Die stillen Trabanten

Melancholische Erzählwelt

Dass Clemens Meyer erzählen kann wie kaum ein zweiter Schriftsteller im deutschen Sprachraum, wird durch sein neues Buch «Die stillen Trabanten» eindrucksvoll bestätigt. Und wie schon in seinem letzten Roman «Im Stein» erschafft er auch in dieser Sammlung von Erzählungen ein düsteres, zerrissenes, melancholisches Bild unserer Gegenwart, in dem die autobiografischen Bezüge den Ton angeben und einen sehr eigenen Blickwinkel zur Folge haben. So liefert die Eisenbahn als meyersches Faszinosum gleich mehrfach den Hintergrund seiner allesamt im deutschen Osten angesiedelten Geschichten. Es fehlt dabei natürlich ebenso nicht das Pferderennen als weitere Leidenschaft Meyers wie auch das spezielle Milieu der Kneipen und Imbissbuden, der Gelegenheitsjobs und prekären Verhältnisse, und es herrscht auch hier die Nacht als geheimnisvoll dunkle Erzählzeit vor. Thematisch wird Verlust in diesen Erzählungen als Leitmotiv ebenso eingesetzt wie die Vergeblichkeit menschlichen Bemühens, – und Humor findet sich natürlich nicht mal ansatzweise.

Der Band ist in drei durch jeweils eine prologartige Szene eingeleitete Teile gegliedert, die ihrerseits wiederum drei Erzählungen enthalten. Es beginnt im Teil «Eins» mit der zarten Liebesgeschichte eines jungen Wachmannes und einer russischen Emigrantin am Zaun eines Ausländer-Wohnheims, die zaghafte gegenseitige Annäherung einer Wagonputzfrau der Eisenbahn und einer Angestellten beim Bahnhofsfriseur, schließlich eine wehleidige Reminiszenz an die ehemalige Strandbahn einer kleinen Stadt an der Ostsee, die nach dem Zweiten Weltkrieg stillgelegt und abgebaut wurde. Der Teil «Zwei» erzählt von einem Wohnungseinbruch und einer verwirrten alten Frau in einem Abbruchhaus, vom Besitzer einer Imbissbude, der vom 14ten Stock seines Hochhauses nächtens auf die Lichter der Trabantenstadt schaut und beim Rauchen im Treppenhaus seiner ebenfalls dort rauchenden, muslimischen Nachbarin allmählich näher kommt. Sodann wird von einem heruntergekommenen ehemaligen Jockey erzählt, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und unbedingt einmal das exklusive Pferderennen auf Eis in St. Moritz miterleben möchte. Im letzten Teil ist zuerst von der Geschichte eines Lokführers zu lesen, der mit seinem Güterzug nachts einen lachenden Mann auf den Schienen überfährt und den dieser Schienensuizid psychisch derart belastet, dass er die Witwe des Selbstmörders aufsucht. Unter dem Titel «Die Rückkehr der Argonauten» beschreibt der Autor in der nächsten Geschichte den Besuch eines Mannes bei seiner Mutter im trostlosen ehemaligen «Kohlenviertel» der Stadt, wo er auch seine Kumpels von früher trifft, und in der letzten Geschichte wird von einem Schriftsteller berichtet, der sich im Exil in Moskau während des Zweiten Weltkrieges mit der Störtebeker-Sage beschäftigt, wobei interessante Bezüge bis in die spätere DDR hergestellt werden.

Aus all dem, was wir da lesen, spricht eine äußerst genaue Beobachtungsgabe des Autors, der die tiefsten menschlichen Befindlichkeiten akribisch ausleuchtet, der narrativ einfühlsam auch die allerfeinsten Regungen und Sehnsüchte atmosphärisch dicht erfasst. Sprachlich gekonnt setzt er dabei oft Zartes unmittelbar neben Härte, bildet stilistisch die raue Realität ebenso ab wie den schönen Traum. Wobei häufig beides ineinander geht bei seiner Erzählweise, was erhöhte Aufmerksamkeit des Lesers erfordert und zudem abrupte Stimmungswechsel bewirkt. Die Erzählperspektiven bei den neun Geschichten wechseln zwischen erster und dritter Person, vieles ist auch in Form des inneren Monologs erzählt.

