Schreiben unter Strom

Der Betrachter des missverständlichen Buchtitels mutmaßt vielleicht, der Verfasser widme sich denjenigen Autoren, die im Vollrausch, unter Alkohol, Drogen oder welchen erhellenden Substanzen auch immer ihre literarische Produktion zur Höchstform bringen. Doch da liegt er falsch.

Tatsächlich behandelt Porombka das Schreiben unter Verwendung von Elektrizität – also mittels Rechner, Tablet, Smartphone oder welchem Gerät auch immer. Und dabei geht es ihm im Besonderen um neue Formen der Literatur, die sich ob der technischen Bedingungen in Kürze üben müssen: um SMS, Twitter & Co.

Dazu stellt er – akademisch korrekt – zuerst einmal ein paar Grundprinzipien, des »Schreibens unter Strom« vor. Danach stellt er Projekte wie »Twitteratur« vor, die letztlich wieder in klassische Papierbücher münden. Schließlich befasst er sich mit Projekten, die das (Strom)Netz nicht verlassen und damit ihre eigene organische Lebensform entwickeln.

Wer also mitunter gern mal mit dem Handy dichtet, sich per Twitter ultrakurz literarisch oder lyrisch äussern möchte oder über das reine Vermitteln von Alltagsnachrichten hinaus die Möglichkeiten neuer Medien nutzen will, der bekommt in diesem Büchlein neben einigen interessanten historischen Betrachtungen durchaus praktikable Anregungen.

Dass der 160 Seiten starke Holzband als Elektrobuch freche € 10,99 kostet, zeigt (mir zumindest), dass der Dudenverlag weder echtes Interesse hat, sich neuen Medien zu öffnen noch die Zielgruppe erreichen möchte.


Genre: Internet
Illustrated by Duden

Wie veröffentliche ich ein E-Book auf amazon.de?

In einem Interview habe ich von Frieling mal den Satz gelesen: \“Es ist die große Kunst, Sachbücher so populär zu schreiben, dass der Leser gar nicht merkt, wie er lernt.\“ Den Satz habe ich mir notiert, weil ich die meisten Sachbücher schrecklich langweilig finde und daraus nur ein oder zwei Informationen ziehen konnte. Und als ich dieses E-Book auf meinem frisch erworbenen Kindle-Reader las, musste ich an Frielings eigene These denken und wollte ihn daran messen.

Ich mache es kurz: Mir ist noch kein Sachbuch vor die Flinte gekommen, das ich mit derartigem Gewinn gelesen habe! Der Autor nimmt seinen Leser an die Hand und erklärt mit Engelsgeduld Schritt für Schritt den Weg vom Manuskript zum eigenen E-Book. Ich habe es anfangs überhaupt nicht bemerkt, wie geschickt er das anstellt. Denn Frielings Trick ist, im Plauderton zu schreiben und dabei sowohl essentielle Informationen einzustreuen und haufenweise Tricks zu verraten. Gleichzeitig unterhält er prächtig und behandelt alle Fragen, bevor man sie überhaupt stellen kann.

Wenn man nun noch berücksichtigt, dass dieses umfangreiche Buch zum Schleuderpreis abgegeben wird, dann ahnt man, dass Frieling das Thema E-Books wie kein Zweiter beherrscht: Er setzt auf massenhafte Verbreitung von Wissen zum Niedrigpreis. Kein Wunder, dass in wenigen Monaten mehr als zehntausend Exemplare dieses Werks abgesetzt wurde und Frieling sich damit in die Top-Verkaufslisten von Amazon katapultierte. Ein verdienter Erfolg für ein Spitzenbuch!


Genre: Internet
Illustrated by Internet-Buchverlag Berlin

Wie veröffentliche ich ein E-Book auf amazon.de?

Das E-Book ist nicht nur die Zukunft der Literatur, sondern längst in der Gegenwart angekommen und bietet besonders denen völlig neue Chancen, die schon immer davon geträumt haben, ihren Namen auf einem Buch-Cover prangen zu sehen. Es ist also mehr als folgerichtig, dass ein echter Kenner des Verlagswesens und alter Hase im Literaturbetrieb wie W.R. Frieling, der selbst viele Jahre damit verbracht hat, hoffnungsfrohen Neu-Autoren eine Bühne für ihre Ambitionen (oder einen Jahrmarkt für ihre Eitelkeiten) zu bieten, sich nun seinerseits per E-Book des Themas annimmt und kompetent alle brennenden Fragen beantwortet.

