Leaving Berlin

Leaving Berlin von Joseph Kanon

Leaving Berlin von Joseph Kanon

Januar 1949. Berlin liegt immer noch weitgehend unter Kriegsschutt und Trümmern begraben. Das Alltagsleben in den vier von den Besatzungsmächten errichteten Sektoren erholt sich mühsam. Ohne Schwarzhandel oder Beziehungen zu den Siegern lässt sich kaum ein halbwegs erträgliches Leben führen. Die Rote Armee hat einen eisernen Ring um die Stadt gelegt, im Minutentakt versorgen die Alliierten über eine Luftbrücke den Westen der einst so stolzen Reichshauptstadt. Stromausfälle gehören zum Alltag. Jeder bespitzelt jeden oder zieht Gewinn aus seinem Wissen über die Vergangenheit. Continue reading


Kategorie: Berlin, Spionageroman, Thriller
Verlag: C. Bertelsmann München

Belgravia

Belgravia von Julian Fellowes

Lady Mary ist glücklich, Lady Edith ist glücklich, Carson und Mrs Hughes auch, das vom Schicksal so gebeutelte Ehepaar Bates ist glücklich, wenn sie nicht gestorben sind und selbst Unter-Butler Thomas ist geläutert und belohnt. Alle sind glücklich, nur das Publikum nicht. Aus dem einfachen Grunde, dass eine der grandiosesten Fernsehserien der letzten Jahre zu einem unwiderruflichen Ende gekommen ist. Die Rede ist – natürlich – von Downton Abbey. Dieses einzigartige Vergnügen zu verdanken hatten wir in erster Linie Julian Fellowes, aus dessen Feder die epische Geschichte der Crawleys floss. Doch Abhilfe naht. Es gibt ein Trostpflaster und ein gar nicht mal so kleines:

Belgravia, der neue Roman des mittlerweile selbst in den Adelsstand erhobenen britischen Kultautors. Mit der Veröffentlichung wurden neue Wege beschritten. Belgravia ist als digitaler Fortsetzungsroman komponiert, eine Serie zum Lesen. In Deutschland wurde Belgravia seit Anfang Oktober digital in insgesamt 11 Folgen veröffentlicht und ist seit kurzem auch als kompletter Roman verfügbar, digital und klassisch.

Belgravia von Julian Fellowes

Belgravia ist seit dem Beginn der Industrialisierung der Londoner Stadtteil, der wie kein anderer für Luxus und adeligen Lebensstil steht. Dort leben Lady und Lord Brockenhurst, die ihren einzigen Sohn in der Schlacht von Waterloo verloren und deren Erbe nun der nichtsnutzige Neffe sein wird. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Oder besser gesagt, geschah. Denn es gibt ein Geheimnis, von dem sie lange nichts ahnen.

Die Geschichte um dieses Geheimnis nimmt seinen Anfang am Vorabend der Schlacht von Waterloo, in Belgien auf einem Ball der Herzogin von Richmond. Ein Ball, dem bis heute der Mythos des Legendären anhaftet. Auf der anderen Seite des Geheimnisses steht die Familie Trenchard, durch geschäftlichen Erfolg zu Geld und einem luxuriösen Lebensstil gekommen, allerdings nicht zu gesellschaftlichen Renommee. Denn zu Beginn des 18. Jahrhunderts steht man erst ganz am Anfang einer Zeit, in der sich die adelige Gesellschaft von Belgravia mit der der Emporkömmlinge und abschätzig als Kriegsgewinnler bezeichneten Neureichen überschneidet. Der Großteils des Romans ist der Aufdeckung eben jenes Geheimnisses gewidmet, ein Geheimnis, dessen Aufdeckung die Lebenswege aller Beteiligten unwiderruflich verändern wird.

Wer an die Vielfalt des Downton Universums gewöhnt ist, wird auch hier nicht enttäuscht. Alles da, alles drin: Die prunkvollen Häuser, Teenachmittage, Dinnerpartys, die Bediensteten, die mal loyal, mal intrigant in das Leben ihrer Dienstherren eingreifen. Liebe, Hass, Ehrgeiz, Intrigen, Mordversuche. Fellowes lässt auch in Belgravia nichts aus, gewohnt historisch genau, detailverliebt – nur, dass man sich den Film zum Geschehen diesmal selbst vorstellen muss. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Eine der Nebenwirkungen der Veröffentlichung in Episoden ist das Geühl, ein fast fertiges Drehbuch zu lesen.

