Maya. Das Rätsel der Königsstädte

Rätsel der Königsstädte
Rätsel der Königsstädte

Rätsel der Königsstädte

Nach Ausstellungen zum persischen Weltreich, den Samurai und Ägyptens Schätzen hat das Historische Museum der Pfalz Speyer wieder ein internationales Thema für seine heiligen Hallen auserkoren, das sich mit der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt und Natur auseinandersetzt. In Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und dem Ministro de Cultura y Deportes Guatemala konnten wertvolle Leihgaben finanziert werden. Die Ausstellung sowie die vorliegende Publikation beschäftigen sich mit den Maya, die bis ins 9. Jahrhundert im Regenwald Zentralamerikas eine städtische Zivilisation bewohnten, die ihresgleichen sucht. Für rund 2000 Jahre bestand eine Maya-Kultur, die auf bis heute ungeklärte Ursachen danach plötzlich wieder verschwand, da die Maya ihre Städte verließen. Vermutet werden ununterbrochene kriegerische Auseinandersetzungen, eine Klimaveränderung mit extremen Trockenperioden und natürlich die Invasion der Spanier. Aber dennoch konnten sich viele Maya-Gemeinschaften noch lange erhalten, wie auch der vorliegende Band eindrücklich nachweist.

Hochkultur im 5-Länder-Eck

Die Kultur der Maya ist wohl auch deswegen erst so spät in das Bewusstsein des Abendlandes vorgedrungen, weil die Maya im tiefsten Herzen des Regenwaldes lebten und anders als die Kultur der Azteken in Zentralmexiko oder der Inka in den Andenländern Südamerikas dadurch schwerer zu erreichen waren. „Die Grüne Hölle“ – der Regenwald – war für die Maya ein Paradies der Artenvielfalt, das sich über Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador erstreckte. Ab etwa 1000 v. Chr. wurden die Menschen dort sesshaft und es entstanden die ersten Kulturbauten unter der Fußböden die Verwandten bestattet wurden. In der Präklassik entwickelten die Maya dann auch einen Kalender und eine Hieroglyphenschrift. Bauwerke hatten damals die Höhe von 20 Metern erreicht, später erreichte etwa die Danta-Pyramide von El Mirador sogar 72 Meter. Sie steht auf einem Sockel von 500 mal 350 Meter.

K’uh: Gesamtheit alles Heiligen

Eine Chronologie verschafft einen guten Überblick über die gesamte Geschichte der Mayas. Im ersten Kapitel werden dann die Städte im Regenwald näher unter die Lupe genommen sowie kulturelle Artefakte abgebildet und beschrieben. Die digitale Rekonstruktion der Maya-Welt extra für die Ausstellung wird aufschlussreich erklärt sowie durch Karten und Fotos ergänzt. Die Maya hatten zum Beispiel auch schon ein ausgeklügeltes System der Wasserversorgung durch Kanäle und Reservoirs – z.B. in Yucatan gibt es keinen Fluss – und auch ihre Gesellschaftsstruktur war komplex. Mit Hilfe von durch Ausgrabungen gefundenen Figurinen (Figuren aus Keramik), die teilweise schon 2000 Jahre alt sind, können die Archäologen und anderen Wissenschaftler die Kultur der Maya erklären. Viele dieser Figurinen (ca. 225) werden in vorliegendem reich bebilderten Prachtband des Hirmerverlages auch gezeigt und ausführlich beschrieben, quasi inventarisiert, sodass ein verblüffend authentischer Eindruck von der damaligen kulturellen Größe entsteht. Besonders beeindruckend ist etwa auch ein Jadefischchen aus dem Tiefland Guatemalas oder der Gott L., Chef der Unterwelt, der schon Zigarre (!) raucht. Es gab aber auch einen Mais- und Kakaogott und K’uh, die Gesamtheit alles Heiligen und aller Götter. Faszinierend sind auch die astronomischen Berechnungen der Maya, die zum Beispiel auch schon den Planeten Saturn miteinschlossen.

