Unvergolten

Linda Förster läuft Gefahr, vollkommen den Verstand zu verlieren. Dabei hat die 29-jährige Grundschullehrerin, die nach einem Verkehrsunfall mühsam aus mehrtägigem Koma erwacht, schon in ihrer Kindheit viel durchmachen müssen. Sie wurde entführt und von einem psychotischen Täter in ein Erdloch gesperrt, aus dem sie nur gerettet wurde, weil der ermittelnde Kriminalist bei der Täterbefragung härter zufasste, als es das Regelwerk gestattet. Continue reading


Genre: Thriller
Illustrated by Edel Hamburg

Agenten kennen kein Pardon

Professor Pearson ist der am besten bewachte Mann der USA. Er hat eine neue Waffe mit bisher unvorstellbarer Zerstörungskraft entwickelt.

Zunächt gelingt es den osteuropäischen Agenten nicht Pearson höchstpersönlich in die Hände zu bekommen. Also entführen sie die Tochter und den Assistenten von Pearson.

Konsalik ist einer der produktivsten Schriftsteller, die die deutschsprachige Literaturszene jemals herausgebracht hat. Sein Metier sind aber die Frauen- und Liebesromane. Dies wird bei diesem Roman gut sichtbar. Die Geschichte ist zwar über weite Strecken spannend und gut lesbar. Das Ende ist aber reichlich unrealistisch.


Genre: Thriller
Illustrated by Wilhelm Heyne Verlag München

Pines

Ethan Burke vom Secret Service wird nach Wayward Pines geschickt um dort nach zwei verschwundenen Kollegen zu suchen. Direkt nach Eintreffen wird er in einen schweren Autounfall verwickelt und als er später (ohne Geld, Papiere oder Handy) zu sich kommt, muss er feststellen, dass etwas nicht stimmt in dieser malerischen Kleinstadt; es ist eine trügerische Idylle und hinter der aufgesetzten Freundlichkeit der Bewohner verbergen sich Abgründe.

Agent Burke gelingt es dennoch, die vermissten Kollegen zu finden, allerdings ist der eine tot und die andere um 20 Jahre gealtert. Spätestens jetzt wird ihm klar, dass es an der Zeit ist, Fersengeld zu geben, nur ist das nicht so einfach, denn es scheint kein Weg nach draußen zu führen…

Der Autor schreibt in seinem Nachwort, dass es dieses Buch ohne „Twin Peaks“ nie gegeben hätte und über seine Frustration, als diese geniale Fernsehserie viel zu früh endete. Natürlich finden sich (besonders zu Beginn) Parallelen, doch die Handlung entwickelt sich dann eher in Richtung „Lost“ (jedoch ohne die Komplexität der TV-Protagonisten); ebenfalls ein Favorit von Blake Crouch, der dann noch eine Prise Science Fiction einstreut.

Der Roman ist originell und spannend geschrieben, auch wenn die ständigen Torturen, denen der Held ausgesetzt ist den Leser bisweilen mehr ermüden als bei ihm Sympathie erzeugen; weniger wäre hier eindeutig mehr. Dennoch ist dieses Buch nicht nur für die Fans der o.g. TV-Serien eigentlich unverzichtbar, auch alle anderen Freunde gepflegter Thriller-Unterhaltung kommen hier auf ihre Kosten.

Die gesamte Trilogie ist mittlerweile auch in deutscher Übersetzung erhältlich.

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Genre: Thriller
Illustrated by Thomas & Mercer

The October List

Gabriela ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Als Büroleiterin eines Finanzberaters, der sich bei Nacht und Nebel mit den Mandantengeldern aus dem Staub gemacht hat, muss sie Angriffe von allen Seiten abwehren: Nicht nur die Cops sind hinter ihr her, sondern auch zwielichtige Klienten und einer von denen hat ihre Tochter entführt. Gefordert werden eine Menge Dollars und ein geheimnisvolles Dokument, jetzt läuft das Ultimatum ab…

Das Besondere an diesem Roman ist, dass Autor und Leser sich auf eine Zeitreise zurück begeben, man beginnt mit dem letzten Kapitel und endet mit dem Vorwort. Das klingt kompliziert und ist es auch, gerade beim Lesen wird einem mehr abverlangt als bei einem normalen Thriller, um nichts zu verpassen oder zu verwechseln sind die Kindle Markier- und Suchfunktionen hier recht hilfreich.

