Venedig

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Als seine Mutter stirbt, findet ein Mann in ihrem Nachlass eine hübsch lackierte Briefschatulle, in der handgemalte Postkarten und alte Fotos mit Motiven aus Venedig aufbewahrt worden sind. „Ein Foto vom Markusplatz hat es mir besonders angetan“ – weswegen die Hauptfigur beschließt, auf den Pfaden seiner Mutter und seinen Großeltern durch Venedig zu reisen.

„Der Aufbruch ist nichts anderes als der Beginn einer Reise nach Hause.“ Dieser in Italienisch an eine Hauswand gepinselte Spruch ist der Schlüsselsatz des neuesten Mangas von Jiro Taniguchi, der einen japanischen Mann auf der (Spuren-)Suche nach den eigenen Wurzeln zeigt. So heißt es denn auch: „Ich folge den Spuren meiner Großeltern“, genauer denen seines Großvaters, denn über seine Großeltern und die Jugend seiner Mutter weiß die Hauptfigur nichts. Die Suche nach den Wurzeln ist gleichzeitig eine Selbstfindungsreise, wie sie Taniguchi z.B. auch in „Der spazierende Mann“ thematisiert hat: „Ich […] schlendere ziellos durch die Gegend“. Aber genau deshalb fügen sich die Puzzleteile seiner Vergangenheit und damit seines Selbst zusammen, denn gerade dieses Schlendern ermöglicht ihm neben überraschenden Momenten Schlüsselerlebnisse, um tiefer in das Leben seines Großvaters einzutauchen. Die Hauptfigur macht einen zufriedenen, ja glücklichen Eindruck, in Venedig zu sein: „Es hat eine gewisse Magie für mich, hier zu sein.“ Immer wieder mischen sich die alten Bilder und Postkarten mit den neuen Eindrücken, die ebenfalls wie Postkartenmotive, Gemälde oder Schnappschüsse anmuten und das Leben des neuen Venedig neben das des alten stellen. Es werden Impressionen gezeigt, Augenblicke, keine zusammenhängende Geschichte, die noch viele Fragen offenlassen, aber dennoch Einblicke in die Familiengeschichte der Hauptfigur geben. Wasserspiegelungen als Spiegel der Realität, aber auch des Selbst. Möwen, die ein Panel füllen und aus dem gegenüberliegenden herauszufliegen scheinen. Eine Szene, die eine Erinnerung auslöst. Essensszenen, die an „Der Gourmet“ erinnern. Das Gemalte unterstreicht wie immer die Geschichte vorzüglich. „Du bist hier, drum bin ich auch hier, das weiß ich nun.“, heißt es gegen Ende des Mangas, der die Suche mit einem emotionalen Brief seines Großvaters an seine Frau abschließt.

Eingestimmt werden die LeserInnen mit großformatigen Venedig-Gemälden. Sind das Bilder des Großvaters? Man erfährt es nicht, zumal diese Bilder zeitlos wirken. Entlassen wird man mit Erklärungen, welches Panel welchen Ort in Venedig zeigt und mit einem Nachwort Taniguchis, in dem er die Entstehungsgeschichte seines neuesten Werks nachzeichnet. Einziger Wermutstropfen gerade für weibliche Leser: Taniguchi erzählt aus der Sicht des Mannes; Frauen haben wie meist in seinen Werken, leider nur eine nachrangige Bedeutung. Man erfährt kaum etwas über die Ehefrau der Hauptfigur, man erfährt nicht, warum er sie nicht nach Venedig mitgenommen hat, ob sie diese Reise billigt oder ob sie (wie in „Der Spazierende Mann“) keine Gelegenheit hat, aus Rollenklischees und Alltag auszubrechen. Das macht fast nur der Mann. Schade.

Insgesamt aber empfehlenswert, denn der Manga bietet wie immer Tiefgründigkeit im Alltag und lässt Spielraum für die eigene Fantasie der Leserinnen.


Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Lucky Luke: Das gelobte Land (Bd. 95)
by Achdé

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Jack Loser bittet seinen Freund Lucky Luke, seine jüdische Familie auf ihrem Weg nach Montana zu begleiten und zu beschützen. Gleich nach der Ankunft merkt Lucky Luke, dass die strenggläubige Familie nicht so recht in den rauen wilden Westen passen will. Allein die Verköstigung, die alles andere als koscher ist, stellt den hartgesottenen Cowboy mitten in der Prärie vor ungeahnte Herausforderungen, ganz zu schweigen von den „gefilte Fisch“ der Mame, von denen Luke Alpträume bekommt. Als wäre das nicht genug, muss sich Luke gegen die Heiratsabsichten der Sterns wehren, die ihn mit ihrer Enkelin verkuppeln wollen. Last but not least heften sich Banditen auf Lukes Fersen, die den Schatz der Sterns rauben wollen. Aber es gibt auch erfreuliche Momente, die die Sterns mit dem Wilden Westen versöhnen: Die Begegnung mit den Kri-Indianern verläuft so harmonisch, dass die Sterns glauben, einen der verlorenen Stämme Israels wiedergefunden zu haben.

Der neue Band wartet nicht nur mit einer amüsanten, sondern auch einer interessanten Geschichte auf, die voller hintersinniger Anspielungen steckt und den jüdischen Glauben (sowie dessen Geschichte) den LeserInnen gleichzeitig näher bringt, diesen aber auch (zusammen mit den rauen Sitten des Wilden Westens) liebevoll konterkariert. Da streckt unverhofft Albert Einstein als Auswandererkind seinem Hintermann die Zunge raus, die deutsche Übersetzung ist voll von jiddischen Wörtern, Juden als das „Volk des Buches“, jiddisches Liedgut – all das wird wie nebenbei eingebaut und verfehlt seine (herzlich-humorige) Wirkung nicht. Der neue Szenarist Jul hat ganze Arbeit geleistet; hoffentlich ist er auch bei den kommenden Bänden dabei. Als kleines Extra bietet der Band kurze Infos zu Lucky-Luke-Erfinder Morris und zu den Juden im Wilden Westen.

