Hippie

Paulo Coelho: Hippie

Mit seiner Erzählung »Hippie« setzt Paulo Coelho den vor einem halben Jahrhundert um die Welt reisenden Blumenkindern ein literarisches Denkmal. Gleichzeitig schildert der brasilianische Bestsellerautor in einer bewegenden Liebesgeschichte seine Erlebnisse als junger Mann, der um die Welt zog. Continue reading


Genre: Autobiografie, Erzählung
Illustrated by Diogenes

Der Zahir

coelho-1Die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins

Paulo-Coelho-Erstleser tun gut daran, sich vorab mit der Vita des erfolgreichen brasilianischen Autors vertraut zu machen, um zu wissen, worauf sie sich da einlassen. Erhellend wirken beispielsweise seine zweijährige Weltreise als Hippie, seine nicht weniger als drei Aufenthalte in einer psychiatrischen Anstalt inklusive Elektrokrampf-Therapie, sein auffallendes Interesse für die Hare-Krischna-Bewegung und ähnliches mehr. Gekrönt wird das alles von seiner Vision bei einem Besuch im Konzentrationslager Dachau, bei der ihm ein Mann erschienen sei, der ihm wenig später leibhaftig in Amsterdam begegnete und ihn zur Rückkehr zum katholischen Glauben überredet hat. Wofür er sich dann symbolträchtig auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela machte.

Kein Wunder, dass Coelhos häufig unübersehbar autobiografisch geprägte Bücher angefüllt sind von Symbolen, Metaphern, mystischen Zeichen und viel Hokuspokus, wobei «Der Zahir» vermutlich einen Höhepunkt des Esoterischen darstellt im Werk des Autors, soweit ich das beurteilen kann. In einfacher, schnörkelloser Sprache geschrieben, erleben wir in diesem Roman eine rastlose Suche des Ich-Erzählers, ein erfolgreicher Romanautor natürlich, nach wahrer Liebe, den Sinn des Lebens, richtiger Lebensweise und glückhafter Selbstverwirklichung. Auslöser dafür ist seine Frau Esther, tätig als Kriegsberichterstatterin, die ihn ohne jede Erklärung überraschend verlassen hat und fortan als «Zahir», als beherrschende Kraft, alle seine Gedanken und sein Tun steuert. Fernsteuert, müsste man richtiger sagen, denn sie hat sich in die öden Steppen Kasachstans zurückgezogen. Man ahnt zwar bald, wie das alles ausgeht, aber bis dahin muss sich der geduldige Leser durch viele Seiten mit belanglosem Geschwafel, unrealistischen Dialogen und unerträglichen Plattheiten quälen, auf denen das absurde Weltbild des Autors langatmig ausgebreitet wird.

Für seine Tagebuchskizze «In Stahlgewittern», in der Ernst Jünger Kampf, Blut und Grauen als Erlebnis feiert, wurde er zu Recht heftig kritisiert. Paulo Coelho zeigt uns mehr als acht Jahrzehnte später in seinem Roman, das solche den Krieg verherrlichenden Ideen noch lange nicht tot sind, nur im Krieg nämlich sei der Mensch Gott wirklich nahe! Und so gibt es in diesem Roman immer wieder das blutgetränkte Stückchen Stoff, herausgeschnitten aus dem Hemd eines im Kampf tödlich getroffenen Soldaten, mit dem Esther auf dessen Wunsch hin alle sich als würdig erweisenden Personen symbolträchtig versorgt, als mystisches Erkennungszeichen gewissermaßen. Es gibt noch mehr derartig unsäglicher Thesen und Fettnäpfchen, in die Coelho unverdrossen tappt, so wenn er seinen Protagonisten, unverkennbar ja sein Alter Ego im Roman, großspurig über sein Einkommen berichten lässt bei einem Tischgespräch, nur um ihn dann sagen lassen zu können, dass ihn diese fünf Millionen Dollar jährlich auch nicht glücklich machen. Er ist ein egozentrischer Macho durch und durch, erobert spielerisch und ohne jeden Widerstand die schönsten Frauen, wann immer er will, er geniest seine Rolle als Star der Literaturszene, den jeder kennt, dessen Bücher natürlich auch jeder gelesen hat, ein Applaus heischendes Motiv, das sich übrigens häufig wiederholt im Roman. Er spielt den Moralisten und verhält sich wie ein hemmungsloser Egoist, was nicht selten ja die bigotte Verhaltensweise von stark religiös orientierten Menschen ist. Man hat also einiges zu ertragen, wenn man diesen Roman liest!

«So viele Millionen Leser können nicht irren», suggerieren uns die Verlage, wenn sie ihre Bestseller anpreisen, und Coelho gehört selbstverständlich zu den Top Ten der Auflage-Millionäre. «Seid umschlungen, Millionen», kann ich da nur sagen, die ihr gutgläubig solchen Schwachsinn kauft – und die vielen wirklich guten Bücher allesamt ganz einfach links liegen lasst!

Fazit: miserabel

Meine Website: http://ortaia.de


Genre: Roman
Illustrated by Diogenes Zürich

Veronika beschließt zu sterben

Selbstbestimmt will Veronika, Mitte 20, ihr Leben beenden, da sie es „in vollen Zügen genossen hatte“ und jetzt endlich frei sein und vergessen wollte – für immer. Mutig nimmt sie die mühsam besorgten Tabletten …

Doch der Selbstmord missglückt und sie erwacht in „Villete“, dem „berühmt-berüchtigten Irrenhaus“ von Ljubljana, der Hauptstadt von Slowenien, welches Veronikas Heimat ist. In „Villete“ nimmt sich ihr Dr. Igor mit einem gewagte Experiment an, um Veronika von ihrem Todeswunsch zu heilen, obwohl sie ja nur noch eine Woche zu leben hat, da der Selbstmordversuch ihr Herz zu stark in Mitleidenschaft gezogen hat.