Zunächst einmal profitiert aber der Roman davon, dass das Buch nicht in klassischen Kapiteln, sondern episodisch erzählt wird. Befreit von üblichen Kapitelbögen kann sich die Dynamik der Geschichte bestens entfalten, die Erzählung hat eine stark vorwärts treibende Kraft und lässt genug Platz für die von seinem Publikum so geliebte detailgetreue Zeichnung des Settings. Gleichzeitig liegt darin aber auch die Schwäche des Romans. Die Episoden konzentrieren sich zu sehr darauf, die Entwicklung der Geschichte voranzutreiben und vernachlässigen die Entwicklung der Charaktere.

Die handelnden Personen kommen über eine eindimensionale Ebene nicht hinaus, sie bleiben entweder grundgut oder unauflösbar böse. Die Entwicklung und Vielschichtigkeit der Charaktere war auch ein Grund mit für den enormen Erfolg von Downton Abbey und wird in Belgravia schmerzlich vermisst. Dennoch ist die Geschichte schön zu lesen, ein guter Schmöker für trübe Herbsttage und ein Trost für die trauernde Downton Abbey Fangemeinde. Denn in einem bleibt Fellowes sich treu. Die Zeit, eine Moral von der Geschicht‘ zu vermitteln, hat er sich genommen: Belgravia zeigt, wirkliche Liebe überwindet alle Hürden.


Kategorie: Belletristik, Gesellschaftsroman, Historischer Roman, Romane
Verlag: C. Bertelsmann München

Der Geist von nebenan

Langweilig sind die Sommerferien von Hannah. Sie mußte zuhause bleiben, während all´ ihre Freundinnen in ein Zeltlager gefahren sind. Doch dann zieht nebenan ein Junge ein. In der Folgezeit geschehen die merkwürdigsten Dinge. Hat Danny, der neue Junge in der Straße, etwas damit zu tun? Ihr neuer Nachbar beantwortet schließlich keine ihrer Fragen… Und er verschwindet auch immer auf seltsame Art und Weise…

Hier liegt Band 6 aus der Gänsehaut-Jugendbuchreihe vor. Trotz der zielgruppen- und altersgerechten Ausrichtung am Horror-Genre gehört das Buch nicht unbedingt zu den stärksten des US-amerikanischen Erfolgsautoren. Die Handlung ist nur mäßig spannend und auch ein wenig vorhersehbar. Es fehlt noch die erzählerische Dichte, die viele andere Geschichten von R. L. Stine ausmachen. Dies ist nur ein Buch für wahre Fans.


Kategorie: Kinder- und Jugendbuch
Verlag: C. Bertelsmann München

Der langsame Walzer der Schildkröten

Der_langsame_Walzer_der_SchildkrötenVor einem Jahr faszinierten uns die gelben Augen der Krokodile, in diesem Jahr nun dürfen wir mit Joséphine den langsamen Walzer der Schildkröten tanzen. Teil zwei der Erfolgssaga von Katharine Pancol um Joséphine Cortès und ihre bunt chaotische Familie ist da! Klare Warnung vorab: Es besteht erneut erhöhte Suchtgefahr!

Zwei Jahre, nachdem Joséphine überraschend zur Bestseller-Autorin avancierte, hat sich in ihrem Leben einiges verändert. Mit Zoé, ihrer jüngeren Tochter ist sie in einen noblen Stadttteil von Paris gezogen. Hortense, ihre Älteste, studiert in London und verfolgt äußerst zielstrebig ihren Traum von einer Karriere als erfolgreiche Modedesignerin. Iris, Joséphines gleichermaßen schillernde wie farblose Schwester, hat sich selbst in eine Nervenheilanstalt weggeschlossen, kann sie sich doch in der guten Pariser Gesellschaft nicht mehr blicken lassen. Keine gute Zeit für die geheime Liebe zwischen ihrem Mann und Joséphine. Auch Liebhaber Luca sorgt für Komplikationen. Josephine selbst tut sich schwer, mit den Ereignissen Schritt zu halten, ihr geht das alles zu schnell. Sie ist noch dabei, sich in ihrem neuen Viertel einzuleben, zudem sind es merkwürdige Nachbarn, die sie dort vorfindet. Schlimmer noch, sie sind nicht nur merkwürdig, sondern auch äußerst gefährlich – für ihr eigenes und das Leben ihrer Liebsten. Mehr kann hier an dieser Stelle über den Inhalt nicht verraten werden, ohne die Freude am Buch zu schmälern.

