Leaving Berlin

Leaving Berlin von Joseph Kanon

Leaving Berlin von Joseph Kanon

Januar 1949. Berlin liegt immer noch weitgehend unter Kriegsschutt und Trümmern begraben. Das Alltagsleben in den vier von den Besatzungsmächten errichteten Sektoren erholt sich mühsam. Ohne Schwarzhandel oder Beziehungen zu den Siegern lässt sich kaum ein halbwegs erträgliches Leben führen. Die Rote Armee hat einen eisernen Ring um die Stadt gelegt, im Minutentakt versorgen die Alliierten über eine Luftbrücke den Westen der einst so stolzen Reichshauptstadt. Stromausfälle gehören zum Alltag. Jeder bespitzelt jeden oder zieht Gewinn aus seinem Wissen über die Vergangenheit.

In dieser Situation versucht die sowjetische Militäradministration, Ostberlin mit berühmten Namen heimkehrender Exilanten zu illuminieren. Bertolt Brecht, Helene Weigel, Anna Seghers und Arnold Zweig haben sich für das neue Deutschland entschieden und wollen mit ihrer Kunst helfen, den Sozialismus aufzubauen.

Der (fiktive) halbjüdische Schriftsteller Alex Meier, kehrt ebenfalls heim. Meier war zuvor in Konflikt mit dem berüchtigten »Ausschuß für unamerikanische Umtriebe« geraten und wurde daraufhin vom US-Geheimdienst gezwungen, sowjetische Kultur-Offiziere auszuspähen. In der Hoffnung, dadurch seine Rückkehr in die USA sichern zu können, kehrt der in seiner Sprachheimat berühmte Autor in das zerbombte Berlin zurück. Dort wird er begeistert aufgenommen und mit Ehrungen überschüttet.

Bei einer Ehrung, die der Kulturbund für ihn veranstaltet, trifft Meier auf eine Liebe seiner Jugendzeit, die ein Verhältnis mit einem hohen Sowjet unterhält. Nun beginnt eine wilde Agentenstory zwischen den Sektoren, bei der viel Blut fließt und keiner sicher sein kann, wem er vertrauen darf. Als Doppelagent agiert Meier geschickt zwischen den Fronten und spielt die Parteien gnadenlos zum eigenen Vorteil gegeneinander aus.

Der für seine stets im düsteren Nachkriegsmilieu spielenden Spionageromane bekannte Autor Joseph Kanon versteht es, ein atmosphärisch dichtes Bild vom bombenzerfetzten Berlin östlich des Brandenburger Tores zu zeichnen. Sein auf choreographierten Dialogen basierender Spionagethriller ist packend und mitreißend aufgebaut. Er beginnt zwar schwerfällig, nimmt dann aber bereits im zweiten Kapitel Tempo auf, beschleunigt schnell und endet in einem furiosen Finale, das so wohl nur ein amerikanischer Autor entwerfen kann.

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Kategorie: Berlin, Spionageroman, Thriller
Verlag: C. Bertelsmann München

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