Robinsons blaues Haus

augustin-1… und alle Fragen offen

Schon im Titel des Romans ist ein Widerspruch angelegt, Robinson und Haus, wie passt das zusammen? Und ein Robinson, der in der Welt umherzieht ist auch nicht gerade typisch für Abenteurer dieser Art! Der Roman ist das als Schlusspunkt seines Oeuvres deklarierte Alterswerk des Autors, der als eigenwilliger Vertreter der phantastischen Literatur gilt. Es geht recht bunt zu in diesem Buch, was die Farbe blau anzudeuten scheint, die symbolisch ja für Ferne, Sehnsucht und Klarheit steht, als Hausanstrich aber eher selten vorkommt. Hier deutet blau auch auf die Südseelagune hin, die sich dem Blick bietet im letzten Haus des Protagonisten, das Paradies auf Erden für Robinson. Der immer auf der Flucht ist und immer auf der Suche nach einer Bleibe, die ihn verbirgt und schützt, die ihm vertraut ist, in der sein Glenfiddich auf ihn wartet, sein unverzichtbarer Single Malt Whisky als Symbol für Geborgenheit und Behaglichkeit.

Ernst Augustin ist ein literarischer Zauberer, der uns Vieles, Großartiges zeigt, uns damit verblüfft und dann ratlos zurücklässt. So ist denn das bloße Zeigen, wie er selbst erklärt hat, seine typische Arbeitsweise, der Rest ist Aufgabe des Lesers. So wie beim Stummfilm, wo man nur Bilder sieht und der Ton als Ergänzung fehlt. Wer den wunderbaren, vielfach prämierten Stummfilm „The Artist“ gesehen hat, wird zugeben müssen, dass Minimalismus dieser Art bestens funktionieren kann. Der Autor war als Neurologe und Psychiater tätig und hat die Welt bereist, seine Sehnsucht nach der Ferne ist deutlich zu spüren in diesem Roman, und auch Häuser und Architektur gehören ganz offensichtlich zu seinen Lieblingsthemen. Es ist eine völlig irreale Szenerie, ein Geisterreich der Fantasie, in das uns sein Buch entführt, eine Welt der totalen Imagination. Nichts ist, wie es scheint, alles erweist sich als Trugbild, schön und geheimnisvoll zugleich.

Robinson, der Ich-Erzähler dieser poetischen Erzählung, ist ein eigenartiger, geheimnisvoller Außenseiter, der mit seinem Freitag chattet, ihn aber nie zu Gesicht bekommt. Er lebt unter wechselnden Identitäten, wird ständig verfolgt, entgeht seinen Verfolgern aber immer wieder. Schon als Kind hat er sich verstecken müssen, hat einen zur Taucherglocke umfunktionierten alten Badeofen in den Fluss versenkt und darin Zuflucht gefunden. Sein Maybach fahrender Vater hat ihm unerschöpflich scheinende Finanzmittel hinterlassen, unredlich erworbenes, rein virtuelles Geld, der Zugriff darauf durch einen Code geschützt, den nur er kennt. So virtuell zudem, dass es sich per Tastendruck auf Erase löschen ließe und damit für immer verschwunden wäre. Die Geschichte ist spleenig, versponnen, verquer sogar, von der gefluteten Kirche bis hin zu den als Behausung dienenden Besenkammern und Verließen überall in der Welt, in denen sich der Protagonist verschanzt und es sich gemütlich macht. Man folgt diesen Bildern gern, amüsiert sich über die skurrilen Situationen, bewundert den Einfallsreichtum des Autors und genießt seine unprätentiöse, wohltuend klare Sprache. Solcherart Lektüre ist gute Unterhaltung im besten Sinne des Wortes.

Will der Leser dem Ganzen aber einen tieferen Sinn abgewinnen, ist er doch ziemlich gefordert, vielleicht sogar überfordert von der grenzenlos scheinenden Fantasie des Autors. Wie bei der Traumdeutung wird auch hier jeder etwas anderes finden, wenn er sich an eine Analyse wagt. Wie hieß es doch einst in seligen TV-Zeiten? «Und so sehen wir betroffen / den Vorhang zu und alle Fragen offen.» Mit den leicht abgewandelten Brechtworten aus ‚Der gute Mensch von Sezuan’, im Literarischen Quartett als markanter Schlusssatz von Reich-Ranicki in jeder Sendung zitiert, genau damit ist auch mein ganz persönliches Resümee sehr treffend ausgedrückt.

