Der Messias

Für die Christen ist Jesus von Nazareth ihr Erlöser. Eigentlich wird sein irdischer Lebensweg in der Bibel, der Heiligen Schrift des Christentums, beschrieben, zumindest was den religiös wichtigen Teilanbelangt. Viele Autoren haben sich schon daran versucht, die Geschichte Jesu mit ihren eigenen Worten nachzuerzählen und zu interpretieren. Der Inhaltsangabe zufolge ist der hier vorliegende Versuch „vom himmlischen Geist durchweht“.

Gould White ist eine der geistigen Vorreiterinnen der Siebenten-Tags-Adentisten. Dies ist dem Buch auch deutlich anzumerken. Hier werden keine weltlich – wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnisse über Jesus Christus vermittelt. Gould White bietet ebenfalls Interpretationen, die von der Großartigkeit des Wirkens Jesu überzeugen sollen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Buch nicht von anderen theologischen Werken. Es ist wohl eher kirchengeschichtlich interessant, um das geistige Umfeld und Entstehen der Adventisten zu verstehen.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Gihon Publishing Backnang

Englische Exzentriker

Das Buch der schon selbst zu den Exzentrikern der britischen Literaturszene zählenden Dame Edith Sitwell sammelt Charakterbilder ungewöhnlicher Männer und Frauen, die sich auf die eine oder andere Weise in ihrer Exzentrizität hervorgetan haben. Dabei legt die exakte Beobachterin kein »humoriges« Werk vor, sie analysiert vielmehr scharfzüngig die verschiedenen Spezies britischer Exzentriker.

Exzentrik, so die Überzeugung Sitwells, kommt vor allem in England vor, weil dort eine spezifische Einsicht in die eigene Unfehlbarkeit Kennzeichen und Geburtsrecht der Eingeborenen ist. Dabei nimmt diese Entschiedenheit, ein Leben auszuformen und auf die Spitze zu treiben, vielfältigste Formen an und kann sich durchaus zur malerischen Vollkommenheit ausbilden.

Die »Bank-Nonne« Sarah Whitehead, die dreißig Jahre lang in einem Bankgebäude herumzulungerte, um ihren längst verstorbenen Bruder abzuholen, der dort tätig war und die sich bald dazu verstieg, öffentlich die Bank zu beschimpfen, weil sie vermeintlich um ein gewaltiges Vermögen gebracht werde, ist einer dieser sonderbaren Charaktere. Sitwell erzählt aber auch die Geschichte britischer Landadeliger, die – der Ruinenmode ihrer Zeit gemäß – Refugien in ihren Parks errichteten ließen, um sich dort Eremiten zur Zierde zu halten, die dort gegen entsprechendes Entgeld in schweigsamer Einsamkeit hausen sollten. Sie schildert einen komischen Kauz namens Jimmy Hirst, deer sich vorausschauend einen Sarg nach eigenem Gusto bauen ließ, der vorerst im Speisezimmer als Tisch, Büffet und Bar diente. Statt zu Pferde ritt Hirst auf einem Bullen zur Jagd, stolzierte in einer schimmernden Weste aus Federn eines Enterichs auf der Rennbahn umher und bezahlte seine Wettschulden mit selbstgefertigten Banknoten.

Sitwells großer historischer Rückblick auf die verschiedenen Spezies britischer Sonderlinge bedient sich einer entsprechend angemessenen exzentrischen Sprache, die äusserst ausgefeilt fast pfauengleich paradiert und nicht ganz leicht zu lesen ist. Wer lediglich ein lustiges Büchlein erwartet, der wird schlecht bedient; wer hingegen die ganz eigene Handschrift einer hochgebildeten Autorin, die sich mit dem Thema identifiziert – sie selbst wurde als höchst eigenwillig gekleideter Vogel mit dem Schnabel einer Harpyie beschrieben –, der wird diesem schlanken Band viel Freude abgewinnen.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Klaus Wagenbach Berlin

Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland

Das Sexualleben der Menschen im antiken Stadtstaat Athen bietet eine weite Bandbreite. Ausgehend von den überlieferten schriftlichen und bildlichen Quellen beschreibt das Buch, wie Hochzeit, Eheleben, Orgien, Bordellbesuche, päderastische Liebe und Liebeswerbung in der Praxis ausgesehen haben (könnten). Auch die Hintergründe und Konsequenzen werden hier angesprochen.

