Max Ernst

Max Ernst ist einer der, wenn nicht gar der bedeutendste surrealistische Maler Deutschlands.

Das hier vorliegende und besprochene Buch bietet ein paar chronologisch und tabellarisch geordnete Lebensdaten von Ernst.

Deutlich im Vordergrund stehen vielmehr die großformatigen farbigen Abbildungen des künstlerischen Schaffens sowie dessen kunsthistorische-kunsttheoretische Einordnung. Soweit möglich sind die Ausführungen allgemeinverständlich und somit auch dem fachlichen Laien zugänglich.

Hinsichtlich der Abbildungen liegt der Schwerpunkt auf der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Der Textteil beschäftigt sich dagegen mit dem kompletten Schaffen von Ernst.

Da entsprechende andersweitige Angaben fehlen, ist davon auszugehen, daß dieses Buch nicht anläßlich einer Ausstellung erscheint. Es ist allein schon wegen des Bildmaterials reizvoll.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Benedikt Taschenbuch Verlag Köln

Abenteuer mit unmöglichen Figuren

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. So besagt es ein deutsches Sprichtwort. Einen ähnlichen Effekt gibt es auch in der Kunst, genauer gesagt in der Malerei. Es gibt viele „erstaunliche Erscheinungsformen unmöglicher Figuren“, wie es die Inhaltsangabe berichtet.

Was dem Zeichner leicht von der Hand geht, wird erst durch den komplexen Vorgang des menschlichen Sehens zu einem Ding der Unmöglichkeit. Das Buch lädt zu optischen Entdeckungsreisen und zur intensiven Auseinandersetzung mit den unmöglichen Figuren ein.

Das Buch bietet zweierlei. Einerseits gibt es die bildlich-optischen Phänomene dessen, was eigentlich nicht möglich ist. Im Textteil kommt andererseits eine rational-logische Erklärung dazu.

Wer Freude an Geometrie hat, dem wird auch dieses Buch gefallen. Es bietet eine herrliche Kombination von geometrischen Unmöglichkeiten, die zeichnerisch allesamt kein Problem sind.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Taco Verlag Berlin

Die St. Nikolaikirche zu Kalkar

Der Deutsche Kunstverlag gibt die Schriftenreihe der DKV-Kunstführer heraus. Dies hier ist deren Nummer 602. Er beschreibt eine historische katholische Kirche aus dem niederrheinischen Ort Kalkar.

Das Heft enthält viele großformatige Farbfotos. Sie sind in der Regel auf den Seiten mit den ungeraden Ziffern enthalten.

Der umfangreiche Textteil beschreibt die Geschichte Kalkars als Ort die Geschichte der Kirche und ihre Ausstattung. Die Architektur kommt hier nicht so sehr zum Zuge – dies ist insofern verwundertlich, weil in Kunstführern oft auch darauf eingegangen wird.

Hier liegt im guten Sinne eine Kunstführer vor. Er stellt eine Kirche vor, die in der breiten Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt ist.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Deutscher Kunstverlag München

Schloß Detmold

Die Wartburg-Gesellschaft gibt die Schriftenreihe „Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa“ heraus. Dies hier ist deren Nummer 13.

Sie stellt einen Renaissancebau vor, der in der breiten Öffentlichkeit außerhalb der Region ziemlich unbekannt sein dürfte.

Formal entspricht das Heft dem Niveau, das wir aus vergleichbaren Schriften gewohnt sind. Der Leser lernt allgemeine und Baugeschichte sowie Architektur und Innenausstattung des Schlosses kennen. Das Werk ist großzügig mit Zeichnungen und Farbfotographien ausgestattet. Da die Texte leicht verständlich geschrieben sind, findet der interessierte Leser auch schnell einen Bezug zum Thema. Wer sich für lippische Landesgeschichte begeistern kann, hält eine ansprechend gemachte Veröffentlichung in den Hände.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Verlag Schnell Steiner Regensburg

LWL Freilichtmuseum Detmold

Nordrhein-Westfalen verfügt über eine einzigartige Museumslandschaft. Die Qualität und Vielfalt der Museen lockt jedes Jahr viele Besucher aus dem In- und Ausland in das westdeutsche Bindestrich-Bundesland; sie reisen an den Niederrhein, ins Bergische Land, nach Lippe sowie vor allem in die Metropolen an Rhein und Ruhr, um sich selbst ein Bild von den Exponaten, den Sammlungen und Sonderausstellungen zu machen. So berichtet es Michael Serrer im Nachwort des Buches.