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Kategorie: Roman
Verlag: C.H. Beck München

Königsallee

pleschinski-1Nobelpreisträger als Protagonist

Ein Jahr vor seinem Tode besuchte der 79jährige Thomas Mann im Rahmen einer Lesereise für den «Felix Krull» Düsseldorf. Hans Pleschinski hat in seinem Roman «Königsallee» diesen Aufenthalt zu einer amüsanten Geschichte verarbeitet, mit der er dem Nobelpreisträger einerseits ein weiteres Denkmal setzt, ihn andererseits aber im Kreise seiner Entourage als kauzigen, verwöhnten und unselbständigen alten Mann beschreibt, womit er sich zweifellos sehr nahe an die Wirklichkeit hält. Fiktion hingegen ist das Zusammentreffen mit Klaus Heuser, den er tatsächlich 1927 auf Sylt kennengelernt hatte und mit dem ihn einst eine homosexuelle Beziehung verband. Vorbild für diesen Plot ist Manns «Lotte in Weimar», in dem sich Goethe und seine einstige Liebe Charlotte Buff wieder begegnen, die ihrerseits für die Lotte in «Die Leiden des jungen Werthers» Vorlage war. Klaus Heuser nun stand Pate für den Joseph in Manns großer Tetralogie, aber auch für den Felix Krull. Die Bezüge gehen so weit, dass als Analogie zu «Lotte in Weimar» in einer als «Das siebente Kapitel» betitelten Passage hier wie dort die Träume und Phantasien beider alten Männer beim Aufwachen am frühen Morgen thematisiert werden. Kenntnisse der Werke beider Schriftsteller sind zwar hilfreich, um all diese Anspielungen und Verweise auch verstehen und hinreichend würdigen zu können, aber Pleschinskis geistreicher Roman bietet neben dem köstlichen Lesespaß zusätzlich den in klassischer deutscher Literatur weniger sattelfesten Lesern eine Fülle von nützlichen Informationen zu diesen Lichtgestalten, wirkt insoweit also auch bereichernd.

Man könnte den Roman als bitterböse Komödie auffassen, denn neben den teilweise fast slapstickartigen Auftritten der vielen schrulligen Akteure wirkt der gefeierte Schriftsteller im Düsseldorf der Nachkriegszeit wie ein Erlöser, ein Heilsbringer geradezu für das in tiefe Schuld verstrickte Deutschland. Dessen Nazi-Vergangenheit ist allenthalben zu spüren, personifiziert hier durch den als Kriegsverbrecher verurteilen, aber schon wieder entlassenen Generalfeldmarschall Kesselring, der nun ausgerechnet am selben Tage im gleichen Hotel wie Thomas Mann Quartier nimmt , was die Direktion des vornehmen «Breidenbacher Hofs» einen Eklat befürchten lässt. Und auch der einstige Liebe Klaus Heuser wohnt hier mit seinem jungen asiatischen Lebensgefährten, was weitere Verwicklungen bedeuten könnte, wie Erika Mann mutmaßt, die den Vater begleitet. Die Tragik Thomas Manns, dessen sexuelle Orientierung zur damaligen Zeit nicht in Einklang zu bringen war mit seiner öffentlichen Bedeutung, wobei jene nicht zuletzt auch eine Folge seiner genüsslich und kunstvoll zelebrierten Selbstdarstellung, um nicht zu sagen Selbstüberhöhung war, diese Tragik also wird hier sehr gekonnt und faktenreich thematisiert.

Die originelle Idee für das in siebzehn Kapitel aufgeteilte, zweitägige Geschehen mit etlichen Rückblenden setzt Pleschinski mit Hilfe eines furiosen, vielköpfigen Figurenensembles in Szene, angefangen vom Mann-Clan mit Thomas, Katia, Erika und Golo bis hin zum wunderlichen Liftboy im Hotel oder der sturmerprobten Kellnerin in der «Neusser Stube», allesamt humorvoll geschildert. Deren weit ausholende Dialoge sind ebenso amüsant wiedergegeben wie die stimmig beschriebene Atmosphäre in jenen großbürgerlichen Kreisen der frühen Nachkriegszeit, jedenfalls soweit wir das im Abstand von sechzig Jahren heute noch nachvollziehen können. Wobei Pleschinski sich sprachlich eng an seinen Protagonisten anlehnt, damit aber zuweilen auch karikaturhaft überzeichnet, so geistreich und druckreif nämlich spricht niemand auf der Welt, auch ein Thomas Mann nicht, selbst wenn es da einmal von ihm heißt: «Der hat noch Bildung geschlürft wie die Germanen Met». Einer strengen Analyse sollte man dieses Buch also nicht unterziehen, es ist ein heiterer Roman, kein Sachbuch, auch wenn viel Authentisches darin verarbeitet ist bis hin zum persönlichen Nachlass des 1994 verstorbenen Klaus Heuser. Ein rundum gelungener Roman insoweit, und damit ein herzerfrischendes Lesevergnügen, das gutgelaunte Leser produzieren dürfte.