Fazit: Uneingeschränkt empfohlen!


Illustrated by Egmont Ehapa

Rainbow Days 1-3

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Inhalt Band 1-3: Natsuki möchte seiner Freundin gefallen und gibt für sie viel Geld aus. Aber zu Weihnachten stellt er fest, dass er ihr nur etwas Günstiges kaufen kann. Er entscheidet sich für einen preiswerten, aber schicken Schal. Der aber kommt bei ihr leider gar nicht gut an. In seiner Trauer über den misslungenen Heiligabend schenkt er den Schal einer Fremden – und stellt ein paar Tage später fest, dass sie ihn trägt und auch noch an derselben Schule ist, die er besucht! Seitdem ist Natsuki an ihr interessiert, aber da seine Angebetete recht kühl und unnahbar ist und er außerdem ein paar peinliche Auftritte bei ihr hinlegt, läuft es erstmal nicht so gut. Trotzdem gibt Natsuki nicht auf, denn er will bei Anna unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen. Außerdem kann er auf die Unterstützung seiner Freunde zählen, die ihn immer wieder aufmuntern. Währenddessen findet Frauenaufreißer und Schönling Tomoya Annas Freundin Mari süß. Da er gewohnt ist, dass die Mädchen ihn toll finden, rüttelt ihn Maris aggressives Verhalten Jungen gegenüber wach. Er will wissen, warum sie so ist und ihr näherkommen. Das ist bei Maris Kratzbürstigkeit aber alles andere als einfach. Außerdem scheint sich Mari in Anna verliebt zu haben. Natsuki hat derweil Ärger mit einem Jungen, der ihn schon früher drangsaliert hatte. Außerdem steht das Schulfest an, das auch in Liebesdingen geplant sein will. Weil Natsuki schlecht nein sagen kann, muss er jetzt an einen Wettbewerb teilnehmen, an dem sich Jungen und Mädchen als das jeweils andere Geschlecht verkleiden. Der Haken: So kann er seine Verabredung mit Anna nicht einhalten. Als endlich die Sommerferien da sind, werden diese doch nicht so entspannt wie gedacht, denn Natsuki, Tomoya und Keiichi müssen wegen ihrer schlechten Noten in den Förderunterricht gehen. Als Belohnung für all den Stress wollen sie sich einen Tag am Meer gönnen. Tsuyoshis Freundin Yukiko bekommt Wind davon und will mit ihren Freundinnen mit ans Meer kommen. Das wirbelt die Planungen der Jungen ganz schön auf. Natsuki allerdings will die Gelegenheit nutzen, Anna ein Liebesgeständnis zu machen, aber wie immer läuft alles schief. Bei Keiichi scheint es besser zu laufen: Er begegnet endlich einem Mädchen, das seine speziellen Vorlieben in Liebesdingen teilt.

Dieser Shojo-Manga ist insofern ungewöhnlich, als dass er die Liebes- und Freundschaftsgeschichten aus der Sicht der Jungen erzählt (und damit auch für eine männliche Leserschaft interessant wird). Der etwas rauere Umgangston zwischen Jungs nach dem Motto „hart aber herzlich“ ist gut getroffen. Situationskomik kommt auch nicht zu kurz (z.B. die Verkleidung als das jeweils andere Geschlecht). Andeutungen über weibliche Homosexualität gibt es auch, da Mari Anna offensichtlich anhimmelt und eifersüchtig auf jeden Jungen reagiert, der sich ihr annähert. Leider baut der Manga ein ärgerliches Klischee ein, das es auch in Mangas über homosexuelle Liebe zwischen Frauen gibt: Mari verlegt sich deshalb auf Frauen, weil sie schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat. Homosexualität wird damit nicht als etwas Natürliches gesehen (sie kommt seit Menschengedenken und sogar im Tierreich vor), sondern als etwas, das sekundär ausgelöst worden ist. Damit wird eine mindestens verfremdende, eigentlich schon falsche Sicht auf Homosexualität geboten. Sehr schade. Mal abgesehen davon ist der Manga aber gelungen, denn er zeichnet ein heiteres Bild der Schulzeit und der ersten Liebe, ohne die Problem(chen), die dabei auftauchen, zu verschweigen. Damit bietet er Identifikationspotential für seine LeserInnen. Extras: Sticker, Zusatzmangas, Kalender (dieser stimmt bzgl. der Tage im Monat März nicht).


