Prinz Eisenherz: Der Schatz

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Prinz Eisenherz Werkausgabe 91

 

„…und Deine Verbündeten vor der Küste müssen abziehen, sobald sie kein Trinkwasser mehr haben“, grinst der Widersacher von Prinz Eisenherz ihm hämisch ins Gesicht. Der Pirat Strakonus bringt Eisenherz gleich zu Beginn dieses Abenteuers in eine ordentliche Bredouille, denn der Prinz muss sich zwischen der Befreiung seines Sohnes Nathan und der Befreiung von Aleta und ihren Töchtern entscheiden. Doch dann bekommt Prinz Eisenherz unverhofft Schützenhilfe von einer Inselbewohnerin. Die Wahnsinnige Thanaa, die stets von einem schwarzen Panther und einem Leoparden begleitet wird, hasst die Piraten, vor allem aber wegen ihrem Sklavenhandel, den sie als Freie abgrundtief verurteilt.

Aletas besänftigende Umarmung

Ein Zweikampf zwischen Strakonus und Eisenherz endet mit der Gnade des letzteren, denn Thanaa hält ihn davor zurück, noch mehr Rache an Strakonus zu nehmen, es hat ja schon genug Tote gegeben. Aber „Wenn es etwas gibt, das Eisenherz’ Kampfeslust besänftigen kann, dann ist es Aletas Umarmung. Ihre Ankunft hat Strakonus gerettet.“, eigentlich. Die überlebenden Piraten werden mit einem harten aber gerechten Urteilsspruch konfrontiert: entweder auf der Insel zu bleiben oder zu helfen die Schiffswracks zu reparieren und zu den Nebelinseln aufzubrechen, um dort ihr eigentliches Urteil zu erwarten. Wer sich erinnert wie dort mit Piraten umgegangen wurde, als Aleta und Eisenherz noch nicht verheiratet waren, dem wird bange um das Schicksal der Verurteilten. Aber haben sie denn ein anderes Schicksal verdient, nachdem was sie Eisenherz’ Familie alles angetan haben? Natürlich beugen sich alle, nur Strakonus schmiedet weiterhin Rachepläne für seine erneute Meuterei auf den Schiffen Skjalddis und Calypso.

Prinz Eisenherz‘ Tochter auf der Flucht

yeates2Aber auch in dieser Folge der Abenteuer des unsterblichen Helden von Hal Foster muss Eisenherz wieder eine Menge familiäre Probleme bewältigen oder zumindest zu ihrer Lösung beitragen. Als Valeta, seine Tochter, sich bei ihm über Karen, seine andere Tochter, beschwert, greift der Vater beherzt in die Liebesabenteuer seiner Zwillinge ein und spielt dabei den Amor mit dem Liebespfeil. Auch Bukota ist bei diesem Abenteuer wieder mit dabei und als sich auf dem Marktplatz die Händler über seine alte Heimat Ab’Saba und seine Königin Makeda unterhalten wird er hellhörig und die alte Sehnsucht flammt wieder auf. Doch dann schlittert sein Sohn Nathan unversehens in ein anderes Abenteuer, das mit dem seltsamen Artefakt etwas zu tun hat, das Guryan Sur umklammert wie einen Schatz. Ein fremder einäugiger Zauberer taucht auf und behauptet etwas über den verschwundenen Ehemann Karens, Prester John, zu wissen und prompt wird die Familie Eisenherz wieder durch eine anderes Abenteuer auseinander gerissen, ganz so, wie es ihm einst in jungen Jahren die Hexe Hobbit prophezeit hatte: „Du wirst aller Herren Länder sehen, Reiche untergehen und auferstehen sehen, aber Zufriedenheit, das wirst du nie erreichen.“ Wird Eisenherz seine verschollene Tochter und das Artefakt wiederfinden? Wird Karen wirklich zu ihrem Ehemann geleitet? Band 92 ist bereits in Vorbereitung!

Thomas Yeates
Prinz Eisenherz Band 91: Der Schatz
Originalseiten 4053 bis 4098
Aus dem Amerikanischen von Wolfgang J. Fuchs
2017, Carlsen Comics, 48 Seiten
ISBN: 978-3-551-71604-0
12,40.-

 


Kategorie: Comics, Fantasy, Kulturgeschichte, Märchen, Sagen und Fabeln
Verlag: Carlsen Verlag Hamburg

Dralle Drachen

prachettDer am 12. März 2015 im Alter von 66 Jahren viel zu früh verstorbene britische Fantasy-Autor Terry Pratchett wurde als Schöpfer der »Scheibenwelt« berühmt. In seinen Romanen erfand er eine vollkommen flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, die durch den Weltraum rudert.

Durch Pratchetts frühen Tod, dem die Fangemeinde teilweise mit Petitonen an den Tod, Pratchett wieder den Lebenden zurückzugeben, begegnete, veröffentlichen Verlage nun auch die frühen Werke des Scheibenwelt-Erfinders. Zu diesen Arbeiten zählen Dralle Drachen, eine Sammlung von Storys, die bereits viel vom Wortwitz und der phantastischen Gedankenwelt des Autors zeigen.

