The October List

Gabriela ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Als Büroleiterin eines Finanzberaters, der sich bei Nacht und Nebel mit den Mandantengeldern aus dem Staub gemacht hat, muss sie Angriffe von allen Seiten abwehren: Nicht nur die Cops sind hinter ihr her, sondern auch zwielichtige Klienten und einer von denen hat ihre Tochter entführt. Gefordert werden eine Menge Dollars und ein geheimnisvolles Dokument, jetzt läuft das Ultimatum ab…

Das Besondere an diesem Roman ist, dass Autor und Leser sich auf eine Zeitreise zurück begeben, man beginnt mit dem letzten Kapitel und endet mit dem Vorwort. Das klingt kompliziert und ist es auch, gerade beim Lesen wird einem mehr abverlangt als bei einem normalen Thriller, um nichts zu verpassen oder zu verwechseln sind die Kindle Markier- und Suchfunktionen hier recht hilfreich.

Auch für den Autor war das Schreiben in dieser Form eine Herausforderung, er hat sich ihr gestellt und sie gemeistert; selbst Cliffhanger lassen sich rückwärts einbauen und die bei Deaver typischen überraschenden Drehungen und Wendungen im Plot natürlich auch. Ich hätte nach dem Lesen des ersten (letzten) Kapitels nie gedacht, dass dies tatsächlich der Schluss sein kann, aber es funktioniert, Respekt!

Die Bücher von Jeffery Deaver sind auf meinem Kindle im Ordner „Lieblingsautoren“ abgelegt und auch dieser Thriller ist dort bestens aufgehoben, enttäuscht wurde ich vom Autor noch nie. „The October List“ ist ein stand alone-Roman, außerhalb der Reihen um die beliebten Protagonisten Lincoln Rhyme oder Kathryn Dance, aber ebenso originell und spannend und garantiert erstklassiges Lesevergnügen.


Genre: Thriller
Illustrated by Hodder & Stoughton

Carte Blanche

In Serbien droht nach Zündung eines Sprengsatzes ein Zug mit Giftgas zu entgleisen und so trifft es sich gut, dass James Bond gerade noch rechtzeitig zur Stelle ist, um eine Katastrophe zu verhindern. Der britische Geheimdienst hatte das Fragment einer Nachricht abgefangen, nach der ein Anschlag mit Tausenden von Toten bevorsteht; nähere Umstände allerdings ungewiss. 007 macht sich also auf die Suche und eine Spur führt ihn bald zu dem undurchsichtigen Geschäftsmann Severan Hydt, Spezialist in Sachen Abfallbeseitigung mit morbid nekrophilen Neigungen. Doch damit nicht genug, nebenbei versucht der Super-Spion auch noch, den mysteriösen Tod seiner Eltern aufzuklären…

„Carte Blanche“ bietet alles, was man von einem Bond-Roman (oder Film) erwarten darf: Schöne Frauen, exotische Schauplätze, trockene Drinks und ebensolcher Humor, böse Bösewichter, strahlende Helden, technische Wunderwerke und aufregende Verfolgungsjagden mit schnellen Autos. Mit Jeffery Deaver konnte ein erfahrener Genre-Autor gewonnen werden, der sein Handwerk versteht und es als Ehre und Verpflichtung empfindet, die berühmte Reihe fortzuführen, dabei aber auch willkommene neue Akzente setzt. Deaver ist ja berüchtigt dafür, stets mit unerwarteten Wendungen in seinen Geschichten den Leser zu überraschen und spielt diese Karte natürlich auch diesmal aus.

Fazit: Frischer Wind bei einem Klassiker der Agentenliteratur sorgt für spannendes Lesevergnügen auf hohem Niveau!


Genre: Thriller
Illustrated by Simon & Schuster

Die Menschenleserin

Der wegen Mordes verurteilte Sektenführer Daniel Pell ist ein Manipulator ersten Ranges und auch in Gefangenschaft noch höchst gefährlich. Er hatte vor seiner Festnahme eine Gruppe von jungen AnhängerInnen um sich geschart und seine Taten (das Auslöschen einer fast kompletten Familie) erinnern fatal an die Morde von Charles Manson. Nun soll Pell im Zusammenhang mit einer weiteren Straftat von der Bundesagentin und Expertin für Verhörtechniken Kathryn Dance vernommen werden; ein Umstand, den der Bösewicht zu einer blutigen Flucht nützt. Schnell wird klar, dass der Ausbruch nur mit Unterstützung von außen gelingen konnte und so installiert man ein Team unter der Leitung der „Menschenleserin“, um den Entflohenen gleich wieder dingfest zu machen. Kathryn gräbt sich tief in Pells Vergangenheit ein, hofft sie doch, mit Hilfe der ehemaligen Sektenmitglieder Zugang zur Denkweise des Soziopathen zu erlangen. Der Plan ist zunächst erfolgreich, man kommt ihm rasch auf die Spur, aber der erfolgreiche Zugriff mag dennoch nicht gelingen. Etwas ist immer anders als es zu sein scheint und das gilt nicht nur für die Gegenwart…

Mit „Die Menschenleserin“ legt der Autor den ersten Roman mit Kathryn Dance in der Hauptrolle (sie hatte bereits einen Gastauftritt in „Der gehetzte Uhrmacher“) vor und es ist ein exzellentes Debüt. Die Protagonistin fasziniert mit ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit als menschlicher Lügendetektor, sie erkennt an Haltung, Körpersprache und Stimme, wann jemand die Unwahrheit sagt.Allerdins ist das keine übernatürliche Wahrnehmung, sondern durchaus wissenschaftlich fundiert; der Fachausdruck dafür lautet Kinesik.

Das Buch ist mitreißend und spannend, intelligent geschrieben und – wie stets bei diesem Autor – voller unerwarteter Wendungen, die den Leser zwar staunend, aber nicht ratlos zurücklassen. Die Figuren sind komplex gezeichnet und damit ist der Grundstein gelegt für ihre künftige Entwicklung in weiteren Werken dieser Reihe, ähnlich wie bei den Lincoln-Rhyme-Romanen. Freunde ansprechender Kriminalliteratur dürfen sich also freuen, denn in einem Brief an die Leser hat Deaver versprochen, nach einem neuen Abenteuer mit dem gelähmten Forensikexperten ein zweites Buch mit Kathryn Dance folgen zu lassen. Bis dahin wäre es allerdings erst einmal angebracht, dass sich ein Verlag dazu entschließt, endlich „Garden of Beasts“ auch auf Deutsch zu veröffentlichen, ein packender Thriller, der in Berlin während der Nazi-Diktatur spielt.

Interessierten Lesern sei auch die offizielle Website des Schriftstellers empfohlen: http://www.jefferydeaver.com

Bitte kommentiere diese Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Genre: Thriller
Illustrated by Blanvalet