Die Kunst der Liebe
by Ovid

OVIDOvids Liebestipps: „exue fastus, curam mansuri quiquis amoris habes“: Legt allen euren Stolz ab, alle, die Ihr Interesse an einer dauerhaften Liebesbeziehung habt, rät Ovid seinen Liebesschülern und es kommt noch dicker. Als „fairer Mittler“ gibt Ovid nicht nur einer Partei Waffen in die Hand, sondern „trainiert auch die andere Seite mit Ratschlägen“. Aus diesem Grund ist vorliegende amüsante Lektüre von beiden Seiten lesbar: die eine für die Männer, die andere für die Frauen. Wer Ovid deswegen Verrat an seinen Geschlechtsgenossen vorwerfen möchte, dem sei die aufklärerische Note seiner Schrift ans Herz gelegt. Denn obwohl Ovid seine Schrift „ars amatoria“ schon um Christi Geburt schrieb und veröffentlichte sind seine Ansichten bezüglich den Frauen durchwegs fortschrittlich zu nennen. Entgegen damaliger Vorstellungen gesteht er nämlich auch den Frauen Seitensprünge zu und verteidigt stets die erotischen und materiellen Interessen der Frau – wohl auch im Eigeninteresse. Seine fortschrittlichen Ansichten führten übrigens auch zur Verbannung und so verstarb er statt in seinem geliebten Rom am Schwarzen Meer.

gaudia Veneris – Ovids Freuden der Liebe

Lust ist für Ovid kein männliches Privileg und nur dann vollkommen, wenn nach dem Sex „Frau und Mann in gleicher Weise erschöpft da liegen“. Sein revolutionärer Aufruf zur sexuellen Gleichberechtigung der Frau bezieht sich durchaus auch auf verheiratete Frauen und nicht nur „leichte Mädchen“. Die Sittengesetzgebung eines Augustus war damals genauso ambivalent wie die heutige: die Mimen, die sich wirklich unflätiger Ausdrücke durften sich alles erlauben, aber ein Ovid, der die Oberschicht ansprach, wurde verbannt. Seine Tipps an die Frauen, niemals wütend zu sein, zu lächeln und stets sich dezent zu verhalten mögen von heutigen Feministinnen zwar mit Verachtung betrachtet werden, sind aber für das erotische Zusammenspiel der Geschlechter auch heute noch unerlässlich. „Auch Bildung kann sexy sein“, nennt Weeber ein Kapitel, das sich ganz den Strategien der Frau zur Eroberung widmet. So empfiehlt Ovid etwa immer zu spät zu kommen, denn das Warten wäre die stärkste Kupplerin – außerdem wären die Wartenden dann ja meist schon betrunken und man erscheine in noch besserem Licht. Auch das Trinken verwehrt er den Frauen nicht, aber es gelte wie bei den Männern: „qua patiens caput est animusque pedesque“, stets nur soviel wie Kopf und Verstand und Füße es vertragen. Er warnt zudem vor Schmeichlern, empfiehlt das Zappelnlassen und lobt zuletzt die Liebeskünste der Poeten –ebenfalls nicht ganz uneigennützig: „est deus in nobis et sunt commercia coeli; sedibus aehteriis spiritus ille venit“: Es wohnt ein Gott in uns; wir haben Verkehr mit dem Himmel , von ätherischen Höhen kommt zu uns der Geist.

Fall in Love – Täuschung und Enttäuschung

Auf der anderen Seite des Buches warten die Ovids Tipps für Männer mit scharfer Munition für den Geschlechterkampf auf. „To fall in love“, das sich aus dem lateinischen fallere ableitet, was so viel wie „täuschen“ bedeute. Tarnen und täuschen? Ja, aber eben auch, sich zu täuschen. Allzu viel Offenheit und Ehrlichkeit sowie schonungslose Transparenz seien in der Liebe alles andere als Erfolgsgaranten, rät Ovid und auch den Männern rät er Trunkenheit zumindest vorzutäuschen, nicht aber sich die Frauen schön zu trinken (sic). Auch der Mann müsse an seiner Bildung arbeiten, denn der Geist allein halte bis zum letzten Ziel des Scheiterhaufens durch, während die physische Schönheit zunehmend versiege. Besitze etwas, das mehr wert ist als der Körper!, rät er seinen Lesern. Einen jeden Fehler durch den benachbarten Vorzug zu verbergen, schade ebenfalls nicht: nenne Dicke vollschlank und Kleine handlich u.ä. „Helenen ego criminie solvo“ (Ich spreche Helena von Schuld frei) wäre zusammenfassend die Formel von Ovids Liebeskunst: Menelaos sei selbst schuld, dass Helena ihn mit Paris betrog. Wäre er nicht in den Krieg gezogen, hätte sie ihm keine Hörner aufgesetzt. Warten lassen kann also durchaus die Begierde und Sehnsucht steigern, aber wer zu lange wartet, den bestraft das Leben. Ad metam properate simul: tum plena voluptas, cum pariter victi femina virque iacent: Eilt gleichzeitig zum Ziel! Dann ist die lust vollkommen, wenn Frau und Mann in gleicher Weise erschöpft da liegen. Eben!

