Das Frausein in den Sechzigern

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ferrante3Sich zu entscheiden, heißt jemandem wehtun“. Lena befindet sich in einem außergewöhnlichen Transformationsprozess, ganz so wie die bewegten Siebziger Jahre um sie herum. Es wird viel demonstriert und diskutiert und die Frauen werden sich ihrer unterdrückten Rolle im Patriarchat bewusst. Aber nicht nur die Arbeiter befinden sich im Ausstand, auch Studenten kommen zu ihren Prüfungen mit einer geladenen Pistole, um ein besseres Prüfungsergebnis zu erzielen. So ergeht es zumindest Pietro, dem Ehemann Lenas, der an der Hochschule in Florenz als Professor arbeitet. Der dritte Teil der Neapolitanischen Saga hat es in sich: privat und politisch.

Frausein unter Freundinnen

Mit dem Vorwurf konfrontiert „Liebesgeschichtchen“ zu schreiben räumt Lena in „Die Geschichte der getrennten Wege“ endgültig auf, denn sie zeigt sich zunehmend politisiert und wird sich ihrer Rolle als Frau in der Gesellschaft bewusst. Ihr zweiter Roman, den Lena während ihrer Ehe und zwei Schwangerschaften zu schreiben versucht, entpuppt sich zwar als Flopp, dafür thematisiert sie im dritten Buch ihr Frausein und die Rolle der Frauen in der (italienischen) Nachkriegsgesellschaft und davor: „Die Reduzierung meiner Person auf eine gedeckte Tafel für den sexuellen Appetit des Mannes, auf ein gut gekochtes Gericht, damit ihm das Wasser im Mund zusammenläuft.“ Und dennoch unterwirft sie sich der klassischen Stutenbissigkeit als sie ihrer Konkurrentin, Eleonara, der Frau ihrer Jugendliebe Nino, begegnet und misst sich mit ihr, um nicht gerade schöne Worte über sie finden. Aber das beruht bekanntlich auf Gegenseitigkeit.

Sprache der Klasse

Schöne sprachliche Bilder wie „Ich legte den Hörer auf, als hätte ich mich an ihm verbrannt“ oder „Mein Kopf war ein Tränenquell wie der des rasenden Rolands“ wechseln sich mit Überlegungen zur eigenen Sprachfindung ab. Denn der „Rione“ – das Viertel Neapels in dem Lena geboren wurde – nötigte ihr immer wieder dann seine Sprache auf, wenn sie nervös und unzufrieden war und das beeinflusste auch ihr Denken, obwohl sie längt in die höheren Sphären der Gesellschaft aufgestiegen ist und in Florenz lebt, mit einem hochangesehenen Ehemann, zwei Kindern und den Ariostas, einer einflussreichen Familie, im Hintergrund. Reife bestehe darin, denkt sich Lena, sich nicht zu sehr aufzuregen und die Wende zu akzeptieren, die das Leben nehme, „einen Weg zwischen der Praxis des Alltags und theoretischem Erkenntnissen einzuschlagen, zu lernen, sich anzusehen, sich zu erkennen, während man auf große Veränderungen wartete“. Mit einem gekonnt arrangierten Cliffhanger leitet Elena Ferrante zum vierten Teil der Neapolitanischen Erfolgssaga über, der aber auf Deutsch bei Suhrkamp erst am 5. Februar 2018 – mit dem Titel „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ – erscheinen wird. Man(n) kann es gar nicht mehr erwarten.

Elena Ferrante
Die Geschichte der getrennten Wege – Band 3 der Neapolitanischen Saga (Erwachsenenjahre)
Aus dem Italienischen von Karin Krieger
D: 24,00 € /A: 24,70 € /CH: 34,50 sFr
2017, gebunden, 540 Seiten
ISBN: 978-3-518-42575-6


Kategorie: Belletristik, Biographien, Briefe, Emanzipation, Erfahrungen, Erinnerungen, Feminismus, Frauenliteratur, Gesellschaftsroman, Italien, Memoiren, Neapel
Verlag: Suhrkamp Frankfurt am Main

Die Liebesgeschichten-Erzählerin

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liebesgeschichtenerzaehlerinDie Strandpromenade von Scheveningen im Jahr 1969: Eine Frau, Marie, sitzt auf einer Bank, schaut dem Wellenspiel zu, atmet die herbe Seeluft. Sie ist von Haus aus die Ostsee gewohnt, die rauen Gezeiten der Nordsee sind ihr neu, die Kraft, welche dieses Meer entfaltet, ebenfalls.

Dennoch spürt sie etwas von dieser Kraft in sich. Sie ist dieser Tage frei von Pflichten, Mann und Kinder kommen auch einmal ohne sie zurecht. Finanziell scheint es in ihrer Familie aufwärts zu gehen, das gibt ihr ungewohnte Freiheiten. Sie hat Zeit und Muße, sich auf sich selbst und ihre Ambitionen zu konzentrieren. So recherchiert sie in niederländischen Archiven den Liebesgeschichten ihrer Vorfahren hinterher. Den Liebesgeschichten, von denen sie schon lange spürt, dass sie erzählt werden sollten. Die Geschichte des ersten Königs der modernen Niederlande, der mit einer Berliner Tänzerin eine uneheliche Tochter zeugt, welche wiederum in ihre mecklenburgische Adelsfamilie verheiratet wird. Die Geschichte des Urenkels der Tänzerin (Vater der Erzählerin), der Geschehnisse aus seiner Zeit als kaiserlicher U-Boot Kapitän nie ganz verwunden hat. Und schließlich ihre eigene Geschichte. Sie hat einen Spätheimkehrer geheiratet, einen Gutsbesitzersohn. Und sie entfernt sich immer weiter von ihm.

Friedrich Christian Delius, Träger des Georg-Büchner-Preises, verarbeitet auch in seinem neuen Roman „Die Liebesgeschichtenerzählerin“ Teile seiner eigenen Familiengeschichte. Delius‘ Romane beschäftigen sich meist mit der bundesrepublikanischen Geschichte, so ist er auch einer der Wenigen, die sich literarisch an den „deutschen Herbst“ wagten. Diesmal erzählt er Sequenzen aus dem ganzen letzten Jahrhundert, dieser von Kriegen nie vorher dagewesen Ausmaßes geprägten Epoche, wobei die Liebesgeschichte des niederländischen Königs und der Berliner Tänzerin dem Leser schon aus „Der Königsmacher“ bekannt sein könnte.

