Gefährliches Doppel

An einem Sonntagmorgen wird in den Industrieanlagen am Alsumer Berg in Duisburg ein Toter aufgefunden. Er wurde offensichtlich Opfer eines Verkehrsunfalls – der Mann war mit seinem Fahrrad unterwegs. Die örtliche Polizei soll nun die Todesursache und Hergang des Geschehens feststellen. Unfall mit Fahrerflucht – auf den ersten Blick scheint das Urteil schnell festzustellen. Hauptkommissar Willibald Pielkötter wittert jedoch Mord.

Als Leser kann man sich auf verschiedene Art und Weise dem Roman nähern. Er ist auf gute Unterhaltung angelegt, die schnell und flüssig lesbar ist. Die Handlung ist aber auch ein wenig konstruiert. Bei einem harmlos aussehenden Verkehrsunfall mit Todesfolge macht sich die Duisburger Polizei nicht nur auf die Suche nach einem geflüchteten Fahrer. Der zuständige Hauptkommissar ist schnell der Ansicht, daß hier ein gezielter Mord vorliegt.

In der Folge wirkt die Handlung dann auch ein wenig überfrachtet. Das Opfer arbeitet in einer Firma, die noch mit Familienhand geführt wird. In dieser Familie gibt es prompt diverse dunkle Stellen – der Geschäftsführer, der zugleich Ehemann der Inhaberin ist, gerät so schnell in Verdacht. Auch eine eineiige Zwillingsschwester der Inhaberin kommt mit ins Spiel, ohne dass dieser Handlungsstrang zu Ende erzählt wird – schließlich kennen sich die beiden leiblichen Schwestern noch nicht einmal persönlich. Auch die Spielsucht des Geschäftsführers wird eigentlich nicht richtig behandelt, weil nur unzureichend erzählt.

Scharenberg hat inzwischen mehrere Kriminalromane um den Duisburger Hauptkommissar Willibald Pielkötter (ist das nicht ein herrlicher Name?) geschrieben. Die Bücher bauen inhaltlich aufeinander auf, was die persönliche und berufliche Entwicklung Pielkötters anbelangt. Dies hier ist der zweite Band. Hier werden erstmals die persönlichen Probleme in der Ehe Pielkötters angedeutet. In der Ehe mit seiner Frau Marianne kriselt es. Er lernt seine spätere Freundin kennen. Wir dürfen gespannt sein, wie dieser Teil der Handlung in den folgenden Büchern weitergeht.

Das Buch ist vom Verlag als „Duisburg-Krimi“ vorgestellt. „Stimmt,“ kann man da als Leser nur sagen: Die Handlung spielt in Duisburg. Qua definitionem spielt die Handlung in einer bestimmten Region, meist einer Stadt. Bezeichnend für einen Regionalkrimi ist ein mehr oder weniger mit seiner Heimat verbundener Ermittler. Oft werden regional typische Charaktertypen und Klischees verarbeitet. Lokalkolorit kommt hier bestenfalls am Rande vor. Die Handlung könnte auch in jeder x-beliebigen Stadt spielen.

Die Bedeutung des Titels ist nicht unbedingt ersichtlich. Bezieht er sich auf das Doppelleben des Geschäftsführers? Seine Tenniskarriere? Oder worauf? Ein wenig mysteriös ist er schon.

Ein Fazit ist bei diesem Buch schnell gezogen. Es bietet gute Unterhaltung, hätte inhaltlich aber besser sein können.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Prolibris Verlag Kassel

Die Sünderinnen

Willibald Pielkötter ist Kriminalhauptkommissar in Duisburg. Daß er sich bislang noch nicht an den Anblick von Blut gewöhnen konnte, ist in seinem aktuellen Fall nicht unbedingt von Vorteil – immerhin sucht er einen Mörder, der seine Opfer mit einem Dolch tötet: Allesamt Frauen, die sich von ihrem Göttergatten getrennt hatten. Ist es wohl Zufall, daß sie alle bei demselben Psychologen in Behandlung gewesen sind? Welche Rolle spielt dieser selbst sehr labile Therapeut?

Scharenberg ist in Duisburg aufgewachsen. An der Universität dort hat sie Chemie und Theologie auf Lehramt studiert. Seit dem Jahre 2004 veröffentlicht sie Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften. Die Autorin ist verheiratet, hat zwei inzwischen erwachsene Töchter und lebt in Moers.