Leben und Schreiben gehen oft Hand in Hand.“ So sagt es Joséphine im Buch und bedauert dabei, dass heutzutage niemand mehr en Detail schreibe, niemand mehr sich richtig Zeit lasse. Katherine Pancol hat einen Roman geschaffen, der auch Joséphine gefallen würde. Denn genau das ist es, was den Stil der französischen Überraschungs-Erfolgsautorin ausmacht: Sie gibt einer Familiengeschichte Raum und Zeit, erzählt ihre Geschichten sorgfältig und mit großer Beobachtungsgabe aus, getragen von einer spürbaren, empathischen Liebe zum Leben und den Menschen. Auch der langsame Walzer ist wieder ein Schmöker im besten, traditionellen Sinne, mal bittersüß, mal fröhlich, gelegentlich auch grausam. An keiner Stelle gleitet Pancol ins Triviale, gerne aber ins Absurde, ja Phantastische. Aber ist es nicht genau das, was wir gerne lesen möchten? Gibt es Schöneres, als eine Geschichte erzählt zu bekommen? Gut erzählt zu bekommen, berührt von ihr zu sein, unterhalten, beglückt und gleichzeitig traurig. Eine Geschichte, deren Erzählerin das Kunststück fertig bringt, ihre Figuren bei aller Phantasie lebensnah so zu gestalten, dass man sich an jeder Stelle mit ihnen identifizieren kann.

Es ist ein ganzes Füllhorn wundersamer Überraschungen, die Katherine Pancol in die Waagschale des Buches wirft. Dazu bedient sie sich all jener Zutaten, die man seit jeher an guten Märchen schätzt. Es gibt die weiße Königin, die gute Fee, eine Hexe, einen schwarzen todbringenden Ritter, den Ritter in schimmernder Rüstung, böse Mütter und Stiefmütter, einen Fluch und den Tod als läuterndes Element, dazu Legionen von Nebenrollen und Nebenhandlungen. In diesem Sinne ist Katherine Pancol wohl so etwas wie die Scheherazade unserer Zeit. Eine Geschichtenerzählerin, die ein leidenschaftliches Plädoyer für das Leben hält und dafür, ihm eine Chance zu geben, sich langsam entwickeln zu dürfen. Sich wie Joséphine dem Tempo unserer Zeit, der Oberflächlichkeit und der Geltungssucht auch mal entziehen zu dürfen. So wie die Schildkröten, mit denen man einen Walzer auch nur langsam tanzen darf.

Teil zwei hält, was Teil eins versprach. Am Anfang kommt man schwer in die Geschichte hinein. Trotz der geschickt in Teil zwei eingebrachten Erklärungen und Verknüpfungen zu den gelben Augen ist es doch viel, was man aus seinem Gedächtnis kramen muss, um dem Roman folgen. Es empfiehlt sich daher meines Erachtens zwingend, die Trilogie in der entsprechenden Reihenfolge zu lesen. Es ist zwar möglich, den langsamen Walzer zu tanzen, ohne vorher in die gelben Krokodilsaugen geblickt zu haben, aber sicher nur der halbe Spaß.

Gespannt darf man sein auf Teil drei, dessen poetischer Titel: „Am Montag sind die Eichhörnchen im Central Park traurig“ neugierig macht, dem aufmerksamen Lesen aber auch schon ein klein wenig verrät, wer wohl im Mittelpunkt des dritten und letzten Teils steht.