So gibt es zwei Geschichten vom Teppichvolk, einem Rudel extrem kleiner Lebewesen, deren Heimatplanet ein betagter Teppich ist. Das am Fransenrand lebende Teppichvolk erlebt jedenfalls eine Bedrohung ihrer Hütten und Paläste, da der Teppich auszufransen beginnt. Sie brechen ihre Zelte ab und unternehmen eine große Reise, auf der sie viele Zentimer weit durch unerforschte Teppichgegenden wandern und dabei erhebliche Gefahren meistern müssen. Schließlich schaffen sie es bis hin zur anderen Seite des Teppichs, um dort ein neues Leben zu beginnen. Einige besonders Wagemutige setzen sogar über das Linoleum-Meer und treffen auf einen Kontinent namens Läufer …

Eine andere Geschichte aus der Welt des Mikrokosmos behandelt den lediglich ein Hundertstel Millimeter langen Stern »Großes Staubkorn«. Auf diesem gibt es zwei Länder: Grabist auf der Linken und Posra auf der rechten Seite. Zwischen den Ländern erstreckt sich ein Gebirgszug. Auf dem höchsten Berg lebt ein Astronom namens Gwimper, der darüber philosophiert, ob es auf anderen Staubkörnern vielleicht ebenfalls Leben gibt wie auf dem Großen Staubkorn. Und als er eines Tages ein in der Nähe vorbeifliegendes Staubkorn beobachtet und dort Berge, Bäume und Tiere ausmacht, beschließen die Bewohner von Grabist eine Expedition auf den sich nähernden Stern. Allerdings haben auch die Bewohner von Posra den näherkommenden Staubplaneten entdeckt und wollen ihren Konkurrenten von der andren Seite des Berges zuvorkommen …

Diese beiden Beispiele mögen Zeugnis ablegen für die Art und Weise, in der Pratchett die Welt sieht, karikiert und beschreibt; und man stellt fest, dass diese gar nicht so sehr unterschiedlich ist von der Welt, in der wir leben.

Dralle Drachen ist als Sammlung früher Geschichten für Pratchett-Fans ein Muss. Für Pratchett-Beginner ist der Band ein guter Einstieg in die Scheiben-Gedankenwelt des Autors.


Kategorie: Fantasy
Verlag: Piper Verlag München

Das Amulett

ErbenderaltenZeitCharlotta ist das Kind, das aus dem Nebel kam. Die Dreizehnjährige selbst weiß nichts von den geheimnisvollen Umständen ihrer Herkunft. Sie weiß nur, dass sie ein Findelkind ist und nach dem Tod ihrer Pflegeeltern kreuzunglücklich. Nirgends zugehörig befindet sie sich auf einer Odyssee von Kinderheim zur nächsten Pflegefamilie und zurück. Eines Tages hält sie das Gefühl ihres Andersseins nicht mehr aus, bricht ins Jugendamt ein und entwendet ihre eigene Akte. In dieser liest sie erstmals liest von den verwirrenden Umständen ihrer Herkunft und findet ein geheimnisvolles, fremdartiges Amulett, welches ihr zu gehören scheint.

Sie beschließt die Flucht und gerät nach kurzer Zeit mitten im Wald in einen dichten Nebel. Plötzlich findet sie sich in einer ganz anderen Welt wieder. Eine Welt mit zwei Monden, Fabeltieren, unbekannten Gottheiten und Gesetzen und zum Glück auch mit Tora, Kunar und Biarn. Drei junge Menschen, die sich um das verwirrte Mädchen kümmern und ihr zu echten Freunden werden. Charlotta hat auf ihrer Flucht beschlossen, sich als Junge auszugeben, nennt sich fortan Charlie und offenbart den neuen Freunden ihre wahre Identität sowie die verwirrenden Fähigkeiten ihres Amuletts lange nicht. Schnell wird ihr und den Freunden in der neuen Welt aber klar, dass sie über magische Fähigkeiten verfügt. Fähigkeiten, nach denen diese Welt dringend sucht, um sich von der grausam herrschenden Gottheit Odin zu befreien.

Das Amulett ist der erste Teil der als Trilogie angelegten Erzählung Die Erben der alten Welt. Die Autorin Marita Sydow Hamann vermengt in der von ihr geschaffenen Welt Elemente aus bekannten Mythologien, vorwiegend aus der nordischen Mythologie ihrer Heimat und integriert als erste Ebene das reale uns bekannte Leben. Bei dieser Mischung belässt sie es jedoch nicht, sondern führt noch eine dritte Welt ein. In dieser Welt, der unseren um mehr als 14000 Jahre voraus, erwacht die junge Sora nach einem mehr als 15000 Jahre währenden Schlaf. Sie trägt ebenfalls ein Amulett und ist auf die Hilfe von Freunden angewiesen, um sich zurecht zu finden. Diese dritte Welt ist ein befriedeter futuristischer Staat. Doch die Einwohner sehnen sich nach mehr Kenntnis über ihre Wurzeln. Ist die wieder erwachte eigentlich uralte, doch jung gebliebene Sora die dort geweissagte Retterin, die alte und neue Welten wieder zusammenführt? Was hat es mit den Amuletten auf sich? Was mit den Visionen? Wie gefährdet sind all diese Welten und wie gehören sie zusammen?

Die gebürtige Norwegerin Sydow Hamann wuchs unter anderem auch in Deutschland, Österreich und Spanien auf. Derzeit lebt sie in einer schwedischen Hof-Idylle in Smaland und widmet sich dort den kreativen Künsten. Vor der Erben-Trilogie hatte sie sich bereits einen Namen als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern gemacht und zumindest der erste Teil das Amulett ist ebenfalls nicht eindeutig ein Buch nur für Erwachsene. Es dürfte Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene mit Freude an Fantasy gleichermaßen ansprechen. Nicht immer ist die Handlung so komplex, wie sie sein könnte, auch ist ihre Sprache zuweilen sehr einfach gehalten. Auf jeden Fall aber hat sie Mut zum Stil- Mix. Sie wirft nicht nur die verschiedensten Mythologie Elemente in die Waagschale, sondern vermengt dazu unbeeindruckt von gängigen Genre-Regeln Fantasy, Mittelalter und Science Fiction. Fast schon ein Art Cloud Atlas im Kleinen.

Diese furchtlose Verflechtung gelingt ihr wirklich unterhaltsam. Spannend und anregend, wie sie aus altbewährten Komponenten etwas Neues entwickelt und den Leser mit auf eine Wanderung zwischen den Welten und den Zeiten mitnimmt. Der Leser hat lange nur eine vage Ahnung, wie die drei Welten und Geschichten zusammengehören. Geschickt gemacht dabei die Einbindung staatlicher Stellen der realen Welt in die Vertuschung der Umstände von Charlies Geburt, welche der Autorin ganz en passant den Beweis für die tatsächliche Existenz mehrerer Welten liefert. Zum Schluß hin gibt es eine Klärung des groben Ganzen und man ahnt, wo die Autorin letztendlich hin will. Doch sie lässt genug offene Fragen für die avisierten Fortsetzungen.