Karl-Wilhelm Weeber fasst die Kunst des Liebens von Ovid auf amüsante Weise zusammen und zeigt, dass es auch vor 2000 Jahren nicht viel anders zuging im Geschlechterkampf. Gerichtet an Liebhaber und Liebhaberinnen, Geliebte und eventuell auch an Eheleute: Denn es ist nie zu spät.

Karl-Wilhelm Weeber
Die Kunst der Liebe. Ovids Tipps für Frauen/ Ovids Tipps für Männer
Wendebuch. Paperback. Format 12,5 x 20,5 cm
Originalausgabe, 144 S. ISBN: 978-3-15-011141-3
Reclam Verlag


Genre: Antike, Liebe, Ratgeber
Illustrated by Reclam Verlag

Köstlicher Orient

peter-heineDer kulinarische Orient ist in jedem Fall einen Besuch wert und mit vorliegendem Kochbuch „Köstlicher Orient. Eine Geschichte der Esskultur. Mit über 100 Rezepten“ noch dazu ein Kinderspiel. Und außerdem: Essen verbindet! Im Sinne einer invented tradition wurde für den Hummus und das Falafel als typisch jüdisches – oder israelisches – Gericht sogar die Thora bemüht, in der von Kichererbsengerichten die Rede sein soll. Der Zionismus hatte nämlich bei der Gründung des Staates Israel die beiden Gerichte als Nationalgerichte definiert, um auch durch diese Speisen Identität für den neuen Staat zu schaffen. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass es sich um rein vegetarische Gerichte handelt, die keinerlei religionsbedingte Probleme für die beiden größten Bevölkerungsgruppen Israels befürchten ließen. Aber die Reaktionen der nicht-jüdischen Bewohner Israels ließ nicht lange auf sich warten: „Sie haben uns nicht allein unser Land genommen. Nun nehmen sie auch noch unsere Küche.“, soll der syrische Soziologe und Kenner der arabischen Küche Sadiq al-Azm beklagt haben, schreibt Peter Heine in seiner Geschichte der orientalischen Esskultur und veranschaulicht damit deutlich, dass selbst das Essen ideologisch benutzt werden kann – von beiden Seiten!

Khmar oder nabidh?

Das arabische Dorf Abu Gosh soll daraufhin einen Humus in einer Satellitenschüssel von sechs Metern angerichtet haben, in dem 10 452 kg von dem Aufstrich angerührt wurden. Der Libanon wollte damit Israel den Titel des Nationalgerichtes wieder abjagen, aber immerhin kam es auf diese Weise zu keinem Krieg, denn auch dafür sind Kochrezepte gut: sich der gemeinsamen Ursprünge bewusst werden und die Unterschiede zu pflegen. Darauf legt auch der Verfasser des vorliegenden Kochbuches mit vielen Rezepten sehr viel Wert, wenn er schon im Eingangskapitel erklärt, warum auf „Schwein und Wein“ verzichtet wird. Auch das rituelle Schlachten auch als Schächten bekannt wird erklärt und darauf hingewiesen, dass es in manchen europäischen Ländern immer noch verboten ist und die Muslime mancher Länder das halal-Fleisch deswegen importieren müssen. Weniger Einigkeit gibt es da schon beim Wein, denn im Koran steht zwar vom Verbot des Traubenweins (khamr) nichts aber vom Verbot des Dattelweins (nabidh). Außerdem existieren neben diesen beiden Weinen noch 148 weitere Worte resp. Bezeichnungen für Wein, was natürlich automatisch zu religiösen Spitzfindigkeiten führen kann. Aber eigentlich verbiete der Koran ohnehin nur den Rausch und nicht den Alkohol an sich, so Peter Heine. Also auf, auf einen halib al-asad!