Diese Geschichten aus den Randbezirken der ostdeutschen Gesellschaft sind mit ihren vielen Andeutungen und unvermittelten Zeitsprüngen wahrlich keine leichte Lesekost. Clemens Meyer findet allerdings für seine sorgsam ausgewählten Themen wunderbar einprägsame Bilder und zieht damit den Leser stimmungsmäßig tief hinein in seine sehr spezielle, melancholische Erzählwelt.

Fazit: erfreulich

Meine Website: http://ortaia.de


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen
Illustrated by S. Fischer

Im Stein

meyer-1Pecunia non olet

Schwerer Tobak wartet da auf die Leser mit Clemens Meyers Roman «Im Stein», von der anrüchigen Thematik her sicherlich Neuland für die meisten, so auch für mich. Vor dem Hintergrund einer ungenannten, aber leicht als Leipzig identifizierbaren Stadt und ihrer Geschichte von der Wende bis in die jüngste Vergangenheit hinein begegnen uns sämtliche archetypischen Subjekte des Rotlichtmilieus und deren Helfershelfer aus Politik und Verwaltung. Ein Roman aus dem sächsischen Sumpf der Prostitution mithin, in dem der Autor kein Blatt vor den Mund nimmt bei der vermutlich authentischen, in jedem Fall aber kenntnisreichen und drastischen Beschreibung der Sexbranche und ihrer Usancen. Wir erleben die zugehörigen Nachtgestalten aus größter Nähe: Nutten, Zuhälter, Betreiber von Eroscentern, Immobilienhaie, Dealer, korrupte Kommissare und willfährige Beamte, allesamt bemüht, auf der Jagd nach dem Geld der Freier möglichst viel für sich abzukassieren.

Ein Tross von Schmarotzern also profitiert da von der Arbeit der Prostituierten, einer sexuellen Dienstleistung, die als ein Wirtschaftszweig wie jeder andere angesehen wird, der dem Staat einiges an Steuern in die Kassen spült, immer nach dem Motto: Geld stinkt nicht! Der Leser wird mit kriminellen Machenschaften bis hin zu Mord und Totschlag, aber auch mit vielen unappetitlichen Details der Sexarbeit und allen ihren perversen Auswüchsen knallhart konfrontiert von einem Autor, der als Enfant terrible gilt unter den deutschen Autoren. Alles das wird collageartig erzählt, die oft krassen Geschichten bleiben fragmentarisch, ein stringenter Plot fehlt. Immer wieder wird man an Kriminalfilme erinnert, an Typen und Szenen, die einem dort schon mal begegnet sind, wo dann aber schamhaft abgeblendet wird, wenn es richtig zur Sache geht bei der «Arbeit», während hier die Kamera weiterläuft gewissermaßen. Voyeure kommen allerdings nicht auf ihre Kosten dabei, statt pornografisch wird hier nämlich geradezu technokratisch erzählt, und die Finanzen stehen immer im Mittelpunkt, BWL-Kenntnisse helfen also ungemein.

Ein gefälliger, leicht verdaulicher Roman ist «Im Stein» jedenfalls nicht, aber ein wohltuend anderer, die üblichen Leseerwartungen brutal konterkarierender aus einer Welt, die es halt auch gibt und die hier eine offene Bühne gefunden hat für ein milieufremdes Publikum. Man verliert als Leser leicht die Orientierung bei der rasanten Erzählweise des Autors, der auch noch ständig die Erzählperspektive wechselt. Die ist sehr häufig der innere Monolog, der dann auch in der Variante des Bewusstseinsstroms vorkommt, sogar als Selbstgespräch in der Du-Form. Teilweise hektisch und mit vielen Zeitsprüngen erzählt, erfordert die Lektüre also ständig die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Das gilt auch für die häufigen Abkürzungen von Namen und auch «Fachbegriffen» aus der Branche, die zu dechiffrieren ohne reichlich «schmutzige Phantasie» kaum gelingt. Die Figuren werden stimmig und detailreich vorgestellt, wobei die Huren meist liebevoll beschrieben werden in ihren Hoffnungen, Wünschen und Plänen, aber auch in ihren manchmal rührend naiven Ansichten über die anrüchige Welt, in der sie ihr Geld verdienen.