Auch für den Autor war das Schreiben in dieser Form eine Herausforderung, er hat sich ihr gestellt und sie gemeistert; selbst Cliffhanger lassen sich rückwärts einbauen und die bei Deaver typischen überraschenden Drehungen und Wendungen im Plot natürlich auch. Ich hätte nach dem Lesen des ersten (letzten) Kapitels nie gedacht, dass dies tatsächlich der Schluss sein kann, aber es funktioniert, Respekt!

Die Bücher von Jeffery Deaver sind auf meinem Kindle im Ordner „Lieblingsautoren“ abgelegt und auch dieser Thriller ist dort bestens aufgehoben, enttäuscht wurde ich vom Autor noch nie. „The October List“ ist ein stand alone-Roman, außerhalb der Reihen um die beliebten Protagonisten Lincoln Rhyme oder Kathryn Dance, aber ebenso originell und spannend und garantiert erstklassiges Lesevergnügen.


Genre: Thriller
Illustrated by Hodder & Stoughton

LINNEN – Das Grabtuch Mysterium

Auf geschickte Weise verknüpft Norman Nekro die umstrittene Geschichte einer der wertvollsten und zugleich umstrittensten Ikonen der katholischen Kirche mit einer ultraspannenden Handlung. Es geht um das Leinentuch, in dem angeblich Jesus von Nazareth nach der Kreuzigung begraben wurde. Dieses Linnen fiel vermutlich im Jahre 1204 bei der Eroberung Konstantinopels in die Hände christlicher Kreuzritter und wurde auf Anordnung des Großmeisters des Tempelordens nachgebildet. Das mysteriöse »Turiner Grabtuch« wird aktuell in einer Seitenkapelle des Turiner Doms aufbewahrt.

In eben diese Kathedrale bricht nun plötzlich ein Trupp Bewaffneter ein und raubt den Schatz. Im Geheimen operierende Nachfahren der Tempelritter versuchen im Wettlauf mit der vatikanischen Geheimpolizei, die Reliquie wieder in die Hände zu bekommen, da sie darauf einen historisch begründeten Rechtsanspruch erheben. In einer wilden Jagd durch halb Europa verfolgen sich die konkurrierenden Parteien, wobei beide auch vor Mord, Raub und Erpressung im Namen Christi nicht zurückschrecken.

Sowohl von der Erzählweise wie auch vom Sujet erinnert der vorliegende Roman an die Werke von Dan Brown. Vor dem geistigen Auge des Lesers läuft sofort ein Kinofilm ab, der diesem Werk quasi auf den Leib geschrieben ist. Anders als bei Brown ist Nekros Protagonist allerdings ein kreuzgefährlicher einzelgängerischer Mörder. Ihm stellt der Autor keine bildhübsche Partnerin zur Seite, die schlanke Blonde mit dem langen Zopf agiert vielmehr auf der anderen Seite und zählt zu seinen zu allem entschlossenen Widersachern.

Der vorliegende Roman ist Nekros bislang umfangreichste Arbeit. Der Autor hat damit einen Quantensprung in der literarischen Entwicklung vollzogen, indem er einen atemlosen Thriller verfasste, der sich tatsächlich genau so ereignet haben könnte und schon deshalb Öl ins Feuer aller Verschwörungstheoretiker gießt. Denn wer weiß schon so genau, welches geheimnisvolle Linnen in Turin ausgestellt wird …


Genre: Thriller
Illustrated by Kindle Edition

Der Architekt

Ben Lindenberger, Drehbuchautor von TV-Krimi-Serien, entdeckt Stoff für einen eigenständigen Kriminalroman: Er verfolgt den Prozess gegen einen Familienvater, der angeklagt ist, Frau und Kinder auf bestialische Weise erschlagen zu haben. Der Angeklagte, ein Berliner Stararchitekt, der besessen der Theorie vom Bauwerk als Gesamtkunstwerk anhängt, erweckt allerdings nicht den Eindruck eines brutalen Mörders. Ben nimmt während der Verhandlung Kontakt zu dem Angeklagten auf und steigt in sein Privatleben ein.

