Dark Wood

Dark WoodAuf sich gestellt und rund um die Uhr von Kameras überwacht, sollen sechs Angestellte einer Hamburger Werbeagentur ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Für eine neue TV-Reality-Show müssen sie drei Tage und Nächte in einem abgelegenen Camp im Norden Norwegens einen hinterhältigen und zum Teil lebensgefährlichen Parcours bewältigen. Aber die schikanösen Aufgaben sind das kleinste Problem der Gruppe. Denn in den Wäldern lauert ein uraltes Grauen, eine tödliche Bedrohung, die die sechs vernichten will…

Es ist DIE neue Erfolgsshow im deutschen Fernsehen. Finanziell angeschlagene Firmen können sechs ihrer Mitarbeiter an der Show teilnehmen lassen denn das Preisgeld beträgt 500.000 Euro und hat schon so manch kleine Firma vor der Insolvenz bewahrt. Für den Publikumsliebling gibt es obendrein noch einmal 50.000 Euro. Somit melden sich sechs Mitarbeiter einer Hamburger Werbeagentur, der das Wasser bis zum Hals steht, um ebenfalls bei der Reality-Show mitzumachen.

Die Teilnehmer sind der übergewichtige Systemadministrator Sören, die Sexbombe Katja, die graue Maus Dagmar, der Weiberheld Lars, der arrogante Bernd und der mit dem Chef befreundete Gunnar.

Alle Mitarbeiter sind motiviert, die Agentur zu retten, haben darüber hinaus aber auch alle ihre eigenen, privaten Probleme und können aus verschiedensten Grünsten die 50.000 Euro Extraprämie sehr gut gebrauchen. Außerdem haben alle ihre kleinen oder größeren Geheimnisse und nach und nach kommt raus, dass sie doch nicht so ein gutes Team sind wie sie eigentlich immer dachten …

Kaum in der Wildnis angekommen, werden sie gekonnt gegeneinander ausgespielt, und von Teamgeist ist schon nach dem ersten Tag nicht mehr viel zu sehen.

Dabei ist Teamgeist das, was sie jetzt am meisten brauchen, denn schon sehr bald passieren komische Dinge: Die Filmcrew ist plötzlich verschwunden und eine Kontaktaufnahme zur Außenwelt ist nicht möglich. Als einer der Kandidaten verletzt wird, wollen sie die Show abbrechen, aber das ist nicht möglich, denn der Hubschrauber, der sie in der Wildnis abgesetzt hat, kommt erst in drei Tagen zurück und somit sitzen sie fest.

Darüber hinaus haben sie keine Nahrung und kein Trinkwasser, denn das wären die Gewinne der einzelnen Spiele/Aufgaben, die es absolut in sich haben und völlig übertrieben sind. Somit haben die Kandidaten keine Wahl als trotz allem noch die Aufgaben zu bewältigen, wenn sie in den nächsten Tagen essen und trinken wollen. Außerdem wird immer deutlicher, dass in diesen Wäldern noch ganz andere Gefahren lauern. Was als Spiel begann wird schnell zum Kampf um Leben und Tod…

Das Buch war von Anfang an sehr spannend und das nicht nur, weil die gesamte Show innerhalb kürzester Zeit so dermaßen außer Kontrolle gerät, sondern auch, weil man nach und nach erfährt, welche Geheimnisse jeder der Teilnehmer zu hüten versucht und weil sich in dieser Extremsituation auch sehr schnell der wahre Charakter jedes Einzelnen zeigt. Die gestellten Aufgaben sind sehr kreativ und es gibt einige überraschende Wendungen.

Natürlich ist vieles ziemlich übertrieben, manche Handlungen sind echt nicht nachzuvollziehen, aber mir hat das Buch sehr gut gefallen und die „Metzeleien“ halten sich auch in Grenzen. Die Geschichte ist nicht unnötig von Blut durchtränkt, vielmehr geht darum, die drei Tage bis zur Rettung durchzuhalten und sich mit wenigen Hilfsmitteln am Leben zu halten und sich zu verteidigen.

Eine kreative, coole und spannende Mischung aus „wrong turn“, „28 days later“ und dem Dschungelcamp. Muss man schon mögen aber ich persönlich fand es super!

Thomas Finn, geboren 1967 in Chicago, wuchs in Deutschland auf und wohnt in Hamburg. Er ist ausgebildeter Werbekaufmann, Diplom-Volkswirt und preisgekrönter Spiele- und Romanautor. Er arbeitete als Lektor und Dramaturg in einem Drehbuchverlag und als Chefredakteur des Phantastik-Magazins Nautilus. Für seinen Roman „Das unendliche Licht“ gewann er 2007 den Literaturpreis ‚Segeberger Feder‘. Viele Titel der Rollenspielreihe „Das schwarze Auge“ stammen aus seiner Feder.


Kategorie: Horror, Thriller
Verlag: Knaur TB

Albino Devil

albinoEine unberührte Naturlandschaft. Eine fast vergessene Legende. Die Brut der Hölle, die einen harmlosen Abenteuerurlaub in ein blutiges Schreckensszenario verwandelt. Larissa bricht mit drei Freunden zu einem Camping-Trip in den rumänischen Karpaten auf. Phantastische Naturimpressionen, Lagerfeuerromantik und tanzende Hormone sorgen schnell für eine ausgelassene Stimmung, die auch nicht von der Legende des Albino Teufels getrübt wird, von der Medizin-Student Marc erzählt. Schnell jedoch hält der Trip in die Berge mehr Abenteuer für die Gruppe bereit, als ihnen lieb ist. Zudem bemerkt Larissa, dass Marc ein Geheimnis vor den anderen verbirgt. Bald schon entwickelt sich der Ausflug zu einem blutigen Albtraum – und einem Kampf um das nackte Überleben. Abenteuer, Sex und Horror!

