht? Genau wie man auf einer Strassenkarte den richtigen Weg markiert? Sonja jedenfalls wird umso mutiger in ihren Überlegungen zur Lebensplanung, je besser es in den Fahrstunden mit den Gängen klappt. Langsam beginnt sie zu verstehen, dass Einsamkeit nicht automatisch Freiheit bedeutet.

Dorthe Nors erzählt die Geschichte der Sonja in einer sehr zurückhaltenden Sprache, literarisch ausgereift, dabei angenehm und unaufdringlich zu lesen. Ihre Sprache ist klar und schonungslos, aber so empathisch, dass der Leser unmittelbar Sonja Gefühlswelt mit erlebt. Ein Hauch von Tragikomik durchweht die Geschichte. Unter der Oberfläche humoristischer Episoden liegt Trauer. Trauer über nicht ergriffene Chancen und verpasste Gelegenheiten. Diese Trauer trifft den Leser wohl auch deshalb so unvermittelt, weil jeder dieses Gefühl, dieses Bedauern kennt. Umso schöner, dass sich zum Ende hin die Tür zu einem Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit wenigstens einen Spalt breit öffnet. Möge Sonja diese Tür aufstoßen und hinduchgehen können.

Ihre Schöpferin, die dänische Autorin Dorthe Nors hat diese Tür für sich sehr weit aufgestoßen. Sie gilt als Dänemarks große Literaturhoffnung, wahrscheinlich die größte weibliche Hoffnung seit Tania Blixen. Dorthe Nors feierte erste Erfolge in Großbritannien und den USA und ist die erste Dänin, deren Kurz-Geschichten im New Yorker veröffentlicht wurden. In deutscher Sprache erschien bisher der Erzählband Handkantenschlag.


Kategorie: Biographien, Romane
Verlag: Kein & Aber Zürich

Doktor Wassers Rezept

Gustafsson Dr. Wasser

Gustafsson Dr. Wasser Lars Gustafsson sagte über sich selbst, er fühle sich als Philosoph, dessen Werkzeug die Literatur sei. Wie etliche seiner Werke unterstreicht auch sein letzter Roman „Dr. Wassers Rezept“ dies eindrücklich.

Gustafsson war einer der bekanntesten und bedeutendsten Autoren Schwedens, er verstarb im April diesen Jahres im Alter von 80 Jahren. Erst im letzten Jahr erhielt er den Thomas Mann Preis. Seine Dankesrede zur Verleihung ist noch auf seinem Blog nachzulesen. In dieser Rede bekennt er, dass er Thomas Mann auch deshalb bewundere, weil Mann die Trivialität des absurden Lebens aufheben und ihn in eine ganz andere Sphäre versetzen konnte. Diese Worte muten nun nach Gustafssons Tod an, als hätte sich ein Kreis geschlossen. Umso mehr, als mit seinem letzten Buch ausgerechnet die Geschichte eines modernen Felix Krull zu seinem Vermächtnis wurde. Denn Gustafssons „Dr. Wasser“, der seine medizinische Laufbahn als Generaldirektor einer Klinik beendete und sich einen Namen in der Schlafforschung machte, ist gar kein Doktor med. Er ist „nur“ Bo Kent Andersson aus den schwedischen Wäldern, Fensterputzer und Hilfskraft in einer Reifenwerkstatt.

Der junge Bo Kent merkt früh, dass er klug ist, genau genommen: zu klug. Zumindest für das kleine schwedische Karbenning. In der Welt, in die er hineingeboren wurde, hilft ihm Klugheit nicht. Eigentlich müsste für ihn eine andere Welt her. Da findet er eines Tages die Leiche eines schon vor Monaten tödlich verunglückten Motorradfahrers – und dessen Papiere, die den Verunglückten ausweisen als Dr. Kurth Wolfgang Wasser, DDR-Flüchtling und approbierter Mediziner. Dieser Fund gibt ihm einen zufälligen Moment der Freiheit und er verwandelt den „eigentümlich durchsichtigen, fast unsichtbaren schmalen Typ aus Karbenning, die gläserne Mücke“ in einen angesehenen Wissenschaftler. Er entschied sich für den Identitätswechsel „nicht, weil ich mir besonders viel von diesem anderen versprach, sondern weil die Verführung, die von der Idee eines eigenen freien Willens ausging, unwiderstehlich war“. Nun verbringt er seinen Lebensabend als Gewinner, zumindest legen das die Ergebnisse seines Hobbys – Preisausschreiben in allen erdenklichen Formen – nahe. Aber hat er auch in seinem Leben gewonnen? Das ist die Frage, die ihn nun mit dem nahenden Lebensende vor Augen umtreibt. Kann es ihm wirklich reichen, dass er sich heiter fühlt und nicht unzufrieden?

„Doktor Wassers Rezept“ ist weit mehr als ein Schelmenroman über einen gewieften Hochstapler. Gustafsson erzählt mit der Geschichte seines Helden eine Geschichte über riskante Lügen, sinnliche Lieben und fragile Identitäten. Er folgt dabei allerdings keiner stringenten Chronik. Die Erzählung folgt – ganz Gustafssons Selbstverständnis entsprechend – einzig und alleine seinen philosophischen Gedankengängen. Die Versatzstücke des Lebens des Dr. Wasser werden dabei fragmentarisch nur zur Untermauerung der philosophischen Überlegungen gebraucht. Doch auch wenn die eigentliche Romanhandlung immer wieder unterbrochen wird, der doch man neugierig folgen möchte, ist „Dr. Wassers Rezept“ ein ungeheuer spannendes Buch. Spannend schon alleine wegen der Fragen, die das Buch aufwirft. Fragen, die sich wohl jeder zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens stellt. Die ganz existentiellen Fragen darüber, wer man ist, wie man zu dem wird, der man sein möchte, ob man überhaupt die Freiheit hat, selber zu bestimmen, wer man ist und welche Verantwortung man damit übernimmt. Noch spannender, weil Gustafsson sich nicht scheut, zumindest in Teilen Antworten zu geben: „Nein, einen Sinn hat das Leben nicht. Aber man kann ihm einen Sinn geben, vielleicht war es das, was ich tat“.

Ganz besonders spannend ist noch eine ganz andere Frage, die der Roman allerdings nur am Rande aufnimmt: Wie konnte Dr. Wasser damit eigentlich durchkommen? Wieso hinterfragte nie einer die doch so offensichtlichen Diskrepanzen in seiner Geschichte? Selbst die, die ihn aus seiner Kindheit noch als Bo Kent kannten, schluckten die phantastische Geschichte von der Adoption durch ein DDR-Ehepaar und fragten nie weiter nach. „Niemand war wirklich daran interessiert, die Fäden zu entwirren“. Gustafsson findet auch darauf eine Antwort: „Die Menschen füllen Lücken gerne aus. Das ist eigentlich nicht so merkwürdig. Leben ist eine sinnstiftende Aktivität. Leben heisst zu deuten.“ Eine Antwort von bestechender Logik, die eine weitere Frage aufwirft: Wen von unseren Mitmenschen kennen wir eigentlich wirklich und wollen wir ihn überhaupt wirklich kennenlernen? Reicht uns nicht vielmehr das Bild, das wir uns von diesen machen?

