Als ich unsichtbar war – eine wahre Geschichte über einen Jungen, der elf Jahre als hirntot galt

Als ich unsichtbar warMartin Pistorius, geboren 1975 in Johannisburg, war zwölf, als eine rätselhafte Erkrankung ihn aus seinem Leben riss. Elf Jahre blieb er gelähmt, seine Familie und die Ärzte gingen davon aus, dass er geistig auf dem Stand eines Babys war. Er konnte sich nicht verständigen und war doch innerlich hellwach. Niemand merkte, dass sein Gehirn sich vollständig erholt hatte. Seine Rettung verdankte er dem Zufall. 2001 konnte er mithilfe eines Computers wieder kommunizieren.
Ausschnitt aus dem Buch:

PROLOG

Im Fernsehen läuft wieder mal Barney, der Dinosaurier. Ich hasse Barney – und diese scheußliche Erkennungsmusik. Sie wird zur Melodie von ›Yankie Doodle Dandy‹ gesungen.

Auf dem Bildschirm sehe ich, wie Kinder in die ausgebreiteten Arme des riesigen violetten Dinosauriers hüpfen, hopsen und springen, und danach schaue ich mich in meinem Zimmer um. Die Kinder hier liegen regungslos auf dem Boden oder sitzen zusammengesunken auf ihren Stühlen. Ein Gurt hält mich aufrecht in meinem Rollstuhl. Mein Körper ist genau wie bei den anderen ein Gefängnis, dem ich nicht entrinnen kann: Wenn ich sprechen möchte, bleibe ich stumm, wenn ich meinen Arm bewegen will, gehorcht er mir nicht.

Es gibt nur einen Unterschied zwischen mir und den anderen Kindern: Mein Verstand ist hellwach. Er schlägt Purzelbäume und macht Saltos in dem Versuch, seine Fesseln zu sprengen und einen Feuerstrahl prachtvoller Farben in meine graue Welt schicken zu können. Doch niemand weiß davon, da ich es niemandem erzählen kann. Die Leute meinen, ich sei eine leere Hülle, weil ich hier seit neun Jahren tagaus, tagein sitze und mir Barney oder Den König der Löwen reinziehen muss; und als ich dachte, schlimmer könne es nicht kommen, kreuzten auch noch die Teletubbies auf.

Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, doch meine Erinnerungen an die Vergangenheit beginnen erst mit jenem Moment, in dem ich wieder zum Leben erwachte und aus irgendeiner Welt auftauchte, in der ich mich verloren hatte. Es war, als blendeten mich plötzlich Blitzlichter in der Dunkelheit. Ich hörte Leute über meinen sechzehnten Geburtstag reden und darüber diskutieren, ob sie mir die Bartstoppeln abrasieren sollten. Mir machte Angst, was ich da mit anhören musste, denn obgleich ich mich an nichts erinnern konnte und keine Vorstellung von der Vergangenheit hatte, war ich mir sicher, ein Kind zu sein, und die Leute unterhielten sich über einen Menschen auf der Schwelle zum Mann. Langsam wurde mir jedoch klar, dass sie mich meinten, genauso wie ich zu begreifen begann, dass ich eine Mutter und einen Vater, einen Bruder und eine Schwester hatte, die ich jeden Abend zu Gesicht bekam.

Haben Sie mal einen dieser Filme gesehen, in dem jemand als Geist aufwacht, aber die Menschen haben keine Ahnung davon, dass sie längst gestorben sind? So war das, als ich mitbekam, wie die Leute durch mich hindurch und an mir vorbei schauten, und ich verstand nicht, weshalb. Ich konnte anstellen, was ich wollte, ich konnte betteln und bitten, schreien und brüllen – durch nichts brachte ich sie dazu, Notiz von mir zu nehmen. Mein Geist war in einem nutzlosen Körper gefangen, Arme und Beine waren außer Kontrolle, meine Stimme blieb stumm. Ich konnte weder Zeichen noch Geräusche von mir geben, um irgendjemanden wissen zu lassen, dass ich das Bewusstsein wiedererlangt hatte. Ich war unsichtbar – der Geisterjunge.

Als ich unsichtbar war: Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der 11 Jahre als hirntot galt von Martin Pistorius

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Der Autor hat (s)eine Art Biografie geschrieben, die (mich) sehr berührt. Da ist ein junger Mann, der durch eine unbekannte Krankheit mit zwölf Jahren bewusstlos wird – und viele Jahre als hirntot gilt. Ärzte sind der Ansicht, dass der Junge keine Heilungschancen hat. Doch die Eltern kämpfen für ihren Jungen. Eines Tages wacht der Junge auf, kann aber, außer mit den Augen, kein Lebenszeichen von sich geben. Er bekommt alles mit, was mit ihm und auch rundherum geschieht. Erst als eine Pflegerin ihn als (lebenden) Menschen sieht und meint, in ihm stecke mehr als ein hirntoter junger Mann, wendet sich das Blatt.

Dieses Buch hat mich sehr berührt. Ich weiß nicht, ob man so etwas denken oder fühlen darf, aber ich habe eine große Hochachtung vor Martin Pistorius, wie er sich ins Leben zurückkämpft. Aber auch vor seiner Familie, die ihn nie aufgegeben hat und vor den Menschen, die ihm ‚zugehört‘ haben.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das man nicht mehr loslässt, hat man erst einmal angefangen, es zu lesen.