Nikolai Grube (Hg.) Historisches Museum der Pfalz Speyer
Maya. Das Rätsel der Königsstädte
Hirmer Verlag
320 Seiten, Format 24,6 x 3,3 x 28,4 cm
ISBN-13: 978-3777426037

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Kategorie: Dokumentation, Kulturgeschichte, Reportagen, Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Hirmer

Köstlicher Orient

peter-heineDer kulinarische Orient ist in jedem Fall einen Besuch wert und mit vorliegendem Kochbuch „Köstlicher Orient. Eine Geschichte der Esskultur. Mit über 100 Rezepten“ noch dazu ein Kinderspiel. Und außerdem: Essen verbindet! Im Sinne einer invented tradition wurde für den Hummus und das Falafel als typisch jüdisches – oder israelisches – Gericht sogar die Thora bemüht, in der von Kichererbsengerichten die Rede sein soll. Der Zionismus hatte nämlich bei der Gründung des Staates Israel die beiden Gerichte als Nationalgerichte definiert, um auch durch diese Speisen Identität für den neuen Staat zu schaffen. Sicherlich hängt das auch damit zusammen, dass es sich um rein vegetarische Gerichte handelt, die keinerlei religionsbedingte Probleme für die beiden größten Bevölkerungsgruppen Israels befürchten ließen. Aber die Reaktionen der nicht-jüdischen Bewohner Israels ließ nicht lange auf sich warten: „Sie haben uns nicht allein unser Land genommen. Nun nehmen sie auch noch unsere Küche.“, soll der syrische Soziologe und Kenner der arabischen Küche Sadiq al-Azm beklagt haben, schreibt Peter Heine in seiner Geschichte der orientalischen Esskultur und veranschaulicht damit deutlich, dass selbst das Essen ideologisch benutzt werden kann – von beiden Seiten!

Khmar oder nabidh?

Das arabische Dorf Abu Gosh soll daraufhin einen Humus in einer Satellitenschüssel von sechs Metern angerichtet haben, in dem 10 452 kg von dem Aufstrich angerührt wurden. Der Libanon wollte damit Israel den Titel des Nationalgerichtes wieder abjagen, aber immerhin kam es auf diese Weise zu keinem Krieg, denn auch dafür sind Kochrezepte gut: sich der gemeinsamen Ursprünge bewusst werden und die Unterschiede zu pflegen. Darauf legt auch der Verfasser des vorliegenden Kochbuches mit vielen Rezepten sehr viel Wert, wenn er schon im Eingangskapitel erklärt, warum auf „Schwein und Wein“ verzichtet wird. Auch das rituelle Schlachten auch als Schächten bekannt wird erklärt und darauf hingewiesen, dass es in manchen europäischen Ländern immer noch verboten ist und die Muslime mancher Länder das halal-Fleisch deswegen importieren müssen. Weniger Einigkeit gibt es da schon beim Wein, denn im Koran steht zwar vom Verbot des Traubenweins (khamr) nichts aber vom Verbot des Dattelweins (nabidh). Außerdem existieren neben diesen beiden Weinen noch 148 weitere Worte resp. Bezeichnungen für Wein, was natürlich automatisch zu religiösen Spitzfindigkeiten führen kann. Aber eigentlich verbiete der Koran ohnehin nur den Rausch und nicht den Alkohol an sich, so Peter Heine. Also auf, auf einen halib al-asad!