Immerhin muss man Dr. Wasser zugute halten, dass er gut war auf seinem Gebiet der Schlafforschung. Er hatte diesen Beruf nicht gelernt, aber er war seine Berufung geworden. Sein Fachgebiet hatte er sich schnell ausgesucht, schien es ihm doch eines der wenigen medizinischen zu sein, auf dem er keinen Schaden anrichten konnte. Hat man auch nicht alle Tage – einen Hochstapler, der keinem je geschadet hat. So zeichnet Gustafsson ganz en passant noch das Bild eines Menschen, auf den ihn in Ansätzen durchaus die Bezeichung „Psychopath“ zutrifft, dem man aber seinen friedlichen, verkreuzworträtselten Lebensabend dennoch gönnt.

Diese Rezension erschien ebenfalls in den Revierpassagen.de


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren, Romane
Verlag: Hanser

Die Seelenfischer-Tetralogie

Seelenfischer Teil 1

Seelenfischer Teil 1 In der ehrwürdigen Villa der Nürnberger Fabrikantenfamilie von Stetten finden Handwerker ein Geheimversteck, in dem rätselhafte antike Bücher und Manuskripte wohl schon seit Jahrhunderten vor sich hinstauben. Ist darunter vielleicht die Karte, die zum sagenumwobenen Familienschatz führt oder sind es geheime Dokumente, die die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttern könnte? Der Bischof von Bamberg, Bruder des Hausherrn wird zu Rate gezogen und damit der Erste, der seinen Einsatz mit dem Leben bezahlt. Er wird mit mittelalterlichen Methoden zu Tode gefoltert aufgefunden.

Wenige Monate später wird der junge Jesuit Lukas von Stetten, Neffe des Ermordeten, vom Generaloberen seines Ordens zu einem konspirativen Treffen beordert. Der schwer krebskranke Glaubensmann erteilt Lukas einen Geheimauftrag und lässt ihn schwören, Stillschweigen zu wahren. Eindringlich weist er auf die Gefährlichkeit des Auftrags hin. Lukas hat noch nicht einmal angefangen, seinen Auftrag auszuführen, da geschieht ein weiterer Mord und plötzlich findet er sich nicht nur im Zentrum der Ermittlungen wieder, sondern muss sich auch gegen diverse Geheimbünde wehren, die ihm unvermittelt und für ihn unvermutet auf den Fersen sind. Dann wird auch noch seine Zwillingsschwester entführt und Lukas steht alleine da. Alleine bis auf die Gesellschaft seiner Jugendliebe Rabea, die als Journalistin durch die Kriegsgebiete dieser Welt reist und nach sechs Jahren Funkstille bei ihm auftaucht. Offensichtlich weiß sie etwas, nur was? Soweit ganz grob zusammengefasst die Ausgangslage von Hanni Münzers Seelenfischer-Tetralogie, die einer der größten Erfolge deutscher Self-Publisher wurde.

Seelenfischer

Drei Bände gibt es, in denen Lukas, Lucie und Rabea sich diverser Machenschaften erwehren und gut gehüteten Geheimnissen auf die Spur kommen müssen. Band eins sind die Seelenfischer, Band drei und vier die Akte Rosenthal in zwei Teilen, zwischengeschaltet als Prequel Band 2 Das Hexenkreuz, welches die Vorgeschichte der Familie von Stetten erzählt. Hanni Münzer schaffte mit dieser Tetralogie ihren vielbeachteten Durchbruch, weitere Bestseller sollten folgen. Der renommierte Piper-Verlag wurde auf die Autorin aufmerksam und verlegte ihr Buch „Honigtot“ wie auch dessen Nachfolger „Marlene„, der im September erscheinen soll. Wiederum im Eigenverlag brachte Münzer den Roman „Solange es Schmetterlinge gibt“ heraus, durch den auch ich auf die Autorin aufmerksam wurde. Die Schmetterlinge und danach Honigtot habe ich mit Vergnügen, wenn auch nicht frei von Kritik gelesen, auch auf Marlene freue ich mich. Da lag es nahe, die Wartezeit mit den epischen Seelenfischern zu überbrücken. Zumal die Autorin sich trotz ihrer Erfolge lobenswerterweise nicht zu schade ist, die Bücher auch über die Kindle-Leihbücherei anzubieten.

Gut. Also die Seelenfischer. Wie soll man sagen? Sie sind nicht schlecht, aber – die Abers überwiegen. An die Qualität von Honigtot oder den Schmetterlingen kommt das Seelenfischer-Epos, welches der Autorin nach wie vor am Herzen liegt, bei weitem noch nicht heran. Auch wenn es hart klingt – aber man merkt deutlich, gerade auch im Vergleich mit den Nachfolgern, dass es ein Debüt ist. Ein zwar ambitioniertes, aber dennoch: ein Anfängerbuch. Bei der Lektüre von Honigtot und den Schmetterlingen dachte man noch, ja gut – da schießt sie manchmal übers Ziel hinaus, lässt ihre Protagonisten etwas arg ausschweifend erklären, aber dafür ist die Handlung flüssig, sind die Dialoge meist ganz spritzig und die Charaktere liebevoll gezeichnet.

Bei den Seelenfischern jedoch ist davon noch nicht viel zu spüren. Die Figuren sind hölzern und kommen einem nicht wirklich nahe, die Handlung ist manchmal an den Haaren herbei und künstlich in die Länge gezogen, um plötzlich und unvermutet in einer nicht wirklich begründeten Auflösung ganz simpel zu enden. Gerade ist eine Bedrohung noch lebensbedrohend, doch drei Belehrungen und fünf semi-philosophische Exkurse später: zack fertig, die gerade noch mit dem Tod Bedrohte kann in ihr Leben hinausspazieren. Dafür wird an anderer Stelle weitergestrickt, einmal, ach was mindestens dreimal zu oft eine Rolle rückwärts vollführt, mindestens einmal zu oft mischt sich ein tot Geglaubter wieder fröhlich ins Geschehen ein und vor allem wird mächtig viel doziert. Vorzugsweise in Dialogen.