Teil eins und zwei waren ein großer Erfolg in der Self-publisher E-book-Szene. So groß, dass die grassroots Edition eines österreichischen Verlages aufmerksam wurde. In dieser Edition sollen sukzessive E-Books, die nach dem Grassroots Prinzip- nicht von oben herab geplant, sondern von unten her getrieben- erfolgreich wurden, auch als Hardcover veröffentlicht werden. Das Amulett ist eins der ersten dort veröffentlichten Bücher und auch ohne die Ur-Version gekannt zu haben, darf man wohl getrost feststellen, dass die Überarbeitung und das professionelle Lektorat dem Werk gut getan haben. In den Rezensionen zur Ur-Version kam bei aller Begeisterung der Leser auch immer wieder Kritik an Grammatik- und Tippfehlern, den Kinderkrankheiten vieler self-publishing Bücher auf. Nun findet man mit dem Amulett nicht zuletzt auch dank der liebevoll gestalteten Illustration eine vergnügliche Entspannungs-Lektüre, durchaus auch geeignet für nicht so fiction-affine Leser .

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Kategorie: Fantasy
Verlag: Santicum Medien GmbH Villach

Die Drachen der Tinkerfarm

Die Drachen der TinkerfarmMutter Jenkins möchte Singleferien machen. Doch wohin mit ihren halbwüchsigen Kindern Tyler und Lucinda? Die Nachbarin muffelt und müffelt, ein Sommercamp ist unbezahlbar. Rettung naht in Gestalt des alten Onkels Gideon Tinker, der die Kinder brieflich zur Sommerfrische auf seine Tinkerfarm lädt. Niemand hat bisher von diesem Onkel gewusst, aber das macht ja nichts. Zumindest der Mutter nicht. Da können Tyler und Lucinda noch so oft betonen, dass Heuwagen-fahrten nicht die Erfüllung ihrer Träume sind, ehe sie sich versehen, sitzen sie im Zug und harren der Kühe, die sie dort bestimmt melken und dem Mist, den sie kratzen müssen. Und Internet oder eine Playstation gibt es dort bestimmt auch nicht. Dafür sind sie angehalten, im Zug eine eigenartige Anleitung des Onkels zur Pflege von Kühen zu studieren. Dass sie dabei Asbestanzüge tragen sollen, macht sie nun doch neugierig.

Kaum angekommen auf der Tinkerfarm, merken sie schnell, dass es alles andere als die angekündigte „Ordinary Farm“ ist. Internet gibt es zwar, allerdings auch noch einiges andere. Drachen zum Beispiel. Einhörner, fliegende Affen. Landarbeiter, die längst vergangenen Zeiten entsprungen zu sein scheinen. Noch während die Geschwister versuchen, hinter die Geheimnisse des Zauberreichs zu kommen, in das es sie so unvermutet verschlagen hat, wird die Farm schon bedroht. Von skrupellosen Geschäftemachern, die auch noch eine Rechnung mit Gideon offen haben. Am Ende haben sie die gefährlichsten, abenteuerlichsten Sommerferien aller Zeiten verlebt, Freunde gefunden und reisen schließlich ab, mit dem festen Versprechen, wieder zu kommen. Denn noch nicht alle Geheimnisse sind gelöst und nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Zudem nehmen sie die Gewißheit mit, einen magischen Ort gefunden zu haben, zu dem sie gehören. Wenn sie auch der gut erholten Mama zuhause vorsichtshalber lieber nur von den Heuwagen-fahrten erzählen.

Die Drachen der Tinkerfarm ist das erste Buch einer neuen Reihe, welche Tad Williams, bekannt als Schöpfer intensiver und dichter Welten wie Otherland, zusammen mit seiner Frau Deborah Beale schreibt. Ihr Zielpublikum ist vor allem das jüngere. Nicht anbiedernd, doch der jugendlichen Welt kundig holen die Autoren ihre Leser da ab, wo sie gerade sind, um sie schließlich in eine Welt voller Rätsel zu entführen. Aber auch Erwachsenen mit Lust an Phantasiereisen wird es gefallen, ihren Urlaub vom Alltag von Hogwarts auf die Tinkerfarm zu verlegen.  Das Buch ist dabei kein plumper Actionroman, auch wenn Lucinda sogar auf einem Drachen fliegt und auch sonst allerlei Aufregendes passiert. Der Spannungsbogen speist sich aus der Vielzahl der Geheimnisse. Ist eines gelüftet, zieht es sofort eine Reihe neuer Fragen nach sich. Sehr geschickt lösen die Autoren gerade so viele Rätsel auf, dass man das Buch nicht mit dem Gefühl zur Seite legt, künstlich mit häppchenweise gefütterten Lösungen bei der Stange gehalten zu werden. Doch es bleibt genug Ungelöstes stehen, um Band zwei entgegen zu fiebern.

Die Grundstory an sich ist nichts Neues, vieles meint man schon von anderswo zu kennen. Aber die geschaffene Welt ist trotz der jugendgerechten, immer mit einem leichten Augenzwinkern versehenen Sprache von ungewöhnlicher Dichte und Konsequenz. Die Fantasy ist zwar zeitgemäß verpackt, für das Grundgerüst haben sich die Autoren aber auch bei anderen Genres bedient. Dem viktorianischen Schauerroman entlehne man einen exzentrischen Hausherrn, der sich gerne verrückt gebärdet, eine unheimliche Haushälterin, vor der alle Angst haben, so dass man nicht immer ganz genau weiß, auf wen sich die im Titel genannten Drachen nun genau beziehen. Dazu nehme man Anspielungen auf Märchen wie Alice im Wunderland und den Zauberer von Oz. Dennoch ist es kein wilder Stilmix, sondern eine ganz eigene Art des Erzählens und Verdichtens, so einfallsreich, dass man die ein oder andere logische Lücke gerne überliest. Dazu sind alle Charaktere wohltuend fein gezeichnet, weit entfernt davon, mit der Schablone umrissen worden zu sein, wie es im Fantasy Genre ja gerne vorkommt.

