Gefährliches Doppel

An einem Sonntagmorgen wird in den Industrieanlagen am Alsumer Berg in Duisburg ein Toter aufgefunden. Er wurde offensichtlich Opfer eines Verkehrsunfalls – der Mann war mit seinem Fahrrad unterwegs. Die örtliche Polizei soll nun die Todesursache und Hergang des Geschehens feststellen. Unfall mit Fahrerflucht – auf den ersten Blick scheint das Urteil schnell festzustellen. Hauptkommissar Willibald Pielkötter wittert jedoch Mord.

Als Leser kann man sich auf verschiedene Art und Weise dem Roman nähern. Er ist auf gute Unterhaltung angelegt, die schnell und flüssig lesbar ist. Die Handlung ist aber auch ein wenig konstruiert. Bei einem harmlos aussehenden Verkehrsunfall mit Todesfolge macht sich die Duisburger Polizei nicht nur auf die Suche nach einem geflüchteten Fahrer. Der zuständige Hauptkommissar ist schnell der Ansicht, daß hier ein gezielter Mord vorliegt.

In der Folge wirkt die Handlung dann auch ein wenig überfrachtet. Das Opfer arbeitet in einer Firma, die noch mit Familienhand geführt wird. In dieser Familie gibt es prompt diverse dunkle Stellen – der Geschäftsführer, der zugleich Ehemann der Inhaberin ist, gerät so schnell in Verdacht. Auch eine eineiige Zwillingsschwester der Inhaberin kommt mit ins Spiel, ohne dass dieser Handlungsstrang zu Ende erzählt wird – schließlich kennen sich die beiden leiblichen Schwestern noch nicht einmal persönlich. Auch die Spielsucht des Geschäftsführers wird eigentlich nicht richtig behandelt, weil nur unzureichend erzählt.

Scharenberg hat inzwischen mehrere Kriminalromane um den Duisburger Hauptkommissar Willibald Pielkötter (ist das nicht ein herrlicher Name?) geschrieben. Die Bücher bauen inhaltlich aufeinander auf, was die persönliche und berufliche Entwicklung Pielkötters anbelangt. Dies hier ist der zweite Band. Hier werden erstmals die persönlichen Probleme in der Ehe Pielkötters angedeutet. In der Ehe mit seiner Frau Marianne kriselt es. Er lernt seine spätere Freundin kennen. Wir dürfen gespannt sein, wie dieser Teil der Handlung in den folgenden Büchern weitergeht.

Das Buch ist vom Verlag als „Duisburg-Krimi“ vorgestellt. „Stimmt,“ kann man da als Leser nur sagen: Die Handlung spielt in Duisburg. Qua definitionem spielt die Handlung in einer bestimmten Region, meist einer Stadt. Bezeichnend für einen Regionalkrimi ist ein mehr oder weniger mit seiner Heimat verbundener Ermittler. Oft werden regional typische Charaktertypen und Klischees verarbeitet. Lokalkolorit kommt hier bestenfalls am Rande vor. Die Handlung könnte auch in jeder x-beliebigen Stadt spielen.

Die Bedeutung des Titels ist nicht unbedingt ersichtlich. Bezieht er sich auf das Doppelleben des Geschäftsführers? Seine Tenniskarriere? Oder worauf? Ein wenig mysteriös ist er schon.

Ein Fazit ist bei diesem Buch schnell gezogen. Es bietet gute Unterhaltung, hätte inhaltlich aber besser sein können.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Prolibris Verlag Kassel

Eisesgrün

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Skandal im beschaulichen Weimar: Kleiner Kriminalfall entwickelt sich zu rasantem Thriller mit Gänsehautgarantie