Nur ein Beispiel von vielen: Im Showdown der Akte Rosenthal Teil eins stehen sich die Journalistin und ihr Widersacher, der Drahtzieher allen Übels endlich gegenüber, es scheint zur finalen Klärung zu kommen und was ist? Die Beiden haben erstmal nichts Besseres zu tun, als in wohlgesetzten, hochtrabenden Worten die Hitparade diverser Verschwörungstheorien zu erörtern. nicht ohne dem Leser noch einen Abstecher in die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner zu gönnen. Davon war zwar bis dato noch keine Rede – kein Wunder, ist doch auch der Drahtzieher eher überraschend aus der Protagonistentorte gesprungen. (was ganz nebenbei bemerkt alles Miträtseln des Lesers vorher ganz undezent ad absurdum führt.) Aber immerhin: so ist schwupdiwupp mal wieder eine neue Wendung vollzogen, ein weiteres Thema untergebracht. Wenn es nicht so schrecklich ermüdend wäre, wäre es lustig.

Das kann man ohne Wenn und Aber sagen: An Hanni Münzer ist eine Lehrerin verloren gegangen. Nach eigener Aussage schreibt sie für ihr Leben gerne, aber noch offensichtlicher doziert sie gerne. Breitet ihr ganzes Wissen aus, kein Thema zu abseitig, um nicht noch Eingang in die Seelenfischer gefunden zu haben. So ziemlich alles, was in den 2013 Jahren vor Erscheinen des Werkes eine Meldung wert war, ist verwurstet und leider auch erklärt. Auf die Allgemeinbildung ihrer Leser scheint sie zumindest nicht allzu sehr zu vertrauen. Die Seelenfischer wurden gerne als Mischung aus Dan Brown und Rosamunde Pilcher bezeichnet, in beiden Fällen noch etwas arg hoch gegriffen, aber ganz falsch lag man damit nicht. Der Autorin hat es wohl gefallen, denn so episch wie sie geworden sind, waren die Seelenfischer zunächst nicht angelegt. Aber es kamen während des Schreibens immer neue Meldungen hinzu, für die sich doch wohl noch ein Plätzchen finden würde. Und Romantik und Erotik wurde erbeten. Kein Problem, auch das packte Frau Münzer ganz locker rein. Gerade das mittelalterliche Prequel bot sich da ja an. Und da der vierte Teil noch Platz satt bot, wird direkt noch dem nur mäßig getarnten Limburger nunmehr Ex-Bischof ein Opfergewand angezogen und – nur keine Scheu davor, gleich das ganz große Faß aufzumachen – mal eben das globale Energieproblem gelöst. Respekt. Im Nachsatz sogar mit diversen Links belegt. Und Verweisen auf Literatur aus dem Kopp-Verlag. Das lasse ich jetzt mal unkommentiert so stehen.

Was die Vergleiche mit Autoren-Vorbildern angeht, in einem (aber nur in diesem) Punkt setz ich noch einen drauf. Mir fällt da ganz spontan noch eine Autorin ein, die für ihr Leben gerne doziert und unbedingt ihre enorme Allgemeinbildung beweisen muss: Siri Hustvedt. Die immerhin packt ihre Belehrungen in Fußnoten, da kann der Leser sich wenigstens noch frei entscheiden, ob er sich das antun will. Alles in allem kann man die Seelenfischer trotzdem lesen, gerade für den Kindle, den man oft unterwegs dabei hat, sind sie eine gute Alternative. Aber – sie sind kein Bildungsroman à la Hustvedt, kein Thriller à la Brown und auch keine romantische Geschichte à la Pilcher. Sie kratzen nur an der Oberfläche dessen, was die Autorin kann und später auch gezeigt hat. Sehr schade für die viele Arbeit, die sicher darinsteckt und die guten Absichten. Man kann deutlich sehen, auch Frau Münzer musste erst lernen, dass schreiben können leider auch streichen können bedeutet. Auch in den späteren Werken wird noch ein bißchen zu oft und zuviel doziert, aber es hält sich in zumutbaren Grenzen. Frau Münzer kann flüssig und packend erzählen, sie kann Dialoge und am besten wird sie dort, wo man ihre Sympathie für ihre Protagonisten klar erkennt. Natürlich ist es toll, wenn Bücher so gut recherchiert sind, aber man muss dem Leser nicht jedes Recherche-Ergebnis mitteilen. Er kommt auch so klar.

Exkurs 1 : Was Frau Münzer allerdings wohl bereits zu Anfang gewusst und beherzigt hat und woran sich viele, leider zu viele andere Self-Publisher dringend ein Beispiel nehmen sollten: Sie hat sich ein vernünftiges Korrektorat gegönnt. Die Bücher enthalten tatsächlich keine Fehler. Kein Rechtschreibfehler, kein Grammatikfehler, kein Kommafehler. Das sollte eigentlich nicht weiter erwähnenswert sein, ist es aber bedauerlicherweise doch. Und ich bin nicht die einzige Rezensentin, die sich weigert, Bücher, welche vor Fehlern nur so strotzen, zu besprechen. Oder auch nur zu Ende zu lesen.

Exkurs 2 : Auf der Amazon-Seite der Seelenfischer findet man die ++breaking news++ , der Vatikanstaat habe Hanni Münzer den Zutritt verwehrt. man vermutet aufgrund der Enthüllungen in ihrem Werk über die Kirche und den Jesuitenorden, sowie ihrer kritschen Äußerungen darüber. Ganz ehrlich – ich glaube das nicht. Also den verwehrten Zutritt schon. Das glaube ich sofort und ohne jeden Nachweis. Aber der Grund wird ein anderer sein. Enthüllungen und kritische Äußerungen sitzt die Kirche für gewöhnlich milde lächelnd einfach aus. Nein, der Grund liegt nach meinem Dafürhalten im erdichteten Jesus Evangelium. Denn auch hier ist die Autorin deutlich über’s Ziel hinausgeschossen: Jesus ein eigenes Evangelium nachzusagen, welches unter Verschluss gehalten wird, ist eine Sache. Kann man machen. Ist sie nicht die Erste und auch das würde die Kirche milde lächelnd durchgehen lassen. Aber dieses Evangelium dann als Epilog auch noch zu schreiben, Jesus Worte in den Mund zu legen und seien sie auch noch so edel – das ist exakt die Art Anmaßung, die eine Kirche – nicht nur die katholische – nicht duldet. Nur mal so angemerkt.