Illustrated by Egmont Ehapa

Kikaninchen Magazin

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Das neue Magazin „Kikaninchen“ (Ausgabe 1) für Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren entspricht im Großen und Ganzen den Erwartungen, die man als Eltern an ein solches Magazin stellt. Das als Extra beigelegte und teilweise auszuschneidende Angelspiel war für meinen Sohn (5 Jahre) sofort interessant, wobei er es (in diesem und jüngerem Alter typisch) ein wenig entfremdet hat. Nicht schlimm, Hauptsache, es macht Spaß, zumal die Mama mitmacht. Eigentlich ist das sogar ein Pluspunkt, denn je multifunktionaler Spielzeug ist, desto vielfältiger, interessanter und anregender ist es auch. Nur für Kleine ist das Angelspiel zu diffizil; es würde wahrscheinlich bei deren grobmotorischen Fähigkeiten schnell kaputtgehen. Die Geschichte vom Laster und Schneemann fand ich persönlich nicht so gut, aber mein Sohn wollte, dass ich sie ihm mehrmals vorlese, von daher in Ordnung. Rätsel macht er eigentlich auch ganz gern, aber momentan ist er in einer Phase, in der ihn die Vorschulsachen nicht so interessieren. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass er jetzt ein Vorschulkind ist, im Kindergarten genug dergleichen gemacht wird und er zuhause solche Sachen nicht auch noch machen will. Zum Singen ist er zuhause eher selten zu bewegen, weshalb die Lieder im Magazin komplett uninteressant für ihn waren. Er singt allerdings in der Frühförderung, weshalb er zuhause darauf wohl auch keine Lust hat. Die Bastelsachen sind für ihn ebenfalls uninteressant; er hat auf Basteln und Malen nur im Alter zwischen 2 und 3 Jahren Wert gelegt, seitdem macht er das nur noch im Kindergarten, wenn er dazu aufgefordert wird. Für ihn fehlen mir im Heft Bewegungsangebote, denn die macht er sehr, sehr gern, da er definitiv ein Bewegungskind ist. Die Rätsel an sich sind für diese Altersspanne schwer zu planen, denn für die ganz Kleinen sind sie noch zu schwer (aber mithilfe der Eltern, die sie für ihre Kinder vereinfachen, zu lösen), für die Größeren schon zu einfach. Insgesamt ist das Magazin aber gelungen. Man kann ja nicht jedes Kind erreichen, dafür sind die Kinder zu unterschiedlich. Außerdem picken sich die Kleinen sowieso das raus, was ihnen am meisten gefällt.

Fazit: Das Magazin könnte mehr Bewegungsspiele (v.a. im Sinne der Psychomotorik) beinhalten, aber ansonsten ist die Mischung recht vielseitig, sodass eigentlich jedes Kind das ein oder andere gut finden wird.


Lucky Luke: Dicke Luft in Dalton City, Bd. 36 und Band 1

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Durch einen Fehler in einer Telegrafennachricht wird Joe Dalton auf freien Fuß gesetzt. Da seine Brüder nicht im Gefängnis bleiben sollen, befreit er sie und beschließt, zusammen mit ihnen die verwaiste Banditenstadt Fenton Town zu übernehmen und in Dalton City umzubenennen. Um Geld zu verdienen, soll Dalton City an alte, glor- und geldreiche Zeiten anknüpfen. Lucky Luke, den sie gefangen setzen, soll ihnen dabei helfen. Um Schwung in die Stadt zu bringen, engagieren die Daltons eine Cancan-Truppe. Joe will die Leaderin dieser Truppe heiraten, deshalb ein pompöses Fest inszenieren und die Crème de la Crème der Banditenwelt einladen.

Die limitierte Nostalgie-Edition bringt den ersten Band der Serie im Retro-Look von 1972 heraus, zusammen mit einem informativen Vorwort von Volker Hamann, in dem erklärt wird, warum in der deutschen Ausgabe der Bände die ersten 14 Abenteuer „verschwunden“ sind. Die Edition ist eine weitere Hommage an 70 Jahre Lucky Luke im Jahr 2016. Die verschwundenen 14 ersten Bände werden deshalb in der richtigen Reihenfolge wieder aufgelegt. Die Cover dieser Edition sind in der Retro-Optik der Koralle-Ausgaben gehalten und es gibt erstmals eine tatsächliche Bandnummer 1. Ansonsten macht auch dieses „alte“ Abenteuer Spaß zu lesen und ist vom Preis her völlig in Ordnung. Die Anspielungen machen noch mehr Spaß: Lulu Carabine ähnelt z.B. Mae West.


Genre: Comics
Illustrated by Egmont Ehapa

Asterix erobert Rom – Das Album zum Film

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Julius Cäsar hat es satt: Immer wieder werden seine Truppen durch Majestix und sein Dorf verprügelt. Also schlägt er den Galliern eine Wette vor. Wenn sie es schaffen, wie Herkules superschwere Aufgaben für Götter zu bewältigen, streckt Cäsar die Waffen. Wenn nicht, müssen sich die Gallier Cäsar unterwerfen. Majestix nimmt an und entsendet seine besten Krieger Asterix und Obelix, um die Aufgaben zu bewältigen: Die beiden sollen den schnellsten Läufer, den besten Speerwerfer, den besten Judoka besiegen, Unmengen an Essen vertilgen, auf einem geisterhaften Schlachtfeld übernachten, das Haus, das Idioten macht, überlisten, auf dem Olymp den weichsten Weichspüler herausfinden und vieles mehr. Werden die beiden Krieger das schaffen?

Das Album zum Zeichentrickfilm, der vor 41 Jahren erschienen ist, bezeichnet Uderzo in seinem Vorwort als „würdigen Rahmen“. Das Vorwort selbst ist informativ, blickt es doch auf die Entstehung des Filmes zurück und erzählt den LeserInnen, dass Uderzo die damaligen Vorlagen für die Trickfilmzeichner überarbeitet und ein neues Cover gestaltet hat. Das Cover gibt im Hintergrund einen Vorausblick auf die zu bewältigenden Aufgaben. Der Text ist in diese gelungenen Zeichnungen eingefügt. Die Zeichnungen selbst warten u.a. mit witzigen Selbstzitaten auf, wirken sehr dynamisch und arbeiten mit angenehmen Farben. Die Ideen für die Aufgaben selbst sind zeitlos humorvoll, stecken voller Anspielungen auf z.B. die Bürokratur (heute noch so aktuell wie damals) und vermitteln den LeserInnen, dass man mit Selbstbewusstsein, Köpfchen und Humor so ziemlich jede Aufgabe lösen kann und machen einfach Spaß. Der Text liest sich ein wenig gekünstelt an manchen Stellen, fasst aber die Geschichte gut zusammen. Insgesamt gelungen.


