Mozart und Salieri

Puschkins „Mozart und Salieri“ ist ein kurzes Drama, welches 1832 erschien und in Deutschland beinahe unbekannt ist.

Die Handlung scheint eindeutig, denn die Dialoge sind einfach und der Konflikt klar. Jedoch lässt sich unter dieser Oberfläche eine komplexe Gedankenwelt hineininterpretieren.

Salieri hält am Anfang des Werkes einen langen Monolog, indem er den Entschluss fasst, Mozart zu töten. Für wen sollte dieser schließlich weiter leben? Er ist so berühmt, doch nicht würdig diese Gabe zu tragen. Seine Musik ist perfekt, damit jedoch unwiederholbar. Warum wurde Mozart, der seine Begabung nicht ernst nimmt, mit so viel Talent gesegnet, und nicht Salieri, der doch so hart arbeitet?
Letztlich mischt Salieri Mozart Gift in den Wein, woran dieser schließlich stirbt.

Ebenso wie Mozart ist Salieri Künstler, steht aber immer hinter dem noch berühmteren Freund und beneidet ihn deshalb wie keinen anderen. Salieri tritt im Drama aktiv auf und charakterisiert sich und Mozart.
Mozart ist das spielerische Genie, Salieri hingegen nur ein asketischer Handwerker, der Komponieren als Arbeit sieht. Sein strammes Weltbild passt so gar nicht zu der Leichtigkeit, die Mozart verkörpert. Beide haben unterschiedliche Vorstellungen, was einen Künstler ausmacht: für Mozart ist ein Künstler selbstständig, lebt von der Inspiration und Interpretation, Salieri hingegen sieht Mozarts willkürliche Auffassung von Musik als Bedrohung an.
Beide haben einen „wahrhaft engen Bund“, Mozart sieht Salieri als Gleichgesinnten; Salieri fühlt sich hingegen benachteiligt.
Salieri kann als Antiheld bezeichnet werden, ist jedoch kein skrupelloser Mörder, er bereut die Tat, will sie jedoch nicht rückgängig machen. Gewissermaßen musste er Mozart umbringen, er sieht in dem Mord seine Pflicht und seiner Meinung nach ist er Richter und Henker über Mozart.
Eine besondere Rolle kommt dem aus dem einfachen Volk stammenden Geiger zu, der „Le Nozze di Figaro“ spielt. Salieri ist sehr böse darüber, dass ein „niederer Künstler“ eines von Mozarts Werken spielt, die viel bekannter sind, als die von Salieri.
Weiterhin spricht Mozart von einem „Schwarzen Mann“, der ihn verfolgt, seitdem er an seinem Requiem komponiert und der als Todessehnsucht Mozarts interpretiert werden könnte.

Alles in allem kann man sehr viel in dieses kurze Drama interpretieren. Künstlerauffassungen und Weltvorstellungen beider Protagonisten klaffen sehr weit auseinander, die Spannungen scheinen unüberbrückbar. Der Mord als letzter Ausweg Salieris wird deutlich, wenn man die Umstände, die er im Eingangsmonolog darstellt, beachtet. Mozart scheint der große und unantastbare Künstler zu sein, der in Salieri mehr einen Freund als einen Konkurrenten sieht. Für dieses Vertrauen muss er am Ende bezahlen.


Genre: Theater
Illustrated by Reclam Stuttgart/Dietzenbach

Pique Dame

Alexander Puschkins „Pique Dame“ ist ein eher unbekannteres Werk von bescheidenem Umfang.

„Pique Dame bedeutet heimliches Übelwollen“ heißt es zu Anfang der Erzählung.

Die Erzählung ist in 5 Kapitel unterteilt. Im Zentrum stehen das Kartenspiel, jedoch auch die Motive Liebe und Verrat, vor allem jedoch die Habgier.

Im ersten Kapitel ist von einem Kartenspiel die Rede, welches erst im weiteren Verlauf der Erzählung verstanden und in Zusammenhang gebracht wird.
Im zweiten Kapitel treten die alte Gräfin und ihre Pflegetochter Lise auf. Die alte Dame ist schwierig, sie hat viele Schrullen, unter denen vor allem Lise zu Leiden hat. Eines Abends sieht die junge Frau aus dem Fenster und erblickt einen Mann, der auf der Strasse steht und sie beobachtet. Der Gardekavallerist heißt Hermann und ist der Sohn eines nach Russland immigrierten Deutschen. Hermann schickt ihr einen Brief, der eine Liebeserklärung enthält, doch geht es ihm nicht um Lise, sondern lediglich um die alte Dame. Die Gräfin hat das Talent, drei Karten zu raten, was sich Hermann beim Kartenspielen zu nutze machen will. Doch bevor sie Hermann die Zahlen der Karten verraten kann, stirbt sie. Beim alles entscheidenden Kartenspiel verliert Herman, die Pique Dame schlägt ihn, die hier symbolisch für die alte Gräfin steht. Daraufhin wird Hermann verrückt in eine Klinik eingewiesen.

Diese kurze Erzählung ist sehr real geschrieben. Die alte Dame wird trotz ihrer Absonderlichkeiten keinesfalls negativ dargestellt.
Alle Figuren sind ironisch und karikiert gezeichnet, fast hätte man Mitleid mit ihnen, beispielsweise mit Lise, die ein regelrechtes Mauerblümchen ist, oder Hermann, der lediglich auf das Kartenspielen aus ist. Phantasie und Realität verschwimmen und der Leser ist sich manches Mal nicht sicher, ob sich die Hauptfigur die gesamte Handlung einbildet oder nicht.

Insgesamt ist die Erzählung lesenswert und zeigt ein typisches Werk Alexander Puschkins: Realität und Phantasie stehen nah beieinander.


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen
Illustrated by Verlag Neues Leben Berlin