Paläo-Art: Urzeittiere und Pulp-Dinos im Großformat

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paleoart_ju_d_3d_03421_1707131052_id_1128674Palaeo-Art: Das dreidimensionale Strukturencover lässt einen Dinosaurier ertasten, dessen Maul geradezu vor Blut trieft und Appetit auf noch mehr Urzeitgeschichte macht. Gleich die ersten Seiten hinter dem Hardcover-Cover sind ausklappbar und erreichen beinahe die Spannweite eines Urzeitvogels. Paläo-Art, das ist Geschichte in einem neuen Format erzählt, großformatig, bunt und spannend oder wie es Walter Ford im Vorwort nennt: „Das ist schon verwirrend, aber Paläo-Kunst ist keine Höhlenmalerei, das wäre paläolithische Kunst.“, letztere wäre tatsächlich schon „steinalt“, Paläo-Kunst hingegen ist gerade einmal 100 Jahre alt, wie auch der junge Walter Ford einst beim Spielen schmerzlich feststellen musste.

Palaeo-Art: Archiv der Illusionen

Die Paläo-Kunst ist eine zeitgenössiche Kunstform, die 1830 in England begann und die prähistorische Vergangenheit anhand von Knochen- und Skelettfunden rekonstruierte, um sich so ein Bild von der Altsteinzeit zu machen. Paläo-Künstler rekonstruierten dabei aber nicht nur die Urtiere, sondern ach die entsprechenden Landschaften. So wie sich die Menschen mit der Erfindung der Dampfmaschine vermehrt Gedanken über eine mögliche Zukunft machten, so konstruierten sie auch ihre prähistorische Vergangenheit mit Bildern von Tieren und Pflanzen, die zuvor noch nie ein menschliches Auge erblickt hatte. Walter Ford suchte also jemanden, der sich mit den künstlerischen Aspekten der Urzeit auseinandersetzte und fand Zoë Lescaze, die schon „riesige Wandbilder in Moskauer Museen, strahlende Ölgemälde in dunklen Lagerräumen in Tschechien und feine Aquarelle in Schubladen britischer Archive“ aufgestöbert hatte, noch bevor er von dieser Publikation zu träumen gewagt hatte.

Wahrheit: Kind ihrer Zeit

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit liegt nun in einer einzigartigen Publikation des TASCHEN Verlages vor, die wieder einmal alle Grenzen sprengt. „Dieses Buch strotzt vor Darstellungen, die in der hitzigen Aufregung überraschender Entdeckungen entstanden. (…) Es ist wie eine doppelte Zeitmaschine aus einem Science Fiction Comic, den ich als Kind geliebt hätte“ und als Erwachsener erst richtig zu schätzen weiß, möchte man hinzufügen. Anhand von Werken aus der Zeit von 1830 bis 1990 zeichnet die vorliegende Publikation die wundersame Geschichte der Paläo-Kunst nach und zeigt dass die Wahrheit immer auch ein Kind ihrer Zeit ist, denn viele Darstellungen sind dem jeweiligen Zeitgeist angepasst und sagen wohl genau so viel oder sogar mehr über ihre Zeit aus, wie über die Zeit des Abgebildeten. Dinosaurier im Stile des Fauvismus, vom Japonismus oder vom Jugendstil beeinflusst, viktorianische und sowjetrussische Urzeittiere ebenso wie Pulp-Dinos, albtraumhafte Monster oder majestätische Titanen. Ein Essay von Zoë Lescaze sowie eine Vielzahl beeindruckender Abbildungen und Illustrationen sowie vier Ausklappseiten im Riesenformat überzeugen nicht nur Paläo-Fans, sondern auch zeitgenössische Kunstkritiker.

Zoë Lescaze/Walton Ford

Paläo-Art: Darstellungen der Urgeschichte
Hardcover mit 4 Ausklappseiten, 28 x 37,4 cm, 292 Seiten
Ausgaben in Deutsch/ Englisch/ Französisch/ Spanisch
2017, TASCHEN
ISBN 978-3-8365-6584-4
75.-€

 


Kategorie: Dokumentation, Dystopie, Kulturgeschichte, Palaeo-Art
Verlag: Taschen Köln

The Frenchman

Nur eine Stunde lang stand Fernandel, der berühmte französische Filmstar mit dem markanten Pferdegesicht, dem im Amerika lebenden Fotografen Philippe Halsman anno 1948 Modell. Halsman, einer der Großen der amerikanischen Porträtfotografie, versuchte dabei ein fotografisches Experiment, indem er den Schauspieler bat, nur pantomimisch auf seine Fragen zu antworten. Es entstand ein feinfühliges Zwiegespräch ohne Worte, das zeitlos wirkt. Selbst ein halbes Jahrhundert später beschert es Freude, die anrührende Mimik und den poetischen Charme des lebhaften Franzosen im Pepitaanzug zu betrachten.

»Stimmt es, dass der Durchschnittsfranzose im Gedränge immer noch hübsche Mädchen kneift? …«, fragt der Fotograf, und Fernandel grinst als Antwort spitzbübisch bis über beide Ohren. Doch als er darauf erfährt: »… und wissen Sie, dass man sich mit einem solchen Verhalten hierzulande Gefängnis einhandelt?«, reagiert er derart erschreckt, als sei ihm gerade der Leibhaftige begegnet. Ob er wisse, dass ein Star seines Kalibers leicht ein gewaltiges Vermögen in Hollywood verdienen könne, will Halsman wissen. Fernandel mimt den aus seinen herrlichen Filmen bekannten Pater Don Camillo, breitet beide Arme aus, lächelt beseelt zum Himmel und hält sich mit weiteren Äußerungen zurück.

Fünfzig Jahre lang war das fotografische Interview mit Fernandel in seiner Rolle als typischer Frenchman vergriffen. Der Reprint schenkt eine lange Weile Heiterkeit, denn das Gesicht des weltberühmten Hobbyschauspielers aus Südfrankreich sagt viel mehr als tausend Worte.


Kategorie: Fotografie
Verlag: Taschen Köln