Genre: Comics
Illustrated by Egmont Ehapa

Lustiges Taschenbuch Sonderband – Advent 2

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Ein „Wunderbares Weihnachtsfest“ hätte es werden können, wenn Onkel Donald nicht vergessen hätte, den Wunschzettel seiner Neffen dem Weihnachtsmann zu geben. Und dann verunfallt der Weihnachtsmann auch noch, als er in Onkel Donald reinfährt. Zumindest glauben das seine Neffen. Als Donald die herumliegenden Päckchen sieht, beschließt er, einen der Adressaten zum Weihnachtsmann zu machen, um seine Neffen zu überraschen. Aber das ist schwerer als gedacht, denn alle hassen Weihnachten. Über „Geklaute Geschenke“ regt sich Onkel Dagobert auf. In seinen Warenhäusern verschwinden gerade in der Weihnachtszeit immer wieder Geschenke. Als Donald sieht, dass sich seine Neffen an den Videospielen eines der Warenhäuser zu schaffen machen, glaubt er, die Diebe gefunden zu haben. Aber alles läuft anders als vermutet. In ein „Zauberhaftes Mahl“ geraten Donald und seine Neffen, als sie sich verfahren und in einem Spukschloss Rast machen. Dort warten die ehemaligen Bewohner darauf, erlöst zu werden. „Wunder im Sack“ will Goofy den Kindern schenken, weil er dieses Jahr in einem Kaufhaus den Weihnachtsmann spielen darf. Aber der Leiter des Kaufhauses hat andere Pläne. „Unverhofft kommt oft“, als sich Onkel Dagobert unversehens unter Bettlern wiederfindet, die ihm ein unvergessliches Weihnachtsfest bescheren.

24 Geschichten zum Selbstöffnen auf 296 Seiten präsentiert der Sonderband des LTB – an je einem Tag darf man eine Geschichte aufreißen, die in ihrer Gesamtheit Weihnachten unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchten; sogar Grusel ist dabei. Darunter sind 6 Erstveröffentlichungen, die im Buch gekennzeichnet sind: „Zauberhaftes Mahl“, „Doppelt hält besser“, „Weihnachtsschmuggel“, „Weihnachtsfreuden“, „Zu viel Dankbarkeit“ und „Die Weihnachtsüberraschung“. Die Geschichten machen wie immer Spaß zu lesen und versetzen die LeserInnen in Weihnachtsstimmung, inklusive Botschaften wie Nächstenliebe und die Fähigkeit, hinter die Fassade zu schauen. Keine der Geschichten kommt im 1. Advents-Sonderband vor. Das Cover mit seinem Goldglanz und den verkleideten Neffen verbreitet ebenfalls Weihnachtsstimmung. Einzige Wehrmutstropfen sind der Preis -12 Euro lässt einen schmalen Geldbeutel eher geschlossen bleiben – und die Tatsache, dass nur 6 der Geschichten neu sind.


Illustrated by Egmont Ehapa

70 Jahre Lucky Luke – Limitierte Sonderauflage

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Inhalt „Die Daltons in der Schlinge“: Die Daltons sollen aufgrund ihrer vielen Verbrechen gehängt werden. Die einzige Möglichkeit, dieser Strafe zu entkommen, ist eine Heirat. Aber keine Dame will einen Verbrecher heiraten. Deshalb sucht Ma Dalton 4 Bräute aus dem Stamm der Plattköpfe für ihre Söhne aus. Aber die haben es in sich.

Inhalt „Die Daltons bewähren sich“: Wenn die Daltons es schaffen, einen Monat auf Bewährung durchzuhalten, erlangen sie endgültig ihre Freiheit. Lucky Luke soll ihre Bewährungshelfer sein. Tatsächlich reißen sich die Brüder zusammen und werden zu mustergültigen Bürgern. Allerdings eilt ihnen ihr Ruf als Verbrecher voraus, sodass die Bewährung an einem seidenen Faden hängt.

Inhalt „Die Daltons auf Schatzsuche“: Diesmal brechen die Daltons aus dem Gefängnis aus, weil sie von einem Mitinsassen von einem Schatz erfahren haben. Aber die Schatzsuche gestaltet sich als schwierig – und paradoxerweise müssen sie schließlich in ein Gefängnis einbrechen, um an ihn heranzukommen.

Für das Special zum 70-jährigen Jubiläum der Lucky-Luke-Reihe hat Ehapa vier Geschichten rund um die Daltons ausgesucht (Nr. 17, 27, 30, 80), die der Verlag mit neuen Covern versehen und limitiert aufgelegt hat. Auf jedem der vier Cover ist einer der Daltons auf einem Steckbrief zu sehen. Vergnüglich sind alle vier, auch wenn sie eigentlich nur ein Aufguss der schon erschienenen Abenteuer sind. Die Anspielungen (z.B. in „Die Daltons bewähren sich“ wird in der Hochzeitsfeier auf „Asterix“ und dessen Festmähler verwiesen) geben den Storys Tiefe und lassen den Leser/die Leserin ebenfalls schmunzeln. Wenn man die vier Geschichten hintereinander liest, fallen sofort die unterschiedlichen Zeichenstile ins Auge, die – je nach Geschmack der LeserInnen – nicht unbedingt gefallen müssen. Gerade Bd. Nr. 17 aus der frühen Zeit ist vom Stil her für meinen Geschmack gewöhnungsbedürftig. Die limitierte Auflage ist mit einem Vorwort von Horst Berner versehen, das in jedem der vier Bände zu finden ist. Ich persönlich finde das schade, denn der Fan hätte gern mehr rund um das Thema Dalton erfahren. Die Neuauflage hätte sich, gerade bei vier Alben, dazu angeboten, den Fans ein je verschiedenes Vorwort mit Infos zu bieten. So hat die Auflage den etwas faden Nachgeschmack einer schnell zusammengeschusterten Geldmaschine zum Anlass des Jubiläums. Schade, da hätte man sicher mehr aus dem Thema Daltons rausholen können.