Kategorie: Belletristik, Romane, Self-Publisher
Verlag: Kindle Edition

Leben heißt frei sein – ein wehmütiges Au Revoir für Benoite Groult

zum Tode der französischen Schriftstellerin und Publizistin Benoîte Groult

Anfang der Woche ist sie gegangen. Aus diesem Leben, das sie so sehr liebte. Die französische Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Benoite Groult. Gesegnete 96 Jahre ist sie geworden, agil, interessiert und stimmgewaltig bis zum Schluß. In Frankreich hatte ihre Stimme großes Gewicht, ihre Sicht der Dinge war auch als ausgleichendes Moment gefragt. In Deutschland war sie weniger für ihren Kampf um die Rechte der Frauen gefragt, sondern hauptsächlich für ihren großen Roman „Salz auf unserer Haut“. Benoite Groult war eine der frühesten Verfechterinnen des modernen Feminismus. Sie stand aber nicht für den freudlosen, verbissenen Feminismus, für den die ein oder andere deutsche Frauenrechtlerin gerade auch der jüngeren Generation bekannt ist und die damit gerade auch jüngere Frauen eher abschreckt. Benoite Groult war die Vertreterin eines – ich nenne es in Ermangelung eines besseren Einfalls einfach mal so – französischen Feminismus, eines lebensbejahenden, sinnlichen Feminismus. Vielleicht hat sie deswegen auch die Bezeichnung Feministin gar nicht so gerne gehört, was sie wollte, war Gleichberechtigung. Und zwar für ausnahmslos alle.

BenoiteGroult

Neben ihren vielfachen Anliegen, die sie nie kompromisslos, aber immer entschieden vertrat, war sie aber vor allem auch eins: Eine begnadete Schriftstellerin und hingebungsvolle Erzählerin mit einem großen Talent für pointierte Charakterzeichnung und exakte Milieu-Genauigkeit. Dabei zauberte sie mit wenigen Worten eine Atmosphäre, in die der Leser sofort eintauchen, um mit ihr den nicht immer einfachen Wegen ihrer Charaktere zu folgen. Charaktere, die Groult mit all ihren Fehlern liebte und über die sie nie richtete. Vor ihrem größten Erfolg „Salz auf unserer Haut“ schrieb sie mit Ausnahme des stark autobiographischen Romans „Leben will ich“ hauptsächlich Essays und mit ihren Anliegen befasste Publikationen.

Salz auf unserer Haut“ erzählt die Geschichte einer lebenslangen Liebe zwischen einem bretonischen Fischer und einer Pariser Intellektuellen. Beide sind verheiratet, ganz traditionell ihren Milieus entsprechend, aber beide leben ihre Affäre ein Leben lang. Groults Heldin George (benannt nach George Sand) nahm sich das Beste aus allen Welten, zu einer Zeit, als Selbstverwirklichung noch kein eigenständiges Gut war. Die Affäre wird zu keiner Zeit dramatisch, aber zu jeder Zeit bittersüß. „Salz auf unserer Haut“ ist eines der ersten Bücher, über die ich lange nachgedacht habe und eines der ganz wenigen, die ein Leben lang nachwirken, die man mehrmals liest und die man nie wieder vergisst. Und da kaum etwas öfter mißlingt, an dieser Stelle auch einmal ein ganz besonderes Kompliment: Benoite Groult konnte Erotik. Subtile, intelligente, aber auch leidenschaftliche erregende Erotik. Selten genug !

Nach diesem Coup de foudre folgten „Leben heißt frei sein“ und „Salz des Lebens“ – (wobei die sich wiederholende Verwendung der Wörter Salz und Leben so nur im Deutschen erfolgte. Aus welchen Gründen auch immer. Gut gemeinter, schlecht gemachter Marketing-Gag vermutlich) Beide Romane sind bei weitem nicht so bekannt wie „Salz auf unserer Haut“, aber jede Lektüre wert. Wem Benoite Groult bisher unbekannt war, dem seien ihre Werke sehr ans Herz gelegt, in erster Linie natürlich „Salz auf unserer Haut“. Nicht nur ich empfinde dieses Buch als eines der wichtigesten des letzten Jahrhunderts. Aber schließt Eure Bildungslücke nicht mit dem Film zum Buch. Der Film ist zwar nicht wirklich schlecht, wird der Romanvorlage aber nicht gerecht. Vor allem, weil er es an keiner Stelle schafft, die durchgehende konsequente bittersüße Atmosphäre des Buchs zu übertragen.

Mehr über mich, mehr von Belang

Die Muchachas-Trilogie

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So schnell kann es gehen. Gerade noch feierten wir ein frohes Wiedersehen mit Josephine Cortès und ihren Töchtern, tanzten mit ihr in den Tag, stürzten uns kopfüber ins Leben, schon müssen wir uns wieder verabschieden und lassen liebgewordene Muchachas „nur einen Schritt vom Glück entfernt“ zurück.

Teil drei der neuen Trilogie von Katherine Pancol ist erschienen und ihre LeserInnen schauen zurück auf einen Frühling, der von ganz besonderen Freundinnen begleitet wurde. In den Monaten März, April und Mai erschien jeweils ein Teil der Muchachas-Saga und versorgte uns mit sehnlich erwarteten Neuigkeiten über die Frauen, die uns teilweise schon seit Katherine Pancols erster Trilogie so vertraut waren. Die Schicksale der Muchachas werden unabhängig voneinander erzählt, wobei sich ihre Wege gelegentlich kreuzen. Wir lesen von ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen und Schicksalen, aber eines verbindet die Frauen: der Wille, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihm das Beste abzutrotzen.

Die Erwartungen waren nach der überraschenden ersten Trilogie hoch geschraubt und – auch wenn ich die Muchachas sehr gerne gelesen habe – der Nachfolger erreicht die selbst gelegte Latte nicht ganz. Die Geschichten sind nicht so dicht wie von der Autorin gewohnt und kratzen wenig mehr als die Oberfläche. Katherine Pancol erzählt Geschichten von Liebe und Freundschaft, von Mode und Kunst, vom Leben in großen Städten und bodenständigen ländlichen Gebieten, von Rache und großen Gefühlen. Das alles in ihrem ganz eigenen Stil: mal plaudert sie unterhaltsam , mal gleitet sie unvermutet in nachgerade phantastische Geschichten ab, immer aber mit viel Liebe und Empathie zu ihren Figuren. Katherine Pancol ist eine Erzählerin, die mit Herzblut erzählt, man könnte sagen, in gutem Sinne ist sie eine begnadete Märchenerzählerin. Das kann sie, damit macht sie ihren LeserInnen viel Freude. Aber – sie wäre gut beraten, wenn sie es auch dabei belassen würde.