Köstlicher Orient: Freundschaft mit Nachbarn

Fastenregeln und Fastenbrechen (Iftar) sowie das muslimische Paradies werden ebenso erklärt wie andere Regeln der orientalischen Küche. So wird im Westen der Ramadan oft falsch verstanden: eigentlich gehe es dabei nämlich darum, „in dem Familienbeziehungen, Nachbarschaften und Freundschaften intensiver gepflegt werden“. Im Verlaufe des vorangegangenen Jahres entstandene Konflikte werden in dieser Zeit durch Besuche beigelegt und mit dem gemeinsamen nächtlichen Fastenbrechen Iftar besiegelt. Eigentlich eine schöne Tradition, oder? Die vorliegende Publikation des Wagenbach Verlages ist in einem besonders schönen Umschlag auf Leinen gedruckt verpackt, damit etwaige Kochflecken auch schnell wieder abgewischt werden können. 1500 Jahre orientalische Küche und Essgewohnheiten mit über 100 Rezepten zum Nachkochen, genießen Sie mit Peter Heines Anleitung Falafel, Hummus und Döner, Couscous, Dolma und Marzipan und viele andere Köstlichkeiten des Orients.

Peter Heine

Köstlicher Orient

Eine Geschichte der Esskultur. Mit über 100 Rezepten

Sachbuch. 2016

240 Seiten. 16 x 24 cm. Bedrucktes Leinen

Zweifarbig gedruckt und mit sehr vielen Abbildungen

29,90 €

ISBN 978-3-8031-3661-9

Verlag Klaus Wagenbach


Genre: Kochbuch, Kulturgeschichte, Orient, Ratgeber, Volkskunde und Brauchtum, Wagenbach Verlag
Illustrated by Klaus Wagenbach Berlin

Ich habe ein Buch geschrieben – was nun?

Bücher51X+aiRisQL._SX310_BO1,204,203,200_prinz Ruprecht Frieling plaudert aus dem Nähkästchen über die Themen, die jeden frischgebackenen Autor interessieren.

Das ist der erste Satz des Ratgebers. Als ich das las, dachte ich – wieder ein Buch, in dem mir weitschweifig und kostenpflichtig erklärt wird, wie ich schreiben, veröffentlichen und insbesondere auch verkaufen soll. Wie ein Eheratgeber zur Diamantenen Hochzeit, denn ich gehe diesem Gewerbe jetzt über zehn Jahre nach.

Mit einer gewissen Aversion las ich weiter – und habe das Buch in einem Rutsch bis zum Ende gelesen.

Falsch an dem ersten Satz ist, dass dieses Buch sich nur an den Anfänger wendet, sondern – vielleicht ganz besonders – an die alten Hasen, die schreiben und als Selfpublisher veröffentlichen, ohne zu wissen, welch eklatante Fehler sie machen können. Denn – es gibt unzählige rechtliche Vorschriften, die der Autor beachten muss, wenn er auf eigene Rechnung und eigene Verantwortung am Büchermarkt agiert.

Auf eigene Verantwortung – das ist der entscheidende Punkt, denn es gibt da eine Berufsgruppe, die nennen sich Rechtsanwälte, und innerhalb dieser gibt es eine Untergruppe, die nennen sich Abmahnanwälte. Die sitzen in ihren Kanzleien neben dampfenden Kaffeekannen und warten nur drauf, dass harmlose Mitbürger, in unserem Fall wir – die neuartigen Spezies Selfpublisher – Fehler machen.

Man kann lange diskutieren, ob alle Vorschriften, die unsere deutsche Ordnung regeln, wirklich sinnvoll sind. Man denke nur an die Verkehrsampeln, an vielen Straßenkreuzungen unsinnig, aber mehrheitlich sorgen sie dafür, dass wir halbwegs unbeschadet über die Straße kommen.

Praxisfern? Weit gefehlt. Es gibt da einen Rechtsstreit, den ich mit großem Interesse verfolge, den Streit des Alt-Kanzlers Kohl um den Besitz gewisser Tonbänder, Basis seiner Biografie. Ich will hier nicht den Fall aufrollen, aber eins ist sicher – es geht bei dem Streit um sehr viel Geld. Der Verlag musste ganze Lagerbestände einstampfen, Schadenersatz und Vertragsstrafen wurden gezahlt. Am Ende werden einige der Beteiligten viel Geld verloren haben, dürften pleite sein. Und warum das alles? Weil sie ein paar winzige rechtliche Kleinigkeiten, ein paar Nebensätze in den Verträgen, übersehen haben.