Veronika nutzt diese eine Woche und lernt die Insassen von Villete näher kennen und fühlt sich von einigen „Verrückten“ besonders stark angezogen. Sie ist fasziniert und irritiert von dieser so anderen Welt, fern des bisherigen Alltags und der Probleme ihrer Heimat, die gerade einen Bürgerkrieg überstanden hat.

Paulo Coelho verarbeitet in seinem Buch nicht nur seine, über zwanzig Jahre zurückliegenden, eigenen Erfahrungen als Psychatriepatient, sondern stellt Fragen und gibt mögliche gedankliche Anregungen an den Leser. Er versucht zu erklären, was eigentlich „Verrücktsein“ im jeweiligen gesellschaftlichen Rahmen bedeuten kann und wie Menschen überhaupt in die Psychatrie kommen, um Hilfe zu suchen oder zu fliehen vor dem, was als normales Leben angenommen wird. Der Arzt Dr. Igor steht zusammen mit dem Pflegepersonal den Patienten als Institution „Psychatrie“ gegenüber und oft scheinen ihre Handlungen willkürlich und unverantwortlich. Trotzdem genesen einige „Villete“- Patienten und wagen nach langer Zeit wieder den Schritt aus dem Schutz dieser Institution hinaus ins reale Leben.
Zu ihnen zählt auch der schizophrene Eduard, dessen Geschichte den Leser genauso in seinen Bann zieht wie Veronikas Geschichte.

Obwohl das Buch vor zehn Jahren das erste Mal erschienen ist, scheint es nichts von seiner Aktualität verloren zu haben. Es wird immer wieder, und der Statistik zufolge auch immer mehr, Menschen geben, die ihr Leben als beendet und abgeschlossen betrachten oder die sich mit den rasant voranschreitenden gesellschaftlichen Veränderungen nicht arangieren können oder wollen. Und wenn diese Menschen psychatrische Hilfe erhalten, gibt es bestimmt inzwischen neue Medikamente und Methoden, die einige vielleicht von ihren Leiden heilen…
Letztendlich entscheidet jedoch jeder Leser dieses Buches selbst, in wie weit er sich während und nach der Lektüre des Buches gedanklich mit dem Sinn seines eigenen Lebens und seinem gesellschaftlichen Kontext auseinander setzen möchte. Ich, für meine Person, habe dieses dünne Büchlein weder schnell durchflogen, noch werde ich es schnell wieder vergessen können. Dazu war es viel zu faszinierend für mich!


Genre: Belletristik
Illustrated by Diogenes Zürich

Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt

Einhundert persönliche, minutenkurze Texte, Tagebuchbemerkungen und Kolumnen geben Einblick in das Denken des zwischen Brasilien und Frankreich pendelnden Erfolgsautors. Dabei spricht aus nahezu jeder Zeile eine missionarisch anmutende Religiösität, die Coelho selbst Spiritualität nennt.

Paulo Coelho wurde in einer Jesuitenschule streng katholisch erzogen, bis er sich als Jugendlicher verweigerte und zum Hippie mit lendenlangem Haar wurde. Seine verzweifelten Eltern wiesen ihn dreimal in eine Nervenheilanstalt ein, wo er mit Elektroschocks traktiert wurde, die Jahrzehnte später die gewünschte Wirkung zeigten: da glaubte der Autor, eine Vision gehabt zu haben und trat in einen erzkatholischen Orden ein. Seitdem predigt er Gottes Wort in Schriftform.

Die in dem Band versammelten Kurztexte lassen Coelho in jeder Blume das Werk des Allmächtigen beschreiben. Auf den weniger esoterisch angehauchten Leser wirken die literarisch anspruchslosen Texte mitunter hausbacken, doch es lässt sich unter persönlichen Aspekten durchaus der eine oder andere Gewinn ziehen. Coelho selbst fasst die Zielstellung seiner literarischen Motivationsarbeit so zusammen: »Es gilt, alles zu unterlassen, was uns zu lebenden Toten macht, und alles auf die Dinge zu setzen, von denen wir immer träumten, und alles für sie zu riskieren. Denn, ob wir wollen oder nicht, der Todesengel erwartet uns schon«.


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen
Illustrated by Diogenes Zürich

Der Alchimist

Auf der Suche nach dem Weg, den ihm ein Traum von einem Schatz weist, kehrt der Hirte Santiago an seinen Ausgangspunkt zurück. Eine wundervolle Parabel, die es auch als von Otto Sander gelesenes Hörbuch gibt. Durch die in Aussicht stehende Verfilmung wird der Roman noch einmal auf alle Ladentische kommen und zum Vergleich mit der filmischen Umsetzung einladen.

»Sag deinem Herz, dass die Furcht vor dem Leiden schlimmer ist, als das Leiden selbst«, antwortet der Alchimist. »Und dass noch nie ein Herz auf der Suche nach seinen Träumen gelitten hat, weil jede Sekunde der Suche eine Sekunde der Begegnung mit Gott und der Ewigkeit ist.«


Genre: Romane
Illustrated by Diogenes Zürich