Das Buch ist nicht so sehr erotischer oder gar pornographischer Natur. Die kultur- und sittengeschichtliche Beschreibung steht im Vordergrund. Ausgehen von (leider nur) Schwarzweißfotographien werden hier die sexualbezogenen Sitten und Gebräuche im alten Athen dem Leser vorgestellt. Die Ausführungen sind nicht wertend, sondern so sachlich neutral wie möglich und geben den Wissensstand wieder, wie er sich für uns heute darstellt.

Die Autorin arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Archäologischen Institut in Frankfurt / Main über das Frauenbild in der Antike.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by C.H. Beck München

Lob der Peitsche

Kinder wurden früher mit dem Rohrstock gezüchtig, wenn sie ungezogen gewesen sind. Verbrecher und Ehebrecherinnen preitsche man aus. Religiös Verzückte geißelten sich selbst. Und Masochisten erleben sexuelles Vergnügen beim Ausgepeitschtwerden. Die Peitsche kann also aus verschiedensten Gründen zum Einsatz kommen.

Mit Populärwissenschaften oder gar platter Erotik hat dieses Buch überhaupt nichts zu tun. Das Pendel schlägt hier eher in die andere Richtung aus. Der Ansatz ist kulturhistorisch und kulturwissenschaftlich. Viel Psychologie und Theologie, teilweise auch medizinisch verklausulierte Sexualwissenschaften kommen hinzu. Largier beschäftigt sich ausführlich mit fachlich bedeutsamen Autoren. Er erklärt ihre Gedankenwelt und ordnet sich ein.

Beachtlich ist der Umfang der Zitate und zitierten Personen. Die Zahl der Bilder und Zeichnungen ist dezent zurückhaltend. So hinterläßt das Buch doch einen sehr wissenschaftlichen Charakter.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by C.H. Beck München

Verhüllt um zu verführen – Die Welt auf der Orange

index Bereits vor Jahren hat die Stiftung Buchkunst den Titel »Verhüllt um zu verführen – Die Welt auf der Orange« als eines der schönsten Bücher des Landes ausgezeichnet. Ansonsten würde ich jetzt unverzüglich einen weiteren Pokal aus dem Ärmel zaubern und dem Potsdamer Vacat Verlag überreichen. Denn er hat mit der Veröffentlichung einen bibliophilen Sonnenschein vorgelegt, der in jeder Hinsicht ein leuchtender Stern am Bücherhimmel ist.

negrovitaminoDas federleichte 50-Gramm-Papier des Innenteils ist nur von einer Seite bedruckt und in der Mitte in der Tradition der Japanbindung gefaltet. So entsteht einerseits Volumen, andererseits wird das Durchscheinen der rund 500 farbigen Abbildungen verhindert. Der Buchblock wurde darauf in einen orangefarben-marmorierten festen Deckel gehängt und mit gelbem Kaptalband verziert. Ein hauchzarter Schutzumschlag nimmt die Marmorierung des harten Deckels auf und erweckt den Eindruck, als sei das Werk mit leicht angeknittertem Orangenpapier umhüllt. Kurz: Dieses Buch wirkt optisch wie haptisch bereits derart ansprechend, als sei sein Inhalt nur umhüllt, um zu verführen.

sirenaGeht der Rezensent eines Buches üblicherweise auf dessen Inhalt ein und befasst sich damit, ob und wie der jeweilige Autor sein Thema bezwungen hat, so sei dies ein Lobgesang auf den Geschmack und die Kunstsinnigkeit, mit der die Buchmacher dieses Kleinod ausstatteten und fertigten. Selten ist mir in der jüngeren Geschichte der Buchkunst ein Druckwerk in die Hände gefallen, bei dem Form und Inhalt derart punktgenau übereinstimmen. Denn auch inhaltlich geht es um etwas ausserordentlich Zartes, nämlich um die Vielfalt der bedruckten Papierchen, mit denen früher die Äpfel der Götter umhüllt wurden.

