Love is the cure

Love is the cureOha! Der als egomanischer Paradiesvogel verrufene Elton John hat ein Buch geschrieben. Da mag sich mancher die Hände reiben und Schillerndes aus der Regenbogenwelt erwarten. Klatsch und Tratsch, Glamour, Federn, Diademe, Orgien – die ganze Popstar-Palette eben. Doch weit gefehlt. Der Untertitel: Über das Leben, den Verlust und wie wir Aids besiegen können sagt es schon. “Love ist the cure ” ist weniger eine Autobiographie denn ein Sachbuch.

Es gibt zwar Einblicke in das Leben des Elton John, einige liebevolle Geschichten über einstige und heutige Weggefährten sowie ein paar schicke Fotos obendrauf – doch das Thema dieses Buches ist mit vier Buchstaben beschrieben. AIDS. Vier kleine Buchstaben, die die Menschheit bestürzten, ängstigten und in der westlichen Welt heute viel von ihrem Schrecken verloren haben. Eine Krankheit, mit der man bei entsprechender Medikation einigermaßen leben kann und die heute nur noch ein Randthema ist. In der westlichen Welt wohlgemerkt. In anderen Welten nach wie vor eine schreckliche Geißel,  die hierzulande aber kaum mehr zur Kenntnis genommen wird und für die sich in Zeiten globaler Finanzgrippen nur noch wenige engagieren.

In den 1980er Jahren sah Elton John einen Freund, einen geliebten Menschen nach dem anderen an AIDS sterben. Er beobachtete Ächtung, Stigmatisierung und unsägliches Leid. Sein eigenes Leben war zu dieser Zeit ein Chaos im Drogensumpf. Den Ausschlag, an diesem Leben etwas zu ändern und sich mithilfe philanthropischer Aktivitäten selbst aus diesem Sumpf zu ziehen, gab das inspirierende Leben und verheerende Sterben eines kleinen Jungen –Ryan White – mit dessen Familie sich Elton John angefreundet hatte. Er unterzog sich einer Entziehungskur, lernte dort viel über sich und über Methoden der Hilfe zur Selbsthilfe und setzte all dies schließlich um in die Gründung der heute weltweit erfolgreich tätigen EJAF, der Elton John Aids Foundation. So ist das Buch im Wesentlichen eine Biographie der EJAF, es berichtet über deren Arbeit, über die ungezählten Treffen mit Politikern aus verschiedenen Epochen, Regierungen und Ländern. Aber es vermittelt eben auch die Erkenntnisse, die Elton John während dieser Jahre gewonnen hat und es zeigt Mittel und Wege, wie AIDS eingedämmt und besiegt werden kann. Elton John geht dabei hart mit Politikern, Pharmaunternehmen und auch kirchlichen Institutionen ins Gericht, bleibt aber gleichwohl fair. Das Buch ist in einer recht simplen leicht verständlichen Sprache geschrieben. Gerade so, als würde der Sänger neben einem sitzen und sein Anliegen erklären. Dennoch ist deutlich zu spüren, dass Elton John weiß, wovon er redet. Logisch führt er aus, wie sehr gerade Stigmatisierung, Macht- und Gewinnstreben verhindern, dass Aids weltweit besiegt wird. Er rechnet vor, dass die tatsächlichen Kosten für eine Ausrottung der Geißel “nur ein Tropfen wären im riesigen Ozean weltweiter Regierungsausgaben” und das man das Geld nicht einmal vermissen würde.

“Egal, ob man der reichste Mensch der Welt ist oder absolut gar nichts hat, jeder hat das Recht, mit Respekt und Mitgefühl behandelt zu werden.” Dies ist die Erkenntnis, welche die Basis der Stiftungsarbeit darstellt. Elton John endet tatsächlich mit der titelgebenden Erkenntnis, Liebe ( zu den Mitmenschen ) ist das Heilmittel. Die Kernbotschaft des Buches ist somit simpel gestrickt, aber in ihrer naiven und einfachen Logik auch einleuchtend.
Fazit: Love ist the cure ist streckenweise unterhaltsam und regt zum Nachdenken an. Seinem Motiv, einen mit vielen Fakten untermauerten längst überfälligen Gedankenanstoß zu geben, dürfte Elton John mit diesem Buch voll und ganz gerecht geworden sein.

Elton John 
Love is the cure, 209 Seiten
Hoffmann und Campe 2012
ISBN 978-3-455-50274-9 


Genre: Biographien, Memoiren, Briefe
Illustrated by Hoffmann und Campe

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