Lust an der Unterwerfung

Masochistinnen leiden gerne. Sie wollen gerne gequält werden. Schmerz und Unterwerfung gehören für sie zum Lust beim Sex. Erniedrigung und Demütigung mag für viele Frauen abstoßend sein – für Masochistinnen gehört sie dazu.
Sina-Aline Geißler ist Jahrgang 1965. Sie wurde 1990 bundesweit durch die Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte in dem Buch Lust an der Unterwerfung. Frauen bekennen sich zum Masochismus bekannt, in dem sie sich selbst als Masochistin outete.

„Im Rahmen des folgenden großen Presseechos erschien unter anderem eine Titelgeschichte der Zeitschrift „Stern“ Ich bin Masochistin – Sina Geißler, 24, bricht ein Tabu (stern Nr.10, 1990).

Insbesondere nach der Titelgeschichte des „stern“ kam es aus Teilen der Frauenbewegung zu scharfen Protesten und zu einer Besetzung der Redaktionsräume der Zeitschrift. Im Rahmen einer Strafanzeige warfen Kritikerinnen dem Blatt die Verherrlichung von Gewalt, die Aufforderung zur Vergewaltigung sowie die Beleidigung von Frauen und Mädchen vor,“ ist in der Internetenzyklopädie Wikipedia nachzulesen.
Selten habe ich es erlebt, daß Fiktion und Wahrheit so weit auseinanderklaffen. Das Buch erinnert an vielen Stellen an Belletristik. Frauen, die doch sehr an fiktionale Gestalten erinnern, erzählen über ihren Masochismus, über ihre (sexuellen) Vorlieben. Die Ausführungen sind aber so allgemein gehalten, daß sie – trotz gelegentlicher Querverweise zu Autoren wie Erich Fromm und Friedrich Nietzsche – noch nicht einmal als journalistische Arbeit oder gar eigene Biographie durchgehen können.

Für den unbefangenen Leser ist das Buch eher eine spielerische (Selbst-)Beschäftigung mit dem Thema. Wer den Inhalt unbefangen liest, könnte ihn als Unterhaltung, als Freizeitbeschäftigung abtun, ohne sich näher mit ihm zu beschäftigen. Wer sich aber näher mit den menschlichen Sexualpraktiken möchte, hält hiermit jedenfalls keine fachliche Literatur in den Händen.

Wer die angeblichen oder tatsächlichen Hintergründe des Buches nicht kennt, würde nie darauf kommen, daß es sich hier um eine angebliche Biographie handelt. Ich nutze das Wort „angeblich“ hier gezielt. Ich kann mich – trotz regelmäßiger Lektüre der Tagespresse – nicht daran erinnern, jemals über das Buch und die Ereignisse im Stern gelesen zu haben. Dessen elektronisches Archiv geht nur bis ins Jahre 2002 zurück. Von daher ist es etwas schwierig, zu recherchieren, was damals tatsächlich passiert ist.


Genre: Frauenliteratur
Illustrated by Heyne München
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