Kitchen Princess 3

kitchen princess 3Inhalt Band 1 bis 3: Najika backt und kocht für ihr Leben gern. Als Kind hat ihr ein unbekannter Junge geholfen, den Verlust ihrer Eltern zu überwinden, indem er ihr einen leckeren Pudding geschenkt hat. Diesen Jungen will Najika wiederfinden. Deshalb hat sie alles darangesetzt, in der Schule ein Stipendium zu ergattern, die auch dieser Junge besucht. Das klappt zwar, aber Najika wird von ihren neuen Mitschülern gemobbt, weil sie angeblich nichts Besonderes kann. Vor allem Akane und ihre Freundinnen machen ihr das Leben schwer. Aber nach einem Backwettbewerb kann Najika die meisten von ihrem Talent überzeugen. Nur Akane macht weiter, weil sie eifersüchtig auf Najika und deren guter Beziehung zu dem mürrischen und stürmischen Taichi ist. Mit den Attacken hört sie erst auf, als es Najika gelingt, Akane mithilfe ihres Lieblingskuchens von ihrer Magersucht zu befreien. Aber selbst jetzt ist der geschlossene Friede eher wackelig, weil Akane immer noch eifersüchtig ist. Und Akanes Freundinnen mobben Najika weiter. Najika meint indessen, dass Taichis Bruder Sora der gesuchte Junge sein könnte, aber sie kann es nicht beweisen. Allmählich verliebt sie sich in ihn. Allerdings hat sie momentan noch andere Sorgen, denn die kleine Schulmensa, die sie mit viel Liebe wieder zum Leben erweckt hat, soll geschlossen werden. Und dann ist auch noch Tante Hagio – die Leiterin des Waisenhauses, in dem Najika aufgewachsen ist – zusammengebrochen. Im Waisenhaus angekommen hilft nicht nur Najika der Leiterin und den Kindern, sondern auch Taichi und Sora. Und Najika gelingt es sogar, den aggressiven Waisenjungen Fuuta wieder ins Lot zu bringen. Aber wieder zuhause gehen die Probleme weiter.

Eigentlich ist „Kitchen Princess“ vom Grundaufbau her eine simple Dreiecksstory: Zwei (komplett unterschiedliche) Jungen bemühen sich um die Gunst eines Mädchens. Aus diesem Grundstock gewinnt die romantische Seite des Mangas ihre Spannung, denn Najika rätselt hin und her, wer denn ihr Puddingprinz sein könnte. Aber auch andere Themen machen den Manga interessant und sogar ein wenig tiefgründig: Kochen, Mobbing, Selbstbewusstsein (v.a. bei Mädchen), Freundschaft, Magersucht. Akane, ein gefragtes Model, isst nicht, weil sie gut aussehen will. Das beschert ihr eine Essstörung. Damit werden gleich mehrere gesellschaftliche Gegebenheiten mehr oder weniger direkt kritisiert: die Modelbranche, die immer wieder Schlagzeilen wegen zu dünner Models macht, die angebliche Vorbildfunktion der Mager-Models, die auf Psyche und Körper von Mädchen zerstörerisch wirkt, und die Gesellschaft allgemein, die v.a. von Mädchen und Frauen jeden Alters verlangt, gut, schlank und sexy auszusehen. Diesen zerstörerischen alleinigen Bezug auf das Äußere und den Wert von guter und schmackhafter Nahrung will der Manga durch Najika deutlich machen. Er vertritt durchaus die chinesische Philosophie, dass Essen auch Medizin ist. Und dass mit Essen Liebe durch den Magen geht, dass mit Essen schöne Erinnerungen verbunden sind, dass gutes Essen insgesamt Leib und Seele nährt. Einzuwenden wäre freilich, dass auch Najika schlank und hübsch ist. Leider trauen sich nur wenige Comic- und Manga-ZeichernInnen, unansehnliche Frauenfiguren zu zeigen und sie gar zur Hauptfigur zu machen (bei männlichen Figuren sieht das anders aus…). Allerdings weist Najika einige Eigenschaften auf, die sie zum Vorbild für Mädchen macht: Sie ist selbstständig, optimistisch, beißt sich durch schwierige Situationen durch (ohne zu verschweigen, dass sie manchmal fast aufgegeben hätte), ist fröhlich, empathisch und hilfsbereit. Bleibt nur zu hoffen, dass sie, wenn sie ihren Puddingprinzen gefunden hat, diese Selbstständigkeit bewahrt. Denn das ist leider nicht selbstverständlich: Viele ehemals selbstständige Heldinnen gehen quasi im Helden auf, sobald sie mit ihm zusammen sind, und verschwinden in den Hintergrund. Dass das gerade für Leserinnen nicht vorbildhaft sein kann und zudem sehr ärgerlich ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Außerdem kann frau sich nicht des Eindrucks erwehren, dass Najika etwas (?) naiv ist. Auch diese Naivität wird gern in Zusammenhang mit weiblichen Charakteren benutzt, denn diese lässt sie kontrollierbar und schwach erscheinen. Ebenfalls eine Zuordnung, die für das weibliche Geschlecht nicht gerade erstrebenswert ist. Interessanterweise werden auch Jungen, die in Shonen-Ai-Mangas (Mangas, in denen es um homosexuelle Liebe zwischen Jungen geht) den weiblichen Part darstellen, eher naiv und ‚weiblich zart‘ dargestellt. Schließlich will der ‚Mann‘ was zum Beschützen (und damit eine Plattform zum sich Präsentieren) haben. Dass mit dieser angeblichen ‚Beschützerei‘ die Frau in Abhängigkeit gehalten wird, braucht ebenfalls nicht extra erwähnt zu werden. Allerdings ist dieses Motiv in den meisten Comics und Mangas – leider – sehr beliebt. Damit werden auch Rollenklischees zementiert und in die Köpfe junger Mädchen (und Jungen) eingepflanzt. Rühmliche Ausnahme in fast jeder Hinsicht ist der Manga „Obaka-chan“. Die Heldin ist zwar auch nicht gerade intelligent, aber eine Koryphäe im Kampfsport. Jegliche Versuche ihrer beiden Verehrer, sie beschützen zu wollen, arten in Lächerlichkeit aus und gipfeln in der Szene, in der das Mädchen einen der beiden Jungen aus den Händen einer Gang befreit. Und das letztlich im Alleingang. Das wird der Stärke der Frauen schon eher gerecht, die auch ohne Kampfsport längst nicht so schwach sind wie das Rollenklischee hartnäckig glauben machen will. Dazu braucht man sich nur Frauen in Kriegs- und Nachkriegssituationen anzusehen oder Frauen im normalen Alltag, die – immer noch – ihre Mehrfachbelastung stemmen müssen. Und wer schon mal regelmäßig sein (zappelndes und strampelndes) Baby/Kind mit sich herumschleppen musste, der weiß, dass man sich das teure Fitnessstudio sparen kann. Schon die vorausgehende Schwangerschaft und Geburt ist eine Belastungsprobe für Körper und Seele, die ein Mann so nie durchleben (und durchleiden) muss. Auch das zeigt die Stärke der Frauen – die nicht umsonst älter werden als die Männer, wenn sie dank Verhütungsmittel aus dem Rad der ständigen Schwangerschaften und möglicherweise tödlich verlaufenden (Fehl-)Geburten befreit sind. Ergo: Ihr Körper und ihre Psyche müssen allein schon wegen der Fähigkeit zu gebären mehr aushalten können als die der Männer. Die Situation bei Najika stellt sich momentan so dar: Sie erhält zwar Hilfe von ihren beiden Verehrern, aber sie hilft im Gegenzug auch ihnen. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen, so wie es sein soll. Möge es so bleiben. Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt allerdings Soma: Wie in so vielen anderen Mangas auch belehrt der (selbstsichere, über allem stehende) Junge das (unwissende, sich gerade schwach zeigende) Mädchen. Warum ist es nicht mal umgekehrt?

