Der Fährmann

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Der Fährmann ist ein aussergewöhnliches Buch, was die Enststehung der deutschen Ausgabe angeht. Olaf Buchheim entdeckte den Roman von Christopher Golden in der Originalausgabe, und da das Buch keine deutsche Übersetzung hatte, aber definitiv verdiente, nahm Olaf Buchheim die Sache selbst in die Hand.

Er gründete einen Verlag, organisierte die Übersetzung des Romanes, engagierte einen Illustrator und veröffentlichte „Der Fährmann“ in Eigenregie. In sehr schöner Aufmachung, mit gemaltem Umschlagbild, wunderbaren Illustrationen, schwarzem Blattschnitt und Lesebändchen. Sehr edel!

Die Geschichte beginnt damit, das eine junge Frau, Janine, sich am Ufer eines unheimlichen Flusses wiederfindet. Sie versucht zu fliehen, aber egal wohin sie läuft, jeder Weg führt zum Fluss zurück. Dort kommt ein Boot auf sie zu, auf dem eine unheimliche Gestalt steht und sie an Bord nehmen will. In Ihrer Tasche findet sie eine Handvoll Münzen- doch statt sie dem Fährmann zu geben, schleudert sie die Münzen ins Wasser und flieht. Dann kommt sie im Krankenhaus zu sich. Sie lebt, doch das Baby, das sie erwartete, starb.

Eine unheimliche Begebenheit im Krankenhaus lässt ahnen, das Charon, der Fährmann, nicht bereit ist, Janines Flucht einfach so hinzunehmen.

Hier hatte ich erwartet, das der Horror in die reale Welt einzieht und die Spannung sich steigert. Doch der Autor konzentrierte sich vorerst auf die Vorstellung der Protagonisten und die Weiterentwicklung Ihrer Beziehungen. Man lernt Janines Ex David kennen, mit dem sie noch immer starke Gefühle verbinden. Weiterhin ihre beste Freundin Annette, ebenfalls Lehrerin so wie Janine und David. Ihre Beziehungen zueinander und deren Entwicklungen sind interessant, doch hatte ich in einem Horror Roman etwas mehr Tempo erwartet, nicht nur hie und da eine eingestreute, mysteriöse Begebenheit. Ich war ein bisschen enttäuscht, das las sich mehr wie ein Mystery Liebesroman an dieser Stelle.

Doch dann zog das Tempo wieder an. Es tauchten Menschen auf, die nicht hätten da sein dürfen, weil sie vor langer Zeit starben. Charon ließ also nicht mit sich spassen, und er war nicht alleine. Auch die Protagonisten holten sich Verstärkung von Father Charles und Father Jessup. Letzterer begeisterte mich mit seiner Erklärung für Charons Existenz, die Stelle habe ich mehrmals gelesen, mir breitem Lächeln, weil ich die Idee wirkllich genial fand. Ich mag es sehr, wenn eigentlich Unmögliches mir schlüssig erklärt wird! Das Tempo ließ bis zum Ende nicht mehr zu wünschen übrig, Janine, David und ihre Verbündeten nahmen den Kampf gegen den Fährmann auf, der sich alle Mühe gab, doch noch Passagiere mit auf die Überfahrt über den Styx nehmen zu können. Die grenzen zwischen seiner und der realen Welt verschwammen und es kam zum Showdown. Somit habe ich das Buch durchaus zufrieden zugeklappt.

Mein Fazit: Feiner Lesestoff, wenn auch meiner Meinung nach eher Grusel oder Mystery als Horror. Durchaus zu empfehlen für Neulinge im Genre, als Einstieg in die Welt des Horrors.


Kategorie: Horror, Mystery
Verlag: Buchheim Verlag

3 thoughts on “Der Fährmann

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