… und aus bist du

Nika Lubitsch hat mit »… und aus bist du«, dem Erstling einer neuen Reihe von Berlin-Krimis, ein spannendes Feld betreten: Gemeinsam mit Michael Hellmann, einem langjährigen Ermittler bei einer Berliner Mordkommission, schreibt sie Polizei-Krimis mit dem Anspruch, die Realität ohne Sozialromantik abzubilden und die Möglichkeiten der Zukunft aufzuzeigen. Der Leser wartet nun gespannt darauf, ob diese Besonderheit das Buch einzigartig und unverwechselbar macht. Continue reading


Genre: Krimi, Polizei-Krimi
Illustrated by Selbstverlag

Der 7. Tag / das 5. Gebot

Die Kritik feiert sie gerne als E-Book-Queen. Die Autorin Nika Lubitsch ist einer der Stars in der deutschen Self-Publisher-Szene. Ihr Krimi der 7. Tag führte lange die Kindle Bestsellerliste an, dankenswerterweise gelang es ihm sogar, die Shades of Grey von der Spitze zu verdrängen. Wie man hört, hat sich Oliver Berben bereits die Filmrechte gesichert. Im Frühjahr legte Nika Lubitsch mit dem Krimi das 5. Gebot nach. Der große Erfolg führte dazu, dass beide Bücher nunmehr auch als Taschenbuch und der 7. Tag sogar als Hörbuch erhältlich sind.


Beide Bücher sind im Genre Krimi/ Thriller angesiedelt.  Der 7. Tag ist auf den ersten Blick ein klassischer Gerichtskrimi. Es geht um eine junge Frau, Sibylle,  die des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt ist. Sie kann sich an nichts erinnern und während sie auf der Anklagebank sitzend die Zeugenaussagen verfolgt, zieht vor ihrem geistigen Auge ihr Leben an ihr vorbei – immer ohne dass sie selbst weiß, ob wirklich sie ihren Mann ermordet hat. Am siebten Tag des Prozesses  erkennt Sybille plötzlich die Wahrheit. Sie muss sie nur noch beweisen.

 

Der 7. Tag ist zweigeteilt plus Epilog. Der erste Teil ist in den Handlungsrahmen Gerichtsprozeß eingebettet, neben diversen Zeugenaussagen und Sybilles Gedanken beschliesst ein Zeitungsartikel mit einer Zusammenfassung des jeweiligen Prozesstages die einzelnen Kapitel. Der zweite Teil des Buches bedient sich noch einmal eines ganz anderen Stils, dem einer Dokumentations-Serie eines Magazins.  In diesem Buch ist es weniger der eigentliche Plot als der häufige Stilwechsel, der für Spannung sorgt. Man ahnt relativ schnell, worauf die Geschichte hinausläuft, aber das bereitet dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Auch die bei dieser Art des Aufbaus ständigen Wiederholungen sind nicht störend, im Gegenteil – das Buch bezieht seine Spannung daraus, dass man mehrere Seite ein und derselben Medaille zu betrachten bekommt.

 

Im  5. Gebot geht es ebenfalls um klassische Krimi Plots. Diesmal um eine junge Britin, die im Berliner Grunewald die Leiche einer Frau findet, die ihr wie ein Ei dem anderen gleicht. Die Protagonistin ahnt bald, dass es dunkle Familiengeheimnisse gibt und ein mörderischer Wettlauf quer durch Europa beginnt. Das 5. Gebot ist stilistisch einheitlicher, vom Tempo her aber nicht weniger rasant. Hier hat Nika Lubitsch sich mehr auf die eigentliche Handlung konzentriert. Allerdings sind die Handlungsverläufe manchmal arg konsturiert und erwecken den Eindruck, ihr wären die Ideen ausgegangen. Ganz ehrlich – hätte der Ehemann auch nur noch ein einziges Mal sein Handy verloren, ich hätte das Buch zugeklappt und die Auflösung wäre mir egal gewesen. Eine relativ einfach gestrickte Auflösung im übrigen. Wenn man die Energie bedenkt, die der Täter im Vorfeld aufgewandt hat, dann ist das Ende schon arg dürftig. Ebenso wie die Auflösung der Einschübe, welche eine falsche Fährte legen sollen. Nichts gegen falsche Fährten, aber die Auflösung der – nennen wir sie „Luder- Einschübe“ hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Sie macht einen Mann, der an und für sich so angelegt  war, dass er einer der interessantesten in der ganzen Geschichte hätte sein können, komplett unsympathisch und vergällt einem auch die Freude am kleinen Happy End, dass man zumindest diesem Mann ganz und gar nicht mehr gönnt.  Dafür allerdings entschädigt die Auflösung des Familiengeheimnis mehr als genug. Die Einbindung in den geschichtlichen Kontext hat die Autorin wirklich gut hingekriegt, diese Zusammenhänge liest man mit großer Neugier, welche dann auch befriedigt wird.