Illustrated by Egmont Ehapa

Findet Dorie – Das Magazin zum Film

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Das Magazin erscheint zweimonatlich und richtet sich laut Ehapa an Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Das scheint mir eine zu große Spannweite zu sein, zumal die meisten Rätsel und auch die Comics eher von Kindern ab 4 ½ Jahren (eher noch später) verstanden werden können. Da muss man sich als Elternteil eines dreijährigen Kindes schon einiges einfallen lassen, um das alles auf diese Altersstufe herunterzubrechen. Es richtet sich vom Schwierigkeitsgrad und auch von den Extras (eine zerbrechliche Angel mit ebenso zerbrechlichen Dingen, die geangelt werden können) eher an 5- bis 6-Jährige, die etwas zarter mit den Sachen umgehen können (wenn sie wollen) und schon von der Entwicklung der Intelligenz und des Verstandes weiter sind. Mein Sohn, 4 Jahre und 8 Monate, z.B. mag die Comics sehr gern, aber ich merke, dass er sie noch nicht richtig verstehen kann. Die Rätsel haben ihn diesmal fast gar nicht interessiert, obwohl er normalerweise Rätsel liebt. Bei genauerer Betrachtung habe ich festgestellt, dass er sie instinktiv verworfen hat, weil seine kognitive Entwicklung schlicht noch nicht so weit ist, um z.B. das Rätsel „Von Herzen“ auf S. 16 lösen zu können. Das hat Grundschulniveau. Bei diesem Heft braucht man auch bei den Basteleien sehr intensive Hilfe der Eltern, um damit zurecht zu kommen. Die Altersangabe müsste also nochmal überdacht werden, damit die Kinder tatsächlich Spaß an dem Magazin haben und nicht frustriert aufgeben.

Das Heft ist also eher geeignet für Grundschüler ab sechs Jahren; für Jüngere leider nur dann, wenn die Eltern viel helfen und vieles weglassen.


Illustrated by Egmont Ehapa

Votes for Women: Der Marsch der Suffragetten

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Großbritannien vor dem Ersten Weltkrieg: Sally Heathcote ist ein ganz normales Dienstmädchen, das sich nicht sonderlich für Politik interessiert. Als sie aber für ein politisch engagiertes Pärchen arbeitet, weckt ihre Arbeitgeberin ihr Interesse an der Bewegung „Votes for Women“, die das Wahlrecht und mehr Freiheit für Frauen fordern. Schließlich schließt sich Sally den Suffragetten an. Dort erlebt sie am eigenen Leib, wie Frauen wegen ihrer Forderungen geschlagen, inhaftiert und von den Männern nicht ernst genommen werden. Täglich setzt sie ihre Gesundheit und teilweise ihr Leben für die Suffragetten aufs Spiel. Weil die Frauen kein Gehör in der zutiefst patriarchalischen Welt finden, werden sie immer radikaler. Elsie Howery, eine der Suffragetten, geht während ihrer Gefangenschaft in Hungerstreik. Sie wird daraufhin zwangsernährt und erleidet dadurch bleibende Verletzungen am Kehlkopf. Sally wird ebenfalls zwangsernährt, als sie in den Hungerstreik tritt. Andere Frauen werden am „Schwarzen Freitag“ zusammengeschlagen. Mary Clarke, die Schwester einer der Anführerinnen, stirbt daraufhin an ihren Verletzungen. Im Laufe der Zeit zerfällt die Bewegung in mehrere Fraktionen.

Autorin Mary Talbot ist eine international anerkannte Wissenschaftlerin, die sich auch mit Gender Studies beschäftigt. So wundert diese Graphic Novel nicht, die sich eines wichtigen Themas annimmt: der Geschichte des Wahlrechts der Frauen, beispielhaft an der englischen Geschichte gezeigt. Der Comic präsentiert beeindruckend, wie hart die Frauen um ihr Recht zu wählen und eine Stimme zu bekommen kämpfen mussten. Da rührt es besonders, wenn das letzte Panel Sallys Enkelin zeigt, die am Krankenbett ihrer Großmutter steht und der es völlig egal ist, dass sie schon mit 18 Jahren wählen darf. Dieser hervorragend gewählte Schluss bleibt der Leserin /dem Leser besonders im Gedächtnis, hat sie/er doch schon die ganze Härte des Kampfes und Sallys Leben vorab verfolgen können. Der Comic schont die Leserin/ den Leser zu keinem Zeitpunkt, er stellt ohne zu beschönigen den Kampf der Suffragetten dar. Auffällig hierbei die Wahl der Farben: Sie sind zumeist dunkel, gerne grau, mit wenigen gezielt gesetzten Farben wie Sallys rotes, durch den grauen Hintergrund flammendes Haar, das so in Szene gesetzt Kampfsymbolik hat und Sallys Brennen für die Suffragetten verdeutlicht. Der Comic verschweigt auch nicht, dass nicht alle Frauen mit dem Wahlrecht einverstanden sind. Sally verliert eine Freundin, weil deren Großmutter den Suffragetten feindlich gesinnt ist. Auf der anderen Seite unterstützen einige wenige Männer den Kampf der Frauen. Ein weiterer Pluspunkt: Dem Hauptteil ist eine Art Glossar angeschlossen, der zu den Szenen die passenden historischen Fakten bereithält. Allerdings gibt es auch einen kleinen Kritikpunkt: Der Comic schreitet teilweise zu schnell voran, sodass man das Gefühl hat, Ereignisse nicht oder nicht zur Gänze mitzubekommen.