Nomen est Omen: Oft sind die Namen in Mangas sprechend. So auch hier. „Najika“ bedeutet „die 7 Aromen/Farben des Regenbogens“, „Sora“ bedeutet „Himmel“ und „Taichi“ Erde. Dass der Regenbogen Himmel und Erde miteinander verbindet, drängt sich hier geradezu auf. Najika spielt eine Mittlerrolle zwischen den zerstrittenen Brüdern. Kulinarisch wird das im Kapitel „Najika und das Regenbogengelee“ verarbeitet (Band 1). Überhaupt dreht sich alles um Essen, nicht nur in der Geschichte selbst, sondern auch im Anhang. Der präsentiert nämlich alle Gerichte als Rezepte zum Nachkochen. Wer Spaß am Kochen und Backen hat, darf sich gern mal an den Rezepten versuchen, sollte allerdings für manche Rezepte Zeit mitbringen.

Auch das Thema Mobbing (verbunden mit Rufmord) kommt oft in Mangas vor. Dazu muss man wissen, dass in Japan Außenseiter aufgrund der Gruppenmentalität noch weniger angesehen sind als in Deutschland. Aber hier wie dort gibt es in jeder Klasse Außenseiter. Und die werden auch gemobbt. Neben dem klassischen Mobbing gibt es mittlerweile auch das Cyber-Mobbing, das durch die rasante Verbreitung mithilfe der sozialen Netzwerke ungeahnte Ausmaße annimmt. Auch Najika wird gemobbt, im Manga noch auf klassische Art. Trotzdem ist es auch für sie schwer, ohne Hilfe dagegen anzugehen. Tatsächlich schafft sie es nur mit Rückendeckung durch beliebte Schüler. Im Manga wird durch den Direktoren-Sohn Sora, der in Abwesenheit seines Vaters dessen Posten vertritt, angedeutet, dass Mobbing auch ein Fall für die Schule ist. In der Realität gibt es in Schulen inzwischen Lerneinheiten und Theaterstücke, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Fazit: Schöner Romantic-Koch-Manga, der allerdings nicht frei von Rollenklischees ist.

 


Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

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