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Kategorie: Roman
Verlag: C.H. Beck München

Kraft

luescher-1Skeptische Gelehrtensatire

Nach seinem Anfangserfolg mit der Novelle «Frühling der Barbaren» hat der Schweizer Schriftsteller Jonas Lüscher heuer, vier Jahre später, seinen ersten Roman unter dem Titel «Kraft» veröffentlicht. Aus seiner dreijährigen Arbeit an einer Dissertation sei «leider nichts geworden, dafür ist nun der vorliegende Roman entstanden, in den einiges eingeflossen ist, über das ich im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit nachgedacht habe», heißt es in der Danksagung am Ende des Buches. Bei dieser Vorgeschichte ist es nahe liegend, dass der so entstandene Debütroman als wissenschaftsskeptische Gelehrtensatire angelegt ist, in der Fortschrittsglaube und Kapitalismus ebenso karikiert werden wie überholte Strukturen in Universität und Gesellschaft.

Protagonist des Romans ist Prof. Richard Kraft, Nachfolger von Walter Jens auf dem Lehrstuhl für Rhetorik in Tübingen. Der brillante Wissenschaftler steht vor den Trümmern seiner zweiten Ehe mit Heike, zudem plagen ihn Geldsorgen, denn die großzügige Versorgungsregelung für seine Exfrau Ruth und die beiden Kinder frisst fast sein gesamtes Einkommen als Hochschullehrer auf. Als er von einem Freund an der Stanford Universität zur Teilnahme an einem wissenschaftlichen Wettbewerb im Silicon Valley aufgefordert wird, bei dem ein Preisgeld von einer Million Dollar ausgesetzt ist, sieht er darin die Lösung aller seiner Probleme, auch Heike rät ihm, unbedingt teilzunehmen. Dem Problem der Theodizee von Leibnitz folgend, sollen die Konkurrenten in einem höchstens 18minütigen Vortrag vor einer Jury eine schlüssige Antwort auf die Preisfrage geben: «Warum alles, was ist, gut ist, und wie wir es trotzdem verbessern können».

Während einer dreiwöchigen Vorbereitungsphase, im Lesesaal des Hoover Tower auf dem Campus von Stanford sitzend, sucht Kraft vergeblich nach einer zündenden Idee; ihm fehlt jedwede Inspiration, der von ihm zu begründende Zukunftsoptimismus überfordert ihn als Skeptiker. Immer wieder verliert er sich in Grübeleien über sein Leben, denkt an seine frühen Studententage und seine politischen Jugendsünden als neoliberaler Wirrkopf. Er rekapituliert seine wissenschaftliche Karriere, sinniert über sein permanentes Scheitern bei Frauen, bedauert die fehlende familiäre Bindung. Der Autor wartet mit einem Feuerwerk von Ideen auf, verarbeitet gekonnt die jüngere Zeitgeschichte in klug ausgewählten Episoden, deren interessanteste für mich das konstruktive Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt war. Er spart jedenfalls nicht mit beißender Gesellschaftskritik, die auch den ausufernden Digitalismus unserer Tage einschließt. Der Theodizee stellt er beispielsweise für die Finanzmärkte den von Joseph Vogl geprägten Begriff der Oikodizee gegenüber, die Entzauberung und damit allfällige Bändigung der Finanzmärkte. In einer furiosen Traumsequenz malt er schließlich sehr realistisch das Inferno eines schweren Erdbebens in San Franzisko aus, ein düsteres Szenario, in dem er trickreich das Schicksal seines gescheiterten Helden spiegelt.