Marie nun, die designierte Liebesgeschichtenzählerin, ist das literarische Denkmal für Delius‘ Tante, Irmgard von der Lühe, die ihr Studium für die Familie abbrach und sich erste Sporen als Biographin verdiente – wie Marie. Von der Lühe publizierte auch später noch, allerdings sind von ihr keine Romane veröffentlicht. In Delius‘ Roman bleibt folgerichtig das Ende offen: Wird Marie es wirklich schaffen, „die Liebesgeschichtenerzählerin“ zu werden? Sie verspürt den inneren Drang, „altes verborgenes Wissen von Not, Liebe und Schmerz als von den Vorfahren geerbtes Wissen weiterzugeben“. Diese Marie ist keine Rebellin, sie will auch nicht ausbrechen aus ihrem Leben als umsichtige Hausfrau und Mutter, sie mag dieses Leben. Aber sie hofft darauf, dass dieses Leben auch für sie nun Zeit und Gelegenheit bereithält, ihrem kreativen Gestaltungswillen Raum zu geben. Wobei der Leser nie so recht weiß, ob die Recherche für Marie nicht doch eher so etwas wie eine Flucht aus der Realität bedeutet, um sich nicht allzu tief mit der eigenen Vergangenheit als ehemaliges BDM-Mädel auseinandersetzen zu müssen. Dennoch zeigt Delius anhand ihrer Geschichte, wie sehr politische Geschehnisse in das Leben Einzelner eingreifen. Sehr greifbares Anschauungsmaterial gerade auch in unseren turbulenten Zeiten, besonders auch für diejenigen, die meinen, aktuelle Geschehnisse hätten mit ihnen und ihren Leben nichts zu tun.

Delius erzählt mit leiser, sehr eleganter Sprache, seine Figuren beschreibt er behutsam, immer eine gewisse Distanz wahrend. Auch kritischen Themen wie dem der deutsch-niederländischen Aussöhnung nähert er sich mit sehr viel gebotenem Respekt und Feingefühl. So wie das Ende des Romans offen bleibt, ist auch im Roman selbst bei weitem nicht alles auserzählt. Die Leser mögen die Gelegenheit nutzen, Bruchstücke aus dem eigenen Erinnerungsfundus hinzuzufügen. Auf das, was Marie berichtet, hat sie einen liebevollen Blick, sie ist keine Zynikerin. Auch wenn sie – typisch für ihre Generation – beim Anblick der „Hippies“ im Amsterdam nicht anders kann, als zu denken, ihre Geschichte möge dazu beitragen, dass diese Gestalten erkennen, wie gut sie es doch haben.

Im Roman nimmt die Vater-Tochter-Beziehung einen weiten Raum ein. Viel eher noch als das, was man von einer „Liebesgeschichtenerzählerin“ erwartet, ist er das eigentliche Thema der Marie: der Vater, der nach dem enttäuschten Kaiser-Gehorsam nathlos zum Gottesgehorsam wechselte und Marie unbewusst im Geiste des calvinistisch geprägten Teils der Niederlande erzog. Aber sei es drum: Ist die Vater-Tochter-Beziehung nicht auch eine Liebesgeschichte? Die, aus der sich weitere entwickeln? Insofern folgt Marie dem Leitsatz ihres altes Deutschlehrers: Schreiben heißt ordnen. Auch einordnen. Im Zug auf der Rückfahrt von den Niederlanden am Rhein entlang ordnet Marie das Recherchierte in ihr eigenes Leben ein: Sie ist eine Überlebende und sie ist stolz darauf. Marie ist fest entschlossen, noch vor ihrem Fünfzigsten sich im Familienleben einen neuen Platz als „Liebesgeschichtenerzählerin“ zu erobern und keine Rücksicht mehr darauf zu nehmen, was vor den Augen der Eltern und des Ehemanns Bestand haben könnte. Und vor allem will sie nicht mehr den vom Vater eingebimsten Familien-Imperativ „Schlucks runter, schlucks runter“ befolgen. Immerhin.

Erstveröffentlichung dieser Rezension in den Revierpassagen.de


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren, Romane
Verlag: Rowohlt

Die Wahrheit sagen

Leben und Lieben in Zeiten des Krieges

formánek_mluviti-pravdu_coverJosef Formáneks zweiter Roman. In einer Straßenbahn auf die Welt gerutscht wurde der kleine Bernhard Mares von seiner Mutter bald weggegeben und seinem Schicksal überlassen. Mehr aus Zufall denn Überzeugung landet der „Sudetendeutsche“ bei der Waffen-SS und ist dort zwar nur der Fahrer, aber dennoch auf der Seite der Gewinner. Vorläufig. Als Kind hatten ihn seine tschechischen Klassenkameraden immer gehänselt, weil er der Deutsche war, als Erwachsener merkt er, dass er vielmehr Österreicher ist oder eigentlich sogar Tscheche. Und beinahe am Ende seines Lebens, auf der Suche nach seiner verschollenen Mutter in Caracas, findet er heraus, dass er eigentlich Jude ist. Sein ganzes Leben erzählt Mares – in einer Art Lebensbeichte – dem Schriftsteller Josef Formánek, der sich mit diesem auch im Buch im Dialog befindet. Selbst gezeichnet von seiner Alkoholsucht und dem gleichzeitigen Ekel und der Faszination an seiner Figur gelingt es Formánek ein wahrhaftiges Porträt eines Menschen zu zeichnen, das ehrlicher nicht sein könnte. Nicht umsonst lautet der Titel ja: „Die Wahrheit sagen“.

Wahre Liebe wartet

Der vielschichtige zweite Roman des tschechischen Schriftstellers, der gleichzeitig auch einen Verlag gegründet hat, um die Literatur seines Landes in der Welt besser bekannt zu machen, beginnt auf einer Müllhalde wo der Journalist dem Protagonisten begegnet. Der eine will eine Geschichte, der andere seine Sophie zurück. Die Liebschaft aus den Tagen bei der SS ist eigentlich auch der rote Faden dieses Lebens, denn eine wirkliche wahrhaft große Liebe kann einem tatsächlich das Leben retten. So geschehen im Falle Bernhard Mares, der zwanzig Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte um dann als „letzter deutscher Soldat des Zweiten Weltkriegs aus der Gefangenschaft entlassen zu werden“. Das war erst 1969, das Jahr in dem Josef Formánek gerade seinen ersten Schrei in die Welt abgab. Denn obwohl es Mares nach dem Krieg bis zum kommunistischen Kreissekretär gebracht hatte, holte ihn doch die Vergangenheit ein. Eine seiner Liebschaften hatte ausgeplaudert, dass er früher einmal bei der SS war. Aber die große Liebe, Sophie, die trifft er immer wieder, wegen ihr bricht er sogar dreimal aus dem Gefängnis aus, nur um sie wieder zu „im Heustadel zu lieben“ wie einst. Die Liebe ist aber genauso unmöglich wie sein Leben und am Ende, bei der letzten Begegnung in einem Prager Café muss wohl auch er einsehen, dass er sich getäuscht hat. Oder doch nicht? „Warum?“ frägt er sie zuletzt noch, ihre Antwort: „weil es sonst ewig so weitergegangen wäre“. Lesen Sie es selbst wie Mares rückwärts: „remmi rüf“.