Zu diesem Thema gibt es auch einen gleichnamigen Film: http://www.kino.de/film/suffragette-2016/

Insgesamt ein Thema, das berührt, v.a. weil die Gleichberechtigung der Frau auch in den westlichen Ländern leider noch nicht abgeschlossen ist, wie die Themen „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ und wenige Frauen in Führungspositionen zeigen. Auch die (finanzielle) Anerkennung von sozialen Berufen, die meist von Frauen ausgeführt werden (wie Altenpflegerin, Erzieherin), lässt noch zu großen Teilen auf sich warten. Ganz zu schweigen von der fehlenden (auch finanziellen) Anerkennung der Erziehungsarbeit der Mutter, v.a. derjenigen, die wegen der Kinder entweder Teilzeit oder gar nicht arbeiten – Altersarmut ist deswegen ein vorwiegend weibliches Problem. Männliche Unterstützung beim Thema Erziehungsarbeit (oder gar der Vater als Hausmann) hat noch viel Potential nach oben. Der Comic verdeutlicht, welche Anstrengungen Frauen unternehmen mussten (und noch müssen), um sich ihre Rechte zu erkämpfen.


Illustrated by Egmont Ehapa

Orange 2

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Naho stellt fest, dass sich ihre Gegenwart immer mehr von der des Briefes, den ihr zukünftiges Ich ihr geschrieben hat, unterscheidet. Aber manche zentrale „Fehler“, die sie dennoch begangen hat, zeigen schon ihre Wirkung. So erfährt sie, dass Kakerus Mutter nicht gestorben wäre, hätte sie ihn damals nicht eingeladen, zusammen mit ihrer Gruppe etwas zu unternehmen. Der Brief weist außerdem auf eine interessante Unterrichtsstunde hin: In ihr erfährt Naho, dass es theoretisch mehrere Stränge gibt, in die die Zukunft verlaufen kann. Und dass sich die Zukunft des einen Strangs nicht unbedingt ändert, wenn man die Vergangenheit ändert.

Der 2. Band der Reihe malt weiterhin detailliert das Szenario aus, wie es wäre, wenn man seine Vergangenheit ändern könnte – und wenn nicht. Naho macht sich dazu viele Gedanken, die interessant zu lesen sind. Die theoretischen Erklärungen des Lehrers tragen ebenfalls dazu bei, dass auch bei der Leserin /dem Leser die Gedanken auf Trab kommen. Außerdem fühlt man sich an diverse Sf-Romane und Dokus/Bücher über das Phänomen der Zeitreise, das ein beliebtes physikalisches Gedankenspiel ist, erinnert. Das alles wird wunderbar eingebunden in eine romantische Dreiecksbeziehung, die mit so einigen Schwierigkeiten nicht nur pubertärer Art zu kämpfen hat. Ein weiterer Pluspunkt: Die Spannung bleibt immer erhalten, man möchte wissen; wie es mit den Protagonisten weitergeht. Insgesamt empfohlen!


Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Kitchen Princess 5

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Sora unterstützt Najika weiterhin, und sie ist sehr froh und dankbar dafür. Deswegen und mit dem Wissen, dass Sora ihr Puddingprinz ist, entschließt sie sich dazu, ihm ihre Liebe zu gestehen. Allerdings vertröstet Sora sie mit einer Antwort auf das Finale des Backwettbewerbs. Dann aber erfährt Najika durch Zufall, dass Sora eigentlich nur der Handlanger seines Vaters ist, der die Tochter zweier berühmter Patissiers als Aushängeschild für seine neue Schule benutzen will. Najika ist sehr enttäuscht und Taichi wirft Sora wieder einmal vor, dass sich Sora von ihrem Vater nur benutzen lässt. Da Sora Najika tatsächlich mag, stellt er sich nach diesem Vorwurf gegen seinen Vater und entscheidet sich dafür, Najika aus eigenem Willen heraus zu unterstützen. Aber dann passiert eine Katastrophe.

Der 5. Band der Reihe verbindet wieder das Kochen und Backen mit Gefühlen, diesmal nicht nur mit denen der Liebe, sondern auch mit denen des Verrats und der Versöhnung. Der Cliff-Hanger am Schluss des Bandes sorgt für weitere Spannung. Als Extra bietet die Autorin einen weiteren in sich abgeschlossenen Manga aus dem „Kitchen Princess“-Universum, in dem sie das Thema Versöhnung erneut aufgreift. Am Ende des Mangas gibt es wie gewohnt die Rezepte aus den einzelnen Kapiteln. Insgesamt wieder einmal ein kulinarischer und lesetechnischer Genuss!


Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Kami Kami Kaeshi 1-5

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Inhalt Band 1 bis 5: Mashiro lebt als Miko eingesperrt in einem Zimmer, weil sie eine besondere Aufgabe hat: Sie gewährt den shintoistischen Gottheiten – Kamis – in ihren Haaren eine Auszeit, bis diese wieder fit genug für ihre Aufgaben sind. Was sie nicht weiß: Die Kamis in ihrem Haar sind versiegelt, weil ihre eifersüchtige Tante Mashiros die eigene Familie wieder als Hauptfamilie und damit als Sitz der Götter etablieren will. Sie und ihr Zweig der Familie verfolgen egoistische Ziele, weil sie die Kamis für ihr eigenes Wohl ausbeuten wollen. Eines Tages schafft es trotz aller Hindernisse ein Kami, aus Mashiros Haar herauszukommen. Feuergott Hinokagu und Mashiros Diener Hayate befreien sie und fliehen zu Hinokagus Schrein, der mittlerweile ziemlich heruntergekommen ist. Außerdem will die Schreindienerin Asagi Hinokagu nicht als ihren Gott anerkennen. Trotzdem freunden sich Mashiro und Asagi zögerlich an. Mashiro fängt nach einiger Zeit an, am ganz normalen Teenageralltag teilzunehmen und hat dabei so ihre Schwierigkeiten, da sie diesen nicht kennt. Und sie muss immer noch fürchten, dass ihre Tante und deren Schergen sie und ihre gefangene Mutter umbringen wollen. Bei mehreren dieser Mordversuche steigen weitere Kamis aus Mashiros Haar, die sie beschützen. Die Hauptfamilie hat inzwischen eine weitere Miko gefunden, die Kamis in ihrem Haar beherbergen kann. Das macht es für Mashiro noch gefährlicher, denn die schwarze Miko will die Kamis in Mahiros Haar einsammeln und unterwerfen und schneidet Mashiro zu diesem Zweck eine Strähne ab. Tatsächlich gehorchen die so gefangenen Kamis der schwarzen Miko und kehren durch ihre Unterwerfung ihre schlechteste Seite hervor. Schließlich finden Hayate und Mashiro den Schrein, in dem ihre Mutter gefangen gehalten wird. Aber dieser ist durch starke Bannkreise geschützt. Außerdem hat Hayate einen Schwur mit Mashiros Cousin Midori abgeschlossen, den er allerdings nicht einhalten kann. Damit ist auch Hayates Leben in Gefahr. Nur der Spiegel „Yata no Kagami“ kann ihn retten. Damit nicht genug fällt auch die mächtigste Kami, Amaterasu, in die Hände der Tante Mashiros.

