Herzschlag

Paul Stein arbeitet als engagierter Journalist. Eines Tages erfährt er von seinem Hausarzt, daß er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Der Arzt eröffnet ihm, daß er (Stein) nur noch wenige Monate zu leben hat.

Gleichzeitig läuft der Wahlkampf – schließlich steht die Wahl eines neuen Bundestages an. Die Nationalkonservative Volkspartei ist eine rechtsradikale Partei, der große Chancen eingeräumt werden, in den Bundestag einzuziehen. Strategie und Propaganda erinnern stark an das Vorgehen der Nationalsozialisten zu Beginn der 1930er Jahre.

Stein beginnt, sich mit der Partei zu beschäftigen. Er möchte nicht nur als Journalist darüber schreiben. Er faßt irgendwann auch den Beschluß, den Parteivorsitzenden zu ermorden…

Hansjörg Martin ist Jahrgang 1920. Er wurde in Leipzig geboren. Nach Schulabschluß und Studium der Gebrauchsgraphik und Buchillustration war er Soldat, Clown, Schaufensterdekorateur, Leiter eines Volksbildungswerkes, Bühnenbilder, Lehrer, Gebrauchsgraphiker, Journalist und Dramaturg. 1965 macht er sich dann als Schriftsteller freiberuflich selbständig. 1999 ist er dann gestorben.

Bekannt geworden ist er als Kriminalschriftsteller. In der Sekundärliteratur wird er als jemand gefeiert, der dem deutschen / deutschsprachigen Kriminalroman zu neuer Geltung verschaffen hat.

Dies hier ist allerdings kein Kriminalroman; man könnte das Werk eher als Thriller einordnen. Gleichzeitig ist es auch ein Gesellschaftsroman. Er seziert die Befindlichkeit der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Erschreckend ist dabei, wie tagesaktuell das Thema dabei auch in den 2000er Jahren noch ist – siehe das Erstarken rechter und rechtspopulistischer Parteien. Inhaltlich beschreibt das Buch also, inwieweit stockkonservatives, wenn nicht gar rückwärtsgewandtes und nationalistisches Gedankengut auch heute noch in der Mitte der Gesellschaft vorhanden ist. Der Vorwurf, Autor und Inhalt wären überholt, kann also nicht geltendgemacht werden.

Der Text ist dabei gut geschrieben. Es fängt mit einer gepflegten Sprache an, die nur deutsche und keine fremdländische Begriffe verwendet. Mancher Ausdruck hat eher barocken Charakter – das Wort „obschon“ sei hier als beredtes Beispiel genannt. Auch die konservative Namensgebung bei den handelnden Personen gehört dazu. Die Charaktere werden ausführlich gezeichnet, ohne daß es dem Handlungsablauf schadet.

Das Buch gefällt. Es ist auch in unseren Tagen noch sehr gut lesbar.

Hansjörg Martin: Herzschlag; Wilhelm Goldmann Verlag München 1980; 254 Seiten; ISBN: 3-442-03951-7


Genre: Gesellschaftsroman
Illustrated by Goldmann München

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