Lindenbergers großes Vorbild ist Truman Capote, der mit »Kaltblütig« eine der großartigsten Kriminalreportagen der Literaturgeschichte schrieb. Die Entstehung dieses Meisterwerks wurde dadurch begünstigt, dass Capote ein nahezu intimes Verhältnis zu den beiden später überführten und zum Tode verurteilten Tätern aufbaute, das ihm half, neben der Tat, ihrem Ablauf und der Wirkung auf den Ort des Geschehens das Seelenleben der Mörder zu sezieren. Dies versucht auch der Protagonist des Psychothrillers von Jonas Winner, wobei ihm Scharfsinn, Stilsicherheit und Distanziertheit Capotes fehlen. Dafür kommt er mühelos mit diversen Damen in die Horizontale. Dass sich dies auch gegen ihn wenden kann, erkennt er erst später.

Winners Psychothriller ist flott geschriebene Unterhaltungslektüre. Zahlreiche Dialoge outen den Verfasser als Kenner des Drehbuchgeschäfts. In vielen Punkten schimmert der Held des Romans als Winners Alter Ego durch. Der Autor liebt es, mehrere Handlungsstränge, die später zusammenfließen und sich teilweise erschließen, in Häppchen zu servieren. Der Einstieg in das »Setting«, ein Begriff, den gleich mehrere Romanfiguren verwenden, wird dadurch am Anfang erschwert. Doch dann schreitet die Erzählung geradlinig voran.

Es dauert allerdings rund 200 Seiten, bis sich der eigentliche Plot erschließt und Spannung aufkommt. Einen wirklichen »Thrill«, den der Untertitel verspricht, bleibt der Autor jedoch schuldig. Die Spannung spielt sich mehr im Kopf des Erzählers ab, insofern ist es ein typisch deutscher Krimi, der Spannung, »ein raffiniertes psychologisches Puzzle um Machtgier, Täuschung, Intrigen und dunkle Begierden« laut Klappentext, intellektuell aufbaut, statt sie tatsächlich zu schildern.

Jonas Winner wurde als Self-Publisher mit seinem düsteren Siebenteiler »Berlin Gothic« bekannt, den begeisterte Leser auf Spitzenplätze in den Amazon-Bestsellercharts katapultierten. Amazon entschied sich aufgrund der Popularität der Reihe, das Buch zu übersetzen und in den US-Markt einzuführen. Entsprechenden Erfolg erhofft sich auch Knaur, der den Autor jetzt herausbringt. So wie es Ben Lindenberger erträumt, sei auch dem Verfasser des Krimis gewünscht, aus dem nervenden Job des Serienschreibers aussteigen und seine weitere Karriere als Romanautor fortsetzen zu können. Das Zeug dazu hat der 1966 geborene promovierte Philosoph auf jeden Fall, wie dieser als Erstling anzusehende Kriminalroman beweist, der vom »großen Wurf« allerdings noch ein klein wenig entfernt ist.

Jonas Winner
Der Architekt. Psychothriller
Knaur 2012
ISBN 978-3-426-51275-3


Genre: Thriller
Illustrated by Knaur München

Brilliance

Seit 1980 ist ca. 1% aller Neugeborenen mit besonderen unterschiedlichen mentalen Fähigkeiten ausgestattet; die sogenannten „Brilliants“. Wurden sie anfangs noch von der Gesellschaft bestaunt und begeistert aufgenommen, hat sich das Blatt gute 30 Jahre später komplett gewendet; Misstrauen und der Wunsch nach Kontrolle der „Abnormalen“ dominieren die öffentliche Meinung, denn die Furcht vor allem Andersartigen ist nun mal eine ausgeprägte Eigenschaft vieler Menschen.