Die Konsequenz daraus: Mit Unterstützung der Kunststiftung NRW entwickelte das Literaturbüro NRW das Konzept der „Museumsschreiber“. Verschiedene Autoren wurden gezielt eingeladen, sich auf ein konkretes Museum einzulassen, es zu besuchen und dann darüber zu schreiben.

Die Reihe, die die Museen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf vorstellt, kann als Pilotprojekt angesehen werden. Inzwischen gibt es die Reihe „Museumsschreiber NRW“. Hier liegt eren Band 5 vor.

Die Publikation ist kein klassischer Museumsführer. Hier wird keine Sammlung allgemein und kein Ausstellungsstück im Besonderen vorgestellt. Diese Daten werden als bekantn vorausgesetzt.

Jenny Erpenbeck versetzt sich vielmehr in Anton Reiser, den fiktiven scheidenden Museumsdirektor, der die letzten 3 Nächte seiner Amtszeit in „seinem“ Museum verbringt. So hat das Werk eher den Charakter eines erzählenden Geschichtsbandes denn eines Führers durch die Sammlung. In welchem Umfang diese Vorgehensweise angemessen ist und dem Museum gerecht wird, kann ja jeder Leser selbst entscheiden. Die Texte sind jedenfalls angenehm zu lesen und werden durch großformatige Farbfotos ergänzt.

Jenny Erpenbeck erblickte 1967 in Berlin das Licht der Welt. Nach Abitur und Buchbunderlehre folgte ein Studium der Theaterwissenschaft und Musiktheaterregie. Neben ihrer Arbeit als Opernregisseurin gibt Erpenbeck seit 1999 Romane, Theaterstücke, Erzählungen und andere Literatur heraus.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Verlag XIM Virgines Düsseldorf

Branching out

Dies hier ist der Katalog zu der gleichnamigen Ausstellung, die vom 26. September 2014 – 8. Februar 2015 im Museum Ratingen zu sehen ist.

Nach einem Vorwort und einer kunstwissenschaftlichen Einführung zeigt das Buch anschließend die ausgestellten Kunstwerke. Was auf den ersten Blick etwas langweilig wirkt, ist bei genauerem Hinsehen liebevoll gestaltet. Der Ausstellungskatalog ist durchaus eine lohnenswerte Gedächtnisstütze.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Kerber Verlag Bielefeld

RuhrKunstSzene

Die Ausstellung „RuhrKunstSzene“ ist im Herbst 2014 in 10 Kunstmuseen des Ruhrgebietes zu sehen. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen ist genauso vertreten wie das Musem DKM aus Duisburg, die Ludwigsgalerie Schloß Oberhausen, das Emschertal-Museum Herne, Städtische Galerei, das Märkische Museum Witten und das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, um nur einige Beispiele zu benennen.

Dies hier ist der dazugehörige Ausstellungskatalog dazu.

Teilweise großformatige, auf jeden Fall farbige Bilder stellen die ausgestellten Kunstwerke vor. Die dazugehörigen Texte liefern den kunsttheoretischen Hintergrund.

Der Ausstellungskatalog ist hübsch gemacht und bietet guten Durchschnitt.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Kerber Verlag Bielefeld

Kunsthalle Düsseldorf

Die Schriftenreihe „Museumsführer“ wird vom Literaturbüro und den Stadtwerken Düsseldorf herausgegeben. In ihr stellt ein Autor seinen ganz persönlichen Zugang zu einem Museum in Düsseldorf vor.