Einsiedlerkrebs auf Quartiersuche

Die Sprache des Romans erinnert an Bukowski, Céline, Kafka und zuletzt auch Hrabal, denn sie ist geradlinig, ehrlich und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Stilistisch ist es als Dialog konzipiert, der immer wieder von lateinischen Zitaten und Sinnsprüchen unterbrochen wird. Der aufmerksame Leser wird auch bemerken, woher diese Sprüche stammen, wie sie den Krieg überlebten und wo er sie sich hinstecken kann. Die Reflektionen Formáneks, seine Gedanken über den Sinn des Lebens, die Liebe und den Tod, die er Mares in den Mund legt, sind prätentiös und wahrhaftig und reißen einen tatsächlich vom Hocker, etwa wenn er die Geschichte des Einsiedlerkrebses in seinem Kleiderkasten erzählt, der sich immer wieder größere Behausungen sucht, aber letztlich in seinem Schrank vertrocknet, weil er nichts größeres mehr findet. „Zum anderen, weil im Dunkel, in der Einsamkeit hinter dem Schrank, nicht nur Einsiedler sterben“, schreibt Formánek nicht ganz ohne Selbstmitleid. Immer wieder betont er auch, dass wir selbst die Meister unseres Schicksals wären und uns unser Leben ja auch selbst aussuchten, wie es auch in der psychologischen Richtung des Konstruktivismus heißt. „Nur in der Gegenwart, im einzelnen Augenblick kann man die Zukunft finden.“, alle Fragen nach dem Sinn seien aber sinnlos. Am Ende vergisst Josef Formánek auch nicht darauf eine von vielen Pointen einzubauen, denn als Mares von dem Buch erzählt in dem ein Computer die Wahrheit über den Sinn des Lebens errechnet und ihn dann ausspuckt lautet die Antwort im Gegensatz zum Original nicht „42“, sondern „48“, das Jahr in dem die Kommunisten die Tschechoslowakei für sich reklamierten.

Ein tiefsinniger Roman, den man gelesen haben muss, da er in seiner Vielschichtigkeit und Ehrlichkeit mindestens so viel über den Sinn des Lebens vermittelt, wie die lateinischen Zitate, die der Autor so gerne verwendet: Victrix fortunae sapientia (Siegerin über das Schicksal ist die Weisheit).

Josef Formánek
Die Wahrheit sagen. Brutaler Roman über die Liebe zum Leben.
Gekko Verlag
480 Seiten
ISBN-13: 978-8090635401
23 Euro


Kategorie: Biographien, Briefe, Dokumentation, Dystopie, Erinnerungen, Liebesroman, Memoiren, Politische Romane
Verlag: Gekko

Doktor Wassers Rezept

Gustafsson Dr. Wasser

Gustafsson Dr. Wasser Lars Gustafsson sagte über sich selbst, er fühle sich als Philosoph, dessen Werkzeug die Literatur sei. Wie etliche seiner Werke unterstreicht auch sein letzter Roman „Dr. Wassers Rezept“ dies eindrücklich.

Gustafsson war einer der bekanntesten und bedeutendsten Autoren Schwedens, er verstarb im April diesen Jahres im Alter von 80 Jahren. Erst im letzten Jahr erhielt er den Thomas Mann Preis. Seine Dankesrede zur Verleihung ist noch auf seinem Blog nachzulesen. In dieser Rede bekennt er, dass er Thomas Mann auch deshalb bewundere, weil Mann die Trivialität des absurden Lebens aufheben und ihn in eine ganz andere Sphäre versetzen konnte. Diese Worte muten nun nach Gustafssons Tod an, als hätte sich ein Kreis geschlossen. Umso mehr, als mit seinem letzten Buch ausgerechnet die Geschichte eines modernen Felix Krull zu seinem Vermächtnis wurde. Denn Gustafssons „Dr. Wasser“, der seine medizinische Laufbahn als Generaldirektor einer Klinik beendete und sich einen Namen in der Schlafforschung machte, ist gar kein Doktor med. Er ist „nur“ Bo Kent Andersson aus den schwedischen Wäldern, Fensterputzer und Hilfskraft in einer Reifenwerkstatt.

Der junge Bo Kent merkt früh, dass er klug ist, genau genommen: zu klug. Zumindest für das kleine schwedische Karbenning. In der Welt, in die er hineingeboren wurde, hilft ihm Klugheit nicht. Eigentlich müsste für ihn eine andere Welt her. Da findet er eines Tages die Leiche eines schon vor Monaten tödlich verunglückten Motorradfahrers – und dessen Papiere, die den Verunglückten ausweisen als Dr. Kurth Wolfgang Wasser, DDR-Flüchtling und approbierter Mediziner. Dieser Fund gibt ihm einen zufälligen Moment der Freiheit und er verwandelt den „eigentümlich durchsichtigen, fast unsichtbaren schmalen Typ aus Karbenning, die gläserne Mücke“ in einen angesehenen Wissenschaftler. Er entschied sich für den Identitätswechsel „nicht, weil ich mir besonders viel von diesem anderen versprach, sondern weil die Verführung, die von der Idee eines eigenen freien Willens ausging, unwiderstehlich war“. Nun verbringt er seinen Lebensabend als Gewinner, zumindest legen das die Ergebnisse seines Hobbys – Preisausschreiben in allen erdenklichen Formen – nahe. Aber hat er auch in seinem Leben gewonnen? Das ist die Frage, die ihn nun mit dem nahenden Lebensende vor Augen umtreibt. Kann es ihm wirklich reichen, dass er sich heiter fühlt und nicht unzufrieden?

„Doktor Wassers Rezept“ ist weit mehr als ein Schelmenroman über einen gewieften Hochstapler. Gustafsson erzählt mit der Geschichte seines Helden eine Geschichte über riskante Lügen, sinnliche Lieben und fragile Identitäten. Er folgt dabei allerdings keiner stringenten Chronik. Die Erzählung folgt – ganz Gustafssons Selbstverständnis entsprechend – einzig und alleine seinen philosophischen Gedankengängen. Die Versatzstücke des Lebens des Dr. Wasser werden dabei fragmentarisch nur zur Untermauerung der philosophischen Überlegungen gebraucht. Doch auch wenn die eigentliche Romanhandlung immer wieder unterbrochen wird, der doch man neugierig folgen möchte, ist „Dr. Wassers Rezept“ ein ungeheuer spannendes Buch. Spannend schon alleine wegen der Fragen, die das Buch aufwirft. Fragen, die sich wohl jeder zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens stellt. Die ganz existentiellen Fragen darüber, wer man ist, wie man zu dem wird, der man sein möchte, ob man überhaupt die Freiheit hat, selber zu bestimmen, wer man ist und welche Verantwortung man damit übernimmt. Noch spannender, weil Gustafsson sich nicht scheut, zumindest in Teilen Antworten zu geben: „Nein, einen Sinn hat das Leben nicht. Aber man kann ihm einen Sinn geben, vielleicht war es das, was ich tat“.

Ganz besonders spannend ist noch eine ganz andere Frage, die der Roman allerdings nur am Rande aufnimmt: Wie konnte Dr. Wasser damit eigentlich durchkommen? Wieso hinterfragte nie einer die doch so offensichtlichen Diskrepanzen in seiner Geschichte? Selbst die, die ihn aus seiner Kindheit noch als Bo Kent kannten, schluckten die phantastische Geschichte von der Adoption durch ein DDR-Ehepaar und fragten nie weiter nach. „Niemand war wirklich daran interessiert, die Fäden zu entwirren“. Gustafsson findet auch darauf eine Antwort: „Die Menschen füllen Lücken gerne aus. Das ist eigentlich nicht so merkwürdig. Leben ist eine sinnstiftende Aktivität. Leben heisst zu deuten.“ Eine Antwort von bestechender Logik, die eine weitere Frage aufwirft: Wen von unseren Mitmenschen kennen wir eigentlich wirklich und wollen wir ihn überhaupt wirklich kennenlernen? Reicht uns nicht vielmehr das Bild, das wir uns von diesen machen?