Agent Nick Cooper ist selbst ein Hochbegabter und jagt diejenigen von ihnen, die sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung mit Waffengewalt wehren. Nach einem Bombenanschlag, der natürlich auch dieser Gruppe zugeschrieben wird, eskaliert die Situation und Cooper greift zu drastischen Mitteln im Kampf gegen die Terroristen: Er taucht in den Untergrund ab und lernt dort schnell, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen…

„Brilliance“ zeichnet sich durch einige originelle Ideen aus (auch wenn man sich natürlich sofort an Stephen Kings „Firestarter“ erinnert), die auch konsequent umgesetzt werden. Die Schilderung der Akademien, in denen die jugendlichen Hochbegabten einer perfiden Gehirnwäsche unterzogen werden, geht unter die Haut und passt hervorragend in eine Zeit, in der man der US-Regierung wirklich jede Schandtat zutraut.

Der Leser darf sich an einem gut geschriebenen und spannenden Thriller erfreuen, der aber auch politisch Stellung bezieht, ein Plädoyer für die Toleranz der Vielfalt. Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen, die noch besser gelingen könnte, wenn der Autor einige Längen vermeiden und die Handlung straffen würde, mein einziger Kritikpunkt an „Brilliance“.


Genre: Thriller
Illustrated by Thomas & Mercer

Final Cut

Woher weiß man schon, wer einem so auf Facebook folgt und wer eigentlich hinter einem harmlosen Avatar steckt? Unter tausenden Freunden kann ein Feind stecken, der in seinem Kämmerlein schon einen perfiden Plan zusammenstrickt, der ihm Genuss und Genugtuung, einem anderen aber den sicheren Tod bringt.

Knappe 447 Seiten und ein wirklich ansprechendes Cover sorgen schon einmal für ausreichend Neugier, näherzutreten. Das Buch aufgeschlagen und einen ersten Blick hineingeworfen, wird man sofort in die dunkle Welt des Serienkillers entführt, erhält einen ersten Einblick in seine Taten und schon eine ganz leise Ahnung in seinen dunklen Plan. Eines von vielen Opfern ist ihm bereits auf Seite 8 erlegen – und erst dann fängt die Geschichte wirklich an, die nur am Rande, und dann auch nur Stück für Stück, Einblicke die Motivation des Täters bietet. Im Vordergrund steht die Kommissarin Clara Vidalis, die den Fall übernimmt und durchaus auch eine ganz persönliche Beziehung zu dem Täter hat.
Clara Vidalis und ihr Team werden durch Videoaufnahmen der Opfer auf den Serienkiller aufmerksam, die er ihr zukommen lässt. Die Opfer sprechen in die Kamera, stellen sich vor und dann werden sie kaltblütig umgebracht. Der erste Gedanke der Ermittler, dass sie Zuschauer eines sogenannten Snuff-Videos wurden, löst sich schnell auf, als sie die erste Leiche finden. Jedoch stimmt hier etwas nicht; das Opfer liegt bereits seit längerer Zeit tot in der eigenen Wohnung. Blutleer und ausgeweidet, umringt von unzähligen Käfern, die sich am leblosen Körper zu schaffen machen.
Eine nervenaufreibende Jagd nach einem Mörder, der keine Grenzen zu kennen scheint, beginnt und es scheint, dass er immer einen Schritt voraus und immer ein wenig zu nah zu sein scheint.