Was hat das alles mit uns Selfpublishern zu tun, die wir doch immer alles richtig machen? Abmahnanwälte lauern nur darauf, dass man Fehler macht. Sie lauern, ohne dass ihnen irgendwer einen Auftrag gegeben hat, und werden sie fündig, dann kostet das Geld. Macht der Verlag Fehler, benutzt für das Cover als Hintergrund ein Bild, an dem er keine Rechte erworben hat, übersieht der Lektor im Text ein unerlaubtes Zitat, dann kostet das auch Geld. Der Autor merkt es nicht, und der Verlag weiß es, hoffe ich zumindest. Mache ich als Selfpublisher solche Fehler, dann kostet das mein Geld und das kann schnell so viel werden, dass mir die Schreiberei keinen Spaß mehr macht.

Ich mache keine Fehler? Jeder macht Fehler und gerade in diesem Gewerbe hat man sie sehr schnell gemacht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ich kann jedem Autor, speziell dem Selfpublisher, dieses Buch nur empfehlen.

Um auf den Anfang zu kommen – Ruprecht Frieling plaudert. Er schafft es, zwingend rechtliche Vorschriften angenehm und verständlich zu vermitteln. Er schmückt das mit einem Cover, das ahnen lässt, wie ein Autor sich fühlt, wenn er unter sein aktuelles Buch endlich das Wort ENDE gehämmert hat. Dann ist er in Siegerlaune, nichts kann mehr schief gehen und die Sektkorken knallen. Von wegen!

 


Genre: Ratgeber
Illustrated by Internet-Buchverlag Berlin

Warum französische Frauen nicht dick werden

41fER4JJGwL._SX309_BO1,204,203,200_Die Autorin Mireille Guiliano ist eine extrem schlanke, extrem erfolgreiche französische Frau. Präsidentin in New York für Louis Vuitton und die Luxuslabels, die noch dazu gehören. Sie schildert in ihrem Buch „Das Geheimnis genussvollen Essens“ und die Überschrift des Klappentextes lautet: „Dieses Buch wird Ihr Leben verändern“. Dermaßen provoziert, musste ich dieses Buch, über das ich beim Stöbern in einer Buchhandlung gestolpert bin, natürlich kaufen. Welche Frau wüsste nicht gerne, wie man genussvoll isst und dabei noch klapperdürr bleibt? Und wenn ein einfaches Büchlein mein ganzes Leben verändern würde, mit dem ich doch sehr zufrieden bin? Der Kaufzwang war mit diesem Satz garantiert, denn es kann ja nur noch besser werden.

Mit einiger Skepsis machte ich mich an das Buch, immer meine französischen Freundinnen vor Augen. Deren Essverhalten hatte ich bisher nicht weiter beachtet, muss aber dazu sagen, dass eine wirklich gertenschlank ist und die andere  schöne natürliche Rundungen hat und sehr gerne auch mal zu viel futtert.

Madame Guiliano schildert auf sehr vielen Seiten ein äußerst luxuriöses Leben, das wir Normalfrauen gar nicht in der Lage sind, zu führen. Sie lebt in New York und in der Provence. Pendelt natürlich erster Klasse zwischen beiden Ländern hin und her und muss, ach die Ärmste, ständig in Sterne-Restaurants essen. Dort gibt es immerzu Champagner und erlesene Weine, vom guten Essen ganz zu schweigen. Selbstverständlich werden nur Designerstücke in der kleinsten Größe am Körper getragen und das soll auch so bleiben.

Beim Lesen werden die Augen größer und größer und man ist geneigt, der Dame gehörig in den knochigen Hintern zu treten, ob so vieler Beschwerden über dieses harte Leben.

Bei aller Empörung bin ich aber irgendwann ihrem Plauderton erlegen und habe tiefe Einblicke in das Essverhalten „der Französinnen“ bekommen und vieles davon leuchtet ein. Plötzlich sehe ich meine schlanke französische Freundin mit anderen Augen. Auch sie schiebt gerne ihr Essen auf dem Teller hin und her, lässt grundsätzlich etwas liegen und gleicht ständig Mahlzeiten mit Salätchen aus.

Madame Guiliano gibt viele Tipps, die sich auch hier in die Realität umsetzen lassen und es macht Spaß, ihr zu folgen.

Am Ende muss aber das eigene Versagen stehen, denn es ist in Deutschland nicht möglich, wenn man Frau Normalverbraucher ist, ein Leben wie die Autorin zu führen.Trotzdem kann man gut ein paar Ernährungstipps übernehmen, die wirklich simpel sind und den Umgang mit Lebensmitteln erleichtern.

