Die Dame mit dem Hündchen

Anton Pawlowitsch Tschechows „Die Dame mit dem Hündchen“ wurde 1899 geschrieben und stellt das Ende des 19. Jahrhunderts dar. Eine kurzweilige und unterhaltsame Erzählung, die symbolistischen Charakter hat.

Der Protagonist Gurow ist nach Jalta gefahren, um sich zu erholen. Dort sieht er eine junge Frau, die mit einem weißen Spitz Gassi geht. Da sie immer allein unterwegs ist und niemand sie kennt, nennen alle sie nur „die Dame mit dem Hündchen“.
Obwohl Gurow verheiratet ist und drei Kinder hat, spricht er die Dame an; seiner Frau war er schon längst untreu geworden. Anna Sergejewna, so der Name der Dame mit dem Hündchen, hält er für bedauernswert, fängt jedoch eine Woche später eine Affäre mit ihr an.
Nach der ersten Nacht entschuldigt sie sich sofort bei ihm und meint, er würde sie jetzt nicht mehr achten. Gurow sieht das ganz anders, ist eher entnervt von ihrer Reue.
Beide setzen ihre Affäre fort bis ein Brief von Anna Sergejewnas Mann eintrifft, der Augenprobleme hat und sie bittet, sofort zu ihr zu kommen.

„Wir trennen uns für immer, so muss es sein, denn wir hätten einander nie begegnen dürfen.“

Beide kehren nach Hause zurück. Eigentlich hätte danach alles wieder wie vorher sein können, doch Gurow kann seine Affäre nicht vergessen. Immer heftiger flammen die Erinnerungen wieder auf und Anna Sergejewna scheint ihm überall hin zu folgen. Er möchte sich jemandem mitteilen, schafft das aber nicht. Seine unnützen Tätigkeiten und Unterhaltungen nerven und verärgern ihn, er verzehrt sich nach Anna Sergejewna und fährt schließlich zu ihr.
Zuerst ist er gereizt, weil er seine Liebe nicht wieder finden kann, schließlich trifft er sie im Theater wieder. Beide sind erschrocken, vor allem Anna Sergejewna, obwohl sie zugeben muss, dass sie ihn auch vermisste.

Alle zwei oder drei Monate kommt sie nach Moskau, beide treffen sich und an dieser Stelle hört die Erzählung auf.

„Und es schien, als brauche es nur noch ein weniges, und die Lösung wäre gefunden, und dann beginne ein neues, herrliches Leben; und beiden war klar, dass es bis zum Ende noch weit, sehr weit war und dass der Komplizierteste und schwierigste Teil gerade erst begonnen hatte.“

In dieser Erzählung triumphiert die Liebe über das armselige Leben der beiden Hauptfiguren. Berufe oder Tätigkeiten treten völlig in den Hintergrund, die Empfindungen sind wichtiger als die Handlung. Das innere Erleben der Figuren steht im Vordergrund.

Obwohl ein fortdauernder Ehebruch vorliegt, wird dieser nicht verurteilt, sondern akzeptiert. Das alte Leben der Protagonisten war eine Lüge, die nun demaskiert wird. Das neue Zusammenleben baut jedoch auf neue Lügen auf und beide leben ein Doppelleben. Die Ehepartner spielen keine Rolle, lediglich die Frau von Gurow wird kurz charakterisiert, jedoch sei sie hysterisch und unaufrichtig, es gehe ihr nicht um die Liebe sondern um etwas Höheres.

Die Figuren entfremden sich existenziell voneinander, was zugleich die Kritik an der Erzählung darstellte. Es sei völlig unglaubwürdig, dass sich eine junge Frau in einen doppelt so alten Mann verliebe und sich ihm hingibt, sollte, zumal beide verheiratet, doch eigentlich verurteilt werden.

Eine wichtige Frage ist zudem: Wer täuscht hier wen? Gurow täuscht sich selbst, indem er glaubt, die Affäre sei belanglos, Anna täuscht sich, indem sie denkt, sie sei nach der gemeinsamen Nacht verachtenswert und beide täuschen sich, indem sie denken, die Affäre geheim zu halten. Hier spielen Ängste und Rollenzwänge eine große Rolle.


Genre: Kurzgeschichten und Erzählungen
Illustrated by Reclam Stuttgart/Dietzenbach