Shadowmarch 2 • Das Spiel

Mit dem Vormarsch einer Riesenstreitmacht der elbischen Qar unter Führung von Fürstin Yassamez gegen Südmark scheint die Welt aus den Fugen zu geraten. Im Reiche König Olin Eddons, der selbst gefangen in Hierosol sitzt und gegen ein hohes Lösegeld ausgetauscht werden soll, findet ein heimlicher Umsturz statt, der die Tolly-Brüder an die Macht bringt.

Begünstigt wird der Regierungswechsel durch das Verschwinden von Prinz Barrick, der mit dem ihm treu ergebenen Gardehauptmann Vansen hinter der Schattengrenze verschollen ist. Seine Zwillingsschwester, Prinzessin Briony Eddon von Südmark, entkommt den Thronräubern mit Hilfe des einstigen Waffenmeisters von Südmark, Shaso dan Heza und rettet ihr Leben.

Barrick Eddon und Ferras Vansen geraten in den Schattenlanden in die Hände des blutrünstigen Halbgottes Kituyik, der den versunkenen Tempel des Erdgottes Kernios wieder öffnen will, um sich die Macht der schlafenden Götter einzuverleiben. Sie schließen Freundschaft mit Gyir Sturmlicht, einem Schattenländer. Dieser vertraut Barrick einen wertvollen Wahrsagespiegel an. Barrick soll den Spiegel dem Qar-König Ynnir übergeben.

Währenddessen schickt der Autarch Sulepis, Gottkönig von Xis, dem mächtigsten Reich auf dem südlichen Kontinent Xand, eine Armada gegen Hierosol, um sich das gesamte Land Eion im Norden einzuverleiben. König Olin fällt dabei in seine Hände. Gleichzeitig greift der größenwahnsinnige Autarch Südmark an, deren Burg bereits von den Qar belagert wird.

Die Elbenarmee aus dem Schattenland wartete bislang mit einem Angriff auf die Burg, um den geheimnisvollen »Pakt des Spiegelglases« zu erfüllen. Mit diesem Pakt sollen die Götter besänftigt werden, die in das Reich des Schlafes verbannt wurden und sich danach sehnen, wieder in das Reich des Wachens zu kommen. Der Schlaf der Götter ist flach und fragil, ihre Gedanken drängen sich in die Gedanken und Träume der Völker und machen sich noch in vielerlei anderen Dingen bemerkbar. Der Gegenstand, nach dem die Qar streben, um schlimmstes Unheil zu verhindern, befindet sich ausgerechnet in der Burg, aus der sie vor Jahrhunderten vertrieben wurden, und die einst sogar Sitz der Götter selbst war: Südmark.

Gewaltige Armeen sammeln sich zu Füßen der Südmarksburg und erschüttern die Südmarksfeste und ihre Bewohner: die Menschen, die zwergenartigen Funderlinge, die versteckt lebenden winzigen Dachlinge und die auf dem Wasser wohnenden Skimmer. Wie geht das Ringen um die Macht aus?

Tad Williams gelingt das Wunder, die Perspektive des Betrachters zu verschieben. Gutes kann danach, historisch betrachtet, durchaus böse sein, und im vermeintlich Bösen liegt wiederum positive Kraft, lernt der Leser. Der Autor versteht es sogar, mit dem zweiten Band von »Shadowmarch« den Spannungsbogen noch weiter zu spannen und die Schilderung der Persönlichkeiten der verschiedenen Spielfiguren zu vertiefen. Trotz der schier unendlichen Zahl der auftretenden Personen, der zahlreichen Familien, Völker und Wesen hält er scheinbar mühelos die Fäden in der Hand und verknüpft sie mit großem Geschick.

Ähnlich wie bereits in seinem Epos »Otherland« stellt Williams jedem Kapitel einen scheinbar zusammenhanglosen Text voran, der zu einer weiteren und zwar tieferen Ebene zusammenwächst, die der aufmerksame Leser nach und nach entschlüsselt. Williams literarisches Gesamtkunstwerk ist zwischen Historienroman, Fantasyepos und mythologischem Drama angesiedelt und derart atemberaubend kunstvoll gesponnen, dass jedem, der sich darauf einlässt, allein schon in handwerklicher Hinsicht der Atem geraubt wird.

Hier geht es zur Rezension von Shadowmarch 3: Die Dämmerung

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Genre: Fantasy
Illustrated by Klett-Cotta Stuttgart

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