Alexander McQueen – Unseen

robert-fairer-courtesy-schirmer-mosel

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Robert Fairer war lange Zeit Fotograf für die Vogue und öffnet in der vorliegenden Prachtpublikation des Schirmer/Mosel Verlages sein Privatarchiv, eines der wohl bestgehüteten Geheimnisse der Modebranche. Der Designer Alexander McQueen steht als weltbekannter Designer etwa für „Plato’s Atlantis“. Das Vorwort von Sally Singer, Creative Digital Director von Vogue, erzählt die Geschichte der legendären Shows des Star-Designers als Gesamtkunstwerk. In ihrem Narrativ spielt die rasante technische Entwicklung eine große Rolle, ohne die vieles auch in der Modewelt nicht möglich geworden wäre. Modeschauen seien früher hauptsächlich private Angelegenheiten gewesen, heute gäbe es instagram, twitter, snaps, pins, live streams, apps oder sogar Insta-Images.

McQueen: Atlantis für Modebewusste

Das vorliegende Buch sei ein „hinreißendes Protokoll einer untergegangen Welt“, das sich atemberaubend, aufregend und anmutig schön betrachten lasse. Der britische Fotograf Robert Fairer hat in beinahe zwanzig Jahren bis zu 100 Modenschauen pro Saison fotografiert und davon zehn Jahre exklusiv für die amerikanische Vogue. Für den Designer Alexander McQueen (1969-2010) hat er viele Aufträge übernommen, angefangen bei dessen ersten düster-morbiden Laufsteg-Inszenierungen in London in den 1990er Jahren bis zur letzten Kollektion „Plato’s Atlantis“.

Edles Tuch, schöner Sch(r)ein

Der allein schon durch sein Cover durchaus als opulent zu bezeichnende Bildband „Alexander McQueen – Unseen“ ist als deutsche Ausgabe bei Schirmer/Mosel erschienen und zeigt in 376 Fotografien von Robert Fairer was Mode alles kann. Federn, Metall, vergoldete Tiergerippe, mit Swarovski-Eiern bestückte Vogelnester oder auch alte Getränkedosen wurden von McQueen für seine phantasievolle Kreationen instrumentalisiert. Auf turmhohen Plateausohlen schickte er seine Modells durchs Wasser wateten oder er ließ einen Roboter ein Model in weißem Kleid mit Farbe besprühen.

Stil und Mode für Voyeure und Flaneure

Die Essays von Sally Singer (Vogue) und Claire Wilcox (Victoria & Albert Museum) machen das vorliegende Buch „Alexander McQueen – Unseen“ auch zu einem Insiderbericht über die Modewelt und verstehen sich ebenfalls als eine opulente Hommage an eine untergegangene, äußerst elitäre Welt auf der einen und an die einzigartige Schönheit von McQueens Kreationen auf der anderen Seite. Ein ganz besonderes Buch für alle Mode-Aficionados, Fashion Week-Interessierte und auch ein bisschen für Voyeure und Flaneure.


Kategorie: Biographien, Fotografie, Mode
Verlag: schirmer/mosel

Der Fotograf der Wahrheit

Jürgen Henschel steht in der Tradition der Arbeiterfotografen der Zwanziger Jahre. Stets begleitete »der Mann mit der Leiter« die Proteste der jungen Westberliner Generation, die sich 1968/69 in schweren Auseinandersetzungen entluden. Er war ein Chronist der APO und anschließender Protestbewegungen »von unten«.

Henschel interessierte sich nicht für Kaiser und Könige, Stars und Sternchen, Präsidenten und Politgrößen – er blieb in wahrsten Sinne des Wortes der alltäglichen »Wahrheit« verpflichtet, wie das Zentralorgan der SEW, für das er tätig war, programmatisch hieß.

Unsterblich geworden ist der stets freundliche, bescheidene und von seinen schreibenden Kollegen verehrte Bildberichterstatter durch sein Foto des ermordeten Benno Ohnesorg, dessen Kopf von einer fassungslosen Passantin gehalten wird. Der Student war am 2. Juni 1967 durch einen gezielten Schuss des Westberliner Polizisten Kurras hinterrücks ermordet worden. Das Henschel-Foto ging um den Erdball und wurde zur Legende.

Dieser Bildband setzt Jürgen Henschel ein verdientes Denkmal. Wer sich für das Westberlin der Studentenunruhen interessiert, findet hier umfangreiches Material.


Kategorie: Fotografie
Verlag: Berlin Story

Die totale Erinnerung

Nordkorea, das Land, in dem die rote Sonne Kim Jong Ils ohne Unterlass scheint, ist eine der wenigen unerforschten Flecken unserer Erde. Sagenumwoben wird einer der letzten Bastionen des Personenkults alles Mögliche unterstellt und angedichtet: vom Kannibalismus seiner ausgehungerten Landsleute bis zum Größenwahn des geliebten Führers, der mit Drogen handeln, wüste Partys feiern und diversen Lastern frönen soll. Der amerikanische Präsident wittert inzwischen sogar den Achselschweiß des Bösen von Pjöngjang bis ins Oval Office und möchte gern sein tödliches Deo versprühen. Da kommt der erste Bildband mit Fotos aus dem Inneren des kommunistischen Landes gerade recht, um sich zumindest einen optischen Eindruck zu verschaffen.