brigantinaApfelsinen, wörtlich »Äpfel aus China/Sina« sind jene oft zitierten »goldenen Äpfel«, die bereits im Altertum eine Hauptrolle spielten. Im Mythos wuchsen sie im Garten der Hesperiden, den Töchtern der Nacht. Bewacht wurden die Orangen von der drachenköpfigen Schlange Ladon. Der Olympier Herakles wurde von König Eurystheus von Mykene ausgesandt, um diese wertvollen Äpfel zu rauben. Der Held erschlug das Wächtertier, brachte die Früchte seinem Auftraggeber und bewältigte damit eine der zwölf »Herkulesaufgaben«. Und auch in dem vom mir verehrten »Ring des Nibelungen« spielt die Götterfrucht eine wichtige Rolle, da Wotan den Erbauern der Burg Walhall die den Obsthain hütende Göttin der Jugend als Lohn versprach und dafür künftig auf »das jüngende Obst« verzichten wollte …

majoliErst seit rund hundert Jahren ist es aufgrund schnellerer Verbindungen möglich, die Götterfrucht auch ohne Hilfe von Göttern und Helden in unsere Gefilde zu expedieren. Dazu wurden die am Baum ausgereiften empfindlichen Orangen manuell gepflückt und liebevoll in mit sonnigen Motiven farbenfroh bedruckte Papiere gehüllt. Diese Einwickelpapiere sind derart ansprechend, dass sie leicht zum Objekt der Begierde von Sammlern werden können.

sunnygirlDirik von Oettingen, Autor des Buches, hortet wohl eine der weltweit umfassendsten Sammlungen von Orangenpapier in Kisten und Kasten. Neben der permanenten Präsentation in seinem virtuellen Orangenpapiermuseum, breitet er rund 500 dieser farbenfrohen Verpackungspapiere vor dem Leser des vorliegenden Buches aus. Er zeigt dabei die Unterschiede hinsichtlich der Provenienzen und Motive, erstellt eine Systematik und gibt nüzliche Tipps zur Aufbereitung und Sammlung der dünnen Papiere.

Dirik von Oettingen

Verhüllt um zu verführen – Die Welt auf der Orange

Vacat Verlag 2007 ISBN 978-3-930752-47-8

€ 28,00 • Erhältlich bei Amazon


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Vacat Potsdam

Schloß Horst in Gelsenkirchen

Hier liegt Band 15 der Schriftenreihe „Burgen, Schlösser und Wehrbauten im Mitteleuropa“vor; er wird von der Wartburg-Gesellschaft herausgegeben. Reichlich bebildert bietet das vorliegende Heft Informationen zur allgemeinen Geschichte des Ortes sowie zur Baugeschichte des Schlosses. Ein Rundgang, in dem die Gebäude und die Einrichtung der Räume vorgestellt werden, folgt dann. Trotz gelegentlicher Fachbegriffe sind die Ausführungen allgemeinverständlich gehalten, ohne in die Populärwissenschaft abzudriften. Wer – beispielsweise aus Tourist oder Ausflügler aus dem Ruhrgebiet – sich das Schloß anschaut, wird hier durchaus brauchbare Zusatzinformationen in den Händen halten.

Daß ein solches Heft gerade bei Schnell + Steiner erscheint, ist nicht verwunderlich. Der Verlag führt ein wissenschaftliches und kulturgeschichtliches Programm. Der Kunsthistoriker Dr. Hugo Schnell (1904 – 1981) und der Verlagskaufmann Dr. Johannes Steiner (1902 – 1995) gründeten den Verlag 1933 in München. Die Kunstführer-Reihe „Kleine Führer“ kam 1934 erstmals auf den Markt. Inzwischen sind wohl über 2.900 Titel davon auf dem Markt. Daneben scheinen auch die Begleitkataloge und Begleitbücher zu den bayerischen Landesausstellungen in dem inzwischen in Regensburg ansässigen Verlag. Der Verlag gibt auch die Zeitschriften „das münster“ – Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft, „Journal für Kunstgeschichte“ – Die internationale Rezensionszeitschrift sowie „Blick in die Wissenschaft“ – Forschungsmagazin der Universität Regensburg heraus.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Verlag Schnell Steiner Regensburg

St. Andreas Düsseldorf

Die Schriftenreihe der „Kleinen Kunstführer“ soll Kirchen, Schlösser und Museen im europäischen Kulturraum vorstellen. Dies hier ist deren Nummer 1033

Sie stellt eine katholische Kirche aus der Düsseldorfer Altstadt anhand allgemeiner und Baugeschichte, Architektur und Innenausstattung vor – dies kennt der geneigte Leser ja schon aus anderen Heften der Schriftenreihe. Auch die Ausstattung des Heftes mit Farbfotos entspricht dem Niveau, das wir aus der Schriftenreihe gewohnt sind. Die Ausführungen sind sehr sachlich und unter fachlichen Gesichtspunkten eher kulturwissenschaftlich angelegt.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Verlag Schnell Steiner Regensburg

Die Wallfahrt nach Neviges

Kevelaer ist ein bekannter und beliebter Wallfahrtsort am Niederrhein; im Ruhrgebiet ist der Velberter Stadtteil Neviges ein eher unbekanntes Ziel von Wallfahrten. Das vorliegende Werk erscheint anläßlich eines historischen Ereignisses: Die erste Wallfahrt zur Verehrung der Unbeflekten Empfängnis Mariens war 300 Jahre zuvor gewesen, also im Jahre 1681.