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Kategorie: Romane
Verlag: C. Bertelsmann München

Die gelben Augen der Krokodile

Pancol_KDie_gelben_Augen_der_Krokodile_111265Es ist schon einige Zeit her, dass ein Bericht im Sonntags-Feuilleton über eine französische Neuentdeckung und eine nicht nur in Frankreich Erfolge feiernde Trilogie meine spontane Neugier weckte. Die Rede war von einem fein gezeichneten, mitreißenden Familienroman, einem echten Schmöker – genau das, was ich zu gerne lese und was mir allzu oft als übersteigerte, intellektuelle Selbstbeweihräucherung oder als Kitsch pur serviert wird. Zum Ende des Bücherjahres 2011 ist es soweit. Teil eins der Trilogie ist übersetzt und enttäuschte mich nicht. Auch in Deutschland kann man sich nun mit den gelben Augen der Krokodile in eine französische Sippe verlieben. 

Witzig und anrührend erzählt die Autorin Katherine Pancol ein modernes Märchen über eine Pariser Familie. Im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern, die schöne Iris und die komplexbeladene Josephine. Iris mit den vorstellbar blauesten Augen der Welt wird zwar von einem zwanghaften Geltungsbedürfnis getrieben, hat aber weder Lust noch Disziplin, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Josephine, frisch verlassen von ihrem nichtsnutzigen Ehemann, der mit einer Jüngeren skurrilen Selbstverwirklichungsideen hinterher jagt, ist Historikerin am Küchentisch, Expertin für das 12. Jahrhundert und schlägt tapfer die Alltagsschlachten einer alleinerziehenden Mutter. Die Geschichte der Schwestern dreht sich um einen Roman im Roman. Iris behauptet auf einer Soiree aus einer Laune heraus, einen Roman über das 12. Jahrhundert in Arbeit zu haben und kommt aus der Nummer nicht mehr heraus. Josephines Geldsorgen lassen sie ein unmoralisches Angebot ihrer Schwester annehmen. Sie schreibt den Roman, Iris veröffentlicht ihn unter ihrem Namen und vermarktet ihn erfolgreich nach allen Regeln medialer Kunst. Für Josephine ist das Schreiben zunächst nur ein Mittel zum Zweck, doch ihre neu entdeckte Kreativität verändert sie. Sie wird selbstbewusster, aufbegehrender, verliebt sich sogar und bekommt ihr Leben in den Griff. Iris aber erkennt im Strudel der nachfolgenden Ereignisse, dass es für sie schon zu spät könnte, um aus ihrem Leben mehr als eine Farce zu machen.

In diese Kernhandlung sind diverse Nebenhandlungen eingeflochten, nach und nach werden immer mehr Figuren und ihre Geschichten eingeführt  Ein gewagtes Unterfangen, doch dank der leichten, aber klaren Sprache der Autorin verliert der Leser nie den Überblick über die ganze Sippschaft und ihren eigenwilligen Dunstkreis. Katherine Pancol nutzt die Aschenputtel-Thematik, um mitreißend über Erfolg, Demut, Lüge, Verrat, Familien und das Leben zu erzählen. Ihre Charaktere und Geschichten sind gelegentlich so surreal und abstrus überzeichnet, dass man sich unwillkürlich fragt: Ist das nun wirklich so kitschig, fantastisch absurd oder spielt die Autorin hier gekonnt mit Klischees? Ihr sprachliches Niveau, der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, der immer wieder aufscheinende bissige Humor, all dies führt mich zu der Meinung: Katherine Pancol jongliert geschickt mit Klischees und Stilmitteln. Auf hohem Niveau gelingt es ihr, eine besondere Atmosphäre zu verdichten und ihre Charaktere tief emotional zu begleiten. Sie beweist augenzwinkernden Sinn für Alltagskomik – etwa, wenn es um Josephines Kinder geht, den schlussendlich nur noch trotteligen Ex-Ehemann oder um den liebenswerten Stiefvater und seine junge Geliebte. Die Schilderung französischer Lebensart und der boshafte Blick auf die Pariser High Society tun ihr Übriges, um dieses Buch zu einem besonderen Lesevergnügen werden zu lassen. Der Stilmix weckt Erinnerungen sowohl an den Filmklassiker „eine einfache Geschichte“ als auch an „die fabelhafte Welt der Amelie“.
Ich habe dieses Buch gerne gelesen. Endlich mal wieder ein Schmöker, der diesen Namen verdient, mit dessen Charakteren ich so mitgefühlt habe, dass ich gelegentlich der Versuchung nicht widerstehen konnte, vorzublättern, um wenigstens grob den Fortgang der Geschichte zu erfahren, bevor ich das Buch abends aus der Hand legen musste. Aber auch ein Buch, welches den an vielen Fronten kämpfenden Frauen unserer Zeit durchaus kathartische Erlebnisse beschert. Wenn nämlich genau die Frauen vom Karussell des Lebens fallen, die anderen schon immer auf die Nerven gingen und deren Leben unnötig noch schwerer machten.