Was sie nicht kann, ist Sozialkritik. Sie erzählt in den Muchachas in bekannter Manier von der ehrgeizigen Hortense, der talentierten Geigerin Calypso, der verträumten Josephine. Dass sie zwischendurch Anleihen bei Erfolgsformaten wie Sex and the City nimmt – geschenkt. Kann man machen, hätte sie eigentlich nicht nötig. Aber all diese Geschichten reichen ihr diesmal nicht. Sie hat den Ehrgeiz, ein dunkles Thema mit in ihren Roman zu packen – und verhebt sich daran ganz gewaltig. Es geht diesmal auch um Gewalt in der Ehe und Mißbrauch in der Familie. Im Nachwort erzählt sie eine beobachtete Begebenheit, die sie zu diesem schweren Thema gebracht hat. Dieser Bericht ist wahrhaftig und macht betroffen, man glaubt der Autorin sofort, wie wichtig es ihr danach war, dies in ihre Bücher mit aufzunehmen.

Alleine – sie schafft es nicht, diese Betroffenheit, diese Wahrhaftigkeit mit in die Erzählung zu nehmen. Sie bleibt ihrem Märchenstil treu, wirkt dadurch vage und das hinterlässt beim Leser ein äußerst schales Gefühl. An keiner Stelle, zu keiner Zeit wird wirklich klar, warum Leonie – die mißhandelte Ehefrau und Frau – das alles einfach so hingenommen hat und schon gar nicht, wie sie zulassen konnte, was mit ihrer Tochter geschah. Die Erklärungsversuche im dritten Band jedenfalls sind noch weniger als halbherzig. Wo Pancol es sonst an jeder Stelle mit Leichtigkeit schafft, den Leser zum Komplizen zu machen, hier verärgert sie. Klassischer Fall von gut gemeint ist noch nicht gut gemacht.

Den ungetrübtesten Lesespaß hat man daher mit Band 2, in dem sich vor allem Hortense und ihr Umfeld kopfüber ins Leben stürzen und die Geschichte von Leonie und ihrer Tochter außen vor bleibt. Zu Beginn von Teil 3 haben es alle Figuren an einen Wendepunkt geschafft, von dem aus sie dem Ende ihrer Geschichten zustreben. Es liegt bei ihnen selbst, wie sie das Erlebte verarbeiten, sie haben es selbst in der Hand, den letzten Schritt zum Glück zu wagen. Für einige ist dies die Zeit der Befreiung. Oder Hoffnung. Das ganz besondere Markenzeichen der Autorin hier wie auch in der ersten Trilogie: Sie gesteht ihren Figuren das Recht auf Rache zu und ermöglicht damit den Lesern das Vergnügen einer erlebten Stellvertreter-Gerechtigkeit. Und bei aller Scheherazade-Phantasterei widersteht sie der Verlockung von grandiosen Happy Ends. Dabei hätte man ihr das noch nicht einmal übel genommen. Aber so bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung. Auserzählt sind die Geschichten noch nicht. Da geht noch was.

Alles in allem: Trotz der bemängelten Stellen war es schön, diesen Frühling von den Muchachas begleitet zu werden. Wie die Jahreszeit verhießen auch die Geschichten der Freundinnen einen neuen Aufbruch. Leicht zu lesen, aber nicht so leicht zu vergessen. Sagen wir es mit der Autorin: „Niemand erinnert sich am Ende seines Lebens an die Nächte, in denen er gut geschlafen hat“. Aber an die Muchachas werden wir sicher noch ein bißchen denken.

Noch einmal der bereits in der ersten Rezension gegebene Hinweis: Die einzelnen Teile sind nicht ins sich abgeschlossen, die „Muchachas“ sind eher eine Serie zum Lesen als eine herkömmliche Trilogie.


Kategorie: Romane
Verlag: Carl´s Books

Die Geschichte der Baltimores

Baltimores

Baltimores Die Goldmans sind eine ganz besondere Familie, so besonders, dass es gleich zwei Clans von ihnen gibt: Der eine Teil lebt in Baltimore in Saus und Braus, der andere ein mühsames Mittelklasseleben im New Yorker Vorort Montclair. Die Großeltern benannten der Einfachheit halber ihre Familienzweige nach den Wohnorten und dabei ist es geblieben. Es gibt die Baltimores und die Montclairs.

Ein Hauch Grausamkeit schwingt dabei mit. „Die Baltimores“ wird immer mit leichter Ehrfurcht in der Stimme ausgesprochen, „die Montclairs“ eher abfällig betont. Marcus Goldman gehört zu den Montclairs, aber in den Ferien wird er zu einem Baltimore. Er bewundert den reichen Teil seiner Familie über alles und wäre nur zu gerne wie sie: erfolgreich, elegant und vom Habitus der Unbesiegbaren umweht. Mit seinem hochintelligenten, aber sozial schwachem Cousin Hillel und dessen wehrhaftem Freund Woody, den die Baltimores als zweites Kind im Hause aufgenommen haben, bildet er die Goldman Gang. Sie sind jung, sie haben Träume, gemeinsam sind sie unschlagbar. In Baltimore so scheint es, ist das Leben leichter und schillernder. Und ja – es ist DER Marcus Goldman. Der Schriftsteller, der uns schon das Buch im Buch über die wahre Geschichte des Harry Quebert geschenkt hat. Seit diesen Ereignissen sind zu Beginn des neuen Romans des Schweizer Ausnahmeschriftstellers Joël Dicker vier Jahre vergangen. Wir schreiben das Jahr 2012 und Marcus räumt in Florida das Haus seines Onkels Saul, des einstigen Baltimore-Onkels aus. Was mit dem Onkel geschah und seiner glanzvollen Familie – das erfahren wir zunächst nicht. Aber von Anfang wissen wir, dass das Märchen von den Baltimores ein brutales Ende haben wird.

Marcus trifft in Florida seine Jugendliebe Alexandra wieder, mittlerweile eine gefeierte Sängerin. Alexandra ist ein Teil der Geschichte, sie hat den Zauber der Baltimores nicht nur miterlebt, sondern auch mitgeprägt. Marcus wird von seinen Erinnerungen an die schönsten Monate seiner Jugend überrollt. Doch die Rückschau ist auch schmerzhaft, denn ihm wird klar, der Keim für die Katastrophe, welche über die Baltimores hereinbrechen sollte, wurde früh gelegt. Aber immer noch vermisst er die Goldman-Gang und er weiß, dass er diese nur zurückholen kann, wenn er von ihr erzählt. Eigentlich will er ihnen ein Denkmal setzen, aber auch ein noch so begabter Schriftsteller wie Marcus Goldman kommt an der Wahrheit nicht vorbei. Dennoch oder gerade deshalb schreibt er die Geschichte der Baltimores in einer Melange aus traditionellem Familienroman und coming-of-age Geschichte. Er berichtet vom Aufstieg und Fall der Baltimores und entlarvt dabei auch seine eigenen Selbsttäuschungen, Die Montclairs spielen eine untergeordnete Rolle, zunächst. Doch irgendwann wird klar, was Alexandra immer schon wusste: Dass die Montclairs der bessere Teil des Clans waren. Und am Ende nur die Menschen zählen, die man liebt und von denen man geliebt wird.