Die Kunsthalle Düsseldorf hat keine eigene Sammlung und damit auch keine Dauerausstellung, die ständig präsentiert wird. Der Ausstellungsschwerpunkt leigt auf zeitgenössischen Künstlern. In der berühmt-berüchtigten Altstadt und in unmittelbarer Nachbarschaft zum K20 (Kunstsammlung des Landes Nordrhein-Westfalen 20. Jahrhundert9 geleglen (auch das örtliche Rathaus und das legendäre Kom(m)ödchen liegen in fußläufiger Entfernung) teilt sich die Kunsthalle die Räumlichkeiten mit dem Kunstverein für die Rheinland und Westfalen.

Auf diese Umstände wird hier insgesamt viel zu wenig eingegangen. Dath schwafelt allgemein über Kunst und läßt im Endeffekt jeglichen Bezug zur Kunsthalle vermissen.

Allein schon das oben beschrieben Umfeld, die Architektur des Gebäudes oder das Miteinander der beiden Ausstellungsmacher wären (beispielsweise) Themen gewesen, auf die man als Autor hätte eingehen können. So bleibt der fade Eindruck, daß Dath das Museum nicht wirklich besucht hat.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Selbstverlag

Bomb it, Miss.Tic!

MissTic Paris, St. Germain
„Les actes gratuits ont ils un prix?“ etwa: „Haben kostenfreie Handlungen/Akte einen Preis?“ _ Typische Graffiti-Schablone von Miss.Tic in St. Germain, Paris. Foto: ©Ruprecht Frieling

Wer die Arbeiten des Londoner Graffiti-Künstler Banksy kennt und schätzt, der wird bei einem Paris-Bummel sicherlich auch schon auf Arbeiten von Miss.Tic gestoßen sein. Die Künstlerin mit dem doppelbödigen Namen besprüht Mauern und Häuserwände mit schwarz-roten Schablonen und verbindet bevorzugt klischeehafte Frauenbilder und poetische Wortspiele.

Die plakativen Arbeiten von Miss.Tic sind von rauer Herzlichkeit und sprühen ein Lokalkolorit, das durchaus als „Pariser Charme“ bezeichnet werden kann. Ihre Frauenbilder entstammen Frauenzeitschriften, die sie verfremdet. Sie selbst sagt dazu: „Ich entwerfe aus ihnen ein bestimmtes Image der Frau, nicht um es zu bewerben, sondern um es zu befragen. Ich unterziehe weibliche Positionen einer Art Inventur. Welche Haltung wählen wir, um zu existieren?“

Miss.Tic bezieht als Künstlerin und als Frau in der Stadt und in der kreativen Welt Stellung. Kreieren heißt für die 1956 in Paris geborene Graffiti-Poetin, Widerstand zu leisten. Sie meint, allem widerstanden zu haben, „nur manchmal der Liebe nicht und niemals dem Humor.“

Die Tochter eines Tunesiers und einer Normannin verlor im Alter von zehn Jahren ihre Mutter durch einen Autounfall. Früh floh sie aus dem derart zerstörten Elternhaus und trieb sich in den Cafés und Cabarets von St. Germain und St. Michel herum. Im „Georges“ in der Rue de Canettes und im „Bâteau ivre“ in der Rue Contrescarpe rezitierte sie Gedichte von Jules Supervielle, René Char, Jean Cocteau und Jacques Prévert. Die Wirklichkeit um sie herum zerfetzte ihr romantisches Bild von St. Germain: Sie traf auf versoffene Genies und Künstler, die sich maßlos überschätzten.

Mit einem Freund verließ sie 1980 Frankreich und zog nach Los Angeles. Dort kamen gerade Hip-Hop und Street Art auf. Im Zuge der Bewegung entstanden bemalte Häuserwände, die schon aus der mexikanischen Revolutionskunst bekannt waren. 1983 kehrte Miss.Tic wieder nach Paris zurück. In jeder Zeit verließen die ersten Künstler ihre Ateliers, übermalten Werbeplakate, bemalten Bauzäune und Wände. 1985 trat sie selbst mit Schablonenbildern in Erscheinung. Im 14. Arrondissement sprühte sie ihre ersten Wortbilder auf Häuserwände. Sie verband von Anfang an ihre Motive mit Textzeile und Signatur.