Martin Pistorius: Als ich unsichtbar war: Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der 11 Jahre als hirntot galt
Taschenbuch: 344 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 9 (17. Dezember 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404603567
ISBN-13: 978-3404603565
Originaltitel: Ghost Boy


Genre: Erfahrungen
Illustrated by Bastei Lübbe

Papa fertig! Mein Leben als Vater

Papa fertigIch habe das Buch gelesen und kam zum Teil nicht mehr aus dem Lachen raus.

Magdi Aboul-Kheir erzählt sein Leben als Papa mit viel Humor, wobei er sich als Erziehender gerne auch selbst auf die Schippe nimmt. Sei es zu Themen, wie man seinen Kindern beibringt, wie man ein guter Verlierer wird, sei es, warum man lieber nicht in Gegenwart von Kindern mit Kraftausdrücken um sich wirft, sei es, wie man seinen Kindern erklärt, welches Benzin man für (s)ein Auto braucht, usw. usf.. Immer beschreibt er gleichzeitig seine eigenen kleinen Schwächen, die ihn sehr sympathisch machen.

Ich dachte oft bei diesem Buch: ‚Das kenn ich doch!‘ und musste unwillkürlich schmunzeln. Dieses Buch ist für jeden – und nicht nur für Papas – geeignet, der die Kindererziehung mit einem zwinkernden Auge betrachtet, sich selbst als Elternteil nicht zu ernst nimmt oder mit einem Lächeln an die Kindheit der eigenen Kinder zurückdenkt.

Magdi Aboul-Kheir, Papa fertig!: Mein Leben als Vater
Verlag: Egmont Vgs (15. März 2010)
Sprache: Deutsch, 140 Seiten
ISBN-10: 3802537041
ISBN-13: 978-3802537042


Genre: Erfahrungen, Humor und Satire
Illustrated by Egmont VGS

Buchland

Buchland„Am Anfang stand das Wort“ – „Am Ende steht ein Punkt.“

Eine aussterbende Straße, wo kleine Geschäfte von großen Märkten verdrängt werden. Nur ein Geschäft bleibt bestehen, nämlich Herr Planas Bibliothek. Von außen unscheinbar, von innen ein wahres Wunderland voller Bücher, mehr, als man als Kunde wahrnimmt. Auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice, die eine neue Anstellung bei Herrn Plana annimmt, ahnt nichts von all dem, was sie in diesem Buchland erwartet …

Ich kannte den Autor Markus Walther, bei Blog.de bekannter als Zitatus, bereits durch seine Kurz- und Kürzestgeschichten und war sehr gespannt auf sein erstes ‚richtiges‘ Buch mit nur einer Geschichte.. Ich muss sagen, dass die Neugier auf sein Werk nicht enttäuscht wurde. „Buchland“ – einen treffenderen Titel, um das Buch vorzustellen / zu beschreiben, hätte Markus Walther nicht wählen können. Wenn Plana, Besitzer einer Bücherei (was für eine Untertreibung), seine neue Angestellte Beatrice durch das Buchland führt, hat der Leser das Gefühl, er wird mitgenommen. Man sieht die vorgestellten Bücher vor seinem geistigen Auge, man hat so etwas Ähnliches wie jede Menge ‚Aha‘ Erlebnisse, wenn man Namen wie Edgar Allen Poe, Goethe, aber auch Namen wie Cornelia Funke oder Hape Kerkeling liest. Auch habe ich noch nie so viel Zitate in einem Buch wiedergefunden/erkannt, die dazu auch noch so miteinander verbunden sind, dass daraus eine flüssig zu lesende Geschichte entsteht.

Dieses Buch strotzt nur so vor Liebe zu Büchern und deren Autoren, dass einem das Herz aufgeht. Ich denke, jeder, der gerne Bücher liest oder gar schreibt, wird sich ein Stück in diesem Buch wiederfinden.

Fazit: Sehr empfehlenswert!

Ich hoffe, dass Markus Walther noch mehr so großartige Bücher schreiben wird. Die letzten Worte des Herrn Plana macht Mut. Dazu ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch:

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„Nein.“ Bea klagte nun um mich, so wie sie eben noch um Ingo geweint hatte. Ich mühte mich, ihr etwas Tröstliches zu sagen: „Dies ist vielleicht nur der Band einer größeren Geschichte. Wer weiß? Mit etwas Glück gibt es eine Fortsetzung.“
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Dann hoffe ich mal, dass der Leser das Glück hat, mehr von Markus Walther zu lesen.

Broschiert: 239 Seiten
Verlag: Acabus; Auflage: 1 (März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862821862
ISBN-13: 978-3862821860


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen
Illustrated by Acabus

Mandergrimm – Das Buch der Magoi

MandergrimmIn diesem Buch geht es um einen jungen Kobold namens Nimrod, der sich in Aura, eine Elfe verliebt. Doch leider ist Aura bereits Jaris, einem auserwählten Mann des bösartigen Königs versprochen worden. Zudem kommt noch hinzu, dass ein Kobold, der sich zu der Liebe zu einer Elfe bekennt, grundsätzlich mit dem Tode bestraft wird. Jedoch ist Nimrod so leicht nicht zu töten. Doch schafft er es auch, seine Liebste aus den Händen von dem machthungrigen Günstling des bösartigen Elfenkönigs zu retten? Dazu muss er es erst einmal schaffen, den riesigen Grimwald mit all seinen Widersachern und weiteren unerwarteten Gefahren zu überwinden; den Wald, aus dem vor Jahren bereits sein Vater nicht mehr wiederkehrte. Denn der Grimwald gibt niemanden mehr her, den er erst einmal gepackt hat … Continue reading


Genre: Märchen, Sagen und Fabeln
Illustrated by Selbstverlag