Immerhin muss man Dr. Wasser zugute halten, dass er gut war auf seinem Gebiet der Schlafforschung. Er hatte diesen Beruf nicht gelernt, aber er war seine Berufung geworden. Sein Fachgebiet hatte er sich schnell ausgesucht, schien es ihm doch eines der wenigen medizinischen zu sein, auf dem er keinen Schaden anrichten konnte. Hat man auch nicht alle Tage – einen Hochstapler, der keinem je geschadet hat. So zeichnet Gustafsson ganz en passant noch das Bild eines Menschen, auf den ihn in Ansätzen durchaus die Bezeichung „Psychopath“ zutrifft, dem man aber seinen friedlichen, verkreuzworträtselten Lebensabend dennoch gönnt.

Diese Rezension erschien ebenfalls in den Revierpassagen.de


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren, Romane
Verlag: Hanser

Papa, ich hätte dich geliebt

Papa ich haette dich geliebtKlappentext:

Ein gewalttätiger und dem Alkohol verfallener Vater, tiefe Armut und die damit verbundene Ausgrenzung gegenüber „normal“ aufgewachsenen Kindern prägten Liane Andersons Kindheit, die ihr früh genommen wird. Viel zu jung spürt sie, dass sie selbst innerhalb der eigenen Familie ein entfremdendes Außenseiterdasein führt. Äußere Erscheinungsmerkmale, ein extrovertiertes Wesen und nicht zuletzt ihre Lust, auf der Bühne zu stehen, bilden einen unübersehbaren Kontrast zum introvertierten Leben der Menschen in ihrer Herkunftsfamilie.
44 Jahre müssen vergehen, bis ein Zufall an einem Weihnachtsfest ihr die schockierende Antwort auf all ihre Fragen beschert, warum sie so ganz anders ist. Denn der Mann, den sie zeitlebens für ihren Vater hielt, ist nicht ihr Vater. Und ihr Bruder nur zur Hälfte ihr Bruder.
Recherchen im Internet führen sie zu einem ihr unbekannten Mann, der ihr Leben mit einem Schlag vollkommen verändert. Eine packende Reise zum Ich beginnt, Liane hält es in einem fesselndem Tagebuch fest: Wer ist dieser Mann? Ist er der Vater, den sie sich immer gewünscht hat?
Ein aufrüttelnder Appell an mehr Offenheit und bekennende Verantwortung in einem noch immer düsteren Kapitel zahlloser Familiengeschichten mit erschreckend hoher Dunkelziffer: Kuckuckskinder ergreifen das Wort.

Mein Umriss:

Liane R. Anderson erfährt mit 44 Jahren, dass sie ein Kuckuckskind ist. Ihr bisheriger Vater nicht ihr leiblicher Vater ist und sie ihm von ihrer eigenen Mutter ins Nest gelegt wurde. Liane macht sich auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater, dessen Namen sie von ihrer Mutter an Weihnachten, eher unabsichtlich erfahren hatte. Christian Gartening.
Sie recherchiert im Internet, erhält Hilfe von ihrer Freundin Judith und wird schnell fündig. Den Kontakt mit ihrem Vater herzustellen, war dann nur noch eine Frage der Zeit.
Bei der ersten Kontaktaufnahme ging sie noch etwas vorsichtig vor, denn sie wusste nicht, wer dieser Gartening war und wie er reagieren würde.
Entgegen ihrer schlimmsten Befürchtungen war er ein scheinbar offener und herzlicher Mensch, der ihr schnell sympathisch war. Dass er Forderungen stellte, übersah Liane zuerst. Bereitwillig ging sie für und mit ihm für die Familie einkaufen und zahlte auch bereitwillig die von ihm bestimmten Restaurantbesuche.
Am Anfang schlug sie alle Warnungen über ihren leiblichen Vater in den Wind. Es dauerte jedoch nicht lange, bis auch sie ihn durchschaute. Er wollte nur Geld und das sah er auch, indem er versuchte, sie zu einem Interview für eine Zeitung und später von einer Talkshow zu überreden. Das jedoch schlug sie aus, weil sie ihrer Mutter damit keinen Schaden zufügen wollte. An diesem Punkt angelangt spürte sie zum ersten Mal Christians Aggressionen und seine unflätige Ausdrucksweise. Auch welche Meinung er von ihr und ihrer Familie hatte, zeigte sich in diesem Moment…

Mein Eindruck:

Liane R. Anderson verfasste die Zeit zwischen dem 26. Dezember und dem 21. Juli in Tagebuchstil. Bei vielen wird diese Art, ein Buch zu verfassen, schnell langweilig und auch langatmig. Nicht so bei Liane, die „nur“ einen Teil ihrer Lebensgeschichte aufgeschrieben hat, es aber trotzdem schafft, einen an eben dieser Lebensgeschichte festzuhalten.
Sehr emotional geht sie an ihre Treffen mit ihrem Vater heran, den sie so gerne lieben können würde, der dies aber durch seine Herrschsucht nicht zulassen will. So emotionsgeladen wie die Autorin hier geschrieben hat, so wird man als Leser von den aufkommenden Emotionen mitgerissen. Teils den Tränen nahe, wollte ich Liane am Schlafittchen packen, sie schütteln und ihr zurufen, dass dieser Mann eine Tochter wie sie nicht verdient hat und sie ihn ziehen lassen soll.
Aber gerade als Tochter, wenn man nach der Liebe seines Vaters lechzt, die man nie bekommen hat, kann man ihr Verhalten nachvollziehen.
Liane schreibt nicht nur ein Tagebuch, das sich über ein halbes Jahr ihres Lebens erstreckt, nein, am Ende verfasste sie einen ans Herz gehenden Epilog, der zeigt, dass sie ihre ganze Mühe nicht als vergebens ansieht, sondern als weiteren wichtigen Schritt in ihrem Leben. Einem Schritt, bei dem sie nie die letzten an sie gerichteten Worte ihres biologischen Vaters vergessen wird.
Wie gerne hätte sie ihn geliebt.

Mein Fazit:

Man muss kein Fan von Biografien sein, um von diesem Buch gefesselt zu werden. Von mir erhält es die besten Empfehlungen

Danksagung:

Mein Dank geht an meine liebe Freundin Jutta Haas, die mir dieses wunderbare Buch überließ und an Liane R. Anderson, mit deren Erlaubnis ich das Cover in Verbindung mit meiner Rezension verwenden darf


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren
Verlag: 3.0

Wolfssonate

Wölfe und ungezähmte Frauen haben einen ähnlichen Ruf: Sie gelten als unberechenbar. Auch hinsichtlich Leidenschaftlichkeit und Mühsal weist die Geschichte der Wölfe merkwürdige Ähnlichkeiten mit derjenigen der Frauen auf. Wölfe und Frauen, so behauptet die Autorin der »Wolfsonate«, hätten schließlich gewisse psychische Eigenheiten gemeinsam: »Sinne, Spieltrieb und eine extreme Fähigkeit zur Aufopferung«.

