Granat für Greetsiel

Granat für Greetsiel

Auf einem Krabbenkutter aus Greetsiel wird ein Netz an Bord gehievt, das neben Granat und anderem Meeresgetier eine von Tang und Schlick überzogene Wasserleiche enthält. Ein schöner Schreck für die dreiköpfige Besatzung der „Sirius“. Pflichtgetreu wird die zuständige Wasserschutzpolizei verständigt, die kurz darauf in Begleitung von zwei Kripobeamten aus Emden, die sich wie Pat und Patachon gebärden, mit einem Schnellboot längsseits gehen. Für die beiden Kommissare ist der Fall klar: Hier ist eine Frau bei einer Fete auf einer Yacht über Bord gegangen und ertrunken.

Auf hoher See beginnt der unterhaltsame Krimi des Berliner Autors Dirk Trost, der mit diesem Roman eine Reihe um seinen Helden Jan de Fries einläutet. Dr. de Fries ist ein Strafverteidiger, der sich im ostfriesischen Fischerdorf Greetsiel zur Ruhe gesetzt hat. Der Ex-Anwalt hat sich in den Ort verliebt und bewohnt mit seinem Hund Motte ein altes, aus roten Backsteinziegeln gemauertes ehemaliges Kapitänshaus am Deich. Hinter dem idyllischen Reetdachhaus züchtet er mit Begeisterung historische Teerosen. Jan de Fries hat eine fünfzehnjährige Ehe hinter sich und hält sich für einen eingefleischten Junggesellen. Zumindest diese Rolle spielt er im weiteren Geschehen nicht sonderlich überzeugend, denn es tritt keine Dame auf, der er nicht auf Beine und Po starrt.

Sein bester Freund in Greetsiel ist der einstige Landarzt Uz, den er in einer Kneipe kennenlernte, wo die beiden sich von der Weiblichkeit unverstanden fühlenden Herren ihr Wunden leckten und ihren Kummer in Hochprozentigem ertränkten. Uz fand neuen Lebenssinn im Restaurieren eines abgetakelten alten Holzkutters namens „Sirius“ und damit stechen die beiden Leidensgefährten regelmäßig in See und fischen „Granat“, wie die köstlichen Nordseekrabben genannt werden.

Eines Nachts kommt es zu einem Fischzug, bei dem den Hobby-Krabbenfischern eine junge Frau ins Netz geht. Tot. Mausetot. Eine Wasserleiche! Für die ermittelnde Kriminalpolizei ein klarer Fall: Die Frau ist auf einer Yacht über Bord gegangen und war so stark alkoholisiert, dass sie keine Überlebenschance mehr hatte.

Es dauert nicht lange, da tritt die attraktive Schwester der Verstorbenen auf den Plan und überredet Jan de Fries, für sie anwaltlich tätig zu werden. Im Zuge seiner Ermittlungen stößt er auf Beweise, die den Tod der Frau als Mord belegen. Und es bleibt nicht bei einem Toten. Am Kai wird wenig später eine weitere Leiche geborgen.

Dirk Trost entwickelt eine komplexe Kriminalgeschichte, die nach anfänglichem Segeln in seichtem Gewässer in der zweiten Hälfte des Textes zunehmend Fahrt aufnimmt und knisternde Spannung entwickelt, um in einem grandiosen Finale auf stürmischer See zu münden. Zwischendurch lässt der Autor ausführliche Informationen über Land und Leute einfließen, die profundes Detailwissen sowie Spaß an der Vor-Ort-Recherche offenbaren und jeden Reiseführer das Fürchten lehren.

In stilistischer Hinsicht ist der Krimi sauber gearbeitet. Sprachlich beweist Dirk Trost ein deutliches Bemühen um sprachlichen Ausdruck, den andere Autoren des Genres weniger ernst nehmen. Die Personenführung im Roman ist klar und nachvollziehbar.

Mit Jan de Fries schafft Trost eine Art ostfriesischen Perry Mason, einen Anwalt, der Polizei und Justiz stets eine Nasenlänge voraus ist und in Kampfgetümmel, in die er gerät, seinen Mann steht. Dass die bisweilen überbordende Phantasie des Verfassers die eine oder andere Handlung unlogisch erscheinen lässt, ist in der Gesamtbewertung zu vernachlässigen. Viele Krimiautoren versuchen sich durch übertriebene Brutalitäten zu übertreffen und ersinnen immer verrücktere Tötungsarten, um im Meer der literarischen Gewalt über Wasser zu bleiben.

„Granat für Greetsiel“ ist gut gemachte Unterhaltungslektüre und hat verdient mehr als 100.000 Exemplare abgesetzt. Die Reihe ist inzwischen auf sechs Bände gewachsen und soll fortgeführt werden.

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Genre: Krimi, Kriminalroman, Regionalkrimi
Illustrated by Edition M
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