Fazit: Ein guter Einstieg in die Welt des Tad Williams (und seiner Frau und Lektorin), der auch nicht so Fantasy-affine Leser überlegen lässt, ob sie sich demnächst mal an einem größeren Epos des vielgelobten Autors versuchen sollen. Aber erst warten wir auf die Taschenbuchausgabe von Teil zwei in den nächsten Wochen.

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Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Shadowmarch 4. Das Herz

Im vierten und letzten Band der Tetralogie »Shadowmarch« bringt Tad Williams sein Desaster-Epos vom Aufstieg, Fall und Untergang mächtiger Reiche zu voller Blüte. Die Geschichte gipfelt in einem gewaltigen Krieg, den keiner gewinnen kann und der selbst ärgste Feinde zu Verbündeten macht. Quar und Funderlinge schließen sich zusammen gegen den wahnsinnigen Autarchen Sulepis, Gottkönig des Großreiches Xis, der in der Mitsommernacht mit dem Blut von König Olin dunkle Götter erwecken will, die voller Zorn auf alles Lebende sind.

Der Autor zieht alle Register, um die von ihm geschaffenen Völker über und unter der Erde, aus Licht- und aus Schattenreichen in ein voluminöses Schlachtengemälde einzupflegen, das in der Fantasyliteratur seinesgleichen sucht und in Grausamkeit, Verblendung, Hass und Rachsucht streckenweise selbst die Schlachten in Tolkiens „Herr der Ringe“ an die Wand spielt. Einzelschicksale werden unwichtig, wenn ganze Völker im Spiel der Mächtigen aufgerieben und vernichtet werden. Und dennoch webt Tad Williams geschickt den Schicksalsfaden der königlichen Zwillinge Briony und Barrick in den Handlungsstrang, die voneinander getrennt zurück zur Südmarksfeste streben, wo der Endkampf tobt, um dort um ihr Leben wie um ihr Erbe zu kämpfen. Geister der Vergangenheit treffen auf Machtbessene der Gegenwart, schlafende Schatten erwachen, magische Kräfte werden freigesetzt und wie in einem Puzzle entsteht aus vielen tausend Stücken ein Gesamtbild, in dem jede Figur ihren Platz findet und ihre Geschichte vollendet.

Tad Williams nennt sein vierteiliges Opus einen »Riesentanker von Story«. Es ist beeindruckend, wie detailliert und differenziert er jedes Stockwerk, jedes Deck, jeden Raum und jeden Passagier dieses Monstrums ausleuchtet, beschreibt und miteinander verbindet. Sein Fantasy-Epos liest sich zugleich ungemein spannend und man mag trotz der vielen Mitwirkenden, Ebenen und Handlungsstränge auch den vierten Band erst aus der Hand legen, wenn die allerletzte Seite umgeschlagen ist und vieles schließlich ganz anders endet als erwartet …


Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Shadowmarch 3. Die Dämmerung

Prinzession Briony, die sich unter einer Gauklertruppe versteckt hielt, ist in die Hände syanesischer Soldaten gefallen. Als »Gast« wird sie am Hofe von König Enander festgehalten und entgeht nur knapp mehreren Mordanschlägen.

Derweil irrt ihr Zwillingbruder Barrick in Begleitung des Raben Skurn durch den Wald der gefährlichen Seidenspinner im Schattenland. Unter Lebensgefahr und auf geheimnisvollen Wegen gelangt er in der Land der träumenden Götter, die Gott Krummling in den Schlaf fallen ließ. Auf Krummlings historischen Straßen schafft Barrick es bis in die Residenz des blinden Qar-Königs Ynnir, um ihm den Spiegel zu bringen, der ihm von Gyir Sturmlicht anvertraut wurde.

Ynnir, der im Sterben liegt, überträgt Barrick die Kraft der Feuerblume, eine Flamme der Unsterblichkeit, wie sie die Götter tragen. Diese Kraft wird von ihren Trägern an ihre jeweiligen Kinder weitergegeben, lediglich die Südmarksburg belagernde Quar-Fürstin Yasammez hat sie durch die Jahrhunderte nie hingegeben. Yasammez will sich an den Menschen rächen, weil diese ihre Schwester, die Quar-Königin Saqri ermordet haben sollen. Lediglich durch ein von Ynnir durchgesetztes Abkommen, der Pakt des Spiegelglases, wird sie noch zurück gehalten. Ynnir vermag durch die Weitergabe de Feuerblume und seinen eigenen Tod auch, Königin Saqri aus dem Reich der Toten zurückzuholen und wieder zu erwecken.

Im dritten Teil von »Shadowmarch« wird das engmaschige Geflecht der vielen Figuren noch komplexer. Dachlinge, Funderlinge, Zwielichter, Traumlose, Stoltewichte und Menschen treten auf. Weinende Schatten, Gestalten aus Spinnweben, samtene Ratten, Männer mit glutroten Augen, riesige Wasserwesen, Hammerfüße, Tiefenettins und andere Urwesen aus den Tiefen der Erde kommen hervor. Der Autor zieht alle Register der Phantasie und schafft es dennoch, alle Fäden seines Epos gespannt zu halten.

In einem Gespräch, das ich mit Tad Williams bei der Vorstellung des vierten und letzten Bandes von »Shadowmarch« führen konnte, bezeichnete er sich selbst als »Kontrollfreak«. Damit erklärt er seine Fähigkeit, den Überblick über das gewaltige Getümmel zu behalten. Er will alles selbst gestalten vom Kostüm über das Licht bis hin zur Dramaturgie und kommt ohne Exposés, Stammbäume oder Hilfsmaterialien aus.