Miss.Tic erklärt sich weder politisch noch will sie Feministin sein. Sie hat ihre eigene Sicht auf die Dinge. Ihre Arbeiten wurden mal von links, mal von rechts angegriffen, bisweilen sogar von Hardcorefeministinnen, denen ihre Arbeiten zu glamourös und sexy sind, übersprüht und überklebt. Lakonisch sagt sie dazu: „Es ist nicht die Rolle des Künstlers, von allen geliebt zu werden“. Bewusst überlässt sie die Interpretation ihrer Arbeiten auch dem Betrachter und hat keine Lust, irgendetwas zu erklären, zumal ihre Graffiti oft in direktem Bezug zur Umgebung steht.

1999 wurde die Künstlerin in einem Aufsehen erregenden Prozess wegen Sachbeschädigung zu 22.000 Franc Strafe verurteilt. Ausgerechnet dieser Prozess verschaffte ihr einen Karrieresprung. Sie wurde vom Status einer Straffälligen, die mit der Spraydose (französisch: la bombe) hantierte, zu einer anerkannten Künstlerin befördert, deren Genehmigungsgesuche seitdem akzeptiert werden. So sind ihre Arbeiten heute weniger als nächtliche Überraschungsangriffe à la Banksy zu sehen sondern als geplante Kunstaktionen im öffentlichen Raum, die viele Kunstfreunde nach Paris lockt.

Jorinde Reznikoff und KP Flügel haben Miss.Tic in einem wundervollen kleinen Büchlein zu Wort kommen lassen, das in der Edition Nautilus erschienen ist. Wer sich ausführlicher mit der Pariser Graffiti-Künstlerin befassen möchte, der wird mit diesem autobiographisch angelegten schlanken Werk ausgezeichnet bedient.

Diskussion dieser Rezension im KunstBlog


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Edition Nautilus Hamburg

Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker

„Die Gattung Kriminalroman“, „Der Romananfang als Teil des Kriminalschemas“, „Aufklärung und Verrätselung als Strukturelemente“, „Die Realitätsstruktur des Romans“, „Darstellung und Funktion der Charaketere“ sowie „Doppelstruktur und Mehrschichtigkeit in Dürrenmatts Roman“ heißen die Kapitel dieses Buches.
Rein methodisch wirft es für mich eine Frage auf. Kann ich das hier besprochene Buch von Dürrenmatt als bekannt voraussetzen? Ja, ich muß es sogar; wollte ich hier noch eine kleine Inhaltsangabe einfügen, würde es den formalen, inhaltlichen Rahmen sprengen und mich vielleicht sogar noch dazu verleiten, selbst eine Buchbesprechung durchzuführen.
Also greife ich erst gar nicht zu Dürrenmatts Werk, sondern wende mich gleich Seiferts Werk zu.
Sehr konzentiert und detailliert schreibt Seifert. Viele Verweise auf das weitere Werk Dürrenmatts, aber auch umfangreiches literaturwissenschaftliches Grundlagenwissen kommen hier vor. Allein schon auf Grund seines methodisch – inhaltlichen Ansatzes wendet sich das vorliegende Werk nicht an ein allgemeines Publikum (z. B. Schüler, die Dürrenmatts Buch in der Schule lesen und nun eine leicht verständliche Interpretation brauchen); Zielgruppe ist vielmehr ein literarisch vorgebildetes Publikum, das sich nun eher wissenschaftlich – abstrakt mit Dürrenbuchs Buch beschäftigen möchte.
Auch wenn sich Seifert hier einer leicht verständlichen Sprache bedient, ist dennoch ein konzentiertes Lesen erforderlich. Wie leicht kann es sonst passieren, da ansonsten der berühmt – berüchtigte rote Faden verloren geht. Ich frage mich: Gibt es vergleichbare Bücher für die englischen Klassiker der Kriminalliteratur (Christie, Wallace, Sayers)? Sind auch ihre Bücher schon so umfassend analysiert worden? Wenn ja, müssen diese Analysen doch im Verborgenen erfolgt sein. Selbst in der umfangreichen Bibliothek der Duisburger Universität finde ich nämlich keine solche Literatur. Oder hat Dürrenmatt nur das Glück, daß er einerseits ein Klassiker der Mordern ist und andererseits in seiner Werkausgabe nur noch zwei weitere Kriminalaufgabe auftauchen, nämlich „Die Panne“ und „Der Verdacht“? Und damit auch zu einer Art Lichtgestalt des deutschsprachigen Kriminalromans wurde, was natürlich auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihm erleichtert.
Ich werde mich wohl noch häufig in der Duisburger Universitätsbibliothek aufhalten müssen, um dem Phänomen „Kriminalroman“ nachzuspüren.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by R. Oldenbourg München