Wer einen Einblick in die französsische Lebensart wagen möchte und staunend erfahren möchte, mit welchen Wehwechen die Schönen und die Reichen und die ganz schön Reichen zu kämpfen haben, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Leicht zu lesen, mit einem Augenzwinkern zu genießen.

Unterhaltsam.


Genre: Biographien, Ratgeber
Illustrated by Piper München, Zürich

Nur wer wagt, gewinnt

Peter_BuchenauPeter Buchenau mag ein guter »Redner, Ratgeber und Kabarettist« (Eigenwerbung) sein, ein brillanter Autor ist er nicht. Sein Buch »Nur wer wagt, gewinnt« ist in erster Linie eine labyrinthische Predigt, die apodiktisch angelegt ist unter dem Mantra »Nur wer dies und jenes tut oder lässt, der …«

200 Seiten lang verkündet der Autor in immer neuen Schleifen, dass es besser sei, Entscheidungen zu treffen als im Nichtstun zu verharren. Unser Leben sei vom Zwang bestimmt, permanent neu entscheiden zu müssen. Davon dürfe man sich aber nicht unter Druck setzen lassen, auch eine falsche Entscheidung könne in den allermeisten Fälllen noch korrigiert werden. Ziel seines Buches sei es aufzuzeigen, wie man Risiko bewertet und welche Chancen sich aus »risikointelligentem Handeln« ergeben können.

Stilistisch bedient sich Buchenau dabei immer wiederkehrender rhetorischer Fragen. Mag dies bei öffentlichen Vorträgen dienlich sein, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu steigern, so ist es beim Lesen einfach nur hinderlich, zumal es bei dieser Art der persuasiven Kommunikation nicht um Informationsvermittlung sondern um Zustimmung oder Ablehnung geht.

Es kann durchaus sein, dass der Autor einiges zu sagen hat. Seine Art des schriftlichen Vortrags jedenfalls verbaut den Zugang zum Leser, und das ist schade.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Linde

Dr. Oetker Backen macht Freude

Dr. Oetker ist vielen von uns als Hersteller von Backrezepten bekannt. Daß sich das westfälische Unternehmen auch um lebensmittelkundliche Literatur bemüht ist daher schon naheliegend.

Es gibt einen einführenden Teil, in dem Ratschläge zu Themen wie Backzutaten, zweckmäßige Geräte, Maße und Gewichte, Backhitzen und das richtige Aufbewahren von Gebäck gegeben werden.

Rührteig, Biskuitteig, Knetteig, Hefeteig und andere Backformen werden hier vorgestellt. Christa Schlüter-Zeitz und Gisela Knutzen heißen die beiden Autorinnen des Buches. Sie bemühen sich schon um eine neutrale Darstellungsweise, die nicht allzu offensichtlich Werbung für die Dr. Oetker – Produkte macht.

Bei den Rezepten handelt es sich um gutbürgerliche Backwaren; Experimente gibt es hier keine. Bei dem Ratgeberteil wird sich um einen hauswirtschaftlichen und backwarenbezogenen Bezug bemüht. Wer sich an der Zubereitung von Kuchen und anderen Backwaren erfreuen kann, hält hier also schon sinnvolle Literatur in den Händen.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Ceres Verlag Rudolf-August-Oetker KG Bielefeld

Weihnachtlicher Küchenzauber

Die Zeit vor Weihnachten gilt als eine besinnliche Zeit des Zusammenrückens. Es gibt gemütliche Abende mit Glühwein und Bratäpfeln, das traditionelle Festessen an den Weihnachtsfeiertagen und das gesellige Beisammensein an Sylvester.

Dieses Kochbuch ist eine reine Bleiwüste. Die Rezepte beschränken sich auf den Namen des Gerichts, die Mengenangaben für die Zutaten sowie die Beschreibung der Herstellung.

Hinsichtlich der optischen Gestaltung ist die Rezeptansammlung also eher trocken angelegt. Soweit man es als Küchen-und-Bäckerei-Laie beurteilen kann, gibt es hier einfache Rezepte, die leicht, schnell, billig und kleingruppentauglich zuzubereiten sind. Es dürfte auch für jeden Geschmack etwas dabei sein.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Wilhelm Heyne Verlag München

Vom guten Umgang mit Verlusten

Verluste gehören zum Leben dazu. Wohlstand Sicherheit, Partnerschaft, Gesundheit, Glück und Lebenslust können abhanden kommen. Verliert man sie, kann man tiefe Krisen durchwandern.