Haun beschreibt den Inhalt der Marienverehrung, ihre Geschichte sowie die Geschichte der Wallfahrt in Velbert.

Diverse Farb- und Schwarzweißfotographien ergänzen den Textteil. Das Buch vermittelt nicht nur Faktenwissen. Es macht im gewissen Sinne auch Werbung für Wallfahrten und den Standtort Neviges.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Verlag Frohn Wuppertal

Christliche Kultur und Geschichte

Hier liegt eine Veröffentlichung der Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg vor. Der Titel des Buches ist dabei etwas irreführend. Inhaltlich beschreibt das Buch sehr oberflächlich, wie Politik und Religion = Christentum in der Weltgeschichte miteinander verquickt waren. Inhalte werden hier genausowenig vermittelt wie wichtige Persönlichkeiten oder Kirchen vorgestellt. Regionale oder gar lokale Bezüge finden sich hier nicht.

In religions- und kirchenfernen Regionen wie den ostdeutschen Bundesländern mag ein solches Buch Sinn machen. Dort vermittelt es Grundlagenwissen. Woanders kann ein solches Buch allein schon wegen seines fehlenden Tiefganges als überflüssig angesehen werden.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Selbstverlag

Rheinland, Westfalen und Preußen

Der Wiener Kongreß spricht 1815 das Rheinland und Westfalen Preußen zu. Die brandenburgisch-preußische Territorialgeschichte im Westen Deutschlands reicht jedoch bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Autoren spannen den Bogen bis zur Zerschlagung Preußens im Dritten Reich bzw. Nachkriegsdeutschland.

Das Buch ist ein politikwissenschaftliches Werk, in dem geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen benannt, erläutert und eingeordnet werden. Es geht mal nicht um große Weltpolitik; regionale Geschehnisse im späteren Bundesland Nordrhein-Westfalen stehen im Blickpunkt.

Hinsichtlich der potentiellen Leserschaft ist das Buch schwierig einzuordnen. Es geht um allgemeine regionale Themen, nicht um lokale Bezüge; gleichzeitig bewegen sich die Ausführungen auf einem anspruchsvollen Niveau, das über das Schulwissen hinaus geht.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Aschendorff Verlag Münster

TextilWerk Bocholt

Das TextilWerk Bocholt ist Teil des LWL-Industriemuseums Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) betrieben wird, und gehört seit dem Jahre 2012 zur Europäischen Route der Industriekultur. Autoren wie Zacher und Hermann Stenkamp (die beiden Herausgeber des Buches), aber auch Stephan Pahs, Vera Steinborn, Claudia Luxbacher und andere liefern Beiträge zu diesem Buch.

Das Buch ist tatsächlich ein Museumsführer. In Wort und Bild stellt das Werk das Museum und seine Ausstellung vor. Und fällt damit aus dem Rahmen. Viele andere Museumsführer, die in dem Ruhrgebiets-Verlag erschienen sind, rücken die jeweilige Branchen des Museums in ihren Fokus und stellen deren Entwicklung vor.

So entsteht ein hübsch gemachtes Buch, das eine gute Gedächtnis- und Erinnerungsstütze ist.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Klartext Verlag Essen

Schloß Cappenberg

Schloß Cappenberg gehört nach Angaben des Autoren „zu den wichtigsten Beispielen westfälischer Klosterbaukunst des Barock“.

Es wird in Heft 41 der Schriftenreihe „Westfälische Kunststätten“ vorgestellt; diese kulturgeschichtliche Schriftenreihe wird vom Westfälischen Heimatbund aus Münster herausgegeben.

Was Inhalt, Ausstattung und Aufmachung anbelangt, ist das Heft eher durchschnittlich angelegt. Von daher sei an dieser Stelle der Hinweis ausreichend, daß es das Heft gibt.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Selbstverlag

St. Vitus in Südlohn

St. Vitus ist eine Pfarrkirche im westfälischen Ort Südlohn. Sie wird in Heft 55 der Schriftenreihe „Westfälische Kunststätten“, die vom Westfälischen Heimatbund herausgegeben wird, vorgestellt.

