Die Toten Seelen

Nikolaj Wassiljewitsch Gogols „Die toten Seelen“ mutet seltsam an und ist trotzdem ein Klassiker. Ursprünglich waren drei Teile geplant, der erste Teil ist vollständig erhalten, der zweite nur fragmentarisch und den dritten Teil vernichtete Gogol kurz vor seinem Tod.

Die Handlung ist sehr einfach. Ein durchschnittlicher Mann mittleren Ranges namens Tschitschikow kommt in eine Stadt und möchte „tote Seelen“ kaufen.Dazu ist es wichtig zu wissen, dass es in Russland in bestimmten Abständen Revisionen gab, d.h. die Leibeigenen der Gutsbesitzer wurden gezählt. Starb ein männlicher Leibeigener, musste der Gutsbesitzer bis zur nächsten Revision immer noch Steuern für ihn entrichten.
Hier kommt der Protagonist Tschitschikow ins Spiel: Er schlägt den Gutsbesitzern vor, ihre „toten Seelen“ abzukaufen und sie somit von dem überflüssigen Ballast zu befreien. Welchen Nutzen hätte Tschitschikow von dem Kauf? Ganz einfach – er möchte die „toten Seelen“ an den Staat verpfänden und so Gewinn machen.
Auf Grund des Größenwahns Tschitschikows kommt sein Schwindel ans Licht und wird aufgedeckt.

Auf seiner Reise zu verschiedenen Gutsbesitzern zeichnet Gogol eine detaillierte Gesellschaftskritik. Satirisch beleuchtet er Probleme und Beziehungen zwischen einzelnen gesellschaftlichen Schichten; gleichzeitig findet eine Stereotypisierung der russischen Gesellschaft statt.

Tschitschikow selbst scheint ein unscheinbarer Mann zu sein, jedoch bezaubert er alle, wird überallhin eingeladen und gilt als ein „Mann von Welt“. Er trifft auf viele Gutsbesitzer und gerade bei Festivitäten wird das Absurde deutlich: Man überhäuft sich mit Nettigkeiten, streitet sich darum, wer als erster durch die Tür gehen möge und hält schwülstige Reden ab. Diese Bilder wirken völlig überzogen und verzerrt, Komik wechselt sich mit Tragik ab.

Auch Moralvorstellungen werden in die Erzählung eingebunden. Da heißt es, grundsätzlich koste jede Seele zwei ein halb Rubel, Frauen würden jedoch nur einen Rubel kosten. Tschitschikow selbst hat nach fast 400 gesammelten „toten Seelen“ nicht genug, er scheint immer mehr zu wollen, damit der Gewinn ins Unermessliche steigt.

Und beinahe verschwimmt die Grenze zwischen den lebenden und den toten Seelen. Menschen existieren nur, heißt es an einer Stelle, sie sind nicht besser als die toten Seelen. Von dieser Gesellschaftskritik abgesehen, tritt Protagonist Tschitschikow völlig allein auf, keine Frauen, Kinder, Familie und Freunde werden erwähnt.

Das Lächerliche und Groteske tritt während der Erzählung nicht nur beim Kauf eigentlich toter Menschen auf, sondern die Menschen, mit denen sich Tschitschikow umgibt sind absurd karikiert. Durch alle Gesellschaftsschichten lassen sich hier verzerrt porträtierte Vertreter finden.

Obwohl zwischendrin Seiten und Stellen fehlen, wurde das Buch ein Welterfolg. Es kommt weniger auf die Geschichte als auf die Personencharakteristik an. Die Personen werden klar und liebevoll gezeichnet, was die Geschichte nur noch lesenswerter macht.


Genre: Romane
Illustrated by Unbekannter Verlag
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