Fazit: Wer gerne ohne Verzicht auf geistreiches Niveau in Familiengeschichten schmökert, ist mit den gelben Augen gut beraten. Ich jedenfalls freue mich sehr auf die sich laut Verlagsinformation in Vorbereitung befindlichen Teile zwei und drei der Trilogie, um schnellstens zu erfahren, wie es mit Josephine und ihren Lieben weiter geht.
Die Frage, was dies alles mit Krokodilen zu tun hat, werde ich hier übrigens nicht beantworten. Dieser Einfall ist viel zu skurril, fantastisch, überraschend und wirklich witzig, als dass ich ihn in einer Rezension vorwegnehmen werde.

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Kategorie: Romane
Verlag: C. Bertelsmann München

Anna und die Himmelsbriefe

Es ist Adventszeit. Die ersten Schneeflocken fallen. Die kleine Anna hat vor kurzem ihre Mutter verloren. Jetzt hat ihr Papa eine neue Freundin. Jette heißt sie. Sie ist Literaturagentin und möchte Annas Papa, der Schriftsteller und allein erziehend ist, bei der Suche nach neuer Arbeit unterstützen. Anna mag es nicht, dass Jette bald zu ihnen ziehen wird. Schon gar nicht will sie eine neue Mama, denn sie hat ja bereits eine, die nun im Himmel und damit immer bei ihr ist. Anna findet Jette zwar sympathisch, mehr jedoch nicht. Das Mädchen mag sich nicht damit anfreunden, ihren Papa teilen zu müssen. Viel lieber wünscht sich Anna einen Hund zu Weihnachten. Doch zum ersten Advent bekommt Anna einen Himmelsbrief, in dem ein Adventsengel ihr schreibt und Anna so vieles über Jette und ihre Kindheit erfährt. Weitere Briefe folgen. Anna glaubt zwar nicht an Engel, diese himmlischen Briefe aber fesseln sie.

Ingrid Uebe erzählt in dieser Geschichte, wie schwierig die Situtaion von Kindern allein erziehender Eltern ist, wenn diese neue Lebenspartner finden. Mit dieser Situation können sich gewiss auch Mitglieder von Patchwork-Familien identifizieren. Eifersucht und Unsicherheit, die Angst vor dem Neuen und Unvertrauten spiegeln sich in der Seele der kleinen Anna. Uebe erschafft in dieser Geschichte treffende Charaktere, Bilder und Schauplätze, um die Gefühle und komplizierten Lebensumsumstände Kindern glaubhaft zu vermitteln. Daneben gedeiht in dieser Erzählung eine feierliche, stimmungsvolle Atmosphäre der Vorfreude auf das Weihnachtsfest, die sich auch auf den Leser erstreckt und die Geschichte zu einem kurzweiligen, aber nachdrücklichen Lesevergnügen macht. Die Figuren sind von der Illustratorin Betina Gotzen-Beek mit viel Herz und Liebe zum Detail gezeichnet und die Chronologie der Engelsbriefe, die in grafischer Hinsicht wunderschön gestaltet sind und tatsächlich in das Buch eingearbeitet wurden, bildet einen passenden Rahmen für die Geschichte.