Köstlicher Orient: Freundschaft mit Nachbarn

Fastenregeln und Fastenbrechen (Iftar) sowie das muslimische Paradies werden ebenso erklärt wie andere Regeln der orientalischen Küche. So wird im Westen der Ramadan oft falsch verstanden: eigentlich gehe es dabei nämlich darum, „in dem Familienbeziehungen, Nachbarschaften und Freundschaften intensiver gepflegt werden“. Im Verlaufe des vorangegangenen Jahres entstandene Konflikte werden in dieser Zeit durch Besuche beigelegt und mit dem gemeinsamen nächtlichen Fastenbrechen Iftar besiegelt. Eigentlich eine schöne Tradition, oder? Die vorliegende Publikation des Wagenbach Verlages ist in einem besonders schönen Umschlag auf Leinen gedruckt verpackt, damit etwaige Kochflecken auch schnell wieder abgewischt werden können. 1500 Jahre orientalische Küche und Essgewohnheiten mit über 100 Rezepten zum Nachkochen, genießen Sie mit Peter Heines Anleitung Falafel, Hummus und Döner, Couscous, Dolma und Marzipan und viele andere Köstlichkeiten des Orients.

Peter Heine

Köstlicher Orient

Eine Geschichte der Esskultur. Mit über 100 Rezepten

Sachbuch. 2016

240 Seiten. 16 x 24 cm. Bedrucktes Leinen

Zweifarbig gedruckt und mit sehr vielen Abbildungen

29,90 €

ISBN 978-3-8031-3661-9

Verlag Klaus Wagenbach


Kategorie: Kochbuch, Kulturgeschichte, Orient, Ratgeber, Volkskunde und Brauchtum, Wagenbach Verlag
Verlag: Klaus Wagenbach Berlin

… ihr werdet finden das Kind in der Krippe

Weihnachten ist das Fest der Liebe. An ihm gedenken die Christen der Geburt Jesu. Die Adventszeit umfaßt die rund 4 Wochen vor dem eigentlichen Weihnachtsfest, in der in vielen katholischen Kirchen Krippen ausgestellt sind.

Das vorliegende Werk zeigt polnische Krippenschnitzkunst; die farbigen Bilder werden von Texten von Alfred Delps rund um Weihnachten ergänzt. Zusammen sind Bilder und Texte eine gelungene Einstimmung in die friedliche, familienorientierte vorweihnachtliche Zeit.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Verlag am Eschenbach Eschenbach / Markgräflerland

Die Schwanenburg Kleve

Die Schwanenburg ist eines der zentralen historischen Gebäude der niederrheinischen Stadt Kleve. Sie ist Ritterburg genauso wie Ort für Sagen und Wagner`scher Opern.

Das hier vorliegende Heft ist die Nummer 375 aus der Schriftenreihe „Große Baudenkmäler“. Sie stellt im Wesentlichen allgemeine und Baugeschichte sowie Architektur der Schwanenburg vor; die Innenausstattung bleibt außen vor – in dieser Hinsicht unterscheidet sich das Heft von anderen Ausgaben.

Diverse Zeichnungen sowie großformatige Farb- und Schwarzweißfotographien ergänzen und unterstützen den Textteil.

Ohne behaupten zu wollen, daß es schlecht wäre, ist ein solches Heft doch eher für nüchterne, fakteninteressierte Leser geeignet. Wer eher an informativer Unterhaltung interessiert, wird zu anderer Literatur greifen müssen.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Deutscher Kunstverlag München

Warum wir siegen wollen

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Sport betrreibt und nur um des Gewinnen willens gewinnen möchte. Sind Sport und Spiel die natürliche Fortsetzung der menschlichen Entwicklung hin zum homo sapiens? So fragt die Inhaltsangabe auf dem hinteren Buchdeckel.

Fortpflanzung, Nahrung oder Lebensraum – dies sind die Gründe, warum sich Tiere bewegen. Der Drang, Erster, Bester, Schönster oder Größter zu werden, kommt hier nicht vor.

Die Zielrichtung des Buches ist nicht ganz eindeutig.

Sport besteht bekanntlich nicht nur aus der Leichtathletik. Der Schwimmsport, Mannschaftssportarten, Kraftsport und in unseren Tagen Segelsport und Motorsport kommen hinzu. Hier sind eine ganze Bandbreite an Fähigkeiten – Kondition, Taktik, Kraft, Reaktionsschnelligkeit und ein Auge für die Situation und den Raum interessant.