Der Manga spart nicht an spannenden und actionreichen Momenten, sodass es von dieser Seite aus nicht langweilig wird. Außerdem erhält der Leser/ die Leserin nebenbei Wissen zu den zahlreichen shintoistischen Göttern, die allerdings der Story angepasst werden. Die Figuren, männlich wie weiblich, sind ansprechend gestaltet und der Manga mutet durch die vielen Gottheiten, die sich um Mashiro bemühen, wie ein Haremsmanga an. Da liegt allerdings auch der Hund begraben: Mashiro bleibt eine passive, naive weibliche Hauptfigur, die ständig gerettet werden muss und Lolita-Komplexe auslöst (die sogar im Manga erwähnt werden). Sie erfüllt damit alte Rollenklischees. Gut, dass es noch Asagi gibt, sie ist wesentlich selbstbestimmter ist als Mashiro. Auch Mashiros Mutter ist trotz ihrer Gefangenschaft eigenständig, denn sie setzt ihren Willen durch. Und Mashiros Tante als Clanoberhaupt nimmt ihr Schicksal und das ihres Clans selbst in die Hand. Sie wird nicht dem Rollenklischee entsprechend und entgegen ihres lieblichen Äußeren als liebende Mutter und Tante gezeigt, sondern als knallhartes Oberhaupt. Die Männer sind sowohl als Menschen als auch als Götter insgesamt wesentlich selbstbestimmter und körperlich stärker als die Frauenfiguren. Das entspricht ebenfalls dem Rollenklischee, zumal alle männlichen Götter, die aus Mashiros Haar kommen, und Hayate Mashiro beschützen. Eine Ausnahme stellt Yamato Takeru dar, der Gott der Schönheit. Er ist, nach japanischem Bild, so schön wie eine Frau und sieht auch wie eine zarte Frau aus. Er spielt mit diesem Aussehen, das ihn weiblich-schwach wirken lässt, um dann diese vermeintliche Schwäche auszuspielen und seine wahre Stärke zu demonstrieren.

Insgesamt wirkt der Manga wie eine Vorlage für ein Game. Schade, dass der Plot es nötig hat, die weibliche Hauptfigur in die Rolle des passiven Opfers zu drängen. Das und der eher vorhersehbare Plot sind zwei große Schwachpunkte dieses Mangas. Daher nur leichte Kost, die wegen der deutlich hervorgekehrten Rollenklischees zu Ungunsten der Frau mindestens ein Geschmäckle hat.


Illustrated by Egmont Ehapa

A silent voice 1

 U_8996_1A_EMA_A_SILENT_VOICE_01.IND75Shoko ist von Geburt an taub und stumm. Sie kann sich mit ihren Klassenkameraden nur über geschriebene Zettel oder Plakate verständigen. Die nutzen ihre Hilflosigkeit aus und machen sich über sie lustig, allen voran Shoya, der nur Unsinn im Kopf hat. Er schwingt sich zum Anführer derjenigen auf, die Shoko immer schlimmer mobben. Aber Shokos Mutter lässt sich das nicht gefallen. Sie tritt entschieden in der Klasse auf und geht sogar zu Shoyas Mutter, um mit ihr über das Verhalten ihres Sohnes zu reden. Mobbing wird Thema in der Klasse – und die Verhältnisse kehren sich um. Shoko zieht zwar weg, aber ihre Klassenkameraden ernennen sich zu Rittern der Gerechtigkeit und mobben stattdessen Shoya, allen voran dessen ehemals beste Freunde.

Der erste Band der Reihe, die mit dem Osamu-Tetsuka-Kulturpreis ausgezeichnet worden ist, nimmt sich der Themen Andersartigkeit und Mobbing an und gestaltet z.T. bis ins Detail aus, was mit Menschen passiert, die anders sind und die auf ein intolerantes Umfeld stoßen. Die andere Seite der Medaille: Die selbstgerechte Art derjenigen, die zuerst Shoko und dann Shoya mobben, verursacht Übelkeit, v.a. weil man als LeserIn nur zu gut weiß, dass es genau so kommen kann. Das tut jedem empathischen Menschen schon beim Lesen weh, erst recht, wenn er selbst Mobbing kennt – und wer tut das nicht, denn in so gut wie jeder Klasse gab und gibt es Außenseiter, die von den anderen nicht akzeptiert werden. Der Manga zeigt auch, was passiert, wenn jemand vom Mobbing betroffen ist und dass zumeist das Opfer die Klasse verlässt und nicht der/die Mobber, die eigentlich in ein anderes Umfeld versetzt werden müssten, um diese Mobbingstruktur aufzubrechen. Zum Glück ist Mobbing im Gegensatz zu früher mittlerweile Thema an den Schulen, welches im Unterricht und durch Theaterstücke aufgearbeitet wird. Auch dieser Manga ist durchaus dazu geeignet, im Unterricht behandelt zu werden. Er zeigt, dass jeder Opfer von Mobbing werden kann – sogar die Mobber selbst. Im Fall von Shoya bewirkt das jahrelange Mobbing eine Art Sinneswandel: Er beklagt sich nicht über die fiesen Streiche und die Ausgrenzung, weil er weiß, dass er Shoko genauso behandelt hat. Und er beschließt, sich mit Shoko auszusprechen, nachdem er sein Leben als Versager vor sich gesehen hat: „Ich sterbe ja irgendwann sowieso. Da kann ich vor meinem Tod noch erledigen, was zu tun übrig ist.“

Der Manga bekommt von mir wegen der o.g. Punkte eine uneingeschränkte Empfehlung.