Wieder zeigt Joël Dicker, wie gut er Charaktere und Situationen zu zeichnen vermag, wie aufmerksam er menschliche Abgründe erfühlt und aus all dem dramatische Spannung erzeugt. Auch dieser Roman ist erstaunlich komplex, dabei mit Leichtigkeit auf verschiedenen Zeit-und Handlungsebenen beleuchtet. Nach und nach sehen wir, dass die Baltimores eine Familie sind, die viel Zeit damit zubringt, ihr eigenes Image zu pflegen. Vergangenes – und sei es noch so belastend – wird nicht aufgearbeitet, alle zeigen sich von ihrer besten Seite und es funktioniert. Die Großeltern, die Montclairs, Marcus – sie alle sehen nur das, was sie sehen sollen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht eine Katastrophe, auf die alles zusteuert, die aber keiner kommen sah. Zu perfekt war das Image. Ein weiteres wiederkehrendes Thema im Roman ist Eifersucht. Eifersucht, die nicht nur in der Liebe, auch in einer Freundschaft zum vorherrschenden Gefühl werden kann. Eifersucht ist ein beschämendes Gefühl, aber auch eines, das Energien freisetzen kann. Leider nur allzu oft düstere Energien, die in Verrat münden, wenn man sie nicht kontrollieren kann. Die Frage, wieviel Rivalität Freundschaft verträgt, wird zum Überlebenskampf.

In meiner Rezension zum erstem auf deutsch erschienenen Roman des Genfer Juristen und Schriftsstellers Joël Dicker „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ schrieb ich „Ein Buch wie ein Autounfall. Man will nicht hinsehen, tut es aber doch man kann einfach nicht aufhören, zu lesen. Vollkommen unmöglich.“ Mit der Geschichte der Baltimores ist es genauso, ganz genauso. Man sollte sich besser für die kommenden Tage nicht allzu viel vornehmen, wenn man mit diesem Buch beginnt. Der Roman zieht einen einfach zu tief in einen ganz besonderen Sog und das Schlimmste daran: Man weiß nicht wirklich, wie der Autor das macht. Joël Dicker bedient sich einer unprätentiösen, klaren Sprache. Seine Cliffhanger am Ende eines Kapitels sind nicht allzu spektakulär, seine Charaktere sind fein gezeichnet, so richtig verliebt man sich dennoch nicht in sie und dennoch: Man kommt einfach nicht weg von dieser Geschichte, man kann sich dem Zauber, den Dicker entfaltet, einfach nicht entziehen. Es ist, als ob man zur Familie der Goldmans gehört, als ob einem der Wind eine Geschichte erzählt, die Geschichte von Dir und mir, die Geschichte von uns allen. Dicker erschafft Welten, die einem fremd sind, zu denen man sich aber zugehörig gefühlt. Eifersucht, Neid, Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Zugehörigkeit, der Wunsch, etwas darzustellen – das sind Gefühle, die jeder kennt. Gefühle, die jeden von uns antreiben. Und Dickers Geschichten erzählen davon, was diese Gefühle mit uns und unserem Beziehungsgeflecht machen und wo sie hinführen können. Vielleicht ist es das, was so fesselt an seinen Büchern: Er schafft Situationen, in die man sich gut hineinversetzen kann und man erkennt sich wieder, man will einfach wissen, wie es ausgeht, wenn eine Person so handelt, wie man es selber vielleicht schon oft gedacht hat. Und dabei ist die Geschichte phantastisch genug, dass sie den Zauber des uns Fremden, einer ganz anderen Welt darüber legt.

Das Buch endet acht Jahre nach der Katastrophe und wir erfahren noch, wie es den Überlebenden gegangen ist. Vor allem müssen sie erkennen, dass es die eine alles bestimmende Katastrophe nicht gibt. Es gibt nur Katastrophen, große und kleine, wenn auch manche Katastrophen so gewaltig sind, dass sie einen Schlusspunkt setzen. So banal, so schrecklich. Vielleicht müssen wir lernen, was der bewunderte Onkel am Schluss des Buches erkennt: Katastrophen sind unvermeidlich, sie haben im Grunde keine große Bedeutung. Wichtig ist nur, wie wir sie überwinden. Die letzten Seiten widmen sich der Versöhnung und hätten eine üble Kitschorgie werden können, aber Dicker bleibt auf seinem Kurs. Das Ende ist bittersüß mit einer Prise tieftraurig, aber auch ehrerbietend und sehr wahrhaftig. Weil es in wenigen Worten das Fazit resümiert, welches Dicker so sehr am Herzen liegt: man kann nicht glücklich werden, wenn man nicht verzeihen kann. Nicht nur denen, die einem etwas angetan haben, auch sich selbst.


Kategorie: Gesellschaftsroman, Romane
Verlag: Piper München, Zürich

Unterleuten

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042_87487_164196_xxl „Mit Unterleuten habe ich alles gegeben, was ich konnte, um einen Gesellschaftsroman für unsere Zeit zu schaffen.“* – So die hochgelobte, hochdekorierte Schriftstellerin Juli Zeh über ihren Roman „Unterleuten„. Keine Frage: so eine Ankündigung – demütig und selbstbewusst zugleich – macht neugierig. Ungemein neugierig. Auch wenn man bisher nicht gerade als großer Fan der Autorin aufgefallen ist. Das Fazit vorab: Juli Zeh hat das Genre Gesellschaftsroman zwar nicht neu erfunden, aber sie hat es neu belebt. „Unterleuten“ ist ein großartiger Gesellschaftsroman, einen besseren hat es in Deutschland lange nicht gegeben.

Nicht weniger als 11 Hauptpersonen gönnt sich Juli Zeh für ihren Roman, die einzelnen Kapitel sind aus den unterschiedlichen Perspektiven dieser Personen erzählt. Dazu kommt die übergeordnete Erzählerin, die sich erst im letzten Kapitel zeigt und die Geschehnisse resümiert. (Dies im übrigen die einzige Meta Ebene, die sich im Buch selber findet. Aber nicht die einzige Meta Ebene im Zusammenhang mit diesem Buch, wie sich nach Veröffentlichung zeigte. Doch dazu später.)

Das Geschehen spielt im fiktiven Dorf mit doppeldeutigem Namen: „Unterleuten“ in Brandenburg, gar nicht weit weg von Berlin, aber doch eine ganz andere Welt. Unberührte Natur, seltene Vogelarten, Pittoreske pur, aber die Idylle täuscht. Das Dorf wird beherrscht von einem unsichtbaren und nur den Alteingesessenen verständlichen und für sie logischen Beziehungsgeflecht, welches die Geschicke der Dorfbewohner maßgeblich bestimmt. Sie wissen genau, wer wem einen Gefallen schuldet, nutzen diese als die eigentliche Währung, die in Unterleuten zählt und schaffen so eine Art rechtsfreien Raum. So haben sie es in der DDR gehalten, so halten sie es heute.