Tad Williams schreibt in kräftigen Schwüngen und überarbeitet seine Romane nicht wesentlich. Er behauptet sogar, die Manuskriptteile später nicht einmal mehr zu lesen. So verwundert es wenig, dass dieses anfangs auf drei Bände konzipierte Opus noch einen vierten Teil benötigt, um die Protagonisten zur letzten Schlacht wieder zusammen zu führen. Und es liegt in der Struktur der Erzählung, dass dieses Gefecht im Herzen der Südmarksburg geführt werden muss.

Hier geht es zur Rezension von Shadowmarch 4: Das Herz


Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Felis Vigor

\"nurel\"

Lediglich seinen Namen erinnert der junge Nurel, als er dem Tode nahe von drei Kämpfern in einem Waldstück aufgelesen und gepflegt wird. Alles andere liegt verschüttet im Brunnen seiner Erinnerung, und er erfährt nur stückweise seine Biographie. Danach wurde er in einem dunklen Verließ gefangen gehalten und mit schwarzmagischen Ritualen gequält. Alles deutet darauf hin, dass der Knabe in einen Katzenmenschen verwandelt werden soll.

Angela Planert beschreibt in ihrem Roman das Sich-Entdecken des jungen Helden Nurel, der hin und her gerissen ist zwischen den Kräften heller und dunkler Mächte. Die schwarze Macht wird mit Hilfe geheimnisvoller roter Mondsteine ausgeübt von einem bösen Zauberer und seiner Helferin Kujana, die den Jungen abhängig machen und in verbrecherische Dienste stellen wollen. Die helle Macht hingegen, über die einige seiner neuen Freunde verfügen, bedient sich heilkräftiger weißer Mondsteine. Überhaupt spielt der Mond und sein Einfluss eine wesentliche Rolle in diesem Fantasy-Roman, den die Schriftstellerin, gemeinsam mit ihren inzwischen drei weiteren Romanen als »Selenorische Bücher« bezeichnet. Den Begriff leitet sie von der mythologischen Mondgöttin und Titanin Selene ab.

Die Autorin, die sich in ihrem Weblog selbst »Nurel« nennt und damit ihre Identifikation mit dem Protagonisten des vorliegenden Romans verdeutlicht, legt mit »Felis Vigor« eine atemberaubend spannende Erzählung vor. In lebendigen Dialogen wird das Wechselbad der Gefühle deutlich, die der Hauptheld durchlebt. Dabei versteht es die Autorin geschickt, den Spannungsbogen zu halten und ihn durch immer neue Ereignisse und Figuren stark zu steigern. Am Ende des 332 Seiten starken Werks weiß Nurel zwar einiges über sich und seine vermutliche Herkunft, doch der inzwischen ebenfalls veröffentlichte Roman »Vigor« beschreibt sein weiteres Schicksal, und das dürfte kaum weniger spannend sein.

Beachtlich ist, dass Angela Planert spontan und ohne jedes Exposé oder lektorale Hilfe ihre Romane schreibt. Angeregt von einer Freundin und motiviert durch die amerikanische Autorin Julia Cameron setzt sie sich in ihrer freien Zeit an den Schreibtisch und schreibt spontan los, wobei sie nach eigenen Angaben der Fortgang der Handlung überrascht. Das vorliegende Ergebnis ist beachtlich und wurde zu Recht beim 1. Fantasy-Award ausgezeichnet.

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Kategorie: Fantasy
Verlag: Amicus Föritz

Shadowmarch 2

Mit dem Vormarsch einer Riesenstreitmacht der elbischen Qar unter Führung von Fürstin Yassamez gegen Südmark scheint die Welt aus den Fugen zu geraten. Im Reiche König Olin Eddons, der selbst gefangen in Hierosol sitzt und gegen ein hohes Lösegeld ausgetauscht werden soll, findet ein heimlicher Umsturz statt, der die Tolly-Brüder an die Macht bringt.

Begünstigt wird der Regierungswechsel durch das Verschwinden von Prinz Barrick, der mit dem ihm treu ergebenen Gardehauptmann Vansen hinter der Schattengrenze verschollen ist. Seine Zwillingsschwester, Prinzessin Briony Eddon von Südmark, entkommt den Thronräubern mit Hilfe des einstigen Waffenmeisters von Südmark, Shaso dan Heza und rettet ihr Leben.

Barrick Eddon und Ferras Vansen geraten in den Schattenlanden in die Hände des blutrünstigen Halbgottes Kituyik, der den versunkenen Tempel des Erdgottes Kernios wieder öffnen will, um sich die Macht der schlafenden Götter einzuverleiben. Sie schließen Freundschaft mit Gyir Sturmlicht, einem Schattenländer. Dieser vertraut Barrick einen wertvollen Wahrsagespiegel an. Barrick soll den Spiegel dem Qar-König Ynnir übergeben.

Währenddessen schickt der Autarch Sulepis, Gottkönig von Xis, dem mächtigsten Reich auf dem südlichen Kontinent Xand, eine Armada gegen Hierosol, um sich das gesamte Land Eion im Norden einzuverleiben. König Olin fällt dabei in seine Hände. Gleichzeitig greift der größenwahnsinnige Autarch Südmark an, deren Burg bereits von den Qar belagert wird.

Die Elbenarmee aus dem Schattenland wartete bislang mit einem Angriff auf die Burg, um den geheimnisvollen »Pakt des Spiegelglases« zu erfüllen. Mit diesem Pakt sollen die Götter besänftigt werden, die in das Reich des Schlafes verbannt wurden und sich danach sehnen, wieder in das Reich des Wachens zu kommen. Der Schlaf der Götter ist flach und fragil, ihre Gedanken drängen sich in die Gedanken und Träume der Völker und machen sich noch in vielerlei anderen Dingen bemerkbar. Der Gegenstand, nach dem die Qar streben, um schlimmstes Unheil zu verhindern, befindet sich ausgerechnet in der Burg, aus der sie vor Jahrhunderten vertrieben wurden, und die einst sogar Sitz der Götter selbst war: Südmark.

