Herbst in der Hose

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Ralf König: Herbst in der Hose

Ralf König ist einer der profiliertesten deutschen Comic-Storyteller. Der aus Westfalen stammende 56-jährige Autor widmet sich in seinem jüngsten Buch dem Thema »Herbst in der Hose«.

Königs aus vielen Geschichten bekanntes Kölner Schwulenpaar Konrad und Paul kommen in die Wechseljahre. Druckverlust lautet das Stichwort, denn sogar schwule Männer werden älter und bekommen »den Batman nicht aus dem Keller«. Dabei spielte einer ihrer Freunde, den es auch erwischt hat, stets leidenschaftlich den »schwarzen Rächer« im Karneval und sang: »Einmal ein´rein … kann ruhig so dick wie´n Tischbein sein …«

In der Andropause beschäftigen sich die Herren nun mit Themen wie Diabetes, Margen-Darm, Bluthochdruck, Prostata, Arthrose, Schilddrüse, Depressionen und Hypochondrie. Auf die Fifty-Somethings folgt bei Ihnen nicht nur das abgrundtiefe Rentenloch, es wird viel schlimmer: »Ab fünfzig transformieren wir zu grauen Hängebauchschweinen«.

Während in Königs früheren, oft auch verfilmten Szene-Comis wie »Kondom des Grauens«, »Der bewegte Mann« das ungleiche Knollennasen-Paar Konrad und Paul noch wie die Karnickel durch die Gegend vögelten, wirken sie inzwischen gedemütigt. Der Testosteronspiegel sinkt, dafür werden die Sofakissen weicher, und Mann spricht sich gegenseitig Trost zu, wenn es um die Verringerung der Hodengröße geht.

»Ich will jung sein, gesund sein, Spaß haben und ficken! Und das in alle Ewigkeit! Ist das etwa zu viel verlangt?« rief Paul noch vor rund zwanzig Jahren. Jetzt jammert der Comic-Held kleinmütig und verhalten und schimpft auf die Evolution, die ihm das Desaster beschert. »Evolution ist ’ne Bitch«, zetert Paul angesichts der Tatsache, dass der Mensch sein Sexualorgan nicht hat, um damit Spaß zu haben, sondern um sich zu vermehren. Mit allem, was er aufbieten kann, stemmt er sich gegen das Unvermeidliche und ahnt doch, dass alles endlich ist.

Der Autor begleitet die Tragödie seines Paars mit einem griechischen Chor. Der zeigt ohne kommentierende Äußerungen seine Schreckensmasken und macht damit deutlich, wie dramatisch der Lebensabschnitt des »Klimakterium virile« von manchem Mann wahrgenommen wird.

Ralf König versteht es auf charmante Art, sein Thema, das ebenso eines der Heteros ist, kurz und knapp durch seine Bildergeschichten zu balancieren. Mit feinem Gespür für die Nöte und Ängste älterer Männer erzählt er in typischer Stilistik pointiert und schnell vom Älterwerden seiner beiden Charaktere, deren Leben er nun schon seit 30 Jahren mit minimalistischen Erzählungen schildert.

Für sein Lebenswerk wird der Autor übrigens  am 1. November mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet. In der Tradition Wilhelm Buschs, wende sich König gegen sämtliche Versuche, freies Denken einzuschränken und betone stattdessen das Streben zur Selbstentfaltung, begründet die Jury ihre Entscheidung.

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Kategorie: Comics, Wilhelm-Busch-Preis
Verlag: Rowohlt

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