Zugezogene Stadtflüchtige wie der Vogelschützer Gerhard Fließ und seine kleine Familie haben es da schwer. Dabei wollen sie doch eigentlich nur der Tochter ein unbeschwertes Leben auf dem Lande ermöglichen und der ihnen „heilige Aufgabe“ nachgehen, „das Bestehende gegen die psychotischen Kräfte eines überdrehten Fortschritts zu verteidigen„. Sie wollen ihr bisheriges Leben hinter sich lassen, anstatt an ihm zu verzweifeln. Kaschieren durch geschickte Deko aber lediglich, dass sie in diesem Leben noch nichts wirklich auf die Beine gestellt haben. Nun sitzen sie bei Tag und Nacht hinter runtergelassenen Rollos, weil ihr Nachbar unablässig giftigen Müll auf seinem Schrottplatz verbrennt. Sie wissen weder, warum er es tut – vielleicht als Strafe für etwas, das sie getan haben, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein – noch, wie sie es stoppen können.

Besser arrangiert sich da die Pferdeflüsterin Linda Franzen, die in Unterleuten ein Gestüt von internationalem Renommee aufbauen will, widerwillig unterstützt von ihrem Lebensgefährten, der eigentlich lieber in der Küche eines Berliner Start-Ups sitzt und Computerspiele entwirft. Linda orientiert sich am Werk des Motivators Manfred Gortz „Mein Erfolg“ und handelt ganz nach der Maxime „Wer eine Situation inszeniert, ist ihr Herr“. Die Widerstände um sie herum lassen sie völlig unbeeindruckt, ihre Nachbarn hält sie für Menschen, die noch während des Weltuntergangs die Ellenbogen auf die Gartenzäune stützen und Sätze wie „irgendwas ist immer“ sagen.

In diese fragile Gesellschaft fällt eines Tages eine der gefürchteten „Heuschrecken“ ein. Einen Windpark will der Investor errichten, für einige winkt schneller Reichtum. Schnell bekommen die potentiellen Verkäufer der geeigneten Grundstücke den Hass der Dorfbewohner gratis dazu. Die Zugezogenen erkennen die schon in der Großstadt verhassten Mechanismen wieder und stellen sich gegen diese „sich selbst subventionierende Gutmenschenbürokratie„, die Alteingesessenen wehren sich dagegen, dass die Randgebiete „zur Rumpelkammer der Zivilisation“ verkommen.

Unterleuten“ stellt die große Frage unserer Zeit: Gibt es noch, kann es noch ein Miteinander, eine Moral geben jenseits von Eigeninteresse? Das Dorf dient dabei als komprimierter Mikrokosmos, die handelnden Personen sind examplarisch und lassen sich überall beobachten – ebenso wie die immer größere Geringschätzung von Prinzipien und moralischen Werten. Sie alle sind getrieben von Verlustängsten, sie fürchten ihre Tradition, ihre Heimat zu verlieren und haben doch allzu oft einfach nur Angst vor Veränderung. Für sie bedeutet Veränderung in erster Linie „Ungeheuerlichkeiten in immer neue Gewänder zu kleiden„. Am Ende kämpft in Unterleuten jeder für sich – allen geschlossenen Allianzen zum Trotze. Sie alle wollen immer nur „das Beste“, doch alleine die Frage danach, was denn „das Beste“ sei, bringt das Schlimmste in den Menschen hervor. Es geht in „Unterleuten“ nur vordergründig darum, wie schnell der Traum vom Landleben zum Albtraum wird oder um den ewig schwelenden Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Juli Zeh zeigt mustergültig, wie ungeheuer fragil ein Miteinander ist und wie schnell es bedroht wird, ja sogar in Gewalt zu eskalieren droht, wenn Einzelne ihre Interessen bedroht sehen.

Die Thematik und die Handlung erscheinen auf den ersten Blick als Lesestoff schwer verdaulich. Doch weit gefehlt: Selten so gut auf so hohem Niveau unterhalten worden. Juli Zeh hat einen formidablen Rundumschlag geschafft. Kaum ein Thema unserer Zeit, welches nicht Eingang in den Roman gefunden hat. Umso bewundernswerter die Leichtigkeit, mit der Juli Zeh all das komprimiert und spannend erzählt. Trotz der dauernden Perspektivwechsel treibt die Autorin ihre Handlung entschlossen voran. Überhaupt – diese Perspektivwechsel. Sie gelingen Juli Zeh außerordentlich gut, mit einer ganz erstaunlichen Konsequenz zeigt sie kompromisslos die Sichtweise jedes einzelnen Charakters. Jedes Kapitel, jede Perspektive ist in sich schlüssig, der Leser bringt all ihren Protagonisten das gleiche Verständnis und gelegentliche Unverständnis entgegen. Was den Leser zum Schluss in sicher gewollter Verwirrung verharren lässt. Jeden konnte man verstehen in seinen Beweggründen und man selbst kann die Frage nicht beantworten, zu wem man gehalten hätte. Aber man kann die verstehen, die sich scheuen, die „toxische Frage nach Schuld oder Unschuld“ zu stellen. Juli Zehs Kunstgriff ist, sich selbst sich jeden Urteils zu enthalten. Sie wertet nicht, weder Charakterzüge noch Beweggründe, sie erzählt es „nur“. Dies aber anteilnehmend, mitfühlend, verständnisvoll, keine menschliche Neigung ist ihr fremd.

Wenn man überhaupt etwas an „Unterleuten“ richtig schlecht findet, dann dies: Der Roman ist so rund in sich abgeschlossen, dass eine Fortsetzung wohl undenkbar ist. Leider. Aber – um nun zurückzukommen auf die auf den ersten Blick und bei bloßer Lektüre des Buches nicht erkennbaren Meta-Ebenen – man kann sich ganz prima noch eine Weile nach Lektüre in den Weiten des world wide web und in diversen Feuilletons amüsieren ob der Frage nach Schein oder Sein oder Nichtsein: Denn natürlich muss man als begeisterter Leser nach Lektüre erstmal schauen, ob es das von Linda Franzen so episch zitierte Werk des Manfred Gortz überhaupt gibt. Es gibt es. Irritiert fragt man sich aber doch, ob Juli Zeh neben all ihren anderen Fähigkeiten auch das Talent zur Zeitreise entdeckt hat. Ist „Mein Erfolg“ doch erst 2015 erschienen und Juli Zeh hat nach eigenem Bekunden über 10 Jahren mit Unterbrechungen an „Unterleuten“ gearbeitet. Wie kann sie da dauernd dieses Werk zitieren? Oder hat sie auf den letzten Metern alles kurzentschlossen umgeschrieben?