Kategorie: Kinder- und Jugendbuch
Verlag: C. Bertelsmann München

Die Aprilhexe

Ihre Schwestern können alles – laufen, sprechen, schreiben, singen, arbeiten, streicheln -, sie kann nichts davon. Desirée ist schwer behindert, ans Bett gefesselt, abgeschoben. Und doch ist sie freier als ihre Stiefschwestern, von denen sie erst spät erfährt. Sie kann das Universum und die Menschen durchschauen. Sie kann sie sogar manipulieren, kann in den Köpfen von Tieren und Menschen spazierengehen und so das Leben erleben. Freilich ist der Preis hoch. Desirée büßt weitere Funktionen ihres gepeinigten Körpers ein. Doch sie erreicht, daß ihre drei ungleichen Schwestern aufmerken und innehalten müssen in ihrem ausgefüllten Alltag. Christina, die einst so verängstigt und brav war und sich nun für ihre Familie und ihre Patienten aufopfert und doch weiter auf ihr eigenes Quäntchen Glück hofft. Margareta, das fröhliche, lesesüchtige Mädchen, das zu einer liebeshungrigen, nach außen starken Frau und wegen eines überwältigenden Sonnenaufgangs in einsamer Natur Physikerin geworden ist. Und Birgitta, die wilde, ungebärdige, weißblonde Schönheit, die den gefährlichsten Jungen der Stadt bezirzt hat und jetzt nur noch eine alte, kranke Alkoholikerin ist. Was ist geschehen? Drei Briefe bringen die Schwestern zusammen und in Aufruhr, rufen das Leben bei Ellen in Erinnerung, die für alle gesorgt hat.
Desirée will es wissen. Wie haben die anderen gelebt? Wer hat ihr Leben weggenommen? Sie befreit sich aus ihrem beengten Leib und taucht ein in des Dasein der anderen. Und: Sie gibt sich der Liebe hin, ihrer einzigen, ein einziges Mal.
Majgull Axelsson hat einen eindringlichen Roman voller Beklemmung und Überschwang geschrieben. Mit ihrer Kunst des Erzählens läßt sie magische Geschichten entstehen, die zwischen gestern und heute, Dichtung und Wahrheit schwingen. Sie zeichnet ein präzises und kritisches Bild ihrer schwedischen Heimat und geht doch weit über ein modernes Sittengemälde hinaus. Sie hebt die Grenzen zwischen Individuum und Gesellschaft auf und eröffnet ihren Lesern neue Räume jenseits der Realität.


Kategorie: Romane
Verlag: C. Bertelsmann München

Der Afghane

Bei einem Selbstmordattentat werden in London zahlreiche Menschen von Rucksackbomben getötet. Schon nach kurzer Zeit können die Mörder identifiziert und ihr Wohnsitz ermittelt werden. Bei der Durchsuchung der Wohnung stoßen die Ermittler auf Quittungen, die belegen, dass einer der Bewohner mehrere Billig-Handys gekauft hat. Diese Telefone werden allerdings nicht in der Wohnung gefunden, aber die Polizei kann die Nummern herausfinden und setzt diese auf eine Watchlist für den Fall, dass sie aktiviert werden sollten.

Monate später läutet eines dieser Telefone in Pakistan und ein Sergeant der pakistanischen Abhörabteilung hört das Gespräch mit. Der Anruf kann mit Peilgeräten geortet werden, und nach kurzer Zeit setzen sich pakistanische und britische Spezialisten in Bewegung, um eine Wohnung zu stürmen. In der Wohnung befinden sich fünf Menschen, von denen einer erschossen wird und drei verhaftet werden können. Die fünfte Person, der Anführer, wie sich später herausstellt, versucht zu entkommen, springt aus einem geöffneten Fenster, stürzt auf das Straßenpflaster und stirbt.

Bei der Auswertung aller Spuren wird ein Laptop gefunden und auf dem gibt es Notizen und Spuren zu Al Isra, der Plan zu einem Anschlag der al Qaida. Bei allen amerikanischen und britischen Geheimdiensten schrillen die Alarmglocken, doch niemand scheint von diesem Plan zu wissen oder gehört zu haben. Als letzte Möglichkeit bleibt nur die Chance, einen Agenten in das Terrornetzwerk einzuschleusen.

Mike Martin, ehemaliger Offizier und Spezialist, wird für diese gefährliche Mission ausgesucht. Kann er den Wettlauf mit der Zeit gewinnen und den Anschlag verhindern ?

Frederick Forsyth, ein meisterlicher Verfasser von spannenden Politthrillern, beschreibt kenntnisreich das Vorgehen der Geheimdienste, die Interessen der Großmächte sowie die Welt des Terrors.


Kategorie: Thriller
Verlag: C. Bertelsmann München