Königstöchter

51CW4+XCyoL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,TopRight,0,-55_SX324_SY324_PIkin4,BottomRight,1,22_AA346_SH20_OU03_Ira Wittekind, neugierige Reporterin mit Hang zur Ermittlerin, soll einen Unfallbericht über eine alte Frau schreiben,  die unter eine Kehrmaschine geraten und einen grässlichen Tod gestorben ist. Um etwas Hintergrund für die Story zu erhalten, spricht sie mit weiteren alten Damen, die die Verstorbene kannten und erfährt mit viel Fingerspitzengefühl nach und nach Ungeheuerliches aus der Vergangenheit der Getöteten und drei ihrer Freundinnen. Weitere Morde geschehen, ausnahmslos an alten Frauen, die auf den ersten Blick kein Motiv erkennen lassen. Doch je weiter die Reporterin in die gemeinsame Vergangenheit der Opfer eindringt, desto klarer wird das Mordmotiv.

Vier Frauen, durch eine unvorstellbar schreckliche Vergangenheit bis ins hohe Alter miteinander verbunden, müssen am Ende ihres Lebens feststellen, dass es letztendlich kein Vergessen geben kann. Das Aufbauen der Spannung und die schlüssige und logische Verknüpfung mit den Geschehnissen von damals hat Carla Berling mit Bravour gemeistert. Immer wieder folgt man Ira, der ausserordentlich sympathischen Journalistin, denkt, dass man klüger ist und mehr weiß als sie, doch am Ende liegt man falsch. Carla Berling zeichnet die beteiligten Personen so plastisch und deutlich mit all ihren Eigenheiten und Charakterzügen, dass man meint, man kenne diese Leute schon lange persönlich. Genau das ist es, was diesen Krimi ausmacht. Diese „Bekanntschaft“ mit allen Protagonisten führt immer wieder auf eine falsche Fährte, weil man der einen oder anderen Person ein solches Handeln gar nicht zutrauen mag. Wenn man meint, der Höhepunkt der Spannung sei nun erreicht, setzt die Autorin noch eins drauf und hält den Leser damit eng bei der Geschichte.
Während des Lesens fand parallel im Kopf eine ganz eigene Ermittlung zur Entlarvung des Täters statt. Am Ende hatte ich mit jedem einzelnen der Beteiligten gerechnet, habe aber vollkommen falsch gelegen.

Mitreißend.


Genre: Krimi
Illustrated by Kindle Edition

Tunnelspiel

Tunnelspiel_B640-189x300Ein grausiger Mord. In einem verfallenen Schlachthof wird ein nackter Toter angekettet aufgefunden. An seinen Klöten baumeln Christbaumkugeln.

Der Verblichene war Verleger. Seinen Mitarbeitern schuldete er Geld, seine Autoren pumpte er an und sein bester Kunde war der Gerichtsvollzieher. Aus reichem Haus stammend, verschwendete er sein Erbe zum Erwerb eines Adelstitels. Als »Graf von Externstein« versuchte er sich selbst in Nachdichtungen sadomaso-erotischer Texte, die keiner lesen wollte. Unternehmerisch war er erfolglos und galt als schwarzes Schaf der Familie.

Ira Wittekind, eine engagierte Lokaljournalistin, beschäftigt sich mit dem mysteriösen Mordfall. Ihre Recherchen führen sie in die Arbeitswelt des ermordeten Verlegers. Sie hört von einer geheimnisvollen Stalkerin und begegnet der Familie des Toten. Zu ihrem Glück war ihre Nachbarin früher als Domina tätig war und verfügt über umfassende Kenntnisse der Praktiken der Sado-Maso-Szene. So erfährt sie auch, was Tunnelspiele sind: Spielchen aus der BDSM-Szene, die von dem dominierten Part nicht selbst beendet werden können.

Bescherte vielleicht ein derartiges Tunnelspiel dem Herrn Verleger sein unschönes Ende? Schlug eine Domina zu hart zu? Lockten frustrierte Autoren den guten Mann in eine tödliche Falle? Wollten Verwandte eine offene Rechnung begleichen?

Carla Berling versteht es, den Spannungsbogen ihres Ostwestfalen-Krimis geschickt aufzubauen. Gekonnt lässt sie die Mentalität alteingesessener Ostfalen, die teilweise noch einem Ehrenkodex verhaftet sind, der Preußens Gloria hochhält, in die Romanhandlung einfließen.

Im Ergebnis liefert Carla Berling einen gut gebauten Krimi, der auch Lesern, die sich nicht in der Region auskennen, spannendes Lesevergnügen beschert.


Genre: Kriminalromane
Illustrated by Kindle Edition