Hélène Grimaud, eine der herausragendsten Interpretinnen von Brahms, Mozart und Bach, findet ihren Charakter in der Wolfsnatur wider und lässt deshalb in ihre literarisch ungewöhnliche Autobiographie immer wieder Fakten, Legenden und Mythen um dieses ungewöhnliche Raubtier einfließen.

Sie schildert ihre Kindheit als eine Periode der Verweigerung und des Nein-Sagens, bis sie im zarten Alter von neun Jahren das Klavier entdeckt, dem sie sich sofort mit Hingabe widmet. Bald wird sie ins Pariser Konservatorium aufgenommen, mit fünfzehn spielt sie ihre erste CD ein, und ein kometenhafter Aufstieg in den Himmel der großen klassischen Interpreten beginnt.

Die Autobiografie wirkt offen und relativ ungeschönt. So verschweigt Grimaud auch keine Niederlagen, die sie beispielsweise beim Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb erlitt. Ihren künstlerischen Weg sucht sie allein, widerspricht dem Rat von Freunden und Förderern, akzeptiert die daraus resultierende Einsamkeit. Im Buch äussert sie das Bedürfnis »zu fliehen, weit weg, hoch, um allein meinen Weg zu finden«.

Gleichzeitig bemüht sich die Autorin, allzu private Details auszublenden und Beziehungen allenfalls anzudeuten. Jedenfalls folgt sie eines schönen Tages einem Herrn namens Jeff nach Florida. Die beiden leben in Tallahassee. Dort trifft die Pianistin bei einem nächtlichen Spaziergang einen Waldmenschen, der mit Alawa, einer Wölfin, zusammenlebt. Hélène findet spontan Kontakt zu dem halb domestizierten Tier und vergisst ab sofort die Musik, um sich Canis Lupus zu widmen. Mutterseelenallein zieht sie in kalte New York und gründet dort 1999 mit Helfern ihr »Wolf Conservation Center«.

Bald findet sie wieder zur Musik und lebt in ihrem Spiel die Animalität aus, die sie den Wölfen abschaut.

Das Klavier, Grimaud bevorzugt Steinway, ist für die Künstlerin ein unvergleichliches Instrument, »das schönste Werkzeug der Musik«, mit dem der Musiker seinen eigenen Gesang überträgt. »Auf der Klaviatur offenbart sich die gespielte Musik; der musikalische Plan bekommt Farbe und Flügel. Es handelt sich um eine lebendige Lektüre des Gesites, klangvoll für die Sinne, zu Herzen gehend.«

Im Ergebniss hat Hélène Grimaud ihren Weg gefunden,und die Pianistin ihren eigenen Ton. Die »Wolfssonate« lässt an dieser Entwicklung teilhaben, und sie leistet das in einer eigenen, fast mystischen Erzählweise, welche die Lektüre zu einem intimen konzertanten Erlebnis macht.

PS. Bei dieser Rezension bin ich befangen. Denn Hélène Grimaud habe ich mehrfach persönlich getroffen und bin ihrem Talent und ihrer Ausstrahlung erlegen. Wer sich für meine Begegnungen interessiert, findet auf meiner Homepage Interessantes über die großartige Künstlerin.


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren
Verlag: Blanvalet

Felders Traum

Felders Traum Elmar BereuterElmar Bereuter, der Verfasser von »Felders Traum«, der Lebensgeschichte des »schreibenden Bauern« Franz Michael Felder, genießt einen unschätzbaren Vorteil: Er entstammt selbst dem Bregenzerwald, jeder Gegend im österreichischen Voralberg, in der diese Tatsachengeschichte spielt.

Bereuter kennt die Welt der Berge, den Dialekt der Wälder, ihre Bräuche und Gewohnheiten und hat insofern beste Voraussetzungen, den Lebensweg des »Sonderlings« zu beschreiben. Mit entsprechendem Einfühlungsvemögen schildert der Autor die Bedingungen, unter denen der halbblinde Junge auf- und heranwuchs und zum geschriebenen Wort fand.

Im Dorf Schoppernau, zu Füßen der Kanisfluh, einem sagenumwobenen Bergmassiv, erblickte Franz Michael Felder am 13.05.1839 das Licht der Bergwelt. Der rebellische Bergbauernbub wurde keine 30 Jahre alt, er schuftete zeitlebends als Kleinbauer und fristete mit den Seinen ein kärgliches Dasein.

Die öffentliche Meinung, bestehend aus dem Willen von Großbauern, Käsebaronen, Vorstehern sowie dem ultrakatholischen Klerus bestimmte das Leben der Heuer, Küher, Sennen und ihrer Angehörigen bis in den kleinsten Bereich, und alle richteten sich danach. Unter diesem Druck, in dem jeder beobachtete, selbst beobachtet und beurteilt wurde, bedeutete schon allein die Infragestellung althergebrachter Sitten eine unerhörte Störung der allgemeinen Ruhe und des dörflichen Friedens.

Bereuter beschreibt, gegen welche enormen Widerstände der junge Felder seinen Lesehunger stillte, Zeitungen und Bücher besorgte, sich literarisch bildete und schließlich selbst zur Feder griff. Aufgrund der Armut seiner Zeitgenossen elektrisierten ihn sozialreformerische Ideen, die er mit der Lektüre aufsog und in Vereinen und durch Parteiengründung umzusetzen suchte.

Dass er dabei vor allem auf den Hass der Amtskirche stieß, die ihn offen von der Kanzel herab verleumdete und zum Teufel wünschte, ist ein Schwerpunkt dieses stets dicht an den bekannten biografischen Fakten, Briefen und Unterlagen orientierten Romans. Der schreibende Freigeist Felder musste aufgrund von Morddrohungen sogar zeitweise aus seinem Heimatdorf fliehen. Erst aufgrund der Aufmerksamkeit der Presse und dem großen und positiven Echo auf seine Veröffentlichungen wurde er halbwegs respektiert und in Frieden gelassen. Am 26. April 1869, kurz vor seinem 30. Geburtstag, starb der Verfasser von Romanen wie »Reich und Arm« an Lungentuberkulose.

Elmar Bereuter setzt mit seinem 500-seitigen Werk nicht nur Franz Michael Felder ein mehr als verdientes Denkmal. Er verfasste zugleich einen ungemein spannenden, in einem mächtigen Rutsch zu lesenden historischen Roman, der ein Signal gegen Ignoranz und Kleingeisterei setzt. Diese Biographie wird jedem gefallen, der sich für die Lebenswege von Außenseitern, die dem eigenen Stern folgen, interessiert.


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren
Verlag: LangenMüller

Ziemlich bester Schurke

Auch Rezensenten sind mitunter neugierig. So folge ich der persönlichen Einladung einer Schweizer »Medienstelle« und lasse mir ein Exemplar der Geschichte des ehemaligen Finanzjongleurs Josef Müller samt aufwändiger Hochglanz-Information zusenden.