Ist die Lektüre also zu empfehlen? Im Prinzip ja, könnte man wie bei Radio Eriwan antworten, aber man muss schon ein robustes Durchhaltevermögen mitbringen, denn der dickleibige Roman weist einiges an Längen auf. Ganz abgesehen davon wird man häufig Probleme haben, nicht die Orientierung zu verlieren in diesem Labyrinth von Innensichten seiner oftmals nur mühsam zu identifizierenden Protagonisten. Aber es ist ja auch kein Blümchensex, der da praktiziert wird im Puff, und so hat wohl der Autor seine Erzählweise dem unkonventionellen Milieu angepasst, über das er so kundig schreibt. Polarisierend ist das allemal, wie die außergewöhnlich konträre Rezeption dieses Romans recht deutlich zeigt.

Fazit: lesenswert

Meine Website: http://ortaia.de


Genre: Roman
Illustrated by Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main

Politik und Islam

Es gibt zumindest nach Angaben der Inhaltsangabe verschiedene Arten, Moslem zu sein. Die Deutsche Islamkonferenz war eine wichtige gesellschaftspolitische und symbolische Geste gegenüber dem Muslimen in Deutschland. Welche Interessen verfolgen die jeweiligen politischen und muslimischen Akteure und deren Organisationen? Was sind die zenrtalen Konfliktthemen? Worin bestehen diese Konflikte? Das Verhaltnis von Politik, Gesellschaft und Islam soll hier sachlich bestimmt werden.

Verschiedene Autoren stellen in dem Werk die beteiligten islamischen Organisationen und deren Inhalte vor. Gleichzeitig wird die Integration des Islam in Deutschland reflektiert.

Heiner Bielefeldt, Claudia Diehl und Hendrik Meyer gehören genauso zu den Autoren wie Haci-Hilal Uslucan, Raida Chbib und Mounir Azzaouni, um nur einige Beispiele zu nennen.

Das Buch ist ein politikwissenschaftliches Werk, das nach fachlichen Gesichtspunkten erstellt wurde. Es richtet sich an eine Fachöffentlichkeit, schon allein wegen des umfangreichen Quellen- und Datenmaterials.


Genre: Politik und Gesellschaft
Illustrated by VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden

Das Herz des Jägers

Thobela Mpayipheli ist ein großer und starker Mann. Er arbeitet als „Mädchen für alles“ in einer BMW-Motorrad-Vertretung in Kapstadt. Thobela Mpayipheli hat eine Freundin, die er liebt und deren kleiner Sohn hat an ihm einen Narren gefressen.
Thobela Mpayipheli führte einmal ein ganz und gar nicht so friedliches Leben. Während der letzten Jahre des rassistischen Apartheidregimes war er „Umzingeli“ – was in der Sprache seines Volkes, der Xhosa, Jäger bedeutet. Dieser Riese war ein Soldat des bewaffneten Arms der südafrikanischen Befreiungsbewegung African National Congress von Nelson Mandela.
Als eines Tages ein alter Freund von Thobela die Begleichung einer Ehrenschuld einfordert, bricht dieses vorherige Leben in sein Jetziges hinein und verändert von einem Tag auf den anderen Alles.

Thobela soll eine Festplatte mit Datenmaterial für seinen Freund nach Mozambique bringen. Dort halten Unbekannte diesen Freund gefangen und drohen ihn umzubringen, falls diese Festplatte nicht binnen 48 Stunden ausgeliefert wird. Mit einer schweren BMW, einem Geländegängigen Motorrad macht sich Thobela auf den Weg. Dabei wird er vom südafrikanischen Geheimdienst verfolgt, der die Auslieferung der Daten verhindern möchte. Die Reise, die wir lesend mitverfolgen ist zugleich eine Reise zurück in die jüngere Geschichte Südafrikas. Der Befreiungskampf gegen die Rassisten, die Ausbildung Thobelas zum Agenten der Befreiungsarmee und dessen Leben als „Tötungsmaschine der Befreiung“ wird ebenso Thema, wie die Wehen, unter denen die südafrikanische Demokratie seit dem Ende des Apartheidregimes geboren wird.

Dieser Thriller ist sowohl eine spannende Geschichtslektüre als auch ein mitreißender Roman, den man nur schwer aus der Hand legen kann. Prädikat: Hochspannend.

Deon Meyer wurde 1958 in Südafrika geboren. Als Reporter arbeitete er lange Zeit, bevor er 1994 seinen ersten Roman vorlegte. Heute gilt er als der erfolgreichste Krimiautor Südafrikas. Deon Meyer schreibt seine Bücher in Afrikaans und lässt sie dann ins Englische übersetzen.


Genre: Kriminalliteratur
Illustrated by Unbekannter Verlag

Als wir träumten

Seit ihrer Kindheit kennen sich Rico, Mark, Pitbull, Paul, Walter und Daniel. Sie leben in Reudnitz im Osten Leipzigs. 1989, als sie 12, 13 Jahre alt sind, finden in Leipzig die großen Demonstrationen statt. Jeden Montag versammeln sich abends Tausende von Bürgern in der Stadt, um mit brennenden Kerzen durch die Straßen zu ziehen und mit der Parole „Wir sind das Volk“ friedlich gegen den autoritären DDR-Staat zu demonstrieren. Einmal sind die Freunde auch mit dabei, ohne die geringste Ahnung, um was es überhaupt geht. Darüber allerdings, wie man die Polizei an der Nase herumführt und ihr, wenn es sein muss, entkommt, wissen sie Bescheid. Deshalb überstehen sie auch unbeschadet diesen Montag, an dem die Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten eingesetzt werden.
„Als wir träumten“ ist der erste Roman von Clemens Meyer, einem 31jährigen Schriftsteller aus Leipzig. In 34 Kapiteln erzählt Meyer auf über 500 Seiten zahlreiche Geschichten aus dem Leben von sechs Jugendlichen vor und nach der Wende. Damit aber kein falscher Eindruck entsteht: Gäbe es nicht dieses Kapitel „Versammlungen“ und ein paar andere, in denen von Veranstaltungen der jungen Pioniere oder aus der Schule erzählt wird, erhielte der Leser keine Hinweise, dass dieses Buch vor dem welthistorischen Hintergrund des Zusammenbruchs von Ostblock und kommunistischem deutschem Staat spielt. Politik gibt es im Leben der Leipziger Clique nicht. Die Jungen entziehen sich nach und nach dem Einfluss ihrer Familien (in denen z.T. unerträgliche Verhältnisse herrschen), dem Einfluss von Lehrern, Schule und Jugendorganisationen, sie treffen sich auf der Straße, in Abbruchhäusern und in Spelunken. Diebstähle, Einbrüche, Betrügereien, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen sind an der Tagesordnung, ebenso Alkohol- und Drogenmissbrauch. Die Jungen sind Stammgäste auf dem Polizeirevier des Viertels, sie landen im Krankenhaus, im Jugendarrest und schließlich im Gefängnis. Die Mutter des Ich-Erzählers Daniel Lenz spricht stellvertretend für mehrere Eltern, wenn sie ihren Sohn verzweifelt und hilflos anbrüllt : „Du und dein Dreck! Du und dein Lügendreck!…Merkst du s nicht? Und die Leute, das Haus, Junge, wenn die Polizei … wenn wieder die Polizei … wie du aussiehst … ein Schläger, wie dein Vater … hau doch ab, hau doch einfach ab! … Totschlagen sollen sie dich doch … Verbrecher … totschlagen.“ (312 /313)
Für die Freundschaft, so wie sie diese verstehen, für die Aufmerksamkeit und die Anerkennung der Anderen sind sie zu allem bereit. Für einige endet ihre Suche nach der eigenen Identität, nach Lebensinhalten und einem Ausweg aus der Leere und Orientierungslosigkeit tödlich. Am Ende findet nur der Ich-Erzähler zurück in ein halbwegs geordnetes Leben.
Das Buch „Als wir träumten“ ist kein Roman, auch wenn der Verlag das behauptet. Die einzelnen Kapitel stehen nur in einem lockeren Zusammenhang, sie folgen keiner Chronologie, es gibt keine Erzählstränge, keine durchgehende Handlung. Was alle Kapitel verbindet sind die Personen, von denen erzählt wird, und die Beibehaltung der Erzählperspektive. Aneinander gereihte Texte, fast beliebig austauschbar, ergeben keinen Roman. Dazu bedarf es einer Gesamtkomposition, jedes Kapitel ist notwendiger Teil eines Ganzen. Insofern wird mancher Romanliebhaber enttäuscht sein. Dennoch hat Meyer ein gutes Buch geschrieben, eine lesenswerte Sammlung kurzer Erzählungen, unter denen einige Glanzstücke zu finden sind, mit exzellentem Textaufbau und realistischen Dialogen. Mir fällt auf Anhieb kein literarisches Werk zeitgenössischer deutscher Literatur ein, das so echt und glaubwürdig die Jargons und Verhaltensweisen von Hooligans, Rechtsradikalen, Punks, Funktionären, Knackis und Nutten wiedergibt wie Meyers Kurzgeschichten.
In einem Interview antwortete Clemens Meyer vor kurzem auf eine Frage, er wisse nicht, was „Unterschicht“ bedeute. Mit seinen Erzählungen legte er ein einzigartiges Dokument über die Unterschicht in Deutschland der Gegenwart vor. „Als wir träumten“ wird, so vermute ich, auch in zehn oder fünfzehn Jahren genau aus diesem Grund noch gelesen werden.


Genre: Romane
Illustrated by Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main

Als wir träumten

Sie klauen Autos, um eine alte Frau zum Grab ihres Mannes zu fahren. Sie kämpfen für ihre Fußballmannschaft und treten als Chemie-Leipzig-Fans gegen die Lok-Schweine an. Sie rennen weg von zu Hause, wo die heile Welt längst ausgezogen ist. Sie werden die Größten im Viertel, als sie in der alten Fabrik einen eigenen Club aufmachen, Eastside. Sie kaufen sich nagelneue Unterhosen für zwanzig Mark das Stück, um im Swingerclub die richtigen Frauen abzukriegen. Sie dröhnen sich mit Alkohol und Drogen zu, bis die tödliche Grenze überschritten ist. Sie prügeln und sie verbünden sich mit anderen Cliquen, aber das alles „kapiert kein scheiß Richter. Is ‘ne Straßensache, n‘ Krieg, kapiert kein scheiß Richter.“ Und so müssen Danie und seine Kumpels immer wieder in den Jugendknast und sich dort gegen die echten Gangster behaupten. Danie, der vor kurzem noch in die schöne Katja verliebt war, die mustergültige Gruppenratsvorsitzende, die dann mit ihren Eltern in den Westen gehen mußte. Dann kam ein Montag, an dem die Jungs aus Neugier ins Stadtzentrum und unverhofft in einen Riesenmenschenauflauf gerieten und sich staunend und dank eines Ausweises von der Foto AG dem Zugriff der Bullen entziehen konnten. Inzwischen aber ist alles anders …
Clemens Meyers Roman ist schrecklich, er empört und nervt, macht wütend und traurig. Und doch kann man diese geballte Provokation nicht aus der Hand legen. Es fasziniert, wie Meyer das ganz alltägliche Leben junger Leute aus dem Leipziger Osten vor und nach der Wende beschreibt. Differenziert und unverfälscht und doch sensibel und mitfühlend. „Als wir träumten“ skizziert detailreich und eigenwillig das Bild einer verunsicherten, zerrissenen Jugendszene.


Genre: Romane
Illustrated by Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main