München-Blues

Spätestens seit Jacques Berndorf 1989 seinen Krimi »Eifel-Blues« veröffentlichte, tourt der Blues durch die deutsche Regionalliteratur. Nun ist er auch im Süden angekommen. »München-Blues« betitelt Max Bronski seine Erzählung aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Der Münchner Trödler Gossec findet zur Oktoberfestzeit, in der er seinen Laden im Schlachthofviertel kaum verlässt, eine ausgeplünderte Bierleiche vor seiner Tür. Der Zufallsfund entpuppt sich als einflussreicher Lokalpolitiker, der seinem Tascheninhalt zufolge von einer Immobilienfirma auf die »Wiesn« geladen wurde. Als Gossec wenig später einem guten Freund eine neue Bleibe verschafft, weil der von einer Entmietungsfirma vor die Tür gesetzt wurde, stößt er wieder auf den ehrenwerten Abgeordneten und die ominöse Firma. Bei seinen Recherchen gerät er schnell in einen Strudel von Korruption und Spekulantentum.

Bronski mixt gute Ortskenntnis, reichlich Lokalkolorit und einen kräftigen Schuss Milieu, garniert dies mit derben Baulöwen sowie smarten Immobilienhaien und serviert eine flotte, witzig geschriebene Erzählung. Einige Spritzer Jargon und ein liebevoller Blick auf die Underdogs von München sind weitere Bestandteile des München-Blues, den der Autor anstimmt.

Das Buch ist stilistisch flappsig und liest sich flüssig. Es erweist seinen Verfasser als milieudichten Beobachter mit Wortwitz. Wer München mag und keinen literarischen Spitzentitel erwartet, wird gern in Bronskis Blues einstimmen.

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Genre: Kriminalliteratur
Illustrated by Kunstmann München
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