Strecker wurde 1944 geboren. Der Theologe, Pädagoge und Psychologe hat als Professor Dr. in Reutlingen, Houston / Texas und Tübingen gelehrt, aber auch als Autor und Bearter gearbeitet. Die vorliegende Publikation hat er zusammen mit Karin Tanhäuser veröffentlicht.

Büchlein wie dieses sind irgendwie schwer einzuordnen, weil inhaltlich nicht greifbar. Es gibt viele Allgemeinplätze, von denen jeder Leser auf seine ganz eigene Art und Weise Nutzen ziehen kann. Was ist richtig? Was falsch? Antworten wird man woanders suchen müssen.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Claudius Verlag München

Deine Gebete werden erhört

Gebete sind sehr persönliche, individuelle und private Gespräche von Menschen mit Gott. Der Inhaltsangabe zufolge hat der US-Amerikaner Lake aus allen Teilen der Welt „eine große Zahl von Berichten über erhörte Gebete zusammengetragen“. Sechzehn „der eindrücklichsten Erlebnisse sind hier zusammengefaßt“.

Im Buch sind keinerlei biographische Daten von Lake enthalten. Es ist daher schwierig zu beurteilen, ob er Schriftsteller, Gemeindepfarrer, Psychologe oder sonst etwas von Beruf (gewesen) ist.

Ob die Geschichten wirklich so stattgefunden haben? Oder sind sie reine Phantasiegeschichten, die die Bedeutung des christlichen Betens hervorheben sollen? Keine Ahnung; kontrollieren ließe es sich jedenfalls nicht.

Wer empfänglich für das Thema ist, hält hiermit jedenfalls gute, ansprechende Literatur in den Händen, die zum Nachdenken anregt.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Aussaat Verlag Neukirchen-Vluyn

Der Schatten gehört zu mir

Wer ein Schattendasein führt, wid kaum beachtet. Und wer über seinen Schatten springt, tut eine Sache, die er eigentlich nicht möchte.

Das Heft gehört zu der Schriftenreihe „Selbstfindungen“. „Jeder Mensch muß sich so annehmen und akzeptieren, wie er angelegt ist. Diese Reihe gibt Aufschlüsse und Hilfen, sein eigenes Ich besser zu erkennen und es positiv im Umgang mit anderen einzusetzen,“ beschreibt der Verlag dessen Zielsetzung.

Becker ist Jahrgang 1927. Geburtsort: Frankfurt / Main. Er hat als Theologe, Therapeut und Unternehmensberater gearbeitet.

Schaffer lieferte die Bilder zu dieser Publikation. Er stammt aus Pommern, wurde 1942 geboren, ist nach Kanada ausgewandert und hat dort Germanistik und Anglistik studiert. Seit seiner Zeit als Dozent für europäische Literatur an einem College in Vancouver ist er freiberuflich als Fotograph und Schriftsteller tätig gewesen.

Das vorliegende Werk soll den Leser ermutigen, sich so zu akzeptieren, wie er ist. Wozu auch die dunklen Seiten gehören. Christliches Gedankengut wird an einigen (leider nur wenigen) Stellen erwähnt; viel allgemeines Gerede aus der Psychologie kommt hinzu. Ob die Ausführungen aber wirklich zum Nachdenken ermutigen, sei einmal dahingestellt. Wer möchte schon auf seine eigenen Schwächen und Nachteile hingewiesen werden? Wäre es aus psychologischer Sicht nicht ermutigender, die eigenen Stärken hervorzuheben?

Man kann die Ausführungen in besinnlichen Stunden lesen. Ob sie wirklich hilfreich sind, kann jeder Leser ja selbst entscheiden.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Verlag Ernst Kaufmann

Handbuch für Autorinnen und Autoren

Sandra Uschtrin ist ein Urgestein in der deutschen Verlagslandschaft. Seit 30 Jahren hat sie sich die Fort- und Weiterbildung von Autoren auf die Fahnen geschrieben. 1985 erschien – damals noch im Grafenstein-Verlag – ihr erstes Handbuch, das sich dem Berufsfeld des Autors widmete. Damals stand sie ganz allein auf weiter Flur. Von einigen Zuschussverlagen abgesehen gab es niemanden, der sich für den Nachwuchs interessierte und ihn als Zielgruppe erkannte.