 

Beiden Krimis gemein ist die nicht sehr tiefe Charakterzeichnung, aber für einen Krimi ist das gerade noch ok. Beide Bücher sind durchaus spannend, auch wenn die Plot-Auflösungen beide Male zu schnell und zu glatt vonstatten gehen. Da ist noch gut Luft nach oben. Nika Lubitsch Schreibstil ist versiert und lässig zugleich, nur manchmal rutscht sie da ein wenig ab, der – wenn auch seltene – Gebrauch von Umgangssprache wirkt bemüht und fehl am Platz. Beispiel: Victoria, die Heldin im 5. Gebot ist einfach nicht so angelegt, als dass sie für ein Handy ausgerechnet den Begriff „Quatsche“ benutzen würde. Ebenfalls störend sind dauernde Wiederholungen. Nicht in der Handlung, (s.o)., aber in der Erklärung von Begleitumständen. Da kann man dem Leser ruhig etwas zutrauen. Der kann sich durchaus merken, dass Heldin A von Beruf Pressesprecherin ist und welche Joggingrunde Heldin B. nun genau gedreht hat.

 

Man verstehe mich nicht falsch – ich habe beide Bücher gerne gelesen und fühlte mich prima unterhalten. Meine Kritteleien sind Kritteleien an einem guten Niveau. Es steht Krimi drauf, es ist Krimi drin – mehr braucht es eigentlich nicht, um beide Bücher gerne als entspannende Urlaubslektüre zu empfehlen. Nika Lubitsch liefert beileibe keine Mogelpackung, ihre Bücher sind eine echte Alternative zu den allseits bekannten Krimiautorinnen, zumal sie in ihren Geschichten komplett auf das oftmals anödende Polizei-Hickhack verzichtet. In beiden Geschichten durchlebt die Heldin aufgrund der Geschehnisse eine Art Katharsis und man kann sich auch durchaus eine Art Moral aus den Büchern mitnehmen: Die Erkenntnis, wie sehr sich Freundschaften im Laufe eines Lebens und unter dem Eindruck von dramatischen Ereignissen verändern können. Das hat die Autorin wirklich gut herausgearbeitet.

 

Was mich bei beiden Büchern gefreut und letztendlich auch zu einer Rezension bewogen hat, ist ihre generelle Machart. So sorry, aber ich bin derbe enttäuscht von sehr vielen Self-Publishing-Werken. Da bin ich komplett humorbefreit, ich empfinde es als eine grobe Missachtung des Lesers, wenn einem -auch hochgejazzte- Machwerke begegnen, die in erster Linie erst einmal durch eine ausgeprägte Grammatikscheu auffallen und vor allem nach der Regel Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten, geschrieben zu sein scheinen.Die Titel der Nika Lubitsch hingegen sind von Anfang an – auch schon als E-Book – sorgsam gearbeitet und gut lektoriert und so war es mir eine Freude, auch einmal eine Erfolgsgeschichte aus dem Self-Publishing vorzustellen.

 


Genre: Kriminalromane
Illustrated by MVG Verlag München