Die Kommerzialisierung des Sportes hat insbesondere im 20. Jahrhundert ein ungeahntes Ausmaß angenommen. Mit Spaß an der Freude hat das nichts mehr zu tun.

Wenn überhaupt, hat Spotr etwas mit sozialer Evolution zu tun. Insbesondere Spitzensportler sind wohlhabende Menschen; wer mit ihnen zusammen ist, braucht sich über materielle Geischtspunkte keine Sorgen machen und steht genauso im Vordergrund wie der erfolgreiche Sportler.

Das Buch ist keine sportwissenschaftlich – sporthistorische Analyse, es bleiben auch Zweifel, ob hier eine sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Beschreibung vorliegt. Daführ fehlen die empirischen Untersuchungen. In der vorliegenden Form hat das Buch eher den Charakter einer allgemeinen Beobachtun.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main

Bad Westernkotten

Bad Westernkotten ist ein Stadtteil von Erwitter und liegt etwa 70 Kilometer östlich von Dortmund. Der Ort wird in Heft 81 der Schriftenreihe „Westfälische Kunststätten“ beschrieben; diese Schriftenreihe wird bekanntlich vom Westfälischen Heimatbund herausgegeben und ist dort auch erhältlich.

Mit 52 Seiten ist das Heft ungewöhnlich umfangreich. Was möglicherweise auch daran liegt, daß hier mal nicht ein einzelnes Gebäude, sondern ein Ortsteil anhand historisch interessanter Gebäude vorgestellt wird.

Das Kurhaus einschließlich des Kurgartens wird hier vorgestellt, die Hellweg-Sole-Themen, die Schäferkämper Wassermühle, die katholische Pfarrkirche St. Johannes, um nur einige Beispiele zu benennen.

Das Heft ist hübsch gemacht und könnte glatt von der örtlichen Touristeninformation stammen. Dafür fehlen zwar die Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten; ein gewisser Werbeeffekt ist aber nicht zu übersehen. Hübsch gemachte Farbfotographien ergänzen den Textteil.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Selbstverlag

Schloß Burg an der Wupper

Solingen liegt im nördlichen Teil des Bergischen Landes und ist neben Städten wie Remscheid und Wuppertal eines der Zentren dieses Landstriches. Im Stadtteil Burg gelegen ist das Schloß ein beliebtes Ausflugsziel in der Stadt der Klingen.

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz gibt die Schriftenreihe „Rheinische Kunststätten“ heraus. Dies ist deren Heft 494.

Das Heft stellt die Geschichte, Baugeschichte (mit besonderer Betonung der Rekonstruktion), Architektur und Innenausstattung des Schlosses vor. Das ist derjenige Leser, der mit der Schriftenreihe vertraut ist, ja auch aus vielen anderen Heften gewohnt. Bemerkenswert ist eher, daß ein Hauptaugenmerk auf die Rekonstruktion Ende des 19. Jahrhunderts gelegt wurde. Es scheint fast so, als sei das Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf der interessanteste Teil der Geschichte gewesen zu sein.

Teils großformatige Schwarzweiß- und Farbfotographien ergänzen den Textteil. Das Heft ist nicht nur für ortsansässige Leser oder solche aus dem Bergischen land interessant. Es kommen auch immer wieder Besucher aus dem benachbarten Ruhrgebiet bzw. Niederrhein. Auch für sie ist es interessant, zu erfahren, mit wieviel privatem und damit bürgerschaftlichem Engagement Geschichte wiederbelegt werden kann.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Neusser Druckerei und Verlag Neuss

Die ehemalige Jesuitenkirche Maria Immaculata zu Büren

Büren ist ein Ort, der vielen Menschen so ziemlich unbekannt sein dürfte. Die ehemalige Jesuitenkirche Maria Immaculata ist dort allerdings ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Der Westfälischen Heimatbund gibt die Schriftenreihe „Westfälische Kunststätten“ heraus. Hier liegt deren Nummer 74 vor.

