Im diplomatischen Dienst

41KYJ73ECEL._SX261_BO1,204,203,200_Auf Empfehlung eines Freudes, der im Berliner Auswärtigen Amt seinem Leben als Berufsbeamter frönt, habe ich dieses Buch verspeist. Im Vorfeld wurde mir gesagt, es sei erstaunlich, wie exakt der Autor den Zustand im Bauche der deutschen Diplomatie beschrieben habe.

Protagonist Harry von Duckwitz hängt seinen Beruf als Anwalt an den Nagel und tritt in den diplomatischen Dienst ein, der ihn unter anderem nach Kamerun und Ecuador führt. Er gibt sich dabei als Enfant terrible der Behörde und versucht auszuloten, wie weit man mit Indiskretionen und Provokationen gehen kann, um entlassen zu werden. Letztlich interessiert ihn jedoch nur die Damenwelt. Er heiratet Rita, eine bildschöne Inderin und pflegt eine Ménage-à-trois mit seiner alten Freundin Helene.

Beschrieben wird in dem Roman aus dem Jahre 1992 die Zeit von 1975-1990. Es endet mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und bietet Einblicke in einen Teil der jüngeren deutschen Geschichte, der schon größtenteils wieder vergessen ist.

Nach der insgesamt durchaus vergnüglichen Lektüre habe ich allerdings jeden Respekt vor Diplomaten verloren. Von Westphalen beschreibt sie als eine faule Bande, die neben dem Besuch von Parties ihr Tagewerk mit dem Verfassen von Berichten verbringen, die ungelesen in Leitz-Ordnern verschwinden. Ein Diplomat sei »ein typisches Exemplar der menschlichen Gattung, feige, falsch, vorsichtig, machtlos, untätig und mit vernageltem Gesichtskreis«, lässt er Harry von Duckwitz sagen. Ob sich in dieser Hinsicht etwas in den letzten 25 Jahren verändert hat, wage ich zu bezweifeln.

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Genre: Romane, Satire
Illustrated by dtv München
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