Jonas Lüscher ist ein sehr genauer Beobachter, er schreibt hier äußerst leichtfüßig, aber aus kritischer Distanz, im Modus Modestiae, dem Autorenplural, uns Leser damit einbeziehend in seine Betrachtungen. Bei denen dann sein Held, satirischer Inbegriff des intellektuellen Schwaflers, so gar nicht gut wegkommt. Die Fülle an Gedanken, die da vor uns ausgebreitet werden, ist beeindruckend, viele kluge Reflexionen und philosophische Exkurse sind trotz des mokanten Erzähltons, in dem sie vorgetragen werden, zweifellos ernst gemeint und durchaus bereichernd. Mit einem bildungssatten Schreibstil in langen Schachtelsätzen unterstreicht Lüscher süffisant seinen ironischen Duktus. Auch wenn er dabei so manches Klischee bedient, wird er zu Recht als hochaktuelle Stimme gelobt, die ihresgleichen nicht hat in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Auf den Leser wartet ein anregendes, amüsantes und zweifellos auch intellektuelles Lesevergnügen.

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Kategorie: Roman
Verlag: C.H. Beck München

Gewalt als Gottesdienst

Christliche, jüdische und islamische Sekten sehen sich als Verlierer der Modernisierung. In Bürgerkriegen und terroristischen Konflikten kämpfen sie mit Selbstmordattentaten und anderen religiös verbrämten Gewalttaten um ihre Werte. So soll auch eine gottgefällige Weltordnung (wieder-)hergestellt werden.

„Nicht Religionen an sich bergen Gewaltpotenzial. Erst ihre Indienstnahme bei aktuellen Problemen, Demütigungen und enttäuschte Erwartungen bereiten den Boden für gewalttätige Religiösität,“ lautet das Fazit von Kippenberg.

Er ist Jahrgang 1939. Kippenberg studierte Theologie, Religionsgeschichte sowie semitische und iranische Sprachen in Marburg, Tübingen, Göttingen, Leeds und Berlin. Nach Promotion und Habilitation lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, Israel, den USA und den Niederlanden.

Das Buch ist eine Mischung aus religions- und politikwissenschaftlichen Ausführungen. Ausgebend von Ereignissen, die auch bei uns in Deutschland bekannt sind (beispielsweise der Palästina-Konflikt), erklärt Kippenberg modernen religiösen Fundamentalismus und Fanatismus.

Dies geschieht so leicht verständlich, anschaulich und spannend, daß auch der fachliche Laie den Ausführungen gut folgen kann. Die Ausführungen sind gut recherchiert und ansprechend dargeboten. Bedauerlich ist lediglich, daß es keinerlei Fotos gibt – optische Informationen fehlen also völlig. Leider.

Und dennoch: Wer die Verquickung von Politik und Religion in unseren Tagen verstehen möchte, wird um dieses Buch nicht umhin kommen. Es bietet viele nützlich Hintergrundinformationen.


Kategorie: Dokumentation
Verlag: C.H. Beck München

Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland

Das Sexualleben der Menschen im antiken Stadtstaat Athen bietet eine weite Bandbreite. Ausgehend von den überlieferten schriftlichen und bildlichen Quellen beschreibt das Buch, wie Hochzeit, Eheleben, Orgien, Bordellbesuche, päderastische Liebe und Liebeswerbung in der Praxis ausgesehen haben (könnten). Auch die Hintergründe und Konsequenzen werden hier angesprochen.

Das Buch ist nicht so sehr erotischer oder gar pornographischer Natur. Die kultur- und sittengeschichtliche Beschreibung steht im Vordergrund. Ausgehen von (leider nur) Schwarzweißfotographien werden hier die sexualbezogenen Sitten und Gebräuche im alten Athen dem Leser vorgestellt. Die Ausführungen sind nicht wertend, sondern so sachlich neutral wie möglich und geben den Wissensstand wieder, wie er sich für uns heute darstellt.

Die Autorin arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Archäologischen Institut in Frankfurt / Main über das Frauenbild in der Antike.


Kategorie: Kulturgeschichte
Verlag: C.H. Beck München

Lob der Peitsche

Kinder wurden früher mit dem Rohrstock gezüchtig, wenn sie ungezogen gewesen sind. Verbrecher und Ehebrecherinnen preitsche man aus. Religiös Verzückte geißelten sich selbst. Und Masochisten erleben sexuelles Vergnügen beim Ausgepeitschtwerden. Die Peitsche kann also aus verschiedensten Gründen zum Einsatz kommen.