Wie auch schon im ersten Buch Felix Leibrocks, „Todesblau“, kommt dem Ermittlerduo Sascha Woltmann und Mandy Hoppe eher Eisesgrün, Felix Leibrockunerwartet eine große Aufgabe zu. Sascha, seines Zeichens immer noch unterforderter Streifenpolizist, bekommt eher nebenbei einen Tipp gesteckt, der ihn an ein früheres Verbrechen erinnert. Auch wenn sich dies erstmal als Sackgasse entpuppt, beginnen sich die Ereignisse bald zu überschlagen. Mitten im beschaulichen Weimar finden sich immer mehr sogenannte Hochgräber. Erst mit materiellen Opfern, dann mit solchen, die wenigstens schon länger tot sind. Aber ein guter Krimi wäre kein solcher, wenn es keine Steigerung gäbe…In der spannenden Geschichte verwickeln sich immer mehr Handlungsstränge rasant ineinander, tragische Familiengeschichten wechseln sich ab mit dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie zu DDR-Zeiten, eine geheimnisvolle Sekte treibt ihr Unwesen und mittendrin versucht die Weimarer Polizei, mehreren Morden auf die Spur zu kommen.

Das Buch beginnt nicht sonderlich schockierend, es braucht einige Zeit, um den verschiedenen Handlungen folgen zu können und zu verstehen, welche Rolle sie für den weiteren Verlauf spielen. Ab dem ersten Drittel der Geschichte zieht das Tempo jedoch stetig an, was anfangs eher nach unspektakulärem Kriminalfall aussieht, entpuppt sich zu immer mehr Gänsehautmomenten. Spätestens da hatte mich Felix Leibrock wieder in den Bann seiner Geschichte gezogen, meine Befürchtungen, dass es dieses Mal etwas seichter sein könnte, als in „Todesblau“, verkehrten sich glücklicherweise ins Gegenteil. Insbesondere die Praktiken der Sekte „Axt Satans“ bewirkten ein angenehm-gruseliges Herzklopfen (verbunden mit dem Gefühl der wohligen Sicherheit, die ein heimisches Sofa beim Lesen vermittelt).

Im Vergleich zum ersten Buch ist die Geschichte noch verzwickter und vielschichtiger, die verschiedenen Wege, Verdächtigen und potentiellen Mordmotive noch mehr miteinander verflochten.

Die handelnden Figuren bieten weitere Einblicke in ihr Privatleben und wirken auch in „Eisesgrün“ sehr überzeugend und authentisch. Hier ist es aber noch eher die Handlung, die großartige Steigerung im Verlauf der Geschichte, die mich als Leserin wieder begeistert zurückgelassen hat. Bei einem guten Buch möchte man, dass es schnell zu Ende ist, um den Ausgang zu erfahren. Andererseits will man gerade dies nicht, weil damit auch die fesselnde Lesezeit vorbei ist. Demnach ist „Eisesgrün“ nicht nur ein gutes Buch für mich, sondern ein mitreißendes, es wird kaum möglich sein, mindestens die letzten 100 Seiten nicht in einem Rutsch durchzulesen.

An den Schreibstil hatte ich nach dem Lesen des ersten Bandes hohe Erwartungen, die auch hier in keinster Weise enttäuscht wurden, ebenso ergeht es mir mit der Schlüssigkeit der Handlung. Auch die hervorragende Recherchearbeit des Autors zeigt sich wieder, dieses Mal unter anderem deutlich in medizinischen Belangen. Und ohne zuviel verraten zu wollen: Der Schluss ist logisch und passend, alle losen Fäden finden zum Hauptknoten und die mittlerweile bekannten Figuren würde ich liebend gerne in einem weiteren Buch wiederfinden.

Insgesamt hat mir „Eisesgrün“ noch ein bisschen besser gefallen als „Todesblau“, allerdings nur, weil es etwas blutrünstiger ist und noch eher in den Bereich des Thrillers geht. Kritikpunkte habe ich bei beiden nicht finden können, von mir gibt es eine klare und deutliche Kaufempfehlung für beide. Wenn ich Noten vergeben müsste, wäre „Todesblau“ eine 1 und „Eisesgrün“ eine 1 mit Sternchen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Knaur München

Todesblau

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Todesblau, Felix LeibrockEine blaue Kathedrale, ein ehemaliges Kinderheim und zwei Mordopfer. In Verbindung mit reichlich Wortgewandtheit und guter Recherche: Ein überraschend spannendes Lesevergnügen.

