Suchbild mit Katze

Henisch_Suchbild mit Katze_110216.inddÜber Henisch` leise, feinfühlige Art zu schreiben ist schon viel gesagt worden. Im vorliegenden Roman besticht zudem sein sachter Humor, der nie zu Schenkelklopfern animiert. Sympathisch schon, dass im Romantitel eine Katze erwähnt wird – für sowas nehmen sich die Autorinnen und Autoren der Wichtigkeit heute nicht Zeit. Dann der Rekurs auf den Kater Murr. Auf E.T.A. Hoffman, der die Ahnung erweckt, dass Peter Henisch zur Handvoll Autoren und Autorinnen im deutschen Sprachraum zählt, die im Herzen sich Romantik und Fantastik auf liebevolle Art bewahrt haben. Auch Dr. Dolittle mitsamt Affen, Papagei und Schwalben bevölkern die Buchseiten. Und denen möchte der kleine Protagonist, der Ich-Erzähler in seiner Kindheit, eben eine Katze hinzugesellen. Und so will er eigentlich mit dem Schreiben beginnen. Daneben als Hauptfigur die Stadt Wien der Nachkriegszeit. Und zeitgeschichtliche Sequenzen – etwa der mögliche Atombombeneinsatz, den ein US-General gegen die Chinesen im Koreakrieg empfahl. Und der Bub schmiss alle seine Spielfiguren mit einem gewaltigen Ruck um, sodass die Katze Murli entsetzt davonsprang.
Do little: tu das Kleine, sieh es, erzähle davon, rücksichtsvoll mit gedämpfter Stimme. So entsteht Zärtlichkeit, Sympathie, Nächstenliebe. Die vermeintlichen Großartigkeiten und Besonderheiten, das Lamento und das Geschrei lass den Napoleons und Alexandern des Zeitgeistes, die permanent das Aller-Neueste plärren – selbstinszenierende Marktschreier oder Jammerer in Eitelkeit. Henisch stellt auf wundervolle Art das Gegenteil all dieser Negativismen dar. Der Roman versöhnt mit der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, die einem ganzheitlich Fühlenden ansonsten sehr wenig abzugewinnen imstand ist.
Manfred Stangl
Peter Henisch: „Suchbild mit Katze“, Deuticke, Wien, 2o16, 2o8 S, geb.; ISBN: 978-3-552-o6327-3


Kategorie: Humor, Romane
Verlag: Deuticke Wien

Schweine befreien

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Theo Grabowski ist 35, mäßig erfolgreicher Lokaljournalist bei einem Anzeigenblatt und leidgeprüfter Fan des Zweitligaclubs FC Teutonia. Als er eines Morgens arg verkatert erwacht, erinnert er sich dunkel, in der Nacht zuvor den Vereinsmanager tot auf einem Schweinetransporter liegend gesehen zu haben. Umso größer die Verblüffung, als eben dieser Manager wenig später bei einer Pressekonferenz des Krisenclubs zwei vermeintlich heilsbringende Neuzugänge aus Kroatien vorstellt.

Grabowski beschließt, den Dingen auf den Grund zu gehen, was aber nicht einfach ist, da er an permanenter Geldnot leidet, sich allzu gerne von Freunden und Alkohol ablenken lässt und zudem immer mal wieder ein mysteriöses Ziehen im Schritt verspürt. Dennoch sammelt er bei seinen eher planlosen Ermittlungen zahlreiche Informationen, trifft geheimnisvolle Frauen und zwielichtige Fußballfunktionäre und taucht ein in die schillernde Welt der Spielerberater kurz nach dem Bosman-Urteil (der Roman spielt im Sommer 2001). Schließlich führt eine Spur auf den Balkan und er tritt die Reise an, trotz dezenter Hinweise, dass dort Gefahr für Leib und Leben droht…

»Schweine befreien« ist der erste Roman von Jens Kirschneck, seines Zeichens Redakteur beim Fußball-Fachblatt »11 Freunde« und er bietet formidabel spannende Unterhaltung nicht nur für Fußballfans, da der Autor ein weites Feld bestellt. Natürlich gibt es da die erwarteten Intrigen im globalisierten Fußballgeschäft, aber eben auch die Spätfolgen des jugoslawischen Bürgerkriegs oder die Balkanmafia. Mitunter ist das Buch mit Themen überfrachtet (Stichwort: 11. September), aber Kirschneck behält stets die Fäden in der Hand, die Stringenz des Plots geht nicht verloren.

Der Schreibstil ist flott, dabei wortgewaltig und die Protagonisten gefallen sich zwar manchmal in ein wenig Selbstmitleid, tun dies jedoch ohne nervende Larmoyanz. Gepaart mit dem trockenen Humor des Autors und seinen witzig originellen Sprachbildern und Wortspielen kommen Freunde gehobener Unterhaltung voll auf ihre Kosten, gerne mehr davon!


Kategorie: Humor, Krimi
Verlag: Verbrecher Verlag