Mit Populärwissenschaften oder gar platter Erotik hat dieses Buch überhaupt nichts zu tun. Das Pendel schlägt hier eher in die andere Richtung aus. Der Ansatz ist kulturhistorisch und kulturwissenschaftlich. Viel Psychologie und Theologie, teilweise auch medizinisch verklausulierte Sexualwissenschaften kommen hinzu. Largier beschäftigt sich ausführlich mit fachlich bedeutsamen Autoren. Er erklärt ihre Gedankenwelt und ordnet sich ein.

Beachtlich ist der Umfang der Zitate und zitierten Personen. Die Zahl der Bilder und Zeichnungen ist dezent zurückhaltend. So hinterläßt das Buch doch einen sehr wissenschaftlichen Charakter.


Kategorie: Kulturgeschichte
Verlag: C.H. Beck München

C. H. Beck 1763 – 2013

Der Verlag C.H.Beck ist ein deutscher Verlag in der Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft mit Geschäftssitz in München. Gegründet wurde er am 9. September 1763 von Carl Gottlob Beck.

Geleitet wird das Unternehmen in der sechsten bzw. siebten Generation von Hans Dieter Beck in den Bereichen Recht, Steuern und Wirtschaft, sowie von Jonathan Beck in den Bereichen Literatur, Sachbuch und Wissenschaft.

Am 9. September 2013 bestand der Verlag C.H.Beck seit 250 Jahren. Anlässlich des Jubiläums hat der Verlag Dokumentationen der Autoren Stefan Rebenich und Uwe Wesel veröffentlicht.

Mit 859 Seiten ist das Buch sehr umfangreich geraten. Es ist überwiegend eine Bleiwüste; Fotographien und andere Bilder fehlen also völlig.

Stefab Rebenich, der Autor, ist Jahrgang 1961. Er ist ordentlicher Professor für Alte Geschichte und Rezeptionsgeschichte der Antike an der Universität Bern. Neben Forschungen zu Theodor Mommsen, Adolf von Harnack, Gustav Droysen, Alfred Heuß und Friedrich Althoff ist er auch schon als Wirtschaftshistoriker in Erscheinung getreten.

Diesen beruflichen Hintergrund merkt man dem Buch leider auch sehr deutlich an. Die Geschichte des Verlages ist sehr umfangreich und detailliert wiedergegeben; für den wissenschaftlichen Laien wirkt dieser Umfang eher abschreckend. Was soll man mit diesen Informationen anfangen? Wer möchet das wissen? Hier wird auf wirtschafts- und unternehmensgeschichtlichem Niveau gearbeitet; auch wenn sich Rebenich um Verständlichkeit bemüht, beispielsweise Zitate einfügt, gehört die wissenschaftliche Welt eindeutig zur Zielgruppe bei den Lesern.

Dies ist schon ein wenig bedauerlich. Das allgemeine Publikum, das die Beck`schen Bücher schließlich kaufen soll, wird so außen vor gelassen. Sollte noch keine Unternehmensgeschichte extra für diese Zielgruppe geschrieben worden sein, müßte es nachgeholt werden.


Kategorie: Dokumentation
Verlag: C.H. Beck München

Geschichte des Kapitalismus

Der Kapitalismus wird seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten als das erfolgreicheres Wirtschafts- und Sozialmodell angesehen.

Joachim Kocka ist Professor i. R. für die Geschichte der industriellen Welt an der Freien Universität Berlin. Von 2001 bis 2007 war er Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.

Er beschreibt in diesem seinem Buch Entstehung und Ausbreitung des Kapitalismus insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert. Auch die Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelten werden hier beleuchtet.

Hier liegt ein wirtschaftswissenschaftliches Werk vor, das ein ideengeschichtliches wichtiges Thema behandelt. Die Ausführungen sind so fachlich und gründlich, wie es auf der überschaubaren Seitenzahl möglich.

Das vorliegende Buch gehört zum „Wissen in der Beck`schen Reihe“. Es bewegt sich dementsprechend auf einem inhaltlich hohen Niveau.


Kategorie: Dokumentation
Verlag: C.H. Beck München

Ökolexikon

Das Lexikon informiert nach Angaben der Inhaltsangabe „sachkundig und kritisch über alle zentralen Begriffe, Richtungen und Perspektiven der Ökologie“. Dafür gibt es über 800 Artikel. Zusammenhänge auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, Probleme und Lösungsmöglichkeiten werden vorgestellt.