Offen gestanden: Von diesem Josef Müller hatte ich zuvor weder gehört noch gelesen. Aber der Klappentext macht neugierig, in die Unterwelt der Betrogenen und Betrüger zu steigen. Außerdem kann ich Müllers zentrale Erkenntnis aus eigener unternehmerischer Erfahrung bestätigen: »Wenn ich mich auf etwas verlassen konnte, dann auf die Gier der Menschen«.

Josef Müller wurde 1955 in Fürstenfeldbruck bei München als Sohn eines Kriminalbeamten und einer OP-Schwester geboren. Mit 16 Jahren konnte er mit einer Sondergenehmigung den PKW-Führerschein erwerben und hatte kurz vor seinem 18. Geburtstag einen schweren Verkehrsunfall. Seitdem ist er auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen.

Als der querschnittsgelähmte junge Mann eines Tages einen knallroten Mercedes 300 SL Cabrio Gullwing sieht, aus dessen elegant nach oben geöffnetem Türflügel ein Falt-Rolli herausfliegt und ein körperbehinderter Mann aussteigt, schwört er sich, trotz seines Handicaps ein Vorstadtcasanova zu werden. In seinem Buch beschreibt er nun, wie er zum erfolgreichen Anlage- und Steuerberater der Münchener Schickeria wurde, der schließlich als »11-Millionen-Euro-Betrüger« Eingang in die Schlagzeilen der Boulevardpresse fand. Denn das Interesse seiner Klientel, möglichst viel in die eigenen Taschen zu raffen, begünstigte seine Neigung, gnadenlos mit der Kundenkohle zu zocken, sie zu verprassen und dabei den Löwenanteil eiskalt für sich selbst zu kassieren.

Letztlich aber war der »ziemlich beste Schurke« nicht clever genug. Er ging, im Unterschied zu den zahllosen Schurken aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, die uns auf der Nase herumtanzen, Polizei und Staatsanwaltschaft ins Netz. Und als sei er einem Lehrbuch für Resozialisation entstiegen, läuterten ihn fünfeinhalb Jährchen im Knast angeblich und ließen ihn das vorliegende Buch ersinnen.

Müller möchte dem Leser eine Saulus-Paulus-Verwandlung verkaufen. Danach hat er im Gefängnis eine »starke Umwertung meiner Werte« erfahren. Er will erkannt haben, »dass der Dienst am Geld eine zu anspruchsvolle Religion« sei und plädiert für »Liebe«, die mehr bedeute als Gerechtigkeit.

Auf 320 Seiten schildert das Buch, das offensichtlich von einem Profiautor begleitet wurde, warum Müller nach der Knasterfahrung sein Leben ändern wollte und was ihm weiterhin »für wundersame und aufregende Dinge widerfahren sind«. Der Text arbeitet mit ständigen Wiederholungen, so wird in nahezu jedem Kapitel die Müllersche Bio kurz zusammengefasst und gebetsmühlenartig wiederholt. So fällt dann auch nicht weiter auf, wenn der Autor in einem Kapitel auf drei Millionen Schulden sitzt, um im nächsten Kapitel wieder in Rolls und Bentley durch die bayerischen Lande zu kutschieren.

Josef Müller versucht mit dem Buch, sein Leben als bunten Märchenfilm zu vermarkten und dabei die Geschädigten, Geprellten und Betrogenen zu unfreiwilligen Komparsen seiner »geilen Story« zu machen. Dazu passen Fotos, die ihn mit Heiligenschein auf einer Kirchenbank zeigen, während er sich im Alltagsleben – vollkommen uneitel – gern im rosafarbigen Leinenanzug mit Einstecktuch und gelber Krawatte präsentiert.

Ob nun geprellte Ex-Kunden das Buch in die Hand nehmen und ob des Talents ihres einstigen Beraters schmunzeln? Vielleicht murmeln sie »Passt schon«, denn im Bazi-Land Bayern ist manches denkbar …


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren
Verlag: Brunnen Verlag Basel

Gutgeschriebene Verluste

Gutgeschriebene VerlusteIn seinem autobiographischen Werk »Gutgeschriebene Verluste« thematisiert Bernd Cailloux Einsamkeit als Gruppenerlebnis. Er beginnt und endet seine als Roman gewandeten Memoiren in einem Schöneberger Szene-Café, das er als »Treffpunkt der Übriggebliebenen« charakterisiert. Dort trifft der Erzähler auf ein werweißwie zusammengewürfeltes kontaktscheu-cooles Publikum, allesamt Virtuosen der Distanz. Wie einer anderen Rezension entnommen werden kann, handelt es sich dabei konkret um »Literatur-Professoren, die in der FAZ schreiben, Herausgeber von intellektuellen Zeitschriften, Maler, Suhrkamp-AutorInnen, taz-Redakteure, sonstige Künstler und eine Frau mit 2/5 Stelle bei einem Rundfunksender«.

Cailloux kommt in den gern als »wild« apostrophierten 68ern aus Hamburg ins damalige Westberlin. Der Hippie-Businessmann hält sich mit Beiträgen fürs Radio über Wasser und schreibt derweil an »freien« Texten; er fürchtet, die bezahlte Schreiberei zerstöre den literarischen Stil. Das in den Nachkriegswirren kompliziert aufgewachsene Scheidungskind, ein vom Zeitgeist geleiteter Twen(tysomething), kann sich »unter Einfluss des rebellischen Achtundsechzigergezerres an der Institution Famlie zur biologisch pünktlichen Gründung einer eigenen Familie nicht durchringen.«

Er bleibt – vielleicht unterstützt von einer kurzen Karriere als Drogenabhängiger – »ein Schwellenwesen, weder hier noch da wirklich drin und obendrein zu schwach, zu ängstlich …« Entsprechend farblos bleibt sein Auftritt bei einer Diskussionsveranstaltung, bei der er gemeinsam mit ehemaligen RAF-Mitgliedern und einstigen SDS-Führer zum Thema »68« sprechen soll und die einen zentralen Platz im Buch einnimmt. Letztlich landet er doch wieder in dem Schöneberger Café, um seine Wunden zu lecken und sein vermeintliches Leidkapital in einen weiteren Roman zu verwandeln.

Es wundert kaum, dass im Ergebnis ein melancholisch trübsinniges Lebensbild gezeichnet wird, das sich weitgehend negativ liest. Handelt das Buch also von jenen Verlusten, die dem Autor in menschlicher, charakterlicher und auch partnerschaftlicher Hinsicht widerfahren (es mäandert eine farblose »Ella« durch das Werk, die ihn wohl aus guten Gründen wieder verlässt), dann können sie am Ende kaum auf der Habenseite der Lebensbilanz auftauchen. Diese Verluste müssten, anders als der Titel behauptet, nicht »gutgeschrieben«, sie müssten abgeschrieben werden.

