Bei Vollmond

Bei Vollmond: Scherenschnittkunst für Kinder und Erwachsene

Bei Vollmond: Scherenschnittkunst für Kinder und Erwachsene

Ein bestechend schönes Weihnachtsgeschenk könnte dieses wunderschöne Scherenschnittbuch über eine Vollmondnacht im Wald werden. Der Grafikdesigner Antoine Guilloppé, geboren in Chambéry in den französischen Alpen, legt ein beeindruckendes und überzeugendes Bilderbuch vor, das nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene begeistern wird. Passend zur herbstlichen und bald winterlichen Stimmung erzählt dieses wunderschöne Scherenschnittalbum von einer Vollmondnacht im Wald, die ein ganz besonderes Ereignis feiert. Was genau passiert wird hier aber nicht verraten, den die Spannung baut sich durch die schönen Bilder mit wenigen Worten so gut auf, dass sie hier nicht gespoilert werden soll.

Im Wald bei Vollmond …

Etwas Sonderbares geht jedenfalls vor sich, in diesem dunklen Wald. Alle Tiere629(3) des Waldes lauschen aufmerksam, ein Wolf öffnet seine Augen, Reineke Fuchs wird nervös und eine Wildschweinmutter grunzt durchs Unterholz. Ein nicht einzuordnendes Geräusch hat die Tiere des Waldes aufgeweckt. Der Vollmond steht in seiner ganzen weißen Pracht am Himmel und alle Tiere sind plötzlich still und lauschen gespannt in den Wald hinein. Was hat sie aufgeweckt? War es die Helligkeit des Vollmondes oder droht von irgendwoher Gefahr? Antoine Guilloppé zeigt alle Tiere des Waldes in Großaufnahme und man sieht sie vor sich, den Wolf, den Fuchs, einen Uhu, einen Hirsch, sogar eine Fledermaus huscht vorbei und ein Wildschwein grunzt einem flüchtendem Kaninchen nach.

… der Bär sich streckt

629(2)Doch dann tauch plötzlich der Bär auf. Was bringt er mit sich? Gefahr? Warum ist er so stumm, hat auch er Angst? Angst vielleicht ja, aber nicht um sich. Denn selbst die grobschlächtigsten Bestien haben ein Herz. Aber Bären sind keine Bestien. Was also hat er? Fühlt er? Eine Entdeckungsreise in den tiefen, tiefen Wald bei Vollmond, was kann es Schöneres zu entdecken geben? Antoine Guilloppé schafft es mit wenigen Worten aber großartigen Bildern die Sinne anzusprechen und sowohl Erwachsene als auch Kinder für eine weitere Entdeckungsreise zu begeistern.

Antoine Guilloppé
Bei Vollmond
Aus dem Französischen von Ana María Montfort
32.0 x 29.0 cm, gebunden mit SU, 40 Seiten mit 10 schwarz-weiß-Abbildungen
ISBN 978-3-86873-394-5
Knesebeck
24,95 €


Genre: Kinder- und Jugendbuch, Kunst, Scherenschnitt
Illustrated by Azur Verlag Mannheim, Reclam Verlag

Max und Moritz auf Wienerisch

Max & Moritz von Wilhelm Busch im Wiener Dialekt

Max & Moritz von Wilhelm Busch im Wiener Dialekt

Max und Moritz auf Wienerisch: Dass der Wiener Dialekt für Dichtungen aka Verdichtungen oder Mehrdeutigkeiten äußerst geeignet ist haben schon andere bewiesen. H.C. Artmann gehört sicher zu den besten Kennern seines Faches: der Wiener Dialekt. Aber ein bereits existierendes deutsches Werk ins Wienerische umdichten? Hat man das schon gehört?

Max und Moritz auf Wienerisch: Freche Frotzn ohne Rotzn

Hans Werner Skop zeigt schon beim ersten Streich der beiden „Frotz“ Max und Moritz, was in dieser wunderbaren Sprache alles steckt: mit dem Wort „spaunans“. Denn das bedeutet so viel wie „spannen“, aber eben auch „erkennen“. Es reiche aber nicht „blede Witz nur driber reißn/und si denken: Geh doch –fuat“, die Leerstellen kann man sich gerne selbst dazu denken, sondern es geht mehr darum Entsprechungen zu finden, die sich auch reimen. So etwa im fünften Streich, bei dem aus den Mäusen nicht die „Mais“, sondern die Rotzn – also Ratten – werden, denn das reimt sich eindeutig besser auf „Frotzn“.