Das Lexikon hat eher juristisch-politikwissenschaftlichen Charakter. Hier werden nicht Grüner Punkt und Blaue Tonne erklärt. Es geht eher um abstrakte und übergeordnete Themen. Es geht beispielsweise um Umweltpsychologie, die Klimarahmenkonvention, Kirche & Umwelt oder ökologische Dienstleistungen.

Ein solches Buch wendet sich also an Leser, die mehr kennen und verstehen möchten als das, was vor ihrer eigenen Haustüre geschieht. Grundkenntnisse werden nicht vermittelt, sondern vorausgesetzt.


Kategorie: Lexika und Nachschlagewerke
Verlag: C.H. Beck München

Geschichte der USA

Die USA sind ein relativ junger Staat, der seine Wurzeln im 18. Jahrhundert hat. Das vorliegende Buch möchte einen knappen Überblick von der Kolonialzeit bis in unsere heutigen Tage geben. Der Autor geht auf die politische und soziale Geschichte, aber auch einige Besonderheiten der Entwicklung des Landes ein.

Das Buch bietet einen groben Überblick über die Geschichte der USA. Historisch interessante Persönlichkeiten werden nicht näher vorgestellt, Orte nicht gezeigt. Bestimmte Themen (wie z. B. Indianer, Sport, Religion und Kultur) bleiben ausgespart.

Das Buch ist faktisch eine reine Bleiwüste.

Der interessierte Leser wird also zu weiterführender Literatur greifen müssen, wenn er mehr über die USA erfahren möchte.


Kategorie: Lexika und Nachschlagewerke
Verlag: C.H. Beck München

Killer, Krimis, Kommissare

Ist Mord eine erwähnenswerte kulturelle Leistung? Trägt das bewusste Beseitigen von friedlichen und ahnungslosen Mitmenschen zur Entwicklung unserer Kultur bei? Jörg von Uthmann, Autor der vergnüglichen und zugleich informativen Kulturgeschichte des Mordes, bejaht diese Fragen. Aus seiner Sicht sind Morde zwar unerquicklich für das jeweilige Opfer, sie haben aber auch ihre guten Seiten, denn sie beflügeln Kunst und Wissenschaft — die Mediziner, die den Kommissaren dabei helfen, die Killer zu fassen, die Schriftsteller, welche die Jagd in Krimis beschreiben, und die Filmemacher, die sie verarbeiten.

Mord und Totschlag gibt es, seitdem sich Menschen beneiden und miteinander in Streit geraten. Waren im Mittelalter die Richter noch auf Feuerprobe und Folter angewiesen, bei der nahezu jeder alles gestand, zählte es zu den Errungenschaften der letzten Jahrhunderte, wissenschaftliche Methoden zur Beweissicherung und Tatortuntersuchung gefunden zu haben. Mit den Möglichkeiten der Medizin, Gifte nachzuweisen, entwickelte sich die Spurensicherung über die Fingerabdrucktechnik bis hin zur modernen DNA-Analyse, mit der erstmals 1987 ein Mörder überführt werden konnte. Parallel dazu formten sich Kriminalpolizei und Gerichtsmedizin.

Jörg von Uthmann versteht es, die tatsächlichen Verbrechen mit ihren Widerspiegelungen in Literatur, Drama, Oper und Film in Bezug zu setzen und entwirft en passant eine Geschichte der Kriminalliteratur und ihrer Autoren ohne sich auf Theorienstreit einzulassen. Dass er konzentriert auf unseren westeuropäischen Kulturkreis blickt und im wesentlichen französische, britische, amerikanische und deutsche Fälle und Autoren schildert, mag als Manko der Skizze gelten. Interessant wäre es schon, die Entwicklungen in anderen Kulturkreisen vergleichend heranzuziehen, waren es doch beispielsweise die Chinesen, denen sehr viel früher als den Europäern die Einzigartigkeit des Fingerabdrucks bekannt war.

Der literarische Spaziergang ist mit leichter Hand geschrieben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er bietet aber eine vielseitige Einführung ins Thema und empfiehlt sich jedem, der ein wenig tiefer in die Welt der Kapitalverbrechen und ihrer künstlerischen Verarbeitung einsteigen möchte.


Kategorie: Sachbuch
Verlag: C.H. Beck München