Wein und Haschisch

Wein und Haschisch von Charles Baudelaire

Wein und Haschisch von Charles Baudelaire

Charles Baudelaire war Zeit seines Lebens Dandy und Genießer. Sechs geistreiche Essays, die anläßlich seines 150. Todestag am 31. August 2017 unter dem Titel »Wein und Haschisch« veröffentlicht werden, belegen dies anschaulich.

Schon die äussere Anmutung des kleinen Bändchen verspricht Genuss: Mit bordeauxrotem Samt bezogen und güldener Folienprägung verziert, ist »Wein und Haschisch« im Format Klein-Oktav ein bibliophiler Leckerbissen. Veröffentlicht werden darin sechs Essays, die teilweise zu Lebzeiten Charles Baudelaires erschienen.

Eines der großen Themen des Dandys ist das Ausleben der Sexualität und die Akzeptanz der Triebwünsche. Dafür stehen »Auswahl tröstlicher Maximen über die Liebe« und seine Rezension zu Flauberts »Madame Bovary«. Baudelaire wußte sehr genau, worüber er schrieb. Er betrieb ein Verhältnis mit einer Prostituierten und war zum Entsetzen seiner Familie mit einer kreolischen Sängerin liiert, deren exotische Schönheit ihn faszinierte.

Ratschläge an junge Literaten

Baudelaires »Ratschläge an junge Literaten« klingen zeitgemäß und könnten aus Fortbildungen junger Self-Publisher geschöpft sein. »Wenn Sie Pech haben, dann mangelt es Ihnen an etwas: Erkennen Sie dieses Etwas, und ergründen Sie das Spiel Ihrer Wünsche, damit Sie die Umstände anpassen können.« Leider war der Dichter selbst nicht in der Lage, sich der Marktlage anzupassen und seinen eigenen Erkenntnissen entsprechend zu handeln. Denn außer seinen heute weltberühmten Gedichten »Les Fleurs du Mal« (»Die Blumen des Bösen«) brachten ihm lediglich ein paar Rezensionen Anerkennung und Beachtung. Seine Bedeutung als Lyriker und Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa erkannte erst die Nachwelt.

Wein und Haschisch

Die titelgebende Betrachtung des Dichters über »Wein und Haschisch«, die auch als »Die künstlichen Paradiese« bekannt wurde, ist ein Hymnus auf die entgrenzende Macht des Alkohols und anderer Drogen, denen er sich selbst leidenschaftlich gern hingab. Sind Beschreibungen der Folgen des Alkoholgenusses durchaus häufiger anzutreffen, handelt es sich bei dem Text über Haschisch um eine der farbigsten Schilderungen und Beschreibungen des Verlaufs des Haschischrausches in der Literaturgeschichte. Der Leser spürt den Taumel des Frohsinns, der den Dichter packte, erfreut sich an den von ihm geschilderten Absurditäten, folgt ihm in die Paradiesgärten der Träume und Halluzinationen und mitempfindet die vollständige Auflösung von Zeit und Raum.

Leidenschaft für Musik

Baudelaires Leidenschaft für Genuss wird schließlich auch in seiner Eloge auf »Richard Wagner und der Tannhäuser in Paris« spürbar. Wortgewaltig und kenntnisreich bricht er eine Lanze für den Komponisten und das erlebte Konzert. Bereits bei den ersten Takten überkam ihn »eine glückliche Empfindung, wie sie fast alle fantasiebegabten Menschen schon im Traum oder im Schlaf erlebt haben«. Er fühlt sich von den Fesseln der Schwerkraft befreit »und an die überwältigende Verzückung erinnert, die man in großen Höhen empfindet«. Dann gelangte er unwillkürlich »in den köstlichen Zustand eines Menschen, der sich in völliger Einsamkeit eines ausgiebigen Träumerei hingibt, allerdings in einer Einsamkeit mit einem unendlichen Horizont und einer großen gedämpften Lichtquelle – Unendlichkeit ohne allen anderen Schmuck«.

Den Rücken des Vademecums ziert ein typischer Spruch des bekennenden Haschisch-Essers: »Wer nur Wasser trinkt, hat vor seinen Mitmenschen etwas zu verbergen«. Wahr gesprochen, Monsieur Baudelaire! Wer Sie nicht liest, hat etwas verpasst.


Kategorie: Essays
Verlag: Manesse Zürich

2 thoughts on “Wein und Haschisch

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