Ich muss zugeben, dass ich das Buch nur gekauft habe, weil ich das Cover so genial fand. Einfallsreich, anders, einfach etwas zum Anfassen, weil recht große Schlitze darauf sind, die dank des doppelten Covers rot sind. „Final Cut“ ist außerdem der Name eines recht bekannten Schnittprogramms, das ich während meiner Ausbildung gern genutzt habe. – Also war auch gleich eine persönliche Ebene da, auf der mich der Roman einfach erwischt und nicht mehr losgelassen hat.
Eigentlich war ich nie Fan von Thrillern oder Krimis. Mehr der Verfechter von Romantik und Drama habe ich aber trotzdem danach gegriffen und es auch gleich angefangen. – Und nicht mehr losgelassen.
Der Schreibstil ist richtig gut; der Autor packt den Leser am Schopf und lässt ihn nicht mehr gehen. Bei einem etwaigen Durchhänger kommt dann eh der Serienkiller wieder und gewährt dem Leser einen erschreckend detailreichen Einblick in seine Pläne und die Taten, die darauf mit Sicherheit folgen.
Veit Etzold schafft es, dass man sich, zusammen mit den Kommissaren am Tatort befindet, vor seinem geistigen Auge sieht, was sich da in den Räumen abspielt und eine Gänsehaut die Nächste jagt, wenn ein neues Opfer gefunden wird. Er scheint keine Scheu davor zu haben, auch die intimen und abschreckend wirkenden Kleinigkeiten wirklich schamlos zu beschreiben, während der Leser schockiert einfach weiterlesen muss.
Ich gehöre eigentlich zu den langsamen Lesern, aber das Buch habe ich in zwei Tagen durchgelesen. – Nein, durchgefressen und bin immer noch schwer begeistert von dem Buch.

Empfehlen kann ich es – auf jeden Fall. Aber nur, wenn man etwas stärkere Nerven hat. Hin und wieder ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig, alles in Allem aber wirklich leicht verständlich und von der Logik her auch wirklich ganz gut nachvollziehbar. Bis zum Ende hin spannend und nervenaufreibend. Es bleibt länger im Kopf als einem lieb ist. Und ich muss zugeben, dass ich mein eigentlich recht lockeres Verhalten auf Facebook doch noch einmal überdacht habe.
Wer sich nicht nur durch die – wie meine Oma damals sagte – Flimmerkiste beeindrucken lassen möchte, sondern seine Phantasie mal herausfordern will, zu welchen abgrundtiefen Vorstellungen sie fähig ist, dem kann ich „Final Cut“ auf jeden Fall ans Herz legen.


Genre: Thriller
Illustrated by Bastei Lübbe

Das fremde Haus

das fremde Haus, Sophie HannahAufgrund starken Schneefalls nimmt Connie den Geländewagen ihres Mannes, als sie zu einem Termin fährt. Auf der Heimfahrt folgt sie der Kurzwahl „Zuhause“ des Navis und landet statt in ihrem eigenen Cottage an einem Ort, der ihr vollkommen fremd ist: Bentley Grove 11, Cambridge. Ihr erster Gedanke: Ihr Mann Christopher führt ein Doppelleben. Sie stellt ihn zur Rede, doch er streitet alles ab. Connie müsse die Adresse selbst eingegeben haben oder es sei ein Programmierfehler der Herstellerfirma. Connie, schon länger psychisch nicht die stabilste, beginnt an allem zu zweifeln. An ihrem Mann, an sich selbst, an ihren Eltern, an ihrem Leben. Ihre Zweifel treiben sie immer wieder nach Cambridge, Bentley Grove 11 wird ihr zur Obsession. Eines Tages steht vor diesem von ihr erfolglos beobachteten Haus eine zu-verkaufen-Offerte. Sie wartet des Nachts, bis ihr Mann tief schläft und klickt sich dann im Internet durch die Website des Maklers. Als sie den virtuellen Rundgang durch das Objekt ihrer Obsession beginnt, sieht sie Schauriges. Im Wohnzimmer liegt die blutüberströmte Leiche einer Frau, die ihr selbst erschreckend ähnlich sieht. Halb benommen vor Schock und Angst weckt sie ihren Mann, doch als er den virtuellen Rundgang startet, ist von einer Leiche nichts zu sehen. Wird ihr jemand glauben, wird jemand ermitteln oder ist Connie auf dem direkten Weg in die Pyschiatrie?