Streifenpolizist Sascha Woltman ist gerade mit seiner Familie von Berlin nach Weimar gezogen und erhofft sich, hier zur Kripo wechseln zu können. Nach einem Mord an einer alten Dame wird er tatsächlich ins Ermittlerteam gerufen und trifft hier auf seine alte Schulfreundin Mandy Hoppe. Anfängliche Zwistigkeiten stören die Zusammenarbeit, sind aber Nichts im Vergleich zu den Unstimmigkeiten mit kriecherischen Kollegen und einem sehr karriereorientiertem Chef.

Die Ermittler erkennen schnell, dass die Tote eine ehemalige Erzieherin eines Kinderheims der DDR ist, die nicht gerade zimperlich mit ihren Schützlingen umging. Rache als Mordmotiv steht im Raum, bis das Gespräch auf ein mysteriöses Bild kommt und sich weitere potentielle Motive und damit auch Tatverdächtige dazu gesellen. Nichts scheint zusammen zu passen, heiße Spuren sind ganz schnell wieder kalt und der Druck der Öffentlichkeit wächst. Mehrere Wendungen bringen Spannung und Verwirrung dazu und bis zum Schluss ist nicht klar zu erkennen, wie das Ganze ausgeht.

Dies kurz zum Inhalt, wie immer bei Krimis und Co halte ich mich bei der Inhaltsangabe kurz, um nicht zuviel zu verraten. Und weil ich gerade den Schluss erwähnt habe: Genau der hat mir sehr gut gefallen, eben weil er nicht zu früh offensichtlich und trotzdem logisch war. Ein roter Faden zieht sich durch das gesamte Buch, ab und zu dröselt er sich in einzelne Stränge auf, aber zum Ende hin werden sie alle ordentlich verknotet.

Die Idee zu der Geschichte ist gut durchdacht und mir so vorher noch nicht untergekommen. Sämtliche Themen scheinen sehr gut recherchiert u sein, auf jeden Fall klingen sie für einen Laien wie mich so. Dies hat auch die Figuren sehr authentisch wirken lassen, ein Kunstprofessor zum Beispiel muss natürlich auch als fiktive Figur wissen, wovon er redet. Dies hat Felix Leibrock perfekt umgesetzt. Auch das Ermittlerduo samt Gegenspielern wurde sehr bildlich dargestellt, ich hatte schnell das Gefühl, die Personen zu kennen. Obwohl reichlich (Neben)figuren auftreten, hatte ich nicht das Gefühl, den Überblick zu verlieren.

Sprachlich und stilistisch hat mich das Buch ebenfalls sehr überzeugt. Es liest sich flüssig und angenehm, Fremdwörter werden an den passenden Stellen verwendet und insgesamt lebt die Geschichte durch einen großen Wortschatz und Bildreichtum. Damit sind alle für mich wichtigen Kriterien erfüllt, um ein Buch als perfekt zu empfinden: Schöne Handlung, plausibles Ende, authentische Personen und eine sehr guter Schreibstil.

So sehr ich also auch nachdenke: Ich finde nichts zu meckern, nicht mal Kleinigkeiten, die mir sauer aufgestoßen wären oder die mich gar daran hindern würden, das nächste Buch von Felix Leibrock zu lesen. Das einzig Fragwürdige ist, warum ich erst jetzt auf diesen Autor gestoßen bin 😉

Von mir gibt es demnach eine ganz deutliche Kaufempfehlung. Krimifans wird dieses Buch bestimmt gefallen und auch Leser wie ich, die sich sonst eher im düsteren Thrillersektor zuhause fühlen, sollten hier, zumindest was Idee und Schreibkunst angeht, auf ihre Kosten kommen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Knaur München

Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten

av_friedman_alte_rz.inddEin Männerkrimi vom feinsten: rasant, sarkastisch, prollig.