Ist dieser »Roman mémoire« gut geschrieben? Immerhin ist das Werk bei Suhrkamp erschienen; die Veröffentlichung wurde vom Deutschen Literaturfonds sowie dem Land Berlin finanziell gefördert, und das weckt hohe Erwartungen. Der Leser kämpft sich deshalb tapfer durch einen Dschungel von Phrasen »… ein durchaus verachtungswürdiges Geschäft, ein Anschlussgeschäft sozusagen, in dem die feinsten Formulierungen des einst rauhesten Geschehens, seine im nachhinein hartethische Verkunstung so wie der medienschnittige Zitatenprunk gehandelt wurden …«

Im Ergebnis kommt fast Mitleid mit dem Autor auf, der mit sich und den Zeitläufen hadert. Dabei hatte der Rezensent die besten Voraussetzungen, dieses Buch anzunehmen: Er ist nur wenige Jahre jünger als der Autor, er ist ebenso wie er in den 68ern nach West-Berlin gezogen, er kennt das Milieu, über das Cailloux schreibt, er hat ähnliche Künstlerkandidaten, Lebenshungrige, Zauderer und Zweifler erlebt. Beide haben ähnliche berufliche Hintergründe. Mehr noch: Ein- und dieselbe Krankheit bedrohte beider Leben, sie haben sogar den gleichen Genom-Typ, durchliefen die gleichen grässlichen Therapien und Medikamentationen. Bessere Voraussetzungen kann ein Rezensent nicht haben!

Dennoch …

… hat all das nur gereicht, sich durch die 271 Buchseiten der Veteranen-Lebenssicht von Bernd Cailloux zu schleppen. Für eine Empfehlung aus vollem Herzen reicht es leider nicht.


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren
Verlag: Suhrkamp Frankfurt am Main

Hellraiser


Geboren wird Peter »Ginger« Baker am 18.08.1939 in London. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und muss früh lernen, seine Fäuste zu nutzen. Der Vater fällt im Krieg, doch er hat Glück mit einem Stiefvater. Bereits im Unterricht fällt der Junge, der gelegentlich schon mal eine Jazz-Schallplatte stibitzt, durch rhythmisches Trommeln auf der Tischplatte auf. Seine Mitschüler glauben, er könne Schlagzeug spielen, und auf einer Fete wird er plötzlich gebeten, eine Probe seines Könnens zu geben. Baker nimmt erstmals hinter einer richtigen Schießbude Platz, legt augenblicklich los und hat augenblicklich seine Bestimmung entdeckt: er will Schlagzeuger werden.

Doch wie wird man Schlagzeuger? Baker bastelt sich aus einem Spielzeugschlagzeug und Blechdosen ein Drum-Kit, übt darauf und meldet sich auf eine Suchanzeige im »Melody Maker« zum Vorspielen. Den Musikern erklärt er, sein »richtiges« Schlagzeug sei defekt, darum spiele er mit Behelfsgerät. Frechheit siegt! Der gerade 18jährige Baker wird Drummer von »The Storyville Jazzmen« und begründet damit seine Karriere als Profimusiker.

Kurz darauf lernt er Phil Seamen kennen, der bereits eine Legende des britischen Jazz ist. Seamen bringt ihm aber nicht nur das Schlagzeugspielen näher, er zeigt ihm auch Heroin. Es dauert nicht lange, und Baker zieht alles durch Mund und Nase, was er erwischen kann. Kurz darauf setzt er seinen ersten Schuss. So startet er nicht nur eine Karriere als Drummer sondern auch als Junkie. In Kürze lernt er alle Musiker kennen, die in jener Zeit den Ton angeben. Er spielt mit dem Saxophonisten Dick Heckstall-Smith und Bassmann Jack Bruce als Mitglied der von Alexis Corner geführten »Blues Incorporated«. Mick Jagger, den Baker als unfähig verachtet, darf gelegentlich singen, Graham Bond stößt zu ihnen und vollführt musikalische Kunststücke auf seiner Hammond-Orgel. Bald entsteht aus dieser Formation die legendäre »Graham Bond Organisation«.

Viele Musiker lehnen Baker trotz seiner allseits anerkannten Fähigkeiten ab, weil er ein bekannter Junkie ist. Sister Morphine sitzt mit ihm am Schlagzeug, und das Übermaß an Drogen, das Ginger konsumiert, lassen ihn ausfällig und unberechenbar gegenüber Freunden und Bandkollegen werden.

Ginger Bakers rasant rauschende Drogenbiographie

»Hellraiser« liest sich streckenweise wie eine grandios rauschende Drogenbiographie. Baker versucht zwar immer wieder, von den harten Drogen loszukommen, akribisch erzählt er in seiner Autobiographie von insgesamt 29 Entziehungsversuchen mit Methadon im Laufe von 21 Jahren, doch die Sucht ist stärker. Zu Alkohol, Amphetaminen, Heroin und Morphium kommt bald LSD hinzu, jeder nur denkbare Drogencocktail wird gemixt, und die Konsequenzen bleiben nicht aus: im Vollrausch verliebt Baker sich immer wieder, er kommt fast in einem Schneesturm um, bei Rangeleien mit anderen Musikern wird er wiederholt verletzt und verliert sämtliche Zähne, teure Autos werden zu Bruch gefahren, Freunde kommen durch Überdosen um.

Baker beschreibt auch die Wesensänderungen, die Bandkollegen durchmachen. Jack Bruce muss wegen unberechenbarer Wutausbrüche aus der Band ausgeschlossen werden, und Graham Bond entwickelt sich von einem eitlen Paradiesvogel, der mit Händen und Füßen mehrere Instrumente gleichzeitig spielen kann, zu einem im Räucherstäbchennebel meditierenden Spiritisten, bevor er schließlich unter den Rädern einer Londoner U-Bahn endet.

Baker lernt Eric Clapton kennen und plant mit ihm die Gründung einer eigenen Band. Trotz Gingers Bedenken einigen sich die beiden auf Jack Bruce als Bassisten, und damit sind »The Cream« geboren. Die Band geht in kurzer Zeit ab »like a fucking rocket«. Das Flower-Power-Publikum gerät aus dem Häuschen, wenn die drei Musiker nur die Bühne betreten. Gagen steigen, Säle werden immer größer, und Clapton und Bruce bauen gigantische Boxentürme auf, um mit immer mehr Power zu spielen. Baker leidet bald an Hörproblemen, er hockt zwischen den Lautsprecherwänden und haut immer kräftiger auf Trommeln und Becken, um sich wenigstens noch selbst zu hören. Seine Proteste gegen den infernalischen Lärm werden von den beiden anderen ignoriert. Gestritten wird auch um die Urheberschaft an den einzelnen Titeln, denn sehr demokratisch geht es im »Cream«-Team nicht zu, und es geht um viel Geld.

1969 trennen sich die Weg der drei Cream-Heroen, und Baker formiert gemeinsam mit Stevie Winwood die nächste Supergroup. Das ist »Blind Faith«, bei der wiederum Clapton mitspielt. Es folgt »Ginger Bakers Airforce« mit der Sängerin Jeanette Jacobs, Gitarrist Denny Laine, Organist Stevie Winwood, den Bläsern Harold McNair und Graham Bond, Rick Grech am Bass und Phil Seamen als zweiten Schlagzeuger. Auch diese Formation hält nicht lange, worauf Baker sein Glück in Afrika versucht, um Abstand zu gewinnen, den Tod seines Freundes Jimi Hendrix, der am Erbrochenen erstickt ist, zu überwinden und von den Drogen loszukommen. Afrika ruft den Drummer, denn Bakers Qualität gründet auf seinem Afrika-Feeling, das seine Spieltechnik unvergleichlich macht. Er hat Afrika im Blut und ist bis heute der einzige weißhäutige Drummer, der auf dem schwarzen Kontinent anerkannt und gefeiert wird.