Der Lippische Heimatbund und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz geben vergleichbare Schriftenreihen heraus. Formal und inhaltlich bewegt sich das hier besprochene Heft auf deren Niveau. Es beschreibt die allgemeine und Baugeschichte des Gotteshauses sowie seine Architektur und Ausstattung. Die beigefügten teils großformatigen Fotos sind leider teilweise nur in Schwarzweiß. Bilder – so sagt man – sagen mehr als 1.000 Worte; in Farbe hätten die Bilder die Schönheit der Kirche schon besser und vor allem anschaulicher vermittelt. Der Informationsgehalt ist sicherlich hoch und allgemeinverständlich gehalten.

Wer sich für die örtliche Geschichte von Büren und regionale Geschichte von Westfalen interessiert, hält hier sicherlich ein gelungenes Heft in den Händen.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Selbstverlag

Burg Horn

Horn-Bad Meinberg ist ein Ort im lippischen Landesteil von Nordrhein-Westfalen. Seine Geschichte reicht bis in die Zeit um das Jahr 1160 zurück. Als die Stadt Horn im 13. Jahrhundert gegründet wurde, war die Burg ein Teil der Stadtbefestigung. Sie ist admit eines der ältesten Gebäude vor Ort.

Dies hier ist Heft 10 aus der Schriftenreihe „Lippische Kulturlandschaften“. Sie wird vom Lippischen Heimatbund herausgegeben.

Sehr anschaulich wird hier die Geschichte sowie Baugeschichte der Burg vorgestellt. Hans-Jürgen Liesen geht in einem eigenen Kapitel, das die zweite Hälfte des Heftes umfaßt, auf das Burgmuseum Horn ein. Ausstattung und Arbeitsweise des Museums stehen hier im Vordergrund.

Teils großformatige und oft auch farbige Fotographien sowie Zeichnungen ergänzen den Textteil.

Wer sich für örtliche wie regionale Geschichte interessiert, hält auf jeden Fall ein gut gemachtes und lesenswertes Heft in den Händen.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Lippischer Zeitungsverlag Detmold

Grimms Kochbuch

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, mit deren Namen sich seit 200 Jahren die berühmte Sammlung der »Kinder – und Hausmärchen« verbindet, genossen neben der deutschen Sprache, die sie sammelten, pflegten und untersuchten, auch gern eine gute Küche. Darauf lässt zumindest eine Sammlung von Küchenrezepten schließen, die Wilhelms Ehefrau Dorothea hinterließ. Diesen kleinen Schatz der Kochkunst im Biedermeier hat nun der Reprint-Verlag Leipzig gehoben und in unsere Zeit »übersetzt«.

Über Jahrhunderte hinweg war der offene Kamin die einzige häusliche Kochstelle, in dem ein eiserner oder keramischer Kochkessel hing. Im Feuerschein einer derartigen Kochstelle wuchsen auch die Gebrüder Grimm auf. Wir wissen das von Aquarellen, die Jacob Grimm um 1800 schuf. Abgelöst wurde diese offene Kochstelle von gemauerten, hüfthohen Herden, bei denen die Pfanne auf einem Gestell oder Haken über der Feuerstelle angebracht wurde. Dorothea Grimm nutzte einen derartigen Herd; bei ihren Rezepten aus der Berliner Zeit ab 1841 kann bereits auf den Einsatz eines gemauerten Küchenherds mit eiserner Herdplatte geschlossen werden. Damit war es möglich, gleichzeitig mit mehreren Töpfen zu kochen und eine Backröhre zu nutzen.

Die Grimms führten in ihrer Berliner Zeit, bedingt durch den Bekanntheitsgrad der beiden Professoren, ein großes Haus, das von Besuchern aus nah und fern stark frequentiert wurde. Als internationale Wissenschaftsprominenz konnten sie sich vor Einladungen und Gegeneinladungen zu Mittagstischen und Teegesellschaften kaum wehren. Dies hatte auch Einfluss auf ihre Kochkultur, die französische, italienische, nordische und österreichische Bezüge aufweist. Eine der vielen Vorzüge der vorliegenden Sammlung ist, dass die Rezepte auf vier Personen herunter gerechnet und Schoppen, Quart, Nößel, Lot und andere Maße aktuell übertragen wurden.