Baruch „Buck“ Schatz, der Kriegsveteran mit angehender Demenz war US-amerikanischer Kriminalbeamter mit rüden Methoden in den Achtzigern, raucht, egal wo, eine Lucky Strike nach der anderen. Er raucht quasi auch zwischen zwei Zigaretten.

Das Einzige, wovor Buck Angst hat, ist Demenz, alles andere klappt noch, sein grimmiger Humor, seine Schlagfertigkeit.

Er, der „zu Reagans Zeiten seinen letzten Steifen hatte“ würde es gut finden, dass der „alte Hund mal wieder bellen kann“. Er verkennt die Wechselwirkungen von Viagra und seinen täglichen „Arztgaben“, nimmt aber Rücksicht auf die alten Knochen seiner Frau Rose, die ihn mit sanfter, aber sicherer Hand lenkt.

Gegen seinen Willen verlangt Rose, daß er einen alten Kriegskameraden im Krankenhaus besucht, bevor der stirbt. Dieser Mann lebt wirklich gerade noch so lange bis er seine Geschichte erzählt hat. Er erzählt ihm, er weiß, daß der SS-Mann, der Schatz seinerzeit im KZ gefoltert hat, den Krieg überlebt hat und mehr noch, er hat sich das Auto mit dem Nazigold geschnappt und geklaut.

Die großen Fragen brennen nun auf den Nägeln. Lebt der SS-Mann noch? Und wo ist das Gold?

Buck Schatz macht sich widerwillig mit seinem Enkel Tequila auf die Suche nach Nazi und Goldschatz. Es wird kompliziert, denn zu gleicher Zeit begleitet ein Serienmörder ihre Spur mit Blut und Eingeweiden. Und der ermittelnde Kriminale – merkt Buck im Urin – ist auch kein Ehrenbürger. Und so ist nach dem Fund des Nazigoldes (das sei hier verraten) noch längst nicht alles in Ordnung. Ein bißchen guckt der alte Columbo um die Ecke.

Wer hier nicht mitfiebert – dem ist nicht zu helfen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Rütten und Loening

Tödliche Option

Goldie Barnes möchte sich aus dem Brokergeschäft an der New Yorker Wall Street zurückziehen. Doch bei seiner Abschiedsrede während eines Gala-Diners verstirbt er plötzlich. Smitz & Wetzon haben einen neuen Fall.

Das Buch ist natürlich auch ein Kriminalroman. Schließlich geht es darum, mehrere unnatürliche Todesfälle aufzuklären. Für den Liebhaber klassischer Kriminalromane hat das Ende aber eher sentimentalen Charakter. Es war ein Mörder angedeutet; Tathergang und Motive bleiben aber eher nebulös. Die Handlung gleitet da eher in die Befindlichkeiten einer Leslie Wetzon ab.

Das Buch ist auch ein Sittengemälde, was das Geschäftsleben der Personalvermittler und Börsenmakler in New York anbelangt. Wo moralische Gesetze, Arbeits- und Sozialrecht sowie Sozialversicherung nicht zählen, ist ein ruppiger Umgang miteinander an der Tagesordnung. Wohin dieser Werteverfall führt, haben ja die Jahre nach dem Erscheinen des Buches gezeigt.

Mayers kann dabei aus dem Vollen schöpfen. Die frühere Assistentin eines Broadway-Produzenten und Headhunterin arbeitet Ende der 1990er Jahre selbständig als Schriftstellerin, teilweise zusammen mit ihrem Mann Martin. Sie kann hier also auf Anschauungsmaterial aus erster Hand zurückgreifen.