Da das Heft einfach nur durchschnittlich ist und sich an eine örtliche Leserschaft wendet, sei es erlaubt, daß die Besprechung kurz und bündig ist.

Der Autor stellt allgemeine und Baugeschichte, Architektur und Ausstattung des Gotteshauses vor. Die Ausführungen werden durch Schwarzweißfotographien sowie Zeichnungen ergänzt.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Selbstverlag

Seher Grübler Enthusiasten

Das Christentum ist eine weltweit vertretene Religion. An ihren Rändern sind im Laufe der Zeit aber diverse Gruppierungen entstanden, die sich doch weit von den Ursprüngen entfernt haben. Die Zeugen Jehovas, Mormonen, und Christlichen Wissenschaftler sind genauso Beispiele dafür wie die Johannische Kirche, Neuapostolische Kirche, katholisch-apostolischen Gemeinden, die Neue Kirche = Swedenborgianer und Christengemeinschaft, um nur die wichtigsten hier vertretenen Glaubensgemeinschaften zu nennen.

Sehr ausführlich und kenntnisreich werden die Sekten und Sonderlehren beschrieben, sowohl was ihr geschichtliche wie inhaltliche Seite anbelangt. Der Leser sollte schon sehr deutlich ein Interesse an religiösen Themen mitbringen. Ansonsten droht er, sich in einer Detailfülle zu verlieren, die ihn erschlägt und für den Alltagsgebrauch nicht geeignet ist. Das Buch hat konfessionskundlichen Charakter.

Es ist auch eine reine Bleiwüste. Kein Bild ergänzt die Texte. Wie sahen die Kirchengründer aus? Wie ihre Kirchengebäude? Ein Bild sagt manchmal bekanntlich mehr als 1.000 Worte…

Das Buch ist offensichtlich für eine Fachöffentlichkeit gedacht.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Quell Verlag Stuttgart

Tausche Zement gegen Hemingway

In den frühen 80er Jahren war es für unabhängige westdeutsche Journalisten nicht einfach, Einreisegenehmigungen für die DDR zu erhalten und über dort Erlebtes zu berichten. Einer der wenigen, dem dies gelang ist Rupi Frieling, der nun seine damaligen Reportagen in einem hochinteressanten Band veröffentlicht.

Im Vorwort erzählt er über die damaligen Arbeitsbedingungen, die sicherlich nicht einfach waren für den Freigeist Frieling, aber er machte das Beste daraus und nahm trotzdem kein Blatt vor den Mund.

Es folgt ein fundiert wertvoller Überblick über die Geschichte der DDR-Literatur; dabei lassen sich so manche Perlen finden oder erneut entdecken.

Die Reisereportagen schildern eindrucksvoll ein Land der Leselust, in dem die Einwohner Schwierigkeiten haben, ihren literarischen Hunger zu stillen, besonders natürlich den nach exotischen Köstlichkeiten, die nicht unbedingt im Kulturkaufhaus des sozialistischen Realismus zu finden sind.

Mitunter amüsant fand ich die beschriebenen Bemühungen der DDR-Oberen, bei den von ihnen vereinnahmten großen Denkern wie Goethe, Luther oder Karl May möglichst nur das herauszupicken, was ins sozialistische Weltbild passt; mich erinnert das frappierend an die politische Korrektheit unserer Tage, in denen Klassiker und Schulbücher umgeschrieben werden müssen, um vermeintliche Diskriminierungen zu vermeiden.

Trotz solch aberwitziger Versuche war die DDR wahrlich kein Volk von Literaturbanausen, sondern im Gegenteil ein Land der Leselust, wie Frieling auch im Vorwort resümiert. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in Ostberlin, als ich keinerlei Schwierigkeiten hatte, das unfreiwillig erhaltene Begrüßungsgeld in Literatur zu investieren; beeindruckend dort die Vielzahl anspruchsvoller politischer Bücher (auch aus der BRD), die im Westen ein Schattendasein fristeten, wenn sie denn überhaupt erhältlich waren.

Frieling legt mit diesem Buch ein wichtiges Stück Zeit- und Kulturgeschichte aus einem Land vor, von dem man heute leider immer weniger weiß und das ist schade.


Genre: Kulturgeschichte
Illustrated by Internet-Buchverlag Berlin