Damit lassen sich süße Speisen, Fisch, Fleisch, Suppen und Gebäck bequem nachkochen und -backen. Sei es Brotkruste auf Schweinekeule, eine in Gelee gekocht Ganz, gepflückter Hecht, Karpfen in Gelee, geprügeltes Kalbfleisch oder kleine Pasteten – die märchenhaften Rezepte aus dem Hause Grimm öffnen auch im 21. Jahrhundert ungeahnte Gaumenfreuden.

»Grimms Kochbuch« ist ein Muss für jeden, der gern schlemmt und sich dazu anregen lässt.


Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: reprint-Verlag Leipzig

Abrakadabra und Toi, toi, toi

Ausgeschlossen, ich bin doch nicht abergläubisch! Ich halte mich für einen modernen, aufgeklärten Zeitgenossen, weit entfernt von Angst vor schwarzen Katzen und dreizehnten Stockwerken. Doch nach der Lektüre von Dorothea Steinbachers Büchlein zum Thema muss ich mich wohl korrigieren. Denn nun weiß ich, dass der Aberglaube viel tiefer in mir steckt, als ich bislang vermutet hätte.

So halte ich ein zufällig gefundenes vierblättriges Kleeblatt für einen Glücksbringer. Meinen Freunden von Oper und Theater wünsche ich vor der Aufführung mit »Toi, toi, toi!« Glück und spucke ihnen über die Schulter. Bei einer Sternschnuppe schließe ich die Augen und hoffe, ein stumm geäußerter Wunsch möge in Erfüllung gehen. Unterstütze ich jemand aus vollem Herzen, dann drücke ich ihm die Daumen … und mit all dem klebe ich bereits im Spinnennetz des Aberglaubens.

Den Daumen glaubten unsere Vorväter als den kräftigsten der Finger von Dämonen besetzt. Bei einem Epileptiker wurde zuerst der Daumen gelöst, um die bösen Geister, die von ihm Besitz ergriffen, zu vertreiben. Wir sprechen vom »grünen Daumen« erfolgreicher Gärtner und einer »glücklichen Hand«, der dieses oder jenes gelingt. »Den Daumen drücken« bedeutet schließlich, mit den übrigen vier Fingern den Daumen festzuhalten, damit keine Dämonen dazwischenpfuschen können und den Erfolg verhindern. Tief in unsere Alltagssprache ist der Aberglaube eingedrungen.

Was ist Aberglaube? Der Ursprung des Begriffs ist das althochdeutsche »ubarfengida« und heißt »Oberglaube«. Die Gebrüder Grimm definierten den Begriff als das, »was über den wahren glauben hinaus, daran neben vorbei geht«. Aberglaube bezeichnet somit den Glauben an das Übersinnliche und wurde erst im Zuge der Aufklärung zum Irrglauben gestempelt. Derzeit wird all das Aberglaube genannt, was über die Glaubenslehren der Amtskirchen hinausgeht.

Wer sich mit der ursprünglichen Bedeutung vieler heutiger Bräuche, Sitten und Redensarten, mit magischen Zahlen, Zaubersprüchen und Segenszeichen beschäftigen möchte, um dem täglichen Aberglauben auf den Grund zu gehen, wird von Dorothea Steinbacher gut unterhalten. Anliegen ihrer Veröffentlichung ist, die Spuren alten Brauchtums in unserer modernen Welt als Phänomen aufzuzeigen, das uns über Jahrhunderte hinweg mit dem Glauben unserer Vorfahren verbindet. Inzwischen gehe ich jedenfalls vorsichtiger mit der Behauptung um, ich sei frei von jedem Aberglauben …

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Kategorie: Volkskunde und Brauchtum
Verlag: Heyne München