Larissa ist Mitte 20 und hat sich dazu entschlossen mit Ihrem lockeren Bekannten Marc und seiner Freundin auf einen Campingtrip in die Karpaten zu gehen. 3-4 Tage sollen es werden, mit einer strammen Wanderroute, tollen Natureindrücken, Lagerfeuer und Übernachtungen im Zelt.

Larissa ist mit Marc gar nicht sooo gut befreundet, will sich diesen Trip aber nicht entgehen lassen. Seine Freundin, mit der Marc erst seit 3 Monaten zusammen ist, kennt sie noch gar nicht.

Mit von der Partie ist Marcs Freund, ein Computer-Nerd der in der wilden Natur eigentlich völlig fehl am Platz ist.

Die ersten zwei Tage verlaufen super, doch dann fängt die Gruppe an sich beobachtet und verfolgt zu fühlen und Marc wird immer nervöser, so als ob ahnt dass etwas ganz und gar nicht stimmt…!

Eigentlich gibt es zu der Geschichte nicht viel zu sagen, die story ist durch Filme wie „the hills have eyes“ oder „wrong turn“ bestens bekannt. In den Wäldern lebt ein seltsam zurückgebliebener Stamm von Männern die u.a unter dem Gendefekt des Albinismus leiden. Sie leben einem großen Höhlensystem und entführen immer wieder Wanderer um u.a frisches Blut in ihren Genpool zu bringen…!

Wer auf Filme wie „The hills have eyes“ oder „wrong turn“ steht der sollte dieses Buch unbedingt lesen denn genau so eine Geschichte bekommt man, nicht mehr und nicht weniger.

Ich Persönlich liebe diese beiden Filme, wusste dass das Buch so sein würde, habe exakt aus diesem Grund gekauft und wurde nicht enttäuscht denn es hat mir ziemlich gut gefallen!

Wer mit dieser Art nichts anfangen kann der sollte aber die Finger von dem Buch lassen denn eine große Handlung darf man nicht erwarten, obwohl ich positiv überrascht war denn ich hatte sogar mit noch weniger Handlung gerechnet. Es gibt zwar viel Gewalt, Metzeleien und auch die eine oder andere Vergewaltigungsszene aber es geht auch viel um die abenteuerliche Flucht und den Kampf gegen die Albinos und das Buch besteht nicht ausschließlich aus Gewaltexessen…!

Dem Autor ist auch durchaus bewusst dass er sich sehr an die von mir erwähnten Filme lehnt und so musste ich schon sehr schmunzeln als zwei der Hauptfiguren an der letzten runtergekommenen Tankstelle am Rand der Zivilisation anmerken „Also irgendwie erinnert mich das hier an „The hills have eyes“ oder „wrong turn“! Diesen Schachzug und dass sich der Autor damit selbst ein wenig auf die Schüppe nimmt fand ich einfach nur cool!

Gut gefallen hat mir auch die Hauptfigur Larissa, die mit Ihren schwarzgefärbten Haaren, den piercings,  Tattoos und einem spezielleren Charakter etwas aus der Rolle fällt…!

Ich kann dieses Buch gut empfehlen aber an  solche (recht flachen) und metzeligen Geschichten auf jeden Fall mögen…!

1978 in Friesoythe geboren, arbeitet André Wegmann seit 2011 als Autor und Texter. Er hat bereits einige Romane und Geschichten aus dem Horror-Genre veröffentlicht.


Kategorie: Horror
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

The Fireman

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Wieder mal naht das Ende der Welt, dieses Mal in Form der globalen Seuche »Dragonscale«, eine Krankheit, die die Haut der Befallenen zwar mit wunderschönen Mustern bemalt, aber eben auch dafür sorgt, dass diese über kurz oder lang spektakulär in Flammen aufgehen. Es gibt kein Gegenmittel, weite Teile des Landes sind bereits verbrannte Erde und die noch nicht Infizierten versuchen verzweifelt, sich mit allen Mitteln zu schützen und dazu gehört auch, die Kranken präventiv zu töten. Die Krankenschwester Harper hat sich ebenfalls angesteckt und als ihr Psycho-Ehemann dahinter kommt, will er sie und ihrer beider ungeborenes Kind umbringen.

Die Rettung naht in Gestalt von John Rookwood, der als »Fireman« einen legendären Ruf erworben hat, da er nicht nur gelernt hat, sich vor den Flammen zu schützen, sondern diese als Waffen zu benutzen. John bringt Harper nach Camp Wyndham, ein Rückzugsort für Infizierte, die aber mit der Krankheit umzugehen wissen und daher nicht unmittelbar gefährdet sind. Zunächst lässt sich alles gut an, aber schon bald wachsen die Spannungen im Camp und Harper muss erkennen, dass die mobilen Verbrennungskommandos der »Gesunden« nicht die einzige Gefahr für sie und das Kind in ihrem Leib darstellen…

Mit »The Fireman« hat Joe Hill sein bisher bestes Buch abgeliefert, ausgefeilte Charaktere vielschichtig gezeichnet, geistreich witzige Dialoge, ein stringenter Plot und ein gelungen aufrechterhaltener Spannungsbogen lassen trotz knapp 800 Seiten keine Langeweile aufkommen. Dabei bedient er eine breite Palette an Lesern, die Fans von apokalyptischen Endzeit-Szenarien ebenso wie die klassischen Gore-Hounds, denn auch bei den blutigeren Szenen hält er bis zum bitteren Ende voll drauf statt barmherzig abzublenden, wie es andere Genre-Schreiber schon mal gern tun. Am wichtigsten aber ist: Joe Hill hat eine interessante Geschichte zu erzählen und das macht er richtig gut, denn er hat sich auch sprachlich gehörig weiterentwickelt, ohne dass die Empathie dabei zu kurz kommt. Auf die kommenden Werke dieses Autors darf man jedenfalls gespannt sein.

Überhaupt ist das Frühjahr 2016 eine höchst erfreuliche Zeit für alle Freunde gepflegter Horror-Literatur: Zunächst legt Joe Hill vor und demnächst zieht dann sein Dad Stephen King mit »End of Watch«, dem Abschluss der Bill Hodges-Trilogie nach; ein weiteres Highlight, auf das sich nicht nur die Hardcore-Fans freuen können.

P.S.: Wie schon in seinen früheren Werken beweist Joe Hill übrigens auch in »The Fireman« einen exzellent erlesenen Musikgeschmack. 😉

P.P.S.: Joe Hill vermarktet sein Buch absolut professionell. Schon vor dem Erscheinen verschickte er großflächig Rezensionsexemplare, so dass sich sein Vater in einer Mail beschwerte »…it would be really nice if I could get an advance reader’s copy of my son’s book since every motherfucking person on the planet seems to have a copy.« Derzeit tourt er unermüdlich auf Vortrags- und Lesereise und begleitet das ausführlich in den sozialen Netzwerken wie Twitter. Ergebnis: »The Fireman« steht aktuell auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste.


Kategorie: Endzeitthriller, Horror
Verlag: William Morrow

Basar der bösen Träume

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Ein Auto, das Leute frisst, ein Strand, an dem wie von Geisterhand Namen von bald Sterbenden geschrieben werden und ein Kindle mit magischen Qualitäten. Das sind nur einige der Protagonisten in »The Bazaar of Bad Dreams«; willkommen in der Welt von Stephen King! In dieser neuen Sammlung von Kurzgeschichten zeigt der Meister, dass er auch dieses Metier perfekt beherrscht. Er wird ja von Kritikern oft für seine angeblich allzu ausschweifenden Romane kritisiert (eine Einschätzung, die ich ganz und gar nicht teile), aber hier ist er zur Selbstdisziplinierung gezwungen und das funktioniert, die Pointen sitzen und treffen zielsicher.

»Basar der bösen Träume« enthält neben dem Hardcore-Fan bereits bekannten Stories wie »Mile 81«, »Bad Little Kid«, »Ur«, »Under the Weather« und »Blockade Billy« jede Menge neues Material und auch das ist richtig gut, der Leser wird immer wieder aufs Neue überrascht vom Einfallsreichtum und der Erzählkunst des Autors. Zu jeder Geschichte gibt es eine sorgfältige Einleitung über die Entstehung, die ebenso lesenswert ist wie die Story selbst. Enthalten ist übrigens auch »That Bus is Another World«, die Idee dafür hatte King, als er im November 2013 auf Europa-Tournee war, bei der Lesung in München erzählte er davon.

Für Fans ist das Buch sowieso ein Muss, für Neulinge ein prima Einstieg in das Alptraum-Universum von Mister King. Vergleichen lässt sich diese Geschichtensammlung (wie so vieles) mit einer Schachtel Pralinen, man kann sie nach und nach genießen, oder alles möglichst schnell hinunter schlingen. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden, die erste lässt sich ja nachholen.

P.S.: Ich habe das Buch im amerikanischen Original gelesen und kann daher die Qualität der Übersetzung nicht beurteilen.


Kategorie: Horror
Verlag: Heyne München

Fida

Fida

Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind einfach verschwindet? Wenn Sie nicht wissen ob es noch am Leben oder schon tot ist? Würde Ihre Familie näher zusammenwachsen oder unter der Last auseinanderbrechen? Wann würden Sie die Hoffnung aufgeben? Und wie weit würden Sie gehen, wenn Sie den Täter finden? Die dreizehnjährige Laura kam nach einem Besuch in der Bücherei nicht nach Hause. Schnell fand die Polizei einen Verdächtigen – doch keine Spur von dem Kind. Seit mehr als einem Jahr sucht Tatjana nach ihrer Tochter und ist nicht bereit, die Hoffnung aufzugeben. Während ihre Ehe langsam zerbröckelt und ihr Leben zerfällt, setzt sie alles daran, herauszufinden, was geschah. Tom wollte schon immer ein Haustier. Am liebsten ein Hündchen, das seinen Befehlen gehorcht. Doch sein Vater Wolfgang ahnte schon damals, was für eine bösartige, sadistische Ader sein Sohn hat und so blieb dieser Wunsch lange unerfüllt. Heute ist Wolfgang alt und bettlägerig – und Thomas erwachsen. Tom findet, es ist Zeit, sich seine Wünsche selbst zu erfüllen. Zeit für Fida!

Tom ist ein Soziopath, er ist nicht fähig Gefühle oder Mitleid für andere zu empfinden und es bereitet ihm Größtes Vergnügen seine sadistischen Triebe an Frauen auszulassen! Jetzt ist es endlich soweit denn Tom hat das alte Haus seiner Eltern übernommen, den Keller schalldicht isoliert und sich die 13 jährige Laura für seine sadistischen Vorlieben ins Haus geholt…! Seit nunmehr einem Jahr hält er Sie nun schon in seinem Keller gefangen, während Lauras Mutter Tatjana an Ihrer Trauer und der Ungewissheit über den Verbleib Ihrer Tochter fast zerbricht. Anders als Ihr Mann, ist Tatjana nämlich nicht in der Lage nach vorne zu blicken, was die Ehe extrem stark belastet. Einmal in der Woche zieht Tatjana mit Flugblättern los um diese in der ganzen Stadt aufzuhängen, dabei ahnt Sie nicht wie nah Sie Laura dabei immer wieder kommt…!

Die Geschichte wird abwechselnd aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, nämlich aus Lauras, Tatjanas und Toms Perspektive, was mir gut gefallen hat.

Sehr intensiv wird auf Tatjanas Gefühlsleben und Ihre Verzweiflung eingegangen, die Autorin hat sich wirklich gut in eine leidende Mutter hineinversetzt.

Auch über Tom und seine Neigungen, die er bereits in frühster Kindheit entdeckte, wird ausführlich eingegangen und auch das hat mir gut gefallen.

Die Geschichte ist krass, grausam und schockierend und nicht unbedingt etwas für zarte Gemüter, obwohl ich sie mir wesentlich blutiger vorgestellt hatte. Die Autorin berichtet zwar von den Taten die der Entführer Tom an Laura begeht, bricht aber oftmals im richtigen Augenblick ab und überlässt die finalen Handlungen der Phantasie des Lesers, was ich sehr positiv fand. Diese Tatsache, und auch dass sich so intensiv mit der Psyche der beteiligten Figuren beschäftigt wird, lässt die Geschichte nicht so „billig“ wirken wie es bei solchen Büchern oft der Fall ist und werte Sie meiner Meinung nach gut auf…!

Nicht die körperliche-, sondern die psychologische Folterung des Opfers steht hier im Vordergrund, denn Toms Ziel ist es, Laura komplett zu brechen und Sie nach und nach quasi in sein „Hündchen“ „Fida“ zu verwandeln, welches ihm bedingungslos gehorcht…!

Ein Buch was für dieses Genre recht viel Niveau an den Tag legt und mir gut gefallen hat.

Auch das Ende hat mir gut gefallen denn es ist kein klassisches „Friede-Freude-Bratkartoffel“ Ende.

Eine Sache hat mich allerdings ziemlich gestört, das Buch wimmelt von Rechtschreibfehlern (nicht dass ich da perfekt wäre), Wörter sind doppelt geschrieben und Sätze sind ab und an mal verdreht und das hat mich schon ziemlich genervt…!

Stefanie Maucher lebt in Leipzig und wurde 1976 in Stuttgart geboren. Sie sammelte Erfahrung in verschiedenen Berufszweigen und widmet sich nun ihrem Kindheitstraum, dem Schreiben von Geschichten. Ihr Buch „Fida“ wurde 2013 für den Vincent Preis in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman“ nominiert. Mit diesem Preis werden jedes Jahr die besten Werke der Genres „Horror“ und „Unheimliche Phantastik“ ausgezeichnet.


Kategorie: Horror
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

The Bazaar of Bad Dreams

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Ein Auto, das Leute frisst, ein Strand, an dem wie von Geisterhand Namen von bald Sterbenden geschrieben werden und ein Kindle mit magischen Qualitäten. Das sind nur einige der Protagonisten in »The Bazaar of Bad Dreams«; willkommen in der Welt von Stephen King! In dieser neuen Sammlung von Kurzgeschichten zeigt der Meister, dass er auch dieses Metier perfekt beherrscht. Er wird ja von Kritikern oft für seine angeblich allzu ausschweifenden Romane kritisiert (eine Einschätzung, die ich ganz und gar nicht teile), aber hier ist er zur Selbstdisziplinierung gezwungen und das funktioniert, die Pointen sitzen und treffen zielsicher.

»The Bazaar of Bad Dreams« enthält neben dem Hardcore-Fan bereits bekannten Stories wie »Mile 81«, »Bad Little Kid«, »Ur« und »Blockade Billy« jede Menge neues Material und auch das ist richtig gut, der Leser wird immer wieder aufs Neue überrascht vom Einfallsreichtum und der Erzählkunst des Autors. Zu jeder Geschichte gibt es eine sorgfältige Einleitung über die Entstehung, die ebenso lesenswert ist wie die Story selbst. Enthalten ist übrigens auch »That Bus is Another World«, die Idee dafür hatte King, als er im November 2013 auf Europa-Tournee war, bei der Lesung in München erzählte er davon.

Für Fans ist das Buch sowieso ein Muss, für Neulinge ein prima Einstieg in das Alptraum-Universum von Mister King. Vergleichen lässt sich diese Geschichtensammlung (wie so vieles) mit einer Schachtel Pralinen, man kann sie nach und nach genießen, oder alles möglichst schnell hinunter schlingen. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden, die erste lässt sich ja nachholen.

P.S.: Die deutsche Ausgabe erscheint am 18. Januar 2016


Kategorie: Horror, Kurzgeschichten und Erzählungen
Verlag: Hodder & Stoughton

A Head Full Of Ghosts

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Die Barretts sind eine amerikanische Vorzeigefamilie: Mom, Dad und zwei Töchter, Marjorie (14) und Merry (8). Doch die Idylle ist trügerisch, denn Marjorie beginnt, sich merkwürdig zu benehmen; ihr Verhalten ist trotz Teenager-Bonus nicht mehr erklärbar. Spontanes Erbrechen, Sprechen mit verschiedenen Stimmen und allgemeine Bösartigkeit, das ganze Programm halt. Ärztliche Behandlung zeitigt keine Erfolge, die Kosten wachsen den Barretts über den Kopf (Dad hat seinen Job verloren, dafür aber die katholische Kirche gefunden; Mom sucht derweil Trost im Wein) und so trifft es sich gut, dass sich ein TV-Sender für die Geschichte interessiert, eine Reality-Show wird aus dem Boden gestampft, mit einem leibhaftigen Exorzismus als Höhepunkt.

15 Jahre später erzählt die kleine Schwester Merry einer Autorin die damaligen Geschehnisse aus ihrer Sicht, ein Buch soll verfasst werden. Schnell wird deutlich, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen, ständig tauchen neue Aspekte auf, die ein anderes Licht auf die Ereignisse werfen und über allem schwebt die Frage: War Marjorie krank, von einem Dämon besessen oder einfach nur eine verdammt gute Schauspielerin?

»A Head Full of Ghosts« wurde mir von keinem Geringeren als Stephen King (via Twitter) empfohlen und auf den Meister ist Verlass. Der Roman ist beileibe kein konventioneller 0815-Horrorschocker, sondern ein Thriller durchaus abseits des Mainstreams. Paul Tremblay zeichnet darin das Psychogramm des Zerfalls einer Familie und das tut er äußerst gekonnt. Die dichte Atmosphäre fesselt den Leser, der stringente Plot sorgt für atemberaubende Spannung; es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Auch die kritische Betrachtung des Religions- und Medienbetriebs überzeugt, die Protagonisten handeln nachvollziehbar und sind vielschichtig angelegt, ein ungetrübtes Lesevergnügen!

P.S.: Eine deutsche Ausgabe ist (noch) nicht erhältlich, vielleicht ändert sich das ja bald, wünschenswert ist es allemal.


Kategorie: Horror, Thriller
Verlag: William Morrow

Haus der bösen Lust

Justin Collier, ei51aiM5r34sL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_n Bierexperte mit eigener TV-Show, begibt sich zu Recherchezwecken für sein neues Buch in den tiefsten Süden der USA, nach Gast, Tennessee. Das Kaff ist benannt nach dem schwerreichen Howard Gast, der zu Zeiten des Sezessionskriegs eine Eisenbahnlinie bauen ließ und dafür – lokalen Gerüchten zufolge – seine Seele dem Teufel andiente. Collier steigt in Gasts ehemaligem Wohnhaus ab und merkt schon bald, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Geistererscheinungen und schreckliche Alpträume aus der Vergangenheit sind hier an der Nachtordnung und dazu kommt noch seine Libido, die verrückt spielt und sich rasend steigert …

Edward Lee brennt hier ein wahres Horror-Feuerwerk ab, das keine Wünsche offen lässt und dem geneigten Fan ein riesiges Lesevergnügen beschert. Trotz einiger Szenen, die auch abgehärteten Mägen alles abverlangen, überwiegt der pechschwarze Humor, den der Autor permanent und gekonnt einsetzt. Dass er sich dabei auch mit einem dunklen Kapitel der US-Geschichte, dem Bürgerkrieg auseinandersetzt, macht die Sache noch interessanter.

Viel mehr „Abseits des Mainstreams“ (wie der Titel der Website proklamiert) geht kaum, denn der Autor schielt weder auf den herrschenden Publikumsgeschmack (und damit auf hohe Verkaufszahlen), er macht auch traditionsgemäß keine Gefangenen. Ein eingefleischter Fan des Genres schreibt Bücher für andere Fans und das macht er richtig gut, stets nach dem Motto „Sex, Gewalt und gute Laune“.  Hier ist nichts pathetisch oder prätentiös, der Spaß steht im Vordergrund, auch wenn gesellschaftskritische Aspekte keineswegs ausgespart werden. Gerne mehr davon, Mr. Lee!


Kategorie: Horror
Verlag: Festa

Rock-and-Roll-Zombies aus der Besserungsanstalt

51GKK9Ig6bL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_USA 1987: Die reaktionäre Reagan-Regierung versucht mit allen Mitteln ihre Vorstellungen einer christlichen und moralisch integren Gesellschaft umzusetzen und hat für jugendliche Rebellen (Punk- und Heavy Metal-Fans) Gehirnwaschanlagen eingerichtet, um diese Delinquenten auf den rechten Weg der Bigotterie zurück zu führen. In einer dieser Anstalten ist Melissa gefangen und als sie die Folter nicht mehr erträgt ruft sie ihre Freunde Wayne und Steve zu Hilfe. Die Befreier machen sich auf den Weg, doch dann schlägt ein Meteor in der Nähe des Jugendknasts ein und die dort verscharrten Toten erwachen zum Leben, um als Zombies blutrünstige Rache an ihren Peinigern zu nehmen…

Bryan Smith hat mit dieser flott geschriebenen Geschichte wieder einmal gezeigt, dass er alles liefern kann, was sich Horror-Fans vom Genre wünschen und erwarten: Eine originelle Story, Tempo, jede Menge Action und das gewürzt mit einer ordentlichen Prise Sex, Gore und Rock ’n Roll. Bei seinen Zombies hält er sich eng an die Vorgaben der Romero-Klassiker (wer gebissen wird, verwandelt sich und das Gehirn muss zerstört werden um sie zu töten) und erweist dem Altmeister damit Referenz und Respekt. Dass er nebenbei auch noch ätzende Kritik an der Bigotterie und Heuchelei in Teilen der US-Gesellschaft äußert, erhöht den Unterhaltungswert durchaus. Ein Riesenspaß, allein der Titel des Buchs ist schon preiswürdig!


Kategorie: Horror
Verlag: Festa

Kayla and the Devil

51xYGrKA1vL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_Kayla ist 19, gut betucht, sieht umwerfend aus und hat dennoch ein Problem: Seit einiger Zeit wird sie von ihren Mitmenschen wie eine Aussätzige behandelt, auch Freunde und verflossene Liebhaber wollen partout nichts mit ihr zu tun haben. Des Rätsels Lösung erfährt sie bei einem Treffen mit dem Teufel, der höchstpersönlich verantwortlich ist für den Fluch, aber natürlich auch gerne bereit ist, ihr altes Leben wieder herzustellen. Allerdings gibt es bekanntlich nichts umsonst und der Preis in diesem Fall ist nicht nur Kaylas Seele, sondern auch ein Menschenopfer, das binnen einer Woche zu erbringen ist…

Bryan Smith schreibt erfrischend flott und lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen, sein Stil erinnert an Edward Lee und Richard Laymon. Witzige Ideen (in diesem Roman wird Jack the Ripper wieder lebendig und sorgt für allerlei Aufregung) und viel schwarzer Humor bescheren ein höchst unterhaltsames Lesevergnügen; für Horrorfans lohnt es sich definitiv, diesen Autor zu entdecken, zumal etliche seiner Werke mittlerweile auch auf Deutsch vorliegen.


Kategorie: Horror
Verlag: Bitter Ale Press

Das Spiel

51BVyQaZV6L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_In dem kleinen Ort Donnerville, USA passiert eigentlich nicht viel, zumindest nicht in der Leihbücherei, wo die junge Jane Kerry arbeitet. Sie ist also umso überraschter, als sie dort eines Tages einen Umschlag mit 50 Dollar und einer Einladung zu einem Spiel findet. Der geheimnisvolle Unbekannte, der den Brief hinterlegt hat, nennt sich selbst „Master of Games“. Schnell findet Jane in der Bücherei einen zweiten Umschlag, diesmal enthält er 100 Dollar und weitere Instruktionen. Das Spiel geht weiter und die junge Frau ist fasziniert davon, nicht nur wegen der Belohnung, die bei jedem Fund verdoppelt wird. Allerdings steigen auch die Einsätze, die ihr abverlangt werden, denn die Orte, wo die Umschläge versteckt sind, werden für Jane immer gefährlicher. Und was hat es eigentlich mit Englischprofessor Brace Paxton auf sich, den sie gleich nach dem Auffinden des ersten Umschlags kennen lernt? Vielleicht weiß er ja mehr über das Spiel, als er zugeben will …

Bitte anschnallen und gut festhalten! Wie alle Bücher von Richard Laymon gleicht auch „Das Spiel“ einer rasanten Achterbahnfahrt in einem atemberaubenden Höllentempo. Von der ersten Seite an wird der Leser mitgerissen vom Strudel der Ereignisse, Zeit zum Luftholen bleibt kaum. Der Autor verzichtet auf langwierige Beschreibungen, die Sprache ist einfach und die kurzen Sätze verfolgen einzig und allein das Ziel, die Story zu entwickeln. Diese beschränkt sich auf den ersten 320 Seiten des Romans auf Janes Jagd nach den Geldumschlägen, bevor es dann richtig zur Sache geht und ein blutiger Albtraum beginnt.

Der Heyne-Verlag hat nun offenbar Richard Laymon für seine Hardcore-Reihe entdeckt und dort ist er bestens aufgehoben. In seinen Romanen wimmelt es von Monstern, Vampiren, Kannibalen, Psychopathen und sadistischen Triebverbrechern aller Art; ein Mix aus Sex und Gewalt. Es sind insofern schmutzige Bücher ohne großen literarischen Anspruch, aber sie sind auch phantasievoll und die durch das wahnwitzige Tempo entsehende Spannung hat durchaus ihren Reiz. Freunde der harten Horrorliteratur kommen hier voll auf ihre Kosten; für zart besaitete Gemüter gilt jedoch: Hände weg!


Kategorie: Horror
Verlag: Heyne Hardcore München

Verderben

51hxr0DzagL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_Juniper ist ein winziges Kaff in der Wüste von Arizona und entsprechend groß ist die Begeisterung unter den Eingeborenen als die Kaufhauskette The Store verkündet, eben dort eine Filiale zu eröffnen. Die Stadtväter räumen dem Konzern ohne zu zögern lästige Steinchen wie Gewerbesteuer oder Bauvorschriften aus dem Weg, gilt es doch, die Wirtschaft zu stärken, die ja bekanntlich selbstlos Arbeitsplätze und somit Wohlstand für alle schafft. Einige mysteriöse Todesfälle schon während der Bauarbeiten werden folgerichtig als bedauerliche aber unvermeidliche Kollateralschäden des Konsumkapitalismus eingestuft und sind auch schon vergessen, als endlich der heiß ersehnte Tag der Eröffnung da ist.

Das Warenangebot in dem riesigen Laden ist sensationell und muss keinen Vergleich mit den berühmten Einkaufstempeln der Metropolen zu scheuen; selbst Kunden mit exotischen Vorlieben für Nazi-Spiele oder Snuff-Movies kommen im Store voll auf ihre Kosten. Dazu gibt es reichlich Billig-Jobs für die dankbare Bevölkerung, Kleinstadtherz, was willst du mehr?

Bill Davis, Software-Autor und Familienvater, verfolgt die Euphorie um den Store mit Skepsis und Sorge, zumal auch seine beiden Teenie-Töchter dort beschäftigt sind, die von allerlei seltsamen Ritualen berichten. Bald bestätigen sich seine Befürchtungen, denn der Store zeigt schnell sein wahres Gesicht: Inhaber kleiner Läden werden mit Geld oder Gewalt außer Konkurrenz gesetzt, während man selbst die Produktvielfalt reduziert, die Preise erhöht und die Löhne senkt. Die Stadt, die sich bereitwillig in Abhängigkeit des Konzerns begab, geht dafür Pleite und der Store übernimmt auch diese Aufgaben, selbstredend zu seinen Bedingungen. Bill sammelt verzweifelt Material gegen den Moloch, stößt aber überall an Grenzen und so ist er umso überraschter, als er eines Tages eine Einladung nach Dallas erhält, zum legendären Konzernchef persönlich…

Auf Buch und Autor bin ich durch die Amazon-Empfehlungen gestoßen, bisweilen findet man dort echte Perlen. „The Store“ ist natürlich nur vordergründig ein Horror-Roman und Bentley Little streut die genre-üblichen Zutaten eher pflichtschuldig als überzeugt ein. Er nutzt vielmehr die Stilmittel der Gattung für eine herzerfrischend bitterböse Kapitalismuskritik reinsten Wassers, indem er die dort systemimmanenten Prozesse pointiert überspitzt und die Verantwortlichen zu Monstern mutieren lässt. Souverän räumt er mit auch hierzulande oft nachgebrabbelten Mythen der Neoliberalen auf, die alles dem Primat der Ökonomie unterordnen möchten.

Der Roman ist flott und stringent geschrieben, die Handlung verläuft weitgehend linear und weist etliche kleine Höhepunkte auf, wie z.B. die Tatsache, dass das perfekte all-american-girl Samantha im Store eine fast skrupellose Blitzkarriere hinlegt, während Bills andere, eher unangepasste Tochter Shannon wesentlich weniger empfänglich für derartigen Blödsinn ist. Ich habe inzwischen weitere Bücher von Bentley Little gelesen und bin sehr angetan nicht nur von deren Spannungsgehalt, sondern auch von der Vielseitigkeit des Autors. Etliche Werke sind bereits in Deutsch erschienen bzw. folgen noch, ich kann sie reinen Gewissens und wärmsten Herzens empfehlen.


Kategorie: Horror
Verlag: Bastei Lübbe

Dead Zone – Das Attentat

51BiafspSsL._SX312_BO1,204,203,200_Johnny Smith ist glücklich an diesem letzten Oktobertag 1970 und er hat allen Grund dazu: Er ist jung, voller Ideale, frisch verliebt und arbeitet mit seiner Freundin Sarah in einer High School als Lehrer; den beiden steht die Welt offen. Als Johny bei einem Jahrmarktbesuch am Glücksrad eine geradezu unheimliche Glückssträhne hat, ahnen sie nicht, dass dies ein Vorbote nahenden Unheils ist, denn auf dem Heimweg erleidet Johnny bei einem bizarren Autounfall schwere Kopfverletzungen und fällt ins Koma.

Es passiert viel in dieser Zeit: Der Vietnamkrieg eskaliert noch einmal bevor er endet, Nixon muss das Präsidentenamt aufgeben und ein skrupellos psychopathischer Provinzpolitiker namens Greg Stillson schickt sich an, nach höheren Weihen zu streben. Als Johnny Smith 1975 aus seinem langen Schlaf erwacht, hat sich auch seine private Welt ein Stückchen weiter gedreht: Seine alte Liebe Sarah ist inzwischen verheiratet und hat einen Sohn, während seine eigene Mutter dem religiösen Wahnsinn anheim gefallen ist. Er hat viel verloren, aber dafür etwas gewonnen, allerdings ein eher fragwürdiges Geschenk: Die Gabe, durch Berühren oder Gegenstände bestimmte Ereignisse aus deren Vergangenheit oder Zukunft zu erblicken. Johnny ist zunächst nicht glücklich darüber, er setzt seine Fähigkeit äußerst zögerlich und unwillig ein, bis er erkennt, dass sie auch Verantwortung und Verpflichtung bedeutet, besonders als er eine Vision erhält, wie die Welt unter einem Präsidenten Stillson aussehen könnte…

Stephen King hat mit diesem frühen Meisterwerk (Erstveröffentlichung 1979) die Messlatte für sich selbst sehr hoch gelegt: „Dead Zone“ gehört zu seinen besten Büchern. Die Geschichte des all-American guy John Smith (der Name spricht Bände), der zum Helden wider Willen wird, ist packend und einfühlsam erzählt und berührt den Leser zutiefst, da er sich der Faszination des Geschehens kaum entziehen kann. Auch die übersinnlichen Aspekte kommen überzeugend daher und jagen einem – etwa bei Johnnys Visionen während der Suche nach einem Frauenmörder – schon mal kalte Schauer über den Rücken.

Der Roman ist außerdem vielleicht Kings politischstes Buch überhaupt; neben einer Abrechnung mit dem Vietnamkrieg und der Nixon-Ära wird darin die uralte Frage nach der Rechtfertigung des Tyrannenmordes thematisiert und am Ende vom Autor höchst elegant gelöst. Ebenso reizvoll ist die Verquickung fiktiver und realer Personen, so begegnet Johnny zum Beispiel Jimmy Carter. Fans des Schriftstellers lernen hier auch zum ersten Mal das Städtchen Castle Rock kennen, das in späteren Werken Schauplatz und Katastrophen ist, sowie den dortigen Sheriff, der allerdings bereits in „Cujo“ wieder aus dem Verkehr gezogen wird. „Dead Zone“ wurde unter der Regie von David Cronenberg erfolgreich verfilmt, der Streifen mit Christopher Walken (Johnny) und Martin Sheen (Stillson) ist absolut sehenswert, was bei King-Adaptionen ja nicht ganz selbstverständlich ist.

Denkt man an Politiker wie Donald Trump, könnte der Roman bald erschreckende Aktualität erlangen…


Kategorie: Horror
Verlag: Heyne München

Revival

Wir schreiben das Jahr 1962, als der junge Pfarrer Charles Jacobs mit Frau und Sohn nach Harlow, Maine (natürlich in der Nähe von Castle Rock) kommt und sofort die Herzen der ländlichen Bevölkerung gewinnt, besonders das des kleinen Jamie Morton. Drei Jahre später jedoch schwört Jacobs nach einer Familientragödie seinem Gott öffentlich ab und die bigotten Dörfler verjagen ihn. Jamie wächst auf und widmet sich der Musik, seinen alten Freund vergisst er nicht.

Bis 1992 dauert es, bis die beiden sich wieder sehen. Jamie – auch er musste einige Schicksalsschläge hinnehmen – ist dem Heroin verfallen und auf dem Tiefpunkt angelangt, als er Jacobs auf einem Jahrmarkt trifft, wo der ehemalige Gottesmann mit mysteriösen Elektrizitätsshows auftritt. Dieser nimmt sich des Junkies an und heilt ihn tatsächlich von seiner Sucht, wenn auch nicht ohne Nebenwirkungen. Abrupt trennen sich ihre Wege wieder, aber die gemeinsame Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, im Gegenteil…

Der erfolgreichste Autor der Welt hat mit »Revival« erneut ein Meisterwerk abgeliefert, Chapeau Mr. King! Es gelingt ihm immer wieder scheinbar mühelos, den Leser mit seinen Geschichten und Protagonisten zu fesseln und ihn erst freizugeben, wenn mit Bedauern das Ende erreicht ist. Der neue Roman erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte; nicht nur deswegen erinnert er ein wenig an »Dr. Sleep«. Auch Autobiografisches ist mit eingeflossen, Stichworte: Sucht, Musik und Verkehrsunfall.

»Revival« ist eines der härtesten King-Bücher seit langer Zeit und definitiv nichts für Zartbesaitete; auch die Schockmomente hat der Meister immer noch drauf. Allerdings sind diese nicht – wie bei vielen anderen Horror-Schreibern – Selbstzweck, sondern fügen sich logisch in den Plot ein. Die Handlung wird nicht mit der Peitsche vorangetrieben, sondern entwickelt sich zu Beginn eher langsam; King schreibt bisweilen gewohnt ausschweifend, aber nie langweilig. Als Leser seiner Bücher der ersten Stunde (damals waren die Bücher in Deutschland noch gar nicht erhältlich), kann ich »Revival« jedenfalls besten Gewissens weiter empfehlen.


Kategorie: Horror
Verlag: Scribner

Doctor Sleep

Ich falle mit der Tür ins Haus und nehme schon mal das Wichtigste vorweg: Es war ein rundum gelungener Abend mit dem erfolgreichsten Schriftsteller der Welt, der auch ein richtig netter Kerl ist; überhaupt nicht abgehoben, sondern entspannt humorvoll und einfach muy simpatico. Bei seinem allerersten Besuch in Deutschland traf er im (selbstverständlich ausverkauften) Circus Krone-Bau in München auf 2.500 Gäste, die ihm nach eigenen Bekunden eine „Scheißangst einjagten“ (Autoren bevorzugen das Schreiben statt Auftritte in der Öffentlichkeit), die er sich jedoch nie anmerken ließ. Durch den Abend führte als Moderator Denis Scheck, der interviewte und auch übersetzte und seine Sache sehr gut machte.

Es begann mit einem Gespräch über die (ebenfalls schreibende) Königs-Familie und erste Eindrücke in Deutschland; natürlich verteilte der Meister die obligatorischen Komplimente. Für alle Videos entschuldige ich mich für die grenzwertige Bildqualität, die den Lichtverhältnissen und der Entfernung geschuldet ist; dafür ist wenigstens der Ton verständlich und der ist ja wichtiger:

Danach trug King ein Kapitel aus dem neuen Roman Doctor Sleep vor (die Präsentation desselben ist der eigentliche Anlass seiner Europareise), und weiter ging es mit dem Interview, diesmal war die Entstehung von Shining das Thema:

Nun wurden auch heiklere Dinge angesprochen, nämlich die Kubrick-Verfilmung und der Alkoholismus, sowohl der Familie Torrance aus den Romanen als auch des Autors selbst. Steve zollte zunächst dem Regisseur Respekt, bezeichnete Kubrick als Genie, lediglich die Umsetzung seines Buchs mag er nicht besonders:

Für einen weiteren Höhepunkt sorgte nun David Nathan (der deutsche Hörbuchsprecher) mit einem weiteren Kapitel aus dem neuen Roman, sein Vortrag war sogar besser als der des Meisters, aber er ist ja auch Vorleseprofi.

Im letzten Teil des Abends beantwortete King dann Fragen aus sozialen Netzwerken und gab auch dem Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. Erneut bewies er seine Vorliebe für diverse F-Wörter, sichtlich angetan von der entspannten Atmosphäre, die er in den prüderen USA wohl so nicht vorfindet. Bemerkenswert, als er (gefragt nach autobiographischen Bezügen) meinte, dass jeder Autor lüge, wenn er den Mund aufmacht…

Noch eine klasse Nachricht für alle Fans: Roland und der Dark Tower lassen King nicht los, er denkt intensiv über neue Geschichten nach:

Dann war ein wunderbarer Abend (auch wenn es kein meet and greet mit dem Rezensenten gab) leider viel zu schnell zu Ende und Steve genoss die verdienten stehenden Ovationen der Fans aus aller Welt (auf dem Heimweg hörte man die verschiedensten Sprachen). Es war nicht nur für mich einfach ein tolles Erlebnis, diesen großartigen Autor und feinen Menschen einmal live und in Farbe erlebt zu haben!


Kategorie: Horror
Verlag: Heyne München