Die 1990er Jahre sind zumindest auf dem deutschsprachigen Markt ihre erfolgreichste Zeit. Die Smith&Wetzon – Reihe ist eh´ nur auf einige wenige Bände angelegt. Das vorliegende Buch ist auch heute noch gut lesbar.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: ECON Taschenbuch Verlag Düsseldorf

Betriebsausflug ins Jenseits

Karlheinz Hanisch ist Personalchef bei dem norddeutschen ESW-Unternehmen. Beliebt ist er nicht – schließlich führt er Geheimakten über die mehr als 600 Mitarbeiter. Da mehrere Personen unabhängig voneinander finstere Pläne schmieden, endet die Seefahrt bei dem alljährlichen Betriensausflug tödlich.

Hier liegt ein gut geschriebener Kriminalroman vor. Martin geht hier mal dem umgedrehten Weg. Er beschreibt nicht rückblickend die Aufklärung eines Verbrechens, hier: eines Mordfalles. Martin beschreibt stattdessen die Umstände, die zu einem Verbrechen führen. Ob hier ein heimtückisches Tötungsdelikt vorliegt, wird der Leser schon selbst entscheiden können – schließlich wird mehr angedeutet als direkt gesagt.

Dieser Kriminalroman mag zwar unbekannt sein, ist aber trotzdem lesenswert.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Rowohlt Taschenbuchverlag Reinbek bei Hamburg

Einer flieht vor gestern nacht

Moritz Maier hat ein Problem. Als er an einem Sonntagmorgen in einem fremden Bett aufwacht, liegt eine Tote neben ihm. Hals über Kopf begibt sich Maier auf die Flucht, obwohl er sich nicht daran erinnern kann, die junge Frau ermordet zu haben.

Eher steif und formal beschreibt Martin die Ereignisse. Der Roman ist dabei nicht nur ein Krimi, sondern auch eine Beschreibung eines Milieus, also von Zeitgenossen und Zeitgeschichte.

Martin gilt als Begründer des „Neuen Deutschen Kriminalromans“. Auch wenn seine Kriminalromane etwas gewöhnungsbedürftig ist, kann man ihn also durchaus als Wegbereiter von Autoren von Jacques Berndorf, Leenders / Bay / Leenders oder Grabrilla Wollenhaupt bezeichnen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Rowohlt Taschenbuchverlag Reinbek bei Hamburg

Schweres Gift

Der zweite Krimi des Autors weist eine ähnlich hohe Qualität wie der vielbeachtete Debütroman (Kreuzigers Tod) auf.
Ein Mord in der Wiener Musikszene verschafft dem Leser einen schimmernden Eindruck des Wiener Lokalkolorits. Dabei gelingen Oberdorfer bei Gesprächen der Figuren über Musik (von klassischer bis in die Gegenwart) spektakuläre Sequenzen. Die anspruchsvolle Charakterisierung der unterschiedlichen Personen der Handlung gewährt tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Speziell beim „Schlussmonolog“ des/der trickreich überführten Mörders/Mörderin (genaues soll ja nicht verraten werden) leuchtet Oberdorfer stimmig düstere Winkel der menschlichen Seele aus. Zudem erhellt kritisches Licht die abgründigen Seiten einer städtischen Oberschicht. Pervertierungen, Komplotte innerhalb des Beamtenapparats, Korruption und Manipulationen der Öffentlichkeit werden höchst glaubwürdig zum spannenden Teil der facettenreichen Handlung.

Mit „Schweres Gift“ legt Oberdorfer ein hochwertig geschriebenes Stück Literatur vor, die durchs Korsett des Krimis fast zu eng geschnürt scheint. Oder positiv formuliert: die literarische Sprache des Autors sprengt den engen Rahmen eines Krimis, was bei dem einen oder anderen Leser vielleicht zu Irritationen führen mag.
Einer Leserschaft, die qualitätsvolle Krimis schätzt, ist der Roman aber ausdrücklich zu empfehlen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Aufbau Taschenbuch Berlin

Kölscher Kaviar

Beate Fuchs ist Staatsanwältin zur Probe in der rheinischen Metropole Köln. Eines grauen Morgens stößt sie auf die Akte Dorsten. Dunkle Geschäfte, Mord, Erpressung und Sachbeschädigung sind ihr Thema.