Dies hier ist hier ihr erster Kriminalroman. Die (europäische) Kulturhauptstadt Ruhr 2010 war der Anlaß für dieses Buch. So verwundert es nicht, daß einige direkte Bezüge dazu vorhanden sind. Auch viel lokaler Flair in Bezug auf Duisburg ist hier vorhanden. Duisburger Leser werden die jeweiligen Orte der Handlung leicht wiedererkennen.

Die Handlung ist flott und gut lesbar geschrieben. In die Figur Pielkötter ist viel Humor hineingelegt. Die Handlung ist gradlinig und unkompliziert angelegt – sie bietet angenehmes Lesevergnügen.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Prolibris Verlag Kassel

Der Tod der Königskinder

Katja Sommer, Mitte Deißig und von Beruf Kriminalkommissarin, hat sich entschieden nach Rügen zu ziehen, in eine alte Scheune, die sie Stück für Stück herrichtet, um dort in Zukunft mit ihrem Sohn Patrick zu leben. Noch ist ihr zwölfjähriger Sohn in Köln bei Freunden geblieben, um ihm nicht die Umbaumaßnahmen und einen zu frühen Umzug zuzumuten. Seine Mutter möchte es richtig machen, obwohl sie die Entscheidung bereits selbst gefällt hat, ihren ehemaligen Freund und Dienststellenleiter Hauptkommissar Kai Grothe zu verlassen. Und dies tat sie so konsequent, dass sie sogar auf ihrer alten Arbeitsstelle in Köln kündigte und hier auf diese Insel zog, die doch eigentlich nur für die alljährlich wiederkehrenden, Erholung suchenden Touristenströme interessant ist.
Doch auch hier leben und arbeiten Menschen. Katja Sommer möchte zu ihnen gehören und findet sich gut in das ihr bereits von einem vorherigen Fall vertraute Ermittlerteam (siehe auch: „Und es wurde Nacht“ von Birgit C. Wolgarten) ein. Da ist der smarte, stets auf seine Wirkung auf Frauen bedachte, Sven Widahn, der gründliche Rechtsmediziner Dr. Majonika, sowie Konrad Vohwinkel, der Leiter der Spurensicherung; mit beiden letzteren Herren hat Katja Sommer schon einen feuchtfröhlichen Kneipenabend verbracht. Mit Sven Widahn verbindet sie bereits mehr und es fällt ihr oft schwer, sich von ihm nicht bei den Ermittlungsarbeiten in ihrem jetzigen Fall, durch seine testosterongesteuerte Art durcheinander bringen zu lassen.
Ihr jetziger Fall sind zwei junge Menschen, die recht offensichtlich einem ganz besonderen Täter unterlegen waren…
Während das Ermittlerteam sich auf die Suche nach dem Täter macht und scheinbar nur mühsam vorankommt, wird der Leser – vom ersten Wort an – mit dem Erleben und den Schilderungen des Täters konfrontiert. Die Autorin geht dabei sehr geschickt vor und lässt den (un)geübten Krimileser immer wieder in die Irre tappen. Die verdächtigen Personen aus dem Umfeld des jungen Liebespaares werden differenziert gezeichnet und man spürt als Leser schnell, das sind keine künstlichen Wesen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut mit ihrem bereits gelebten Leben, ihren Hoffnungen, ihren Enttäuschungen, mit ihren erfahrenen Verlusten, mit ihrem immer wieder aufflackernden Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe…

Letztendlich kann das Ermittlerteam um Katja Sommer den Fall der zwei Königskinder, die einander so lieb hatten, abschließen. Doch zurück bleibt der schale Geschmack von einem Täter, der sich in das Leben seiner Opfer einschlich und daraus höchste Befriedigung zog…

Für Katja Sommer ist der Umzug nach Rügen noch lange nicht abgeschlossen: ihr Sohn möchte lieber in Köln bleiben, Kai Grothe startet eine reumütige Versöhnungsaktion und Sven Widahn ließ bei einem Besuch in ihrer Scheune eine rote Rose zurück…
Das lässt den Leser hoffen, Katja Sommer bald wieder bei ihren durchweg spannenden Ermittlungen zu begleiten.


Kategorie: Kriminalliteratur
Verlag: Prolibris Verlag Kassel