Warum bist du nur so heiß?!

9783551733559Ryu ist ein wilder Teenager und prügelt sich gern, obwohl er aus gutem Hause stammt und später einmal das Hotel seiner Eltern übernehmen soll. Sein Kumpel Hinatsu ist das genaue Gegenteil: Er ist ruhig, handelt überlegt und wurde von Ryus großem Bruder Tsubame dazu überredet, auf Ryu aufzupassen. Das passt Ryu gar nicht, denn insgeheim ist er von zuhause ausgezogen, um nicht mehr in der Nähe Hinatsus zu sein – denn in den ist er heimlich verliebt. Und Hinatsu scheint nur Tsubames wegen Ryus Nähe zu suchen. Oder doch nicht? Tsubame dagegen hat andere Probleme. Eigentlich ist er als erster Sohn verpflichtet, das Hotel später zu übernehmen und er macht seinen Job als Nachfolger nach außen hin sehr gut. Keiner weiß, dass er auch eine andere Seite hat, die er heimlich am Strand auslebt: Da lässt er sich mithilfe des Alkohols und der Zigaretten gern gehen. Dabei erwischt ihn ein Gast. Atori aber sieht das locker und so treffen sich die beiden immer dann am Strand, wenn Atori zu Gast im Hotel weilt. Nach und nach verliebt sich Tsubame in Atori. Aber dann eröffnet Atori ihm, dass er ins Ausland gehen muss. Tora ist schon lange in den acht Jahre älteren Kellner Maya verliebt. Aber der interessiert sich leider nur als eine Art großer Bruder für ihn. Trotzdem gibt Tora nicht auf. Seine Chance kommt, als Mayas Beziehung in die Brüche geht.

Wie man am Inhalt schon ersehen kann, geht es hier um homosexuelle Liebe zwischen jungen Männern. In Japan und unter hiesigen Fans nennt man dieses Genre „Shonen Ai“ (Shonen = Junge, Ai = Liebe). Bei weiblichen Manga-Fans ist dieses Genre sehr beliebt, sicher auch wegen der hübschen Jungs. Überhaupt sind gezeichnete männliche und weibliche Figuren in Mangas (wunder)schön anzuschauen, was einen großen Teil der Anziehungskraft dieser Art der Comics ausmacht. Gerade die männlichen Figuren, die ein weibliches Publikum ansprechen sollen, sind vielschichtiger und schöner als die der Mangas für Jungen (Shonen Mangas). Da macht auch das Shonen-Ai-Genre keine Ausnahme. In Deutschland fing das Interesse der weiblichen Fans (wohl auch der männlichen Homosexuellen) in den späteren 90ern des vergangenen Jahrhunderts mit den Serien „Zetsuai 1989“ und „Bronze Zetsuai“ an, die damals in der AnimaniA (einer Fachzeitschrift für Mangas, Animes und japanische Kultur) vorgestellt wurde und in Japan Kultstatus genießt. Ursprünglich war dieser Manga ein Doshinji (Fan-Manga) zur Fußballserie „Captain Tsubasa“ (auch hier als Manga in den frühen 2000ern erschienen; als Anime kam er in Deutschland erstmals 1995 ins Fernsehen). Daraus entwickelte die Autorin Minami Ozaki eine Geschichte über die homosexuelle Liebe zwischen zwei Männern. Die Serie wurde in den 2000ern auch in Deutschland veröffentlicht. Seitdem hat Shonen Ai einen festen Platz in den Herzen der Fans. Die Spannbereite geht von romantischer Liebe bis hin zu Sex-Szenen. Kritisiert wird allerdings oft, dass die Ausgrenzung Homosexueller (gerade auch in Japan) wenig bis gar nicht thematisiert wird. Manchmal gibt es Mangas, die das explizit in die Geschichte einbauen, manche Mangas streifen das Thema, aber oft hat man als LeserIn das Gefühl, die Geschichten spielen in einer abgeschlossenen/abgeschotteten Welt, in der sich die Figuren „nur“ über ihre eigenen Gefühle klarwerden sollen, ohne die Reaktionen der Umwelt dabei beachten zu müssen. In diesem Manga ist es ähnlich: Die jungen Männer sind zwar verwirrt über ihre Gefühle, aber sie machen sich um eine Außenwirkung wenig Gedanken. Die Figuren sind gewohnt hübsch, aber im Gegensatz zu anderen Shonen-Ai-Mangas nicht außergewöhnlich schön, sondern eher individuell. Das ist für mich ein Pluspunkt, weil hier vom Stereotyp abgewichen wird. Für LeserInnen ist es in Anbetracht der Realität nicht immer so ganz einfach nachzuvollziehen, dass die „Homos“, wie in diesem Manga, gern geballt auf einem Haufen vorkommen – alle sind miteinander verwandt, befreundet oder bekannt. Normalerweise muss man sich als Homo erst einmal Gleichgesinnte suchen. Trotzdem sind die Geschichten für einen Einzelband in Ordnung; die Entwicklung der Story und der Gefühle geht in Anbetracht des wenigen Platzes nicht zu schnell voran und auch die Charakterentfaltung ist okay. Da eine Sexszene vorkommt, empfiehlt Carlsen den Manga für eine LeserInnenschaft ab 16 Jahren, was ich in Ordnung finde. Gut auch, dass zumindest die Geschichte von Tora und Maya aus zwei Perspektiven erzählt wird, nämlich die beider Hauptpersonen, sodass man Einblicke in ihre jeweils eigene Gefühls- und Gedankenwelt erhält. Die anderen Geschichten sind eher klassisch aufgebaut und berichten aus der Erzählerperspektive, wobei immer ein Charakter und dessen Gefühlswelt im Vordergrund steht. Die Hintergründe sind eher minimalistisch gehalten und dienen meist der Intensivierung und Verdeutlichung der Innenwelt der Figuren.

Fazit: Solider Shonen-Ai-Manga, der zwar kaum neue Impulse setzt, aber angenehm zu lesen ist.

 


Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg
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2 thoughts on “Warum bist du nur so heiß?!

  1. Wahnsinn was dieser Manga gerade in den Köpfen einer Generation von Videospielern wie mir auslöst. Anfang der 1990er dreschen Millionen von Jugendlichen mit dem Karatehelden Ryu auf Gegner ein im benannten Beat´em up: Street Fighter II – The World Warrior.

    Ryu dort mit muskelbepackten Armen, rotem Stirnband gepaart mit Kampfschreien ließ definitiv keinen Raum für den Gedanken an Homosexualität! 🙂

    Die Gegner wurden reihenweise auf die Bretter geschickt.

    Ich würde mir jetzt nicht diesen Manga zulegen, da mich das Thema nicht anspricht. Finde aber den oben beschrieben Flashback köstlich.

    Gerne mehr Rezensionen zu Mangas.

    http://3.bp.blogspot.com/_DW3zzQhaDHk/SHXK-B6_SkI/AAAAAAAAAPA/-FnovRowtFk/s400/r9.jpg

    • Ja, Streetfighter kenne ich. Das besaßen mein Bruder und ich als Computerspiel und als Anime. Mangas an sich sind in Japan seit Osamu Tetsuka Massenware, die jedes Thema für jedes Alter bedienen. In Japan wird für die telefonbuchdicken Billig-Mangas mehr Papier verbraucht als für Toilettenpapier. Da sieht man schon, wie tief verwurzelt die Comic-Kultur in Japan ist. Erfolgreiche Mangas erhalten eine teurere Auflage, zudem oft einen Anime oder Realfilm, evtl. eine PC-Spielversion und Merchandise. Aus PC- und Konsolenspielen eruieren sich aber auch im umgekehrten Weg Mangas.

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