Gewaltige Armeen sammeln sich zu Füßen der Südmarksburg und erschüttern die Südmarksfeste und ihre Bewohner: die Menschen, die zwergenartigen Funderlinge, die versteckt lebenden winzigen Dachlinge und die auf dem Wasser wohnenden Skimmer. Wie geht das Ringen um die Macht aus?

Tad Williams gelingt das Wunder, die Perspektive des Betrachters zu verschieben. Gutes kann danach, historisch betrachtet, durchaus böse sein, und im vermeintlich Bösen liegt wiederum positive Kraft, lernt der Leser. Der Autor versteht es sogar, mit dem zweiten Band von »Shadowmarch« den Spannungsbogen noch weiter zu spannen und die Schilderung der Persönlichkeiten der verschiedenen Spielfiguren zu vertiefen. Trotz der schier unendlichen Zahl der auftretenden Personen, der zahlreichen Familien, Völker und Wesen hält er scheinbar mühelos die Fäden in der Hand und verknüpft sie mit großem Geschick.

Ähnlich wie bereits in seinem Epos »Otherland« stellt Williams jedem Kapitel einen scheinbar zusammenhanglosen Text voran, der zu einer weiteren und zwar tieferen Ebene zusammenwächst, die der aufmerksame Leser nach und nach entschlüsselt. Williams literarisches Gesamtkunstwerk ist zwischen Historienroman, Fantasyepos und mythologischem Drama angesiedelt und derart atemberaubend kunstvoll gesponnen, dass jedem, der sich darauf einlässt, allein schon in handwerklicher Hinsicht der Atem geraubt wird.

Hier geht es zur Rezension von Shadowmarch 3: Die Dämmerung


Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Eragon

Der junge Eragon entdeckt beim Jagen einen geheimnisvoll schimmernden Stein. Der seltsame Fund entpuppt sich als Ei eines Drachens, das ihm die Magie des Zufalls in die Hände gespielt hat. Tatsächlich springt die Eischale auf und eine junge Drachendame schlüpft: Saphira. Mit Hilfe eines alten Geschichtenerzählers erfährt Eragon die Bedeutung seines Funds: er ist zum Drachenreiter bestimmt. Drachenreiter schienen ausgestorben und wurden vom regierenden Diktator Galbatorix vernichtet, der sich damit seine düstere Herrschaft sicherte.

Die Kunde von der Wiedergeburt der Drachenreiter weckt Hoffnung auf Befreiung. Sie lockt aber auch allerlei Gegner und Feinde, die Eragons Familie weitgehend auslöschen, um den Jungen in ihre Gewalt zu bekommen. Ihm bleibt keine andere Wahl, als zu fliehen. Auf seiner weiten Reise ins Unbekannte trifft er Menschen, Ungeheuer, Elfen, Zauberer und lernt im Umgang mit ihnen, seine Fähigkeiten zu schulen und zu entwickeln. Er befreit eine Elfenprinzessin und schafft es im letzten Augenblick, seinen blutrünstigen Verfolgern zu entkommen und bei den Zwergen und Varden Unterschlupf zu finden.

Doch bald greifen die Mächte der Finsternis seinen Aufenthaltsort an und führen einen gewaltigen Schlag gegen das Reich der Zwerge. Eragon muss alle Kräfte und Fähigkeiten einsetzen, um seinen neuen Freunden beizustehen und den sicheren Untergang abzuwenden.

Der erste Band der Fantasy-Saga liest sich trotz seiner 730 Seiten geschmeidig und spannend. Das Werk ist ein echtes Jugendbuch. Es empfiehlt sich für diejenigen Leseratten, denen Tolkiens »Herr der Ringe« zu intellektuell und Tad Williams »Shadowmarch« zu vielschichtig ist. Aber auch ältere Leser können viel Freude bei der Lektüre empfinden. Serviert wird spannende Unterhaltung, und wer den ersten Band verschlungen hat, wartet gespannt auf die Fortsetzung der dramatischen Odyssee.

Interessant ist, den Werdegang des Bestsellers zu beleuchten. Christopher Paolini verfasste den ersten Band seiner Saga im zarten Alter von fünfzehn Jahren. Seine Familie unterstützte ihn mit Lektorat und brachte den Band schließlich im Eigenverlag heraus. Gemeinsam mit seiner Mutter unternahm der junge Autor, der nie eine öffentliche Schule besucht hat, eine gigantische Leserreise durch die USA und gewann tausende begeisterte Anhänger. Schließlich entdeckte ein Großverlag das Buch und nahm es in sein Programm auf. Als schließlich der Buchkonzern Random House den Autor unter seine Fittiche nahm, konnte der weltweite Drachenflug Eragons starten. Inzwischen ist das Buch verfilmt und der zweite Band in deutscher Sprache erschienen.


Kategorie: Fantasy
Verlag: Bertelsmann München

Der Ritter

In einem Brief an seinen Bruder berichtet ein Junge, den es in die Welt von Mythgarthr verschlug, über seinen Werdegang zum Ritter. Sir Able of The High Heart nennt sich der junge Held, der langsam erwachsen wird und viele Abenteuer in unterschiedlichen Sphären wie Alfarin und Muspel erlebt. Sein Ziel ist, das magische Schwert Eterne zu finden, um damit ein richtiger Ritter zu werden. Mit einem riesenhaften Wolfshund und einer magischen Katze sowie weiteren geheimnisvollen Gefährten besteht er Abenteuer, die ihn schließlich in das Reich der Frostriesen führen. Dort führt er gegen den Drachen Grengarm einen Kampf auf Leben und Tod …

In seltsam subtilem Stil erzählt der in seinem Sprachraum hoch gelobte Autor die Geschichte seines jungen Helden. Der Leser zieht an Sir Ables Seite durch die Ereignisse, um immer wieder festzustellen, dass viel geschieht, ohne dass es explizit beschrieben wird. Mit der lapidaren Art, mit der Schlachten und Kämpfe als selbstverständlich angesehen, aber eben nicht geschildert werden, soll der Leser angeregt werden, sein Phantasie zu benutzen. Das unterscheidet den Autor klar von den gängigen Fantasy-Schreibern, denen das Blut literweise aus der Feder tropft. Die ersten zweihundert Seiten des Bandes wirken leider wenig zusammenhängend, erst allmählich kristallisieren sich Handlungsstränge heraus, denen es zu folgen lohnt. Natürlich gibt es jede Menge Ungeheuer, Zauberschwerter, Drachen, Riesen, Questen, es geht auch um Liebe, Ehre und Edelmut — all die vertrauten Elemente des Genres werden berücksichtigt und eingewoben

Der Briefroman ist leserfreundlich in viele kleine Kapitel geteilt. Ausgesprochen billig wirkt allerdings, dass lediglich vier Vignetten geschaffen wurden, die sich endlos wiederholen … wobei diese Unsitte zu allem Überfluss auch noch im zweiten Band der Geschichte fortgesetzt wird …


Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Der Zauberer

Im Kampf gegen den Drachen Grengarm ist Sir Able of The High Heart gefallen und wird in den Götterhimmel Skai aufgenommen, wo er lange Zeit verbringt. Doch er sehnt sich nach seiner geliebten Prinzessin Disiri, deren Ritter er ist. Auf seine Bitten entlässt ihn der Walvater noch einmal nach Mythgarthr. Ihm wird allerdings das Gelübde abgenommen, von den zauberischen Fähigkeiten, die er inzwischen erlangt hat, keinen Gebrauch zu machen.

Sir Able trifft auf eine Welt, die in Auflösung begriffen ist. Die Frostriesen greifen an, und ein Drache aus Muspel will das Land unter seine Kontrolle bringen. Der inzwischen zum Mann gereifte Junge tritt wieder als einfacher Kämpfer den Gefahren entgegen, allerdings hat er jetzt eine Erfahrung und einen Hintergrund, der ihm zum Vorteil gereicht. Außerdem hat er Freunde und Getreue, deren Schicksalsfäden bereits im ersten Band gesponnen und nun wieder aufgenommen werden.

Der zweite und letzte Band der Geschichte aus Mythgarthr ist ebenfalls als Brief des Helden an seinen Bruder Ben verfasst. Er knüpft nahtlos an die Geschehnisse des ersten Buches an und rundet die Geschichte zu einem Fantasy-Werk der besonderen Art.


Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Shadowmarch 1

Garstige Lindwürmer überqueren die Grenze, grimmige Vögel mit Eisenschnäbeln schlagen Schafe, und graue Reiter legen im Auftrag des blinden Qar-Königs Ynnir ein geheimnisvolles Findelkind in der Südmark ab, über die König Olin Eddon dynastisch herrscht. Das ausgesetzte Kind wird von Chert und Opalia aufgenommen, einem Ehepaar vom Zwergenvolk der Funderlinge, das im Feld unter der Burg lebt. Sie nennen das geheimnisvolle Findelkind Flint.

Jenseits der für Menschen unpassierbaren Grenze lebt das alte Volk der Qar, das Jahrhunderte zuvor von ihren alten Wohnsitzen vertrieben wurde und sich seitdem hinter Nebelwänden verschanzt. Doch genau diese Schattengrenze beginnt sich plötzlich auszudehnen, und es scheint, als ob die alten Völker die Grenze überschreiten und ihr vor Jahrhunderten verlorenes Reich zurück verlangen.

Auf der Südmarksburg, dem Sitz der Herren der Mark, überschlagen sich derweil die Ereignisse: König Olin wird von Feinden gefangen gehalten. Prinzessin Briony, seine einzige Tochter, soll als Teil des Lösegeldes an die Entführer gehen. Ihr als Olins Vertreter regierender älterer Bruder Kendrick will sich auf den Handel einlassen. Jedoch wird der Prinzregent heimtückisch ermordet. Briony sowie ihr kränklicher Zwillingsbruder Barrick besteigen den Thron und übernehmen die Regierungsgeschäfte. Ihr treu ergebener Waffenmeister und Mentor Shaso wird der Bluttat verdächtigt und in Ketten gelegt.

In einem Strudel höfischer Intrigen und blutiger Kämpfe um die Krone erkennen die nun regierenden Eddon-Zwillinge spät, dass die von der Qar-Adligen Yassamez geführten Angreifer aus dem Nebelreich bereits vor den Toren der Stadt lagern. Diese steigen aus den dunkelsten Träumen der Königstreuen hervor und stiften heillose Verwirrung unter den Südländern.

Barrick macht sich an der Seite treuer Gefährten auf, gegen den Feind zu ziehen. Doch damit kommt der Mahlstrom der Ereignisse erst richtig in Fahrt … Seine Zwillingsschwester Briony wird darauf von Hendon Tolly attackiert, der an die Macht drängt. Mit knapper Not entkommt sie seiner Mordlust und kann aus Südmarksburg fliehen.

Tad Williams beginnt seine Tetralogie über die Schattenmark, indem er die zahlreichen Figuren, Völker und Kreaturen schrittweise und nachvollziehbar in die Handlung einführt. Das erleichtert es dem Leser, in das vielschichtige Geschehen einzutauchen und stärkt den weiten Spannungsbogen. Williams ist ein kunstvoller Erzähler mit enormem handwerklichen Geschick und hohem sprachlichen Niveau.

»Shadowmarch« ist keine dieser hundertundeins Fantasy-Geschichten, die in Tolkiens Gefolge das Genre aufgeschwemmt haben, obwohl seine Figuren und Völker durchaus an den »Herrn der Ringe« erinnern. Williams gehört zu den großen Erzählern. In Idee, Ausführung, Sorgfalt und Logik eilt er mit diesem Werk anderen Autoren um Längen voraus!