Der Kriminalroman

Jochen Vogt: Der Kriminalroman Poetik Theorie Geschichte; Wilhelm Fink Verlag München 1998; ISBN: 3 – 7705 – 3226 – 0; 581 Seiten

„Ich rate nie,“ behauptet Sherlock Holmes in dem Buch „Das Zeichen der Vier“. Und das ist auch gut so. Würde er raten, hätten wir doch nicht seine markante Gestalt und pseudowissenschaftliche Vorgehensweise kennengelernt. Doch was macht einen guten Kriminalroman aus? Wie sind Handlung und Charaktere angelegt? WIe ist der Publikumserfolg der Kriminalliteratur zu erklären? Dies sind Fragen, die mich persönlich interessieren.
Vogt läßt in seinem Buch verschiedene Autoren zu Wort kommen. Friedrich A. Kittler schreibt über den Malteser Falken von Dashiell Hammett. Tzvetan Todorov versucht eine „Typologie des Kriminalromans“. Frederic R. Jameson stellt Raymond Chandler vor. Bertolt Brecht äußert sich über die Popularität des Krimis. Umberto Eco stellt die Erzähltstrukturen bei Ian Fleming vor, VIktor Sklovoskij die Kriminalerzähltung bei Conan Doyle.
Diese Beispiele zeigen schon sehr deutlich, wie konzeptionslos und eher zufällig das Buch zusammengestellt ist. Es fehlt jegliche Systematik. In welchem literarischen Umfeld entstand der Krimi? Warum wird hier nicht detailliert auf Poes „Mord in der Rue Morgue“ eingegangen? Welche Autoren sind im deutschen und französischen Sprachraum wichtig? Fragen wie diese werden gar nicht erst gestellt, geschweige denn beantwortet.
Ich möchte dieses Buch nun nicht komplett herabwürdigen. Die Autoren geben sich sicherlich Mühe. Ich frage mich allerdings, wie objektiv sie sind und inwieweit der persönliche Geschmack des Autors die Ausführungen bestimmt. Die oft sehr unterschiedliche Vorgehensweise und Erzählfort erschwert mir persönlich die Konzentration. Immer wieder muß ich das Buch beiseitelegen. Die Texte scheinen willkürlich zusammengestellt zu sein, ohne auf eine vergleichbare Struktur und Erzählweise zu achten. Hilft das vorliegende Buch wirklich bei der literaturwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Krimi? Wahrscheinlich nur dann, wenn man erforschen möchte, wie Krimis rezipiert, also aufgenommen und geistig verarbeitet werden. Die Frage, wozu ein solches Buch überhaupt gut sein soll, bleibt für mich an dieser Stelle unbeantwortet. Die Konzentration auf einige wenige Themen und eine größere inhaltliche Dichte wären erforderlich gewesen, um eine besseres Buch daraus zu machen.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Wilhelm Fink München