Wolff wurde 1955 in Düsseldorf geboren. Die studierte Juristin hat für zwei Jahre eine eigene Kanzlei geleitet; von 1985 bis 2009 arbeitet sie als Staatsanwältin, u. a. in Duisburg, Neubrandenburg, Düsseldorf, Neuruppin und Potsdam.

Der hier vorliegende Krimi handelt von einer Staatsanwältin, die tatkräftig mithilft, einen Kriminalfall aufzuklären; der Roman ist das literarische Debüt der Autorin.

Die Geschichte bietet bestenfalls durchschnittliche literarische Kost. Die Handlung ist vorhersehbar. Die Personen wirken schablonenhaft. Ein wenig Lokalkolorit kommt hinzu.

Das Buch kann man gut an verregneten Wochenenden oder im Sommerurlaub lesen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main

Der ballspielende Hund

Daß ein Hund seiner Herrin nachtrauert und die Verwandschaft traurif ob der entgangenen Erbschaft ist, empfindet der Meisterdetektiv Hercule Poirot als verständlich. Daß ein an ihn adressierter Brief erst 2 Monate nach dem Ableben des Absenders bei ihm ankommt, läßt ihn die Ermittlungen aufnehmen.

Der Roman wirkt etwas steif und formell, so, als ob die englische Kriminalschriftstellerin konservativ-altmodisches Gedankengut wiedergeben möchte.

Ob es wohl daran liegt, daß der Roman nicht zu den bekannten und beliebten Werken der Christie gehört? Keine Ahnung. Schlecht geschrieben ist er zwar nicht; da aber ein flüssiger Schreibstil fehlt, braucht man schon eine gewisse Zeit für die Lektüre. Kriminalromane wie diese sind etwas für den wahren Krimi-Klassiker-Begeisterten.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Scherz Frankfurt am Main

Der Preller

Dies ist Band 116 von Goldmanns Taschen-Krimis. Getreu dem Werbeslogan „Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein!“ enthält die Anthologie die Kurzgeschichten „Schach dem König“, „Die Rennlotterie“, „Eine Aktienspekulation“, „Der fingierte Bankkrach“, „Mr. Limmerburgs Reinfall“, „Engster Wettbewerb und seine Folgen“, „Wie ein Fuchs in die Falle ging“, „Mr. Sparkes Detektiv“, „Der U-Boot-Jäger“, „Ein merkwürdiges Filmabenteuer“, „Das Mädchen von Gibraltar“, „Eine Spielklub-Razzia“, „Der Gelegenheitskauf“, „Der Fall der Dolly de Mulle“, „Der vierundsiebzigste Diamant“, „Filmkurse per Post“, „Der Zusammebruch der Biliter-Bank“ und „Schätze in Spanien“.

Insgesamt sind hier 18 Kurzgeschichten. Jeder dieser Texte ist rund 10 Seiten lang. Sie können daher nicht so ausgefeilt wie die Romane sein und geben von daher eher schlaglichtartig einen Überblick des englischen Autoren.

Wer das Gesammtwerk von Wallace kennenlernen möchte, sei an dieser Stelle dazu eingeladen, zu diesem Buch zu greifen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Goldmann München

Englischer Sommer

„Englischer Sommer“, „Die Bronzetür“ und „Professor Bingos Schnupfpulver“ heißen die drei Geschichten, die in diesem Buch vertreten sind; es ist Band 12 in der Werkausgabe in 13 Bänden.