Ginger Baker in Afrika

In Nigeria baut Baker das erste Tonstudio Westafrikas auf und spielt mit dem Afrobeat-Star Fela Kuti. Der Nigerianer kommt mit zwei Dutzend knackfrischer Ehefrauen zu den Jazztagen nach Berlin, die er stolz auf einer Pressekonferenz präsentiert, ihnen dann jedoch den Mund verbietet. Beim abendlichen Konzert versackt Baker, den ich an dem Tag fotografiere und interviewe, in einer Spielpause an der Theke im Musikerrestaurant der Philharmonie. Der Meister ist bereits schwer angeschlagen, als der Veranstalter bemerkt, dass alle Musiker auf ihren Plätzen sind und weiter spielen wollen, Baker jedoch fehlt. Der hat plötzlich keine Lust mehr und lässt sich nur widerwillig an seine Schießbude zerren.

Bakers Karriere in Nigeria dauert nur kurz, er erlebt ein finanzielles Fiasko und fällt wieder in die Drogenhölle. Getrennt von Frau und Kindern flieht er in die Toskana, um Missernten und eine weitere gescheiterte Ehe ernten zu dürfen. Immer neue Bands entstehen: »Bakers Gurvitz Army, »Masters of Reality«, »BBM«. Er zieht weiter nach Los Angeles, dann nach Colorado, wo er mit der Zucht von Poloponys beginnt. Schließlich siedelt er in KwaZulu-Natal in Südafrika, wo er auf einer eigenen Farm Pferde züchtet, Polo und Schlagzeug spielt und sich mit den Nachbarn anlegt.

In Mai 2005 kommt es noch einmal zu einem legendären »Cream Reunion« Konzert von Baker, Bruce und Clapton. Drei Tage ist die »Royal Albert Hall« total ausverkauft, Tickets werden zu 1000 Euro gehandelt, und das Trio erlebt Begeisterungsstürme wie in alten Zeiten. Die Band spielt auch noch in den USA, dort brüllt Bruce jedoch Baker plötzlich unvermittelt auf der Bühne an, und die beiden gehen vor dem Publikum offen aufeinander los. »Cream« zerbricht ein zweites, allerletztes Mal.

Wer »Hellraiser« liest, bekommt einen tiefen Einblick in die innere Welt vieler Superstars von Clapton bis Hendrix. Es ist teilweise erschütternd, wie das wilde Leben zwischen Sex and drugs and rock n roll wirklich war und was sich hinter den teilweise glamourösen Kulissen abspielte. Diese Autobiographie ist ein Zeitdokument, das seinesgleichen sucht und auch demjenigen, der kein Baker-Fan ist, einen Schlüssellochblick in die Welt von Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll gestattet.


Kategorie: Biographien, Briefe, Kunst, Memoiren, Musik und Literatur
Verlag: John Blake Publishing London

Der Bücherprinz

Geboren 1952 im beschaulichen Katholen-Ort Oelde in Westfalen fällt der frühe Freigeist schon in der Schule auf, da er heimlich unter der Bank Gedichte verfasst. So ist es wenig verwunderlich, dass er sich bald gegen die seit Jahrhunderten institutionalisierten Autoritäten auflehnt, zumal die Zeit dafür wie geschaffen ist: Rockmusik und lange Haare treten als Sendboten der Befreiung auch in der Provinz ihren Siegeszug an (der Autor trifft neben anderen Göttern der Szene Cream und Jimi Hendrix bei Konzerten) und sorgen für eine Revolution in den Köpfen der Jugendlichen, die immer noch unter dem Einfluss von Hitler und Adenauer leiden.

Nach einem dunkelschwarzen Kapitel hält Frieling nichts mehr in der wenig heimeligen Heimat und er flieht hinaus in die Welt. London, Jugoslawien und die Türkei sind nur einige der Stationen, bevor er sich 1969 in Westberlin niederlässt, natürlich standesgemäß in einer Kommune mit jeder Menge Sex and Drugs and Rock `n’ Roll. Es sind die Tage der Rebellion, des Kampfes gegen Vietnam-Krieg, Springer-Presse und faschistoide Herrschaftsstrukturen, und Frieling ist mittendrin. Der leidenschaftliche Leser und Schreiber erlernt das Handwerk der Fotografie und ist somit prädestiniert für eine Karriere als rasender Reporter.

Auftragsjobs jagen ihn nicht nur um die Welt, er sieht sich auch gründlich in der nahen und doch so fernen DDR um, ein Novum in der Zeit des kalten Krieges. Erfolgreiche Projekte glücken ihm zuhauf, zunehmend auch als Verfasser eigener Schriften. Nach dem Ratgeber „Autor sucht Verleger“ (eine Hilfestellung für unbekannte Nachwuchsschreiber) gründet er folgerichtig den Frieling-Verlag unter dem Motto „Verlag sucht Autoren“. Mit dieser erneuten Innovation, Interessenten gegen Bezahlung den Traum vom eigenen Buch zu ermöglichen, erweckt er weltweite Nachfrage; in 20 Jahren werden 3.000 Werke publiziert. 2003 verkauft er den Verlag und ist doch meilenweit vom Ruhestand entfernt…

„Der Bücherprinz“ ist ein einzigartiges Werk, in dem nicht nur ein entscheidender Abschnitt deutscher Nachkriegsgeschichte anschaulich dokumentiert ist, sondern auch ein wahrlich bewegtes Leben spannend wie ein Thriller erzählt wird. Dabei verklärt der Autor im Gegensatz zu anderen 68ern, die über diese wegweisende Epoche berichten, nie melancholisch; er ist sich nicht zu schade, Fehler und vermeintliche Irrwege einzugestehen. Ehrlich beleuchtet werden auch berufliche und private Schattenseiten, wobei letztere ironisch in kritischer Distanz geschildert, anstatt überhitzt aufgeregt in den Vordergrund gedrängt zu werden.

Frielings lebenslange Liebe zum geschriebenen Wort ist auf jeder Seite mit Händen zu greifen und auch mit interessanten Fotos wird der begeisterte Leser reichlich versorgt. Dazu gibt es viele kleinere Anekdoten mit berühmten Persönlichkeiten aus Presse, Funk und Fernsehen sowie pointierte Blicke hinter die Eitelkeiten des medialen Kulturbetriebs und deshalb ist diese Autobiographie für mich das Buch des Jahres.

Bei so viel Lob sei jedoch auch ein leiser Tadel erlaubt: Da der potenzielle Stoff derart umfangreich ist, hätte das Werk gut und gerne den doppelten Umfang erreichen können, ohne den Leser auch nur eine Sekunde zu langweilen. Lieber Prinz, ich fürchte, du musst wohl bald noch ´ne Schippe drauflegen …


Kategorie: Biographien, Briefe, Memoiren
Verlag: Internet-Buchverlag Berlin