Das Doppelleben des Vermeer

Er ist bankrott, krank, drogensüchtig, doch triumphierend. Obwohl er ein wahnsinniges Vermögen verdiente, war sein Ziel die Rache an einer Kunstwelt, die sein Werk belächelte. Han van Meegeren ist Künstler, der es verstand, einen der außergewöhnlichsten und geheimnisvollsten Maler der holländischen Kunstgeschichte so perfekt zu fälschen, dass sich die Kunstwelt nach wie vor streitet, ist er echt, ist er nicht echt? Jan Vermeer.
Wie viel muß ein Fälscher wissen, Technik, Malstil, Epoche, Leinwand, Farbzusammensetzung und…?
Der Künstler, der in die Haut eines anderen schlüpfte, um Anerkennung zu finden, wird vom Hochverräter zum Volksheld, als man nach 1945 in Holland entdeckt, dass ein Hauptwerk Vermeers in den Besitz von Hermann Göring gelangte. Der Drahtzieher des Verkaufs war der heruntergekommene Maler Han van Meegeren. Er wird verhaftet und Han van Meegeren gesteht. Doch nicht den Verrat an Holland, den Ausverkauf nationaler Kulturgüter. Er hat das Bild gefälscht, und mit ihm sechs weitere, erst „unlängst“ wiedergefundene Vermeers, mit denen sich die bedeutendsten Museen der Zeit schmücken.
Wie konnten sich die Experten über Jahre derartig täuschen lassen? Wie gelang es einem Autodidakten, alle technischen Analysen auszutricksen und die Mär vom untypischen „anderen Vermeer“ durchzusetzen?
Ein spannendes Buch – wie ein Kriminalroman: ich empfehle es jedem, der sich für Kunst und Malerei und die dahinter steckenden Machenschaften interessiert.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Kunstmann München

Studs meets music

Viele sagen, das Leben sei mit Hilfe der Musik in den menschlichen Körper gelockt worden. Die Wahrheit ist aber, dass das Leben selbst Musik ist.
Passender als mit diesem Zitat von Hafis, einem persischen Dichter des vierzehnten Jahrhunderts, kann man ein Buch über Musik und Musiker nicht beginnen.
Der Pulitzer-Preisträger Studs Terkel war jahrelang Gastgeber einer Radioshow in Chicago, der Studs Terkel Show, und präsentierte seinen Zuhörern nicht nur Musik, sondern auch Gespräche mit Vertretern verschiedener Musikrichtungen.
„Studs meets music“ enthält mehr als zwanzig Interviews mit den bekanntesten Musikern des zwanzigsten Jahrhunderts.
Unter diesen Höhenpunkten erzählt Jon Vickers von seiner Liebe zur Musik von Wagner, oder Louis Armstrong berichtet aus seinem langen Musikerleben. Ravi Shankar erwähnt seine Begegnung mit den Beatles, und Amerika’s großer Balladensänger Woody Guthry erinnert sich an seine Begegnungen und Wanderungen in den Vereinigten Staaten. Big Bill Broonzy sitzt in einem Studio, spielt die Musik längst verstorbener Freunde und berichtet aus seinem Leben. Kurze Zeit später, man schreibt das Jahr 1958, ist auch Big Bill tot.
Mit einem tiefgreifenden Wissen und einer enormen Wertschätzung seiner Gesprächspartner stellt Studs Terkel seine Fragen und liefert dem Leser ein kenntnisreiches Buch voller herrlicher Porträts.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Kunstmann München

Das Leben und das Schreiben

Was zeichnet einen guten Autor aus? Stephen King, sonst eher dafür bekannt, die Welt auf elegante Weise zugrunde gehen zu lassen, hat ein Buch über das Schreiben geschrieben. Ich habe schon einige Bücher über das Schreiben gelesen, und bei manchen habe ich mich gefragt: »Wenn das alles genau so geht, wie es hier steht. Warum schreibt der Autor dann keine Romane?« — Kann mir jemand das Kochen beibringen, wenn er nur theoretisches Wissen hat? Die Frage stellt sich bei diesem Buch nicht. Dass Stephen King Bücher schreiben kann, wird wohl niemand bestreiten.

Wer nun ein Arbeitsbuch erwartet, das eine Übung an die Nächste reiht, der wird enttäuscht. In diesem Buch erfährt man zum einen, wie Stephen King zum Autor wurde und zum anderen, wie er arbeitet. Das Buch ist wie eine Einladung zum Tee. Stephen King lädt ein. Man kommt und unterhält sich. Irgendwann hört man dann nur noch zu.