„Texte, Parodien und Skizzen“ kommen hinzu. Sie tragen Überschriften wie „Eine bewährte Methode, die Mitbürger zu schockieren: Ist das ein Wunder?“, „Eine bewährte Methode, die Mitbürger zu schockieren: Schneller, langsamer, keins von beiden“ oder „Warten unter Zollverschluß“.

In der Rubrik „Zwei Hollywood-Aufsätze“ finden sich die Texte „Oscar – Abend in Hollywood“ sowie „Abschied mit Vorbehalten“.

Eine umfangreiche Filmographie und Bibliographie am Ende des Buches runden es ab.

Die Kurzgeschichten sind in der allgemeinen, breiten Öffentlichkeit wohl unbekannt. Sie bieten gute, bodenständige Literatur, die es zu kennen lohnt.

Sollte man die übrigen Essays, Aphorismen und anderen Texte unbedingt kennen? Möchte man Lebenswerk und Gedankenwelt Chandlers, dann schon. Die Texte sind zeitgeschichtlich orientiert und beschreiben insbesondere die Verhältnisse in den USA. Ob sie sich unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten verallgemeinern lassen, sei einmal dahingestellt.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Diogenes Zürich

Der goldene Hades

„Der goldene Hades“, „Der Selbstmöder“, „Doktor Kay“ sowie „indizienbeweis“ heißen die Geschichten, die in diesem Buch enthalten sind.

Das Buch gehört sicherlich nicht zu den bekanntesten Werken des englischen Kriminalschriftstellers. Liebe, Erpressung und andere Unannehmlichkeiten des Lebens machen weite Teile der Handlung aus. Auch der Okkultismus, der sich zu Lebzeiten von Wallace einer gewissen Beliebtheit erfreute, ist in den Geschichten vertreten.

Inhaltlich sind die Geschichten auf Unterhaltung angelegt. Kennen sollte sie nur der Wallace-Fan, der das Gesamtwerk kennen möchte.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Wilhelm Goldmann Verlag München

Die Abenteuerin

Joe Grandman gibt auf seinem Landsitz bei London einen Gala-Empfang. Der Finanz- und Hochadel ist dazu eingeladen. Caroline Smith ist Detektivin. Sie soll den Schmuck der weiblichen Gäste vor einer berüchtigten Juwelendiebin schützen.

Das Buchen enthält die vier Kurzgeschichten „Die Abenteuerin“ (vor ihr stammt die Inhaltsangabe oben), „Der betrogene Betrüger“, „Die Privatsekretärin“ sowie „Der Herr im dunkelblauen Anzug“.

Es handelt sich dabei um Geschichten ganz im Stile eines Edgar Walalce, flott geschrieben und lediglich auf Unterhaltung angelegt. Irgendwelche technische oder gar psychologische Finessen kommen hier nicht vor. Der Leser erfährt von vornherein, wer Gut und Böse, wer der Verbrecher und seine Übeltaten sind. Wie wird ihm das Handwerk gelegt? Das ist die alles entscheidende Frage in den 4 Geschichten.​


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Wilhelm Goldmann Verlag München

Die Millionen-Geschichte

„Die Millionengeschichte“, „Der Fall Stretelli“ und „Das Diamantenklavier“ heißen die drei Kurzgeschichten, die in diesem Buch enthalten sind. Giftmord, Erbschleicherei und andere Kriminalfälle kommen hier vor.

Wallace bietet hier genaus das, was er am besten kann, nämlich spannende, gut lesbare, wenn auch etwas oberflächliche Unterhaltung. Inhaltlich geht es nur darum, wie ein Verbrecher von der Polizei gestellt wird.

Wie populär und gut verkäuflich sind die Bücher von Wallace heute noch? Keine Ahnung; zumindest in Antiquariaten müßten seine Bücher noch zu finden sein. Wallace gehört zu den Klassikern des Kriminalroman-Genres. Wer sich für diese Art Literatur begeistern kann, sollte sich aber mit Wallace schon ein wenig auskennen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Wilhelm Goldmann Verlag München