A Buamgschicht in siebm Stickln

Was in bundesdeutschen Kreisen gerne belächelt und als „herzig“ abgetan wird, ist tatsächlich ein eigenes Universum für sich, das zeigt eben auch die Umdichtung von Wilhelm Buschs Meisterwerk „Max und Moritz“ aus dem Jahre 1865 in den Wiener Dialekt. Aus einer Strophe werde hier wörtlich zitiert, damit die werten LeserInnen sich ein Bild machen kann, was genau sie bei der Lektüre von XX erwartet: „Mauncher tuat si sehr vü au,/Daß er Hendln hoitn kau./Erschtens, d Eier san a Segn,/Wos de Piperln fleißig legn;/Zweitens mocht ma daun und waun/Si an Brotn in der Pfaun;/Drittens oba wern s aa grupft,/Daß ma d feinan Federn zupft,/Tuchantn und Poistern füt,/Weu ma si net gern verküht.“ Wer jetzt Angst bekommen hat, dass er nichts versteht, um was es hier geht, dem sei anvertraut, dass sich natürlich auch eine deutsche Übersetzung in dieser Publikation im Anhang befindet, denn die eigentliche – Wienerische – Erzählung ist natürlich bebildert. Die „Buamgschicht in siebm Stickln“ hätte vielleicht aber doch mit Anmerkungen auf derselben Seite bei ganz schwierigen Ausdrücken ergänzt werden können, da doch gerade die Etymologie und Narration eines Wienerischen Ausdrucks – wie es der Autor an zwei, drei Beispielen im Nachwort ja auch macht – den Hochgenuss dieser Lektüre noch verstärken hätten können. Wenn ich zum Beispiel lese „Des woa scho der zweite Wickl,/Glei kummts dritte Lausbuamstickl“, würde mich der Ausdruck Wickl doch sehr interessieren, der eben nicht „Wickel“ bedeutet, sondern „Kampf, Streit, Auseinandersetzung, Kapriole, etc.“ Aber nein, ich will natürlich „kaan Wickl“, sorry, bitte gerne…

Hans Werner Skop, Magistratsjurist a.D. bei der Stadt Wien, hat nicht nur vom Deutschen ins Wienerische übersetzt, darunter „Wienerisch is aa a Sproch“ (1979), „Sunst samma gsund“ (1984), „Wiener Woikerln“ (1991), „Wienerisches Adventkalenderbuch“ (2005) und „Wienerische Viechereien“ (2012), sondern auch vom Italienischen ins Deutsche: die (hoch)deutsche Terzinenfassung von Dante Alighieris Göttlicher Komödie, erstmals 1983 erschienen.

Hans Werner Skop
Wilhelm Busch
Max und Moritz auf Wienerisch
Übers.: Sokop, Hans Werner
2015, 79 S.
ISBN: 978-3-15-019286-3
Reclam Verlag


Genre: Dialekt, Dichtung
Illustrated by Reclam Verlag

Die Kunst der Liebe
by Ovid

OVIDOvids Liebestipps: „exue fastus, curam mansuri quiquis amoris habes“: Legt allen euren Stolz ab, alle, die Ihr Interesse an einer dauerhaften Liebesbeziehung habt, rät Ovid seinen Liebesschülern und es kommt noch dicker. Als „fairer Mittler“ gibt Ovid nicht nur einer Partei Waffen in die Hand, sondern „trainiert auch die andere Seite mit Ratschlägen“. Aus diesem Grund ist vorliegende amüsante Lektüre von beiden Seiten lesbar: die eine für die Männer, die andere für die Frauen. Wer Ovid deswegen Verrat an seinen Geschlechtsgenossen vorwerfen möchte, dem sei die aufklärerische Note seiner Schrift ans Herz gelegt. Denn obwohl Ovid seine Schrift „ars amatoria“ schon um Christi Geburt schrieb und veröffentlichte sind seine Ansichten bezüglich den Frauen durchwegs fortschrittlich zu nennen. Entgegen damaliger Vorstellungen gesteht er nämlich auch den Frauen Seitensprünge zu und verteidigt stets die erotischen und materiellen Interessen der Frau – wohl auch im Eigeninteresse. Seine fortschrittlichen Ansichten führten übrigens auch zur Verbannung und so verstarb er statt in seinem geliebten Rom am Schwarzen Meer.