Er erzählt über seine Kindheit, wie und wo er aufwuchs. Wir erfahren, wie er mit seinen Kurzgeschichten abgelehnt wurde und wie er es weiter versucht hat. Das Gefühl, wie es war, als er seinen ersten wirklich großen Vertrag bekam, kann man fast nachfühlen. Er erzählt über Drogen, Probleme und dann über seinen fast tödlichen Unfall. Wie auch in seinen Geschichten, schaut er hierbei nicht weg. Man erlebt den Unfall mit seinen Augen. Seine Todesangst wird greifbar, und man kann seinen Ehrgeiz verstehen, sich möglichst schnell zu erholen. Dieser Teil des Buches liest sich wie ein Tagebuch, dass nie dazu geschrieben wurde, um je von anderen gelesen zu werden.

Im zweiten Teil lernen wir, wie »Der King« schreibt. Er plant seine Geschichten nicht, sondern fängt mit einer Idee an und schreibt los, ja wird so zum ersten Leser seiner Geschichten. Natürlich schreibt auch er nicht druckreif, also gibt es auch ein Kapitel, wo wir ein Beispiel seines ersten Entwurfs und seiner Änderungen dazu sehen.

Kein Sachbuch ist ohne Literaturhinweise am Ende und so macht auch dieses keine Ausnahme. Zusammengefasst das für mich beste Buch von Stephen King, dass ich bisher gelesen habe. Auch von den Büchern über das Schreiben, zählt dieses zu den nützlicheren. Denn besser als jede theoretische Anleitung, ist ein Praktikum, bei einem der es kann.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Ullstein Berlin

Wort für Wort

Elizabeth George gilt als begnadete Krimiautorin, die mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen Spannungsbögen schlägt und damit eine internationale Fangemeinde um ihre Figuren schart. Mit dem vorliegenden Sachbuch reiht sie sich in die Traditionslinie amerikanischer Bestsellerautoren, die Schreiben als solides Handwerk verstehen, das vermittelbar und erlernbar ist.

Wer Elisabeth George Wort für Wort folgt, erhält zuerst einmal tiefen Einblick in ihren schriftstellerischen Handwerkskasten! George ist eine Autorin, die wenig dem Zufall überlässt und jedes spontane Sprudeln der Ideen bei der Niederschrift für sich selbst ablehnt. Sie feilt ausführlich an den Ideen ihrer Romane sowie an den Figuren, die diese bevölkern. Sie ist überzeugt, dass Figuren die Geschichte und Dialoge wiederum Figuren erschaffen. Sie schildert, wie sie ihre Figuren und Schauplätze modelliert, wie sie in einem Stufendiagramm Szenen zu Papier bringt und die Handlung entwirft. Sie betont die Bedeutung des Konflikts, um Geschichten spannend, interessant und kunstvoll erzählen zu können und erläutert die möglichen Erzählweisen. Die Autorin verrät ihre Technik und schildert ihren Umgang mit der Rohfassung des Manuskriptes und den notwendigen Schritten zur Überarbeitung bis zur Fertigstellung.

»Wort für Wort« ist ein unterhaltsam geschriebener, leicht nachvollziehbarer Lehrgang für Romanautoren und solche, die es werden wollen. Systematisch und mit vielen Leseproben nimmt Elizabeth George den Leser an die Hand und führt ihn sicher durch den Dschungel des literarischen Schreibens. Sie verlangt von ihren Lesern Leidenschaft und Disziplin, um sich die handwerklichen Techniken anzueignen und sagt sehr deutlich, dass Kunst ohne Handwerk undenkbar ist und stets darauf fußt, dass andererseits aber bei aller handwerklichen Meisterschaft auch zusätzlich Talent erforderlich ist, um ein wirklich gutes Buch zu schreiben.


Genre: Kunst, Musik und Literatur
Illustrated by Goldmann München