Ist es möglich, ein Land abzubilden, dessen Regime streng darüber wacht, was offizielle Besucher sehen und fotografieren dürfen? Christian Kracht als Autor sowie Eva Munz und Lukas Nikol als Fotografen des Bildbandes berichten, dass sie immer wieder von Aufsehern in inszenierte Situationen gelenkt wurden, die sie ablichten konnten. Sogar die Einfahrt eines U-Bahn-Zuges soll gestellt gewesen sein: die Fahrgäste waren Schauspieler, auffallend viele steckten in nationalen Trachten. Die drei waren zu Dreharbeiten eines historischen Filmes geladen, bei dem alles echt aussah, bis sie bemerkten, dass die Kabel der Filmkamera ausgestöpselt waren. In dieser Show wurden sie selbst gefilmt und am Abend im Staatsfernsehen ausgestrahlt, um zum Bestandteil der Inszenierung zu werden. Die Autoren erlebten die Volksrepublik als farbenprächtiges Theaterstück, in dem sie selbst zu aktiven Mitwirkenden wurden.

Ein derart geschmähtes Land wie Nordkorea will sich verständlicherweise von seiner besten Seite zeigen und lässt keine Gelegenheit aus, frische Blumen und fröhliche Menschen aufzustellen. Die Kulisse dient dem Gastgeber, um konfuzianisch das Gesicht zu wahren und peinliche Situationen im Vorfeld zu vermeiden und ehrt gleichermaßen den Besucherfreund. Um ihre Befangenheit in dieser Inszenierung auszudrücken, unterlegten die Buchmacher ihre rund einhundert Farbabbildungen mit Zitaten aus dem Regelwerk »Über die Filmkunst« des als Filmfreak bekannten Großen Führers. Kracht schreibt dazu über Kim Jong Il: »Er ist, in seinen eigenen Worten, Sonne, Sterne und Erde zugleich; Kamera, Leinwand und Projektor; schließlich auch Regisseur und Publikum«. So mag auch die vorliegende Veröffentlichung als Teil einer staatlich inszenierten Operette gesehen werden.

Die Bilder von Munz und Nikol wirken distanziert und beklemmend kühl, sie unterscheiden sich kaum von touristischen Fotos, die sich beispielsweise im Internet von gelegentlichen Reisen in die Volksrepublik finden. Gleichwohl öffnen sie ein Fenster in die durchkomponierte Welt des Sohns von Kim Il Sung, die sich dem Betrachter als größtes, manisches Kunstwerk auf Erden darstellt: Kim Jong Ils Volksrepublik Nordkorea.


Kategorie: Fotografie
Verlag: Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins Berlin

The Frenchman

Nur eine Stunde lang stand Fernandel, der berühmte französische Filmstar mit dem markanten Pferdegesicht, dem im Amerika lebenden Fotografen Philippe Halsman anno 1948 Modell. Halsman, einer der Großen der amerikanischen Porträtfotografie, versuchte dabei ein fotografisches Experiment, indem er den Schauspieler bat, nur pantomimisch auf seine Fragen zu antworten. Es entstand ein feinfühliges Zwiegespräch ohne Worte, das zeitlos wirkt. Selbst ein halbes Jahrhundert später beschert es Freude, die anrührende Mimik und den poetischen Charme des lebhaften Franzosen im Pepitaanzug zu betrachten.

»Stimmt es, dass der Durchschnittsfranzose im Gedränge immer noch hübsche Mädchen kneift? …«, fragt der Fotograf, und Fernandel grinst als Antwort spitzbübisch bis über beide Ohren. Doch als er darauf erfährt: »… und wissen Sie, dass man sich mit einem solchen Verhalten hierzulande Gefängnis einhandelt?«, reagiert er derart erschreckt, als sei ihm gerade der Leibhaftige begegnet. Ob er wisse, dass ein Star seines Kalibers leicht ein gewaltiges Vermögen in Hollywood verdienen könne, will Halsman wissen. Fernandel mimt den aus seinen herrlichen Filmen bekannten Pater Don Camillo, breitet beide Arme aus, lächelt beseelt zum Himmel und hält sich mit weiteren Äußerungen zurück.

Fünfzig Jahre lang war das fotografische Interview mit Fernandel in seiner Rolle als typischer Frenchman vergriffen. Der Reprint schenkt eine lange Weile Heiterkeit, denn das Gesicht des weltberühmten Hobbyschauspielers aus Südfrankreich sagt viel mehr als tausend Worte.


Kategorie: Fotografie
Verlag: Taschen Köln