Die für sorgfältig konstruierte Psycho-Thriller bekannte Autorin Sophie Hannah hat diesen Krimi abwechselnd aus der Ich-Perspektive Connies und der 3.Person-Perspektive der polizeilichen Ermittler geschrieben. Dabei ist vor allem die Ich-Perspektive mutig. Denn es ist nicht nur die Perspektive eines möglichen Opfers, sondern zugleich auch die einer Frau, deren Neurosen sich langsam zur Paranoia auswachsen. Ob berechtigt oder unberechtigt, wird sich weisen. Das ist zunächst interessant, sehr bald wird es dann beklemmend und richtiggehend nervig. Dieses Nervige ist gewollt, der Leser muss es aushalten, will er erfahren, wie es weitergeht. Denn die Autorin will nicht nur einen spannenden Plot erzählen, sie seziert das psychotische Innenleben ihrer Hauptfigur bis zum Exzess und zeigt beeindruckend, was Paranoia aus einem Menschen machen kann. Während die beteiligten Ermittler schon bald ein wenig Dunkel in die mysteriöse Geschichte bringen, bleibt Connie desorientiert bis zum Schluß. Sie kann die Horror-Geschichte, deren Hauptdarstellerin sie selber ist, lange nur fragmentarisch zusammensetzen. Aber letztlich ist es ihre Panik, ihre Angst, die sie dazu treibt, verbissen und ohne Rücksicht auf die Konsequenzen die ganze Geschichte Stück für Stück zusammenzutragen, solange, bis sie endlich das ganze Bild sehen kann.

Der Plot beginnt unvermittelt im Leben von Connie mit einer Szene, die den Leser über das ganze Buch und die teilweise etwas langen psychologischen Deutungen dazu motiviert, bei der Stange zu bleiben. Denn egal, was im Buch passiert, der Leser grübelt die ganze Zeit, wie wohl was mit wem zusammenhängt und was da jetzt eigentlich wirklich passiert ist. Das fremde Haus ist ein Thriller, der mit sehr wenig Action auskommt und auf Spannung baut, die sich aus unterschiedlichen Wahrnehmungsperspektiven ergeben. Was ist wirklich so, wie es scheint, was ist anders und warum und gibt es nicht vielleicht noch eine weitere Ebene, die nur noch keiner sehen kann. Letzten Endes geht es um die Frage: Wessen Intuition ist die sicherste? Es erhöt die Subtilität der Erzählung, dass nur auf den ersten Blick alle Charaktere „normal“ erscheinen. Denn schon auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass fast jeder Protagonist mindestens eine verborgene Macke hat. Was – wenn man es sich genau überlegt, ja eigentlich auch wieder normal ist. Als kleines Sahnehäubchen gibt es in diesem Verwirrspiel noch einige schrullige Ermittler, unter anderem das frisch verheiratete Team Charlie Zailer und Simon Waterhouse, bereits bekannt aus älteren Sophie-Hannah-Krimis, deren junges Glück durch das Geschehen einer Belastungsprobe unterzogen wird. Bei allem Verwirrspiel und den diversen kleinen Nebenhandlungen behält die Autorin gekonnt den roten Faden und führt diesen immer wieder an seinen Ausgangspunkt zurück. Von einem Happy End weit entfernt, ist die Auflösung dennoch gut und schlüssig gemacht. Fazit: Spannender Psychothriller, gute Unterhaltung.

Sophie Hannah
Das fremde Haus
Bastei Lübbe 2013
ISBN 978-3-404-16769-2
492 Seiten


Genre: Thriller
Illustrated by Bastei Lübbe

Monströs

Chris Karlden ist als Autor ein bislang unbeschriebenes Blatt. Der Saarländer legt mit »Monströs« seinen Erstling vor und trifft damit gleich voll ins Schwarze. Aus dem Nichts schob der Self-Publisher seinen Psychothriller in die Top Ten von Amazons Bestenliste.

Ex-Anwalt Martin Waller wurde erpresst und verhalf damit einem Mörder zur Freiheit. Dafür stieg er aus der Welt der schwarzen Roben aus und baute sich eine neue Welt als Möbelrestaurator auf. Doch seine einstige Missetat soll sich rächen. Ihm auf den Fersen ist Eddie Kaltenbach. Der ehemalige Killer und sein bestialisches Alter Ego Raphael ziehen eