Sehnsucht nach Nebudistan

Wer von den älteren Semestern Billy Mo und seinen Hit »Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut« erinnert und über den tiefschwarzen Jazz-Trompeter und Schlagersänger aus Trinidad, der sich zum Gaudi der Zuschauer in eine alpenländische Tracht zwängte, schmunzeln konnte, der ist bei Thaddäus Troll richtig. In seinem 1956 erschienenen, nahezu zeitlos wirkenden Roman »Sehnsucht nach Nebudistan«, zeichnet der schwäbische Humorist den ebenso schwergewichtigen wie sinnenfreudigen Vertreter eines Südsee-Königreichs, der sich bevorzugt mit grellbunten Hawai-Hemden, quietschgelben Socken und bayerischen Krachledernen ausstaffiert und damit das Aufsehen seiner Umgebung erregt. Doch es ist weniger der farbenfrohe Auftritt oder das handgeschriebene Schild »Raubmörder nach München«, das er zum Trampen umhängt, das den Drei-Zentner-Mann ins Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit rückt. Es ist die stark kontrastierende Hautfarbe des geheimnisvollen Herren, der zu allem Überfluss das Amt des Aussenministers von Nebudistan bekleidet, denn Kara Kiri, so der Name des Diplomaten, ist dunkelhäutig, vielmehr: Er ist rabenschwarz. Die Exzellenz ist ein Neger! Continue reading


Kategorie: Gesellschaftsroman, Satire
Verlag: Kindler Berlin