Illustrated by Egmont Ehapa

Toradora 1 bis 6

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Inhalt 1. Band: Taiga sieht klein, süß, niedlich und unschuldig aus, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Sie schreckt auch vor Gewalt nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Ganz anders Ryuji. Er sieht mit seinem bösen Blick brandgefährlich aus, ist aber ein netter Kerl, der verantwortungsbewusst seine Mutter, die abends in einem Lokal jobbt, umsorgt. Die beiden treffen sich durch Zufall, als der große Ryuji die winzige Taiga über den Haufen rennt. Ab da ist nichts mehr so wie vorher: Taiga macht Ryuji zu ihrem persönlichen Diener, der sich in seiner Freizeit um sie kümmern muss. Aber die beiden treffen auch ein Arrangement: Wenn Taiga Ryuji hilft, bei ihrer Freundin Minori zu landen, dann hilft Ryuji ihr, bei seinen besten Freund Kitamura zu punkten. Und Ryuji entdeckt bei Taiga auch verletzliche Seiten.

2. Band: Da Taiga und Ryuji viel Zeit miteinander verbringen und immer vertrauter miteinander werden, glauben ihre Angebeteten Minori und Kitamura, dass die beiden ein Paar sind. Das geht natürlich gar nicht und Taiga und Ryujin schmieden hastig Pläne, um dieses Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Taiga macht Kitamura sogar ein Liebesgeständnis, aber der lässt sie abblitzen. Dann kommt auch noch das Model Ami Kawashima in ihre Klasse und macht den beiden Ärger.

3. Band.: Ami ist ausgerechnet die Kindergartenfreundin Kitamuras. Und sie hat zwei Gesichter: ein oberflächlich nettes Gesicht und ihr wahres hinterhältiges. Kitamura bittet Taiga, sich mit Ami anzufreunden, was Taiga nur äußerst widerwillig macht, da Ami und sie sich nicht ausstehen können. Und Ryuji steht zwischen den Fronten, weil Ami sich an ihn heranmacht. Da Ami Taiga immer wieder beleidigt, entschließen sich Taiga und Minori zu einem Gegenschlag. Aber auch Ami ist nicht ohne: Taiga und Ryujis Mutter erwischen Ami und Ryuji in einer pikanten Situation.

4. Band.: Taiga ist verärgert, weil sie einen Schwimmwettbewerb gegen Ami gewinnen muss. Der Haken an der Sache: Sie kann nicht schwimmen. Und in einem Schwimmanzug sieht ihr Busen aus wie ein flaches Brett – im Gegensatz zu Ami, die mit ihrer großen Oberweite sehr sexy wirkt. So kann sie sich vor ihrem Schwarm Kitamura nicht zeigen. Aber Ryuji hat schon eine Idee…

5. Band.: Taiga, Ryuji, Kitamura, Ami und Minori fahren ans Meer. Dort soll Ryuji endlich Minori näherkommen. Die hat Angst vor Spukgeschichten und so beschließen die beiden, Minori in Angst und Schrecken zu versetzen, damit sie in Ryujis Arme sinken kann. Aber der Schuss geht nach hinten los.

6. Band.: Die Klasse von Taiga und Ryuji plant ein Schulfest. Zur Auswahl stehen ein Maid-Café, ein Spukhaus und eine Pro-Wrestling-Show. Alles läuft ganz normal – bis Taigas Vater auftaucht und seine Tochter auffordert, zu ihm und seiner neuen Familie zu ziehen. Aber Taiga ist stinksauer auf ihn und will ihr bisheriges Leben nicht aufgeben.

In dieser Story werden zwei beliebte Motive des chinesischen Tierkreiszeichnes verarbeitet: Tiger und Drache. Taiga als Tiger und Ryuji als Drache ergeben immer wieder Stoff für neue Situationskomik und Spannungsbögen. Natürlich sorgen auch das Aussehen und die damit verbundenen Erwartungen, die nie erfüllt werden, für neue Wendungen, Komik und Spannung, ebenso die romantischen Dreiecksgeschichten. Sogar ein wenig Tiefe wird geboten, wenn die Leserin/ der Leser hinter die Fassaden Amis, Ryujis und Taigas blicken darf. Die Cover geben je im Duo die wichtigsten Persönlichkeiten des Mangas und deren Charakter wieder. Dabei zeigen sie auch diejenigen Seiten einer Figur, die man erst einmal nicht vermuten würde. Sie verweisen also auf den Inhalt, ohne zu viel zu verraten, sodass sie als gelungen einzustufen sind. Die Zeichnungen selbst sind in Ordnung und unterstützen den jeweiligen Storyverlauf sehr gut, u.a. mit SD (super deformed), was die Komik erhöht.

Insgesamt leichte, nette Unterhaltung für Teens in den Pubertätswirren. Aber mich persönlich hat die Serie nicht ganz überzeugt, denn ich verspüre nicht das Bedürfnis, sie weiterzuverfolgen. Dazu sind mir die Charas außer den beiden Hauptfiguren etwas zu blass geraten und die Story zu betont dynamisch-witzig. Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, sodass diese Serie trotzdem bei einigen MangaleserInnen gut ankommen wird.


Illustrated by Egmont Ehapa