gaudia Veneris – Ovids Freuden der Liebe

Lust ist für Ovid kein männliches Privileg und nur dann vollkommen, wenn nach dem Sex „Frau und Mann in gleicher Weise erschöpft da liegen“. Sein revolutionärer Aufruf zur sexuellen Gleichberechtigung der Frau bezieht sich durchaus auch auf verheiratete Frauen und nicht nur „leichte Mädchen“. Die Sittengesetzgebung eines Augustus war damals genauso ambivalent wie die heutige: die Mimen, die sich wirklich unflätiger Ausdrücke durften sich alles erlauben, aber ein Ovid, der die Oberschicht ansprach, wurde verbannt. Seine Tipps an die Frauen, niemals wütend zu sein, zu lächeln und stets sich dezent zu verhalten mögen von heutigen Feministinnen zwar mit Verachtung betrachtet werden, sind aber für das erotische Zusammenspiel der Geschlechter auch heute noch unerlässlich. „Auch Bildung kann sexy sein“, nennt Weeber ein Kapitel, das sich ganz den Strategien der Frau zur Eroberung widmet. So empfiehlt Ovid etwa immer zu spät zu kommen, denn das Warten wäre die stärkste Kupplerin – außerdem wären die Wartenden dann ja meist schon betrunken und man erscheine in noch besserem Licht. Auch das Trinken verwehrt er den Frauen nicht, aber es gelte wie bei den Männern: „qua patiens caput est animusque pedesque“, stets nur soviel wie Kopf und Verstand und Füße es vertragen. Er warnt zudem vor Schmeichlern, empfiehlt das Zappelnlassen und lobt zuletzt die Liebeskünste der Poeten –ebenfalls nicht ganz uneigennützig: „est deus in nobis et sunt commercia coeli; sedibus aehteriis spiritus ille venit“: Es wohnt ein Gott in uns; wir haben Verkehr mit dem Himmel , von ätherischen Höhen kommt zu uns der Geist.

Fall in Love – Täuschung und Enttäuschung

Auf der anderen Seite des Buches warten die Ovids Tipps für Männer mit scharfer Munition für den Geschlechterkampf auf. „To fall in love“, das sich aus dem lateinischen fallere ableitet, was so viel wie „täuschen“ bedeute. Tarnen und täuschen? Ja, aber eben auch, sich zu täuschen. Allzu viel Offenheit und Ehrlichkeit sowie schonungslose Transparenz seien in der Liebe alles andere als Erfolgsgaranten, rät Ovid und auch den Männern rät er Trunkenheit zumindest vorzutäuschen, nicht aber sich die Frauen schön zu trinken (sic). Auch der Mann müsse an seiner Bildung arbeiten, denn der Geist allein halte bis zum letzten Ziel des Scheiterhaufens durch, während die physische Schönheit zunehmend versiege. Besitze etwas, das mehr wert ist als der Körper!, rät er seinen Lesern. Einen jeden Fehler durch den benachbarten Vorzug zu verbergen, schade ebenfalls nicht: nenne Dicke vollschlank und Kleine handlich u.ä. „Helenen ego criminie solvo“ (Ich spreche Helena von Schuld frei) wäre zusammenfassend die Formel von Ovids Liebeskunst: Menelaos sei selbst schuld, dass Helena ihn mit Paris betrog. Wäre er nicht in den Krieg gezogen, hätte sie ihm keine Hörner aufgesetzt. Warten lassen kann also durchaus die Begierde und Sehnsucht steigern, aber wer zu lange wartet, den bestraft das Leben. Ad metam properate simul: tum plena voluptas, cum pariter victi femina virque iacent: Eilt gleichzeitig zum Ziel! Dann ist die lust vollkommen, wenn Frau und Mann in gleicher Weise erschöpft da liegen. Eben!

Karl-Wilhelm Weeber fasst die Kunst des Liebens von Ovid auf amüsante Weise zusammen und zeigt, dass es auch vor 2000 Jahren nicht viel anders zuging im Geschlechterkampf. Gerichtet an Liebhaber und Liebhaberinnen, Geliebte und eventuell auch an Eheleute: Denn es ist nie zu spät.

Karl-Wilhelm Weeber
Die Kunst der Liebe. Ovids Tipps für Frauen/ Ovids Tipps für Männer
Wendebuch. Paperback. Format 12,5 x 20,5 cm
Originalausgabe, 144 S. ISBN: 978-3-15-011141-3
Reclam Verlag


Genre: Antike, Liebe, Ratgeber
Illustrated by Reclam Verlag