Hier geht es zur Rezension von Shadowmarch 2: Das Spiel


Kategorie: Fantasy
Verlag: Klett-Cotta Stuttgart

Der Ring der Nibelungen

Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein und sein Co-Autor Torsten Dewi erzählen die Geschichte vom legendären Ring der Nibelungen auf eigene Weise. Die Story beginnt mit der Geburt von König Siegmunds Sohn Siegfried, der als Waise in einer einsamen Waldschmiede aufgezogen wird. In Burgund verliebt sich der kräftige junge Mann in Kriemhild, die stolze Tochter des Königs von Burgund. Mit seinem Schwert Nothung besiegt er den Drachen Fafnir und verschafft sich Zugriff zum legendären Gold der Nibelungen inklusive Tarnhelm und Ring.

Als der Drachentöter von seinem Erbrecht auf das Königreich Xanten erfährt, stattet er mit dem Gold eine Söldnerarmee aus und zieht an der Seite von Burgunds König Gunther nach Xanten, um sein Erbe einzufordern. Dort will er zusammen mit Kriemhild regieren. Doch ein altes Gesetz fordert zuerst die Vermählung des Königs von Burgund, und als dieser Brünhild, die Regentin von Island, gewinnen will, nimmt das mit dem Ring des Nibelungen verknüpfte Unglück seinen Lauf …

Das blutrünstige Drama um Mord, Totschlag, Rache und Verrat endet mit Kriemhilds Rache. Ganz im Gegensatz zu Tolkiens »Herr der Ringe« geht es bei der Nibelungen-Saga nicht um Freundschaft, Beistand und moralische Werte sondern um die niedrigsten Triebe der Menschen: Gier, Neid, Missgunst und Eifersucht. Hohlbein arbeitet das gewaltige Heldenepos äußerst trivial auf, und seine viel gerühmte Erzählkunst wirkt merkwürdig flach gegenüber dem mächtigen Stoff, aus dem die Geschichte um die Nibelungen gewoben ist.


Kategorie: Fantasy
Verlag: Heyne München

Der dunkle Turm

Der siebte und letzte Band der gewaltigen Serie „Der dunkle Turm“ führt die Helden, soweit sie die bisherigen dramatischen Ereignisse überlebten, unerbittlich ihrem Ziel entgegen. Doch je näher sie ihm kommen, desto schneller läuft die Zeit und desto schrecklicher werden die Gefahren.

Die Gefährten gelangen nach Donnerschlag, wo sie ein fürchterliches Gemetzel anrichten müssen, um die Absichten des Bösen zu stoppen. Sie arbeiten sich unter dem geheimnisvollen Schloss Discordia durch, wo ein grässliches Ungeheuer auf sie wartet. Atemberaubende Verfolgungsjagden und Irrfahrten durch verwüstete Ödnisse mit grässlichen Bewohnern erwarten sie. Die Freunde lösen das Rätsel um Dandelo und stehen schließlich dem Scharlachroten König gegenüber, der im Turm gefangen ist. Und wer oder was findet sich schlussendlich im obersten Zimmer des babylonischen Turmbaus?

Der siebenbändige Zyklus erinnert an ein komplexes Computerspiel, bei dem magische Tore gesucht und gefunden werden müssen, die sich mit bestimmten Schlüsseln öffnen lassen und das Hinübergehen in eine andere Ebene gestatten. Mit dem Abschluss seiner Reihe ist Stephen King wohl sein größter Wurf gelungen. Keines seiner rund vierzig Bücher ist derartig verschlungen und anspruchsvoll, so tiefgründig und geheimnisvoll, so schrill und atemberaubend.

„Er hört die richtigen Stimmen und singt die richtigen Lieder“, sagt sein Protagonist Roland von Gilead über seinen Schöpfer. „Der dunkle Turm“ ist aber auch ein typisches Stephen-King-Buch. Er verkauft nach Dicke, und Amerika kauft nach Gewicht. Kings Stärke ist das Erzählen von Geschichten, das Weiterspinnen von Fäden, die er auch in anderen seiner Bücher schon ausgelegt hat. Es gibt einige US-Autoren, die King im Wortgefühl und in der Stilistik überlegen sind. Er aber thront über allen als begnadeter Erzähler, der er schaffte, seine Fans insgesamt drei Jahrzehnte fiebern zu lassen, bis die Suche nach dem Turm jetzt endlich vollendet vorliegt.


Kategorie: Fantasy
Verlag: Heyne München

Susannah

Ähnlich wie es den Autor gepackt zu haben scheint, sein gewaltiges Epos zu beenden, folgt auch der Leser im sechsten und vorletzten Teil des Zyklus wie elektrisiert der Geschichte des Quartetts um den Revolvermann Roland. Nachdem die Freunde sich als Roboter entpuppende Wolfsmänner geschlagen haben, entkommt ihnen die von einem Dämon geschwängerte Susannah/Mia durch eine Tür, die nach New York führt. Die Freunde versuchen, ihr zu folgen. Dabei geraten Roland und Jake in einen Hinterhalt. Sie entkommen ihren Mördern und wenden sich schließlich an ihren Schöpfer, den Autor Stephen King. Während dessen verfolgen Jake, Oy und Callaghan die hochschwangere Susannah alias Mia, die von den dunklen Mächten gezwungen wird, ihren Sohn auszuliefern. Gerade als die Retter versuchen, in den Unterschlupf der Unterweltler einzudringen und Mia Rolands Sohn gebärt, der ihn letztlich töten soll, also genau im spannendsten Moment, endet der Band und bringt den Leser um den Genuss des Showdowns. Clever, clever, Stevie!

In angehängten persönlichen Tagebuchauszügen lässt King keinen Zweifel daran, dass er seit dreißig Jahren an „Der dunkle Turm“ denkt und gelegentlich stoßweise arbeitet, wobei er das Werk zwischenzeitlich sogar völlig aus den Augen verloren hat.


Kategorie: Fantasy
Verlag: Heyne München