Und überhaupt! Ist das nicht schon nahe dran an Copy and paste? Hat Juli Zeh etwa plagiiert? Das frage nicht ich, das fragten aufgeregt diverse renommierte Feuilletonisten. Derweil twittert Manfred Gortz genüßlich vor sich hin, veröffentlicht auf Youtube eine Stellungnahme – den Schal passend zur Gesichtsfarbe – und zeigt sich ganz und gar entzückt davon, von Juli Zeh so expressiv zitiert worden zu sein. Man will ja auch den Verlagsfrieden nicht stören, ist „Mein Erfolg“ doch unter demselben Dach wie „Unterleuten“ erschienen. Blöd nur, dass er Interviews nur per Mail gibt, dabei auch noch mit einiger Chuzpe „Cybris“ (ein Fake von Sascha Lobo und Volker Weidermann, welches für etliche Schlagzeilen sorgte) als Lieblingsbuch empfiehlt und trotz aller investigativer Bemühungen diverser Rechercheure keiner zu finden ist, der Manfred Gortz jemals kennengelernt hat, geschweige denn eines seiner Seminare besucht hat.

Dazu kommen die Webseiten des Vogelschutzbundes Unterleuten mit der Überschrift „Bei uns piept’s“ und die Seite des Unterleutener Gasthauses Märkischer Landmann, der gerade Fischeintopf im Angebot hat. Ins Impressum der Webseiten guckt man dabei besser nicht. Denn – will man es wirklich so genau wissen? Will man zum „Killjoy“ werden, jener Typus, den Linda Franzen und Manfred Gortz so verachten – der Typ, der anderen den Spaß verdirbt, weil er selbst keinen hat. Nein, das will man nicht. Den Spaß an Unterleuten verlängert die Websuche allemal. Zitieren wir die Autorin ein letztes Mal: „ich dachte, alles was im Internet steht, existiert auf alle Fälle„. Ein Schelm, der bei dem Ganzen an eines der frühen Werke Juli Zehs denkt: Spieltrieb.

Prädikat: Unbedingt empfehlenswert! Lesen! Stellt sogar Leute zufrieden, die die Buddenbrooks für das Maß aller (Gesellschaftsroman)-Dinge halten.

*Zitat Juli Zeh im Interview des Buchjournal eins.2016 des deutschen Buchhandels


Kategorie: Gesellschaftsroman, Roman
Verlag: Luchterhand

Muchachas – Tanz in den Tag

Muchachas1

Der Leser nun ist mit den Eichhörnchen traurig. Traurig aus nur einem einzigen Grund: Weil er sich von liebgewonnenen Charakteren und wundersamen Geschichten verabschieden muss.“ Das schrieb ich vor etwas mehr als zwei Jahren nach beendeter Lektüre von „Montags sind die Eichhörnchen traurig„, dem dritten Band der Josephine-Trilogie, mit der sich die französische Überraschungs-Erfolgsautorin Katherine Pancol in die Herzen von Millionen Lesern geschrieben hatte.

Und ich war ehrlich traurig. So, so gerne wollte ich wissen, wie es mit der liebenswerten, leicht verrückten französischen Sippschaft weitergeht. Aber nun! Nun ist Schluß mit traurig. Katherine Pancol ist wieder da und mit ihr die ewig zaudernde, aber stets tapfere Josephine, ihre ehrgeizige Tochter Hortense und ihre verträumte Tochter Zoé. Und ich weiß endlich, wie es mit ihnen weitergegangen ist. Dennoch – um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen – die Familie Cortès steht diesmal nicht im Mittelpunkt der neuen Saga von Katherine Pancol. Bei den „Muchachas“ geht es um gleich mehrere Frauen. Ihre Schicksale werden unabhängig voneinander erzählt, wobei sich ihre Wege auf unterschiedlichste Art und Weise kreuzen. Wir lesen von ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen und Schicksalen, aber eines verbindet die Frauen bei aller Verschiedenheit: der unbedingte Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen und das ganz eigene Glück zu finden.

Muchachas1Im gerade erschienenen ersten Teil der „Muchachas -Tanz in den Tag“ bekommt die Geschichte von Stella und ihrer Mutter Leonie, die unter dem gewalttätigen Vater und Ehemann leiden, den größten Raum. Die junge Schrotthändlerin Stella lernen wir als mutige alleinerziehende Mutter kennen, ihre Mutter Leonie ist durch die ständigen Mißhandlungen und Demütigungen ihres Mannes nur noch ein Schatten ihrer selbst. Während die anderen Geschichten weitestgehend in den Metropolen dieser Welt spielen, entdeckt man in Stellas und Leonies Geschichte eine andere, eine dunklere Welt, die des ländlichen, eigentlich bodenständigen Bourguignon.

Josephine und ihre Tächter tauchen als mit diesen Frauen verbundene Nebenfiguren wieder auf und so erfahren wir quasi by the way nach und nach, wie es ihnen ergangen ist. Reicht aber völlig, um die Neugier zu befriedigen, sogar Junior taucht wieder auf. Darüberhinaus lernen wir noch einige neue Charaktere kennen – so die auf den ersten Blick unscheinbare Musikerin Calypso. Und auch wenn von ihnen im ersten Teil nur am Rande die Rede ist, wir ahnen schon, dass sie in den weiteren Teilen eine größere Rolle spielen werden. Spannung aufbauen, das kann die Pancol unberufen.

Die einzelnen Teile der Muchachas sind nicht in sich abgeschlossen, das Projekt ist eher als ein großer Roman in drei Teilen angelegt. Es ist mehr eine Serie zum Lesen als eine herkömmliche Trilogie. Glücklichwerweise müssen wir diesmal nicht allzu lange auf die Fortsetzungen warten, alle drei Teile werden dieses Frühjahr hintereinander weg erschienen. Jeden Monat ein Band, so ist der Plan. Sozusagen binge-reading nach dem Vorbild des bei visuellen Serien so beliebt gewordenen binge-watching. Inclusive Cliffhanger. Diverser Cliffhanger, um genau zu sein.

Die Muchachas erscheinen als preisgünstigeres Soft-Cover. Band 2 „Muchachas – Kopfüber ins Leben“ erscheint am 11. April und der finale dritte Band „Muchachas – Nur ein Schritt zum Glück“ am 9 Mai. Danach gibt es dann auch eine ausführliche Rezension und Bewertung des gesamten Romanprojekts. Für Band eins gibt es auf jeden Fall schon mal eine klare Leseempfehlung – ich habe sehr gerne mit den Muchachas in den Tag getanzt.


Verlag: Carl´s Books