Drei Jahrzehnte später legt die agile Publizistin, die außerdem noch das zweimonatliche, 1998 von Titus Müller gegründete Fachmagazin »Federwelt« herausgibt, die inzwischen achte Ausgabe ihres viel gerühmten Handbuchs vor. Inzwischen steht sie längst nicht mehr allein auf dem Markt der Ratgeber für Autoren. Es herrscht vielmehr ein reger Wettbewerb zwischen Verfassern mehr oder weniger nützlicher Nachschlagewerke und Ratgeber für jeden, der schreibt. Außerdem hat sich der Markt vollkommen geändert. Denn mit der Einführung der E-Book-Plattform Kindle Desktop Publishing (KDP) durch die Firma Amazon ist eine Heerschar Self-Publisher an den Start gegangen, die hungrig nach Hilfestellungen für die Vermarktung der eigenen Bücher sucht und jede greifbare Information aufsaugt.

Tief in das Dickicht der geheimnisvollen Verlagswelt schlägt die nunmehr achte völlig überarbeitete und erweiterte Auflage des »Handbuch für Autorinnen und Autoren« eine Schneise und bietet Orientierung. Dabei entspricht der Aufbau der 700 Seiten starken Bibel den Veränderungen des Marktes. Der Band startet mit dem Thema »Self-Publishing und Marketing« und kommt erst ganz zum Schluss zu dem Bereich, der früher den Einstieg ins Handbuch darstellte: den Verlagen. Das ist konsequent, schließlich lautet heute nicht mehr die entscheidende Frage, wie ein Neueinsteiger einen Verlag für sein Manuskript findet. Die Frage ist vielmehr, ob das Werk selbst herausgegeben oder in die Hände Dritter gelegt wird. Die Torhüterfunktion der Verlage alter Prägung ist Geschichte. Autoren entscheiden inzwischen selbst, wann, wo und in welcher Form sie ihre Werke publizieren.

Um diese Veröffentlichung möglichst professionell im Buchmarkt zu positionieren, spielt das Marketing eine entscheidende Rolle. Vom Lektorat über die Umschlaggestaltung, von der Bedeutung der eigenen Online-Aktivitäten über das Autorenporträt, von der Entscheidung, eine PR-Agentur zu beauftragen und dem richtigen Umgang mit Rezensenten, Bloggern und Literaturagenten – es gibt kein Thema, das in dem Handbuch nicht ausführlich behandelt wird. Aber auch Spezialgebiete wie das Verfassen von Heftromanen, das Schreiben fürs Theater, die Produktion von Hörspielen und das Drehbuchschreiben für TV-Serien werden in eigenen Kapiteln ausführlich dargestellt.

Herzstück der der neuen Ausgabe aber ist ein umfangreicher Kommentar zum neuen Normvertrag für den Abschluss von Verlagsverträgen. Ein Anwalt erklärt, worauf geachtet werden sollte, wenn ein Verlagsvertrag abgeschlossen wird und welche Verhandlungsspielräume es gibt. Allein diese Ausführungen lohnen die Anschaffung des Standardwerkes, gilt es doch, bereits im Vorfeld von Entscheidungen mögliche Fehler zu vermeiden.

Sandra Uschtrin weiß, dass es eine Gratwanderung ist, ein Handbuch für Autoren zu schreiben. Dabei ist sie zuversichtlich und erhöht, nachdem die letzte Ausgabe nahezu vergriffen ist, die Auflage für die vorliegende Ausgabe auf 8.000 Exemplare. Inhaltliche Qualität, sorgfältigste redaktionelle Aufbereitung und eine gediegene Aufmachung werden dafür sorgen, dass der Band geschwinde Verbreitung in den Kreisen der Wortschaffenden finden wird.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Uschtrin München

Selbst Brotbacken

Der Autor stellt in seinem Buch auf 80 Seiten aktuelle und bewährte Brotsorten vor. Wie es sich für ein gutes Backbuch gehört, gibt es eine Zutatenliste sowie eine Beschreibung der Zubereitung. Auch eine Vorstellung exotischer Brotsorgen aus dem Ausland ist hier enthalten.

Bevor der Leser zu den Buchrezepten kommt, gibt es erst einmal ein bißchen Hintergrundwissen über Brot und praktische Tipps über das Backen als solches.

Wer als Hausfrau / Hausmann gerne backt, bekommt hier Alternativen zum normalen, gewöhnlichen Brot geboten. Für den Laien sehen die Rezepte sehr einfach aus. Da die vorgestellten Brotsorgen landläufig bekannt sind, gibt es nur wenige Farbfotos.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Falken Verlag Niedernhausen

Die Reitschule

Hannelore Leiser: Die Reitschule Voltigieren für Einsteiger; Müller Rüschlikon Verlag Stuttgart 2012; 94 Seiten; ISBN: 978-3-275-01856-7

Voltigieren ist das Turnen auf dem galoppierenden Pferd. Ein gut ausgebildetes Pferd, ein guter Trainer und jede Menge Vertrauen der Voltigierer untereinander sind der Inhaltsangabe zufolge Grundvoraussetzung, um diesen Sport auszuüben. Das vorliegende Buch möchte nach eigenen Angaben allen Beteiligten das nötige Fachwissen vermitteln. Genaue Bewegungsbeschreibungen der Pflichtübungen sind also genauso vorhanden wie der Aufbau der Kür oder motivationsfördernde Voltigierspiele.

Hannelore Leiser ist A-Trainierin. Hier schreibt also eine Fachfrau.

Das Voltigieren gehört sicherlich nicht zu den bekannteren Reitsportarten. Das Buch bietet eine reichlich bebilderte Einführung in diese Sportart. Auf leicht verständliche Art und Weise, die auch für den sportlichen Laien sehr gut verständlich ist, wird hier Grundlagenwissen vermittelt, das es dem Anfänger ermöglichen soll, sich in diese Sportart hineinzufinden.

Kann man Sport nur sprachlich und damit eher theoretisch beschreiben? Oft erscheint es einfacher, die Sportart beispielsweise mittels bewegter Bilder vorzustellen. Die Autorin unternimmt hier jedenfalls einen brauchbaren Versuch, eine Reitsportart in schriftlicher Form vorzustellen.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Müller Rüschlikon Verlag Stuttgart

In-Line Skating sicher, schnell und mühelos

Günther Pappert / Karl Sindinger: In-Line Skating sicher, schnell und mühelos; BLV Verlag München 1996; 128 Seiten; ISBN: 3-405-15012-4

Inline-Skaten ist nach Angaben der Inhaltsangabe auf dem hinteren Buchdeckel eine Trendsportart. Die Inline-Skater sind demzufolge High-Tech-Sportgeräte, die hohe Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit stellen. Sie ermöglichen ein rasantes und schnelles Gleiten auf Einspur-Rollschuhen. Dieses Buch möchte nach eigenen Angaben zeigen, wie man das Skaten schnell und sicher erlernen kann und so unnötige Stürze vermeiden kann.

Die Übungen stehen dabei tatsächlich im Vordergrund. Unterstützt durch diverse Farbfotos und farbige Zeichnungen werden hier Übungen für den Inline-Skater vorgestellt. Nicht die sportfachliche Theorie, sondern die Praxis soll an den Sportler vermittelt werden. Wie brauchbar diese Übungen sind, wird der Praktiker schon am besten beurteilen können.


Genre: Ratgeber
Illustrated by BLV Verlag München

Statt Schokolade

Schokolade ist für viele von uns eine Versuchung, der sie nicht widerstehen können. Doch auch die Mußestunde, der Besuch im Schwimmbad oder Sauna, der Spaziergang im Sonnenschein, Kaffee und Kuchen, der Ausflug oder das Rendevouz können die Glückshormone auf Tour bringen.

Unter optischen Gesichtspunkten ist das Büchlein gut gemacht. 2 Seiten pro Thema, cremefarbene Seiten, ein Farbfoto zu Beginn der Ausführungen machen die Gestaltung aus. Welche Schrifttype die Überschrift hat, wissen Graphiker besser. Ein paar graphische Spielereien am Ende der jeweiligen Beiträge sowie am äußeren Rand der Buchseiten kommen hinzu.

Der Buchdeckel zeigt appetitlich eine Tafel Schokolade – doch oh wehe! Was stark beginnt, läßt auch genauso stark nach. Gesellschaftsspiele (Mensch ärgere dich nicht, Skat, Boule / Petanque, Crocket) werden hier genausowenig genannt wieder Theaterbesuche, ein Buch lesen, Musik hören oder ins Kino gehen. Freizeitangebote gibt es genug.

Ziel und Zweck des Buches ist etwas unklar. Die Freizeitindustrie macht hier keinerlei Werbung für sich. Alternativen zur Schokolade, die gleichfalls Glücksgefühle hervorrufen, werden, wie oben schon gesagt, nicht wirklich herausgearbeitet.

So bleibt die Frage, ob das Buch als Geschenkartikel gedacht ist.


Genre: Ratgeber
Illustrated by Pattloch Verlag München