Mut zur Demut

Mut zur Demut. Erotische Phantasien von Frauen hieß das Erstlingswerk der Journalistin und Schriftstellerin. Dies ist der Nachfolgeband. Darin schildert die Autorin die Fantasien sadomasochistischer Frauen. Der Band enthält drei Geschichten, die zuvor fast wörtlich in der Zeitschrift Schlagzeilen des Charon-Verlages erschienen waren, darunter die Erzählung eines Mannes, die nun als die einer Frau dargestellt wird. „Gewalt und Schmerz, selbstgewählte Demut, Vergewaltigungsphantasien und absolutes Ausgeliefertsein spielen in der Phantasiewelt vieler Frauen eine bedeutende Rolle,“ berichtet die Inhaltsangabe auf dem hinteren Buchdeckel.

So nebenbei bemerkt: Der Charon-Verlag hat sich auf Zeitschriften und Literatur aus dem Bereich BDSM spezialisiert.

Sind andere Veröffentlichungen Geißlers noch journalistisch verbrämt und pseudokumentarisch, so bietet dieses Buch reine Fiktion, also unterhaltende Belletristik. Daß der Heyne-Verlag das Buch in den Bereich „Sachbuch“ einordnet, ist in dieser Hinsicht völlig unverständlich – mit der Vermittlung von Fakten hat das Buch nun überhaupt nichts zu tun.

Wer sich für diese Art Literatur begeistern kann, hält sicherlich gute Unterhaltung in den Händen. Gängige erotische Literatur sieht allerdings anders aus, weil sanfter und zärtlicher.


Genre: Frauenliteratur
Illustrated by Heyne München

Lust an der Unterwerfung

Masochistinnen leiden gerne. Sie wollen gerne gequält werden. Schmerz und Unterwerfung gehören für sie zum Lust beim Sex. Erniedrigung und Demütigung mag für viele Frauen abstoßend sein – für Masochistinnen gehört sie dazu.
Sina-Aline Geißler ist Jahrgang 1965. Sie wurde 1990 bundesweit durch die Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte in dem Buch Lust an der Unterwerfung. Frauen bekennen sich zum Masochismus bekannt, in dem sie sich selbst als Masochistin outete.

„Im Rahmen des folgenden großen Presseechos erschien unter anderem eine Titelgeschichte der Zeitschrift „Stern“ Ich bin Masochistin – Sina Geißler, 24, bricht ein Tabu (stern Nr.10, 1990).

Insbesondere nach der Titelgeschichte des „stern“ kam es aus Teilen der Frauenbewegung zu scharfen Protesten und zu einer Besetzung der Redaktionsräume der Zeitschrift. Im Rahmen einer Strafanzeige warfen Kritikerinnen dem Blatt die Verherrlichung von Gewalt, die Aufforderung zur Vergewaltigung sowie die Beleidigung von Frauen und Mädchen vor,“ ist in der Internetenzyklopädie Wikipedia nachzulesen.
Selten habe ich es erlebt, daß Fiktion und Wahrheit so weit auseinanderklaffen. Das Buch erinnert an vielen Stellen an Belletristik. Frauen, die doch sehr an fiktionale Gestalten erinnern, erzählen über ihren Masochismus, über ihre (sexuellen) Vorlieben. Die Ausführungen sind aber so allgemein gehalten, daß sie – trotz gelegentlicher Querverweise zu Autoren wie Erich Fromm und Friedrich Nietzsche – noch nicht einmal als journalistische Arbeit oder gar eigene Biographie durchgehen können.

Für den unbefangenen Leser ist das Buch eher eine spielerische (Selbst-)Beschäftigung mit dem Thema. Wer den Inhalt unbefangen liest, könnte ihn als Unterhaltung, als Freizeitbeschäftigung abtun, ohne sich näher mit ihm zu beschäftigen. Wer sich aber näher mit den menschlichen Sexualpraktiken möchte, hält hiermit jedenfalls keine fachliche Literatur in den Händen.

Wer die angeblichen oder tatsächlichen Hintergründe des Buches nicht kennt, würde nie darauf kommen, daß es sich hier um eine angebliche Biographie handelt. Ich nutze das Wort „angeblich“ hier gezielt. Ich kann mich – trotz regelmäßiger Lektüre der Tagespresse – nicht daran erinnern, jemals über das Buch und die Ereignisse im Stern gelesen zu haben. Dessen elektronisches Archiv geht nur bis ins Jahre 2002 zurück. Von daher ist es etwas schwierig, zu recherchieren, was damals tatsächlich passiert ist.


Genre: Frauenliteratur
Illustrated by Heyne München