Zunächst gibt es einen Überblick über den Siegeszug des neuen Mediums inklusive schier unglaublicher success stories von E-Book-Millionären jenseits des großen Teiches, bevor der Autor in medias res geht, den interessierten Leser (und potenziellen Schreiber) an die Hand nimmt und Schritt für Schritt zum Ziel seiner Träume führt. Dabei gibt er nicht nur wertvolle Tipps aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz preis, sondern warnt auch vor rechtlichen und steuerlichen Fallen, die besonders in der regulierungswütigen BRD an mancher Ecke lauern.

War es früher oft schwieriger, ein Buch zu veröffentlichen als zu schreiben, haben sich heute die Vorzeichen umgekehrt, dank Amazon ist es kindle-leicht. Dieser Ratgeber ist für Nachwuchs-Autoren unverzichtbar, wenn man sich daran hält, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Als Sachbuch ist er naturgemäß mit Fakten gefüllt, aber nicht überfrachtet und dank Frielings gewohntem Wortwitz niemals trocken; immer wieder blitzt zwischen den Zeilen der Schalk, der dem Verfasser im Nacken sitzt.

Die Lektüre des vorliegenden Werks (und aller anderen Amazon E-Books) ist übrigens keineswegs auf den Amazon Kindle beschränkt, sondern mit entsprechenden Gratis-Apps auch auf PC, Tablet, Smartphone etc. jederzeit möglich.

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Genre: Internet
Illustrated by Internet-Buchverlag Berlin

Onkel Wumba aus Kalumba

Wilhelm Ruprecht Frieling, prominent-distinguierter Lebemann, Multimedia-Star und stolzer Herausgeber dieses virtuellen Magazins hat wieder zugeschlagen und bringt der darbenden Fangemeinde ein neues Werk dar, trefflich betitelt „Onkel Wumba aus Kalumba“.

Dieses Mal greift der Meister kaum selbst zur Feder, sondern nimmt sich einer der Geißeln des neuen Millenniums an, indem er mit bewundernswerter Akribie Spam-Mails aus aller Welt zusammen getragen hat, die sich stets um dasselbe Thema drehen. Und nein, damit meine ich nicht die mittels Zauber-Pülverchen erreichbaren notwendigen Verlängerungen mittig-männlicher Körperteile…

Hand auf’s Herz: Wer von uns verzeichnete noch nie erhöhten Pulsschlag angesichts eines im elektronischen Postfach avisierten satten Lotteriegewinns? Wer träumte nicht schon mal von einem sorgenfreien Leben in Saus und Braus dank Dollar-Millionen, die es auf verschlungenen Pfaden völlig risikolos aus dem tiefsten Afrika nur abzugreifen gilt? Und welcher geplagte Werktätige ließe sich nicht locken mit den Versprechen absolut stressbefreiter Spitzenjobs, die selbstverständlich astronomisch dotiert sind?

In diesem Büchlein wird das begehrliche Herz fündig, dem modernen Entrepreneur steht die Internet-Welt offen und der sichere Reichtum lauert nur zwei Klicks entfernt: Mal benötigen GI’s Hilfe, um Goldschätze aus dem Irak zu schaffen, verzweifelte Prinzessinnen aus Hongkong kämpfen gegen raffgierige Familienmitglieder um ihr Erbe und stellen dafür eine großzügige Belohnung in Aussicht oder ein gutherziger Bankdirektor aus Ouagadougou in Burkina Faso (man möchte ja nicht mit den schwarzen Schafen der Nigeria-Connection verwechselt werden) verteilt guten Gewissens Schwarzgelder, wie um den gestrengen obersten Finanzherrn Steinbrück in seinem ritterlichen Kampf zu bestätigen.

Die mit viel Mühe und Fantasie gesponnenen geheimnisvollen Geschichten sind im Original enthalten, schauderhaft krudes Deutsch respektive zerbrochenes Englisch all inclusive. Autor Frieling hat diese Zeitdokumente unverändert übernommen und gibt somit nicht nur die Absender (mit kompletten Mail-Adressen und Telefonnummern) dem voyeuristischen Auge des Lesers preis, sondern entlarvt gleichzeitig auch die gierigen Tölpel, die trotz tausendfacher Warnungen immer noch auf diesen Blödsinn hereinfallen. Und wenige sind das nicht, die zwielichtige Abzocke floriert flott weiter, wie ein allmorgendlicher Blick in die Mailbox beweist…

Natürlich darf in dem Buch auch die den Hardcore-Fans wohlbekannte und heißgeliebte Titelgeschichte nicht fehlen, in der sich der Autor auf höchst humoristische Weise mit eben diesen üblen Machenschaften befasst, hört selbst:

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Genre: Internet
Illustrated by Internet-Buchverlag Berlin

Riesenmaschine

»Das Neue Universum« war die literarische Leibspeise meiner Kindheit. Jeweils zum Jahresausklang erschien unter diesem Titel ein inhaltsschwerer Band mit Berichten aus Wissenschaft, Forschung und Abenteuer. Meine Augen leuchteten, wenn der Schinken unter dem Weihnachtsbaum prangte. Pfeilschnell zog ich mich in einen stillen Winkel zurück und verschlang atemlos, was die Autoren Faszinierendes aus Zeit und Raum berichteten.

Ende 2002 erschien mit Band 119 der letzte der 1880 begründeten Jugendbuchreihe. Die Lesegewohnheiten der Kids waren mittlerweile inkompatibel mit populärwissenschaftlichen Darstellungen in Enzyklopädien. Der Buchmarkt befand sich im Umbruch, das digitale Zeitalter fraß das gedruckte Wort, wirtschaftlicher Niedergang drohte den alt eingesessenen Buchverlegern.

Geschickt und clever sprang jedoch ein neues Medium in die frisch aufgerissene Lücke und füllte die Vakanz. »Das Beste aus dem brandneuen Universum« sollte geboten werden, und das neue Angebot nannte sich schlicht und bescheiden »Riesenmaschine«.

Riesenmaschine.de nutzt das Internet als Plattform und ist ein Gemeinschaftsprojekt. Seit Juni 2005 schreiben rund dreißig Autoren über das Thema Fortschritt in allen möglichen und unmöglichen Schattierungen. Alles, was sich in unserer Welt verändert, wird möglichst witzig und unterhaltsam thematisiert. Die Einträge drehen sich um Brotrand-Randgruppen, familientaugliche Entenmunition und nachts umherziehende Putzguerilla.

Mit vielen tausend Zugriffen pro Monat zählt die virtuelle Riesenmaschine mittlerweile zu den meistgelesenen deutschen Blogs. Die Texte gehören, so die Jury des Grimme Online Award, die 2006 zugunsten der digitalen Blog-Kommune zuschlug, »zum Formidabelsten und Unterhaltsamsten, das im deutschsprachigen Netz zu finden ist«. Seien es stapelbare Kinder, Wurst mit Wellnesskräutern und automatische Fische – die Riesenmaschinisten erklären innere Zusammenhänge unserer sich rasant wandelnden Welt.

Hundert der besten Einträge wurden nun in einem Taschenbuch versammelt und knüpfen damit zumindest der gedruckten Form nach an »Das Neue Universum« an. Dies geschieht auch optisch. Denn die Wort-Bild-Marke, unter der die Riesenmaschine hausiert, ist der auskopierte Teil einer Überschrift aus »Das Neue Universum« aus den späten 1950ern. Damals ging es um Grossgeneratoren, und die Überschrift lautete: »Riesenmaschinen stillen Stromhunger«.

In Buchform gibt es die Riesenmaschine damit auch als Vademecum für stromlose Zeiten, Ausflüge oder zum Studium des Blogosphäre. Mit seinem redaktionellen Motto »Keine Sozialgeräusche – Keine Befindlichkeiten – Kein Erlebnisschrott« kann das Werk durchaus Vorbild sein für jeden, der gern bloggt. Es bietet demjenigen Information und Lesevergnügen, der die Weiten der die Riesenmaschine im Überblick kennen lernen möchte. Kurzum, es ist seine 8,95 Euronen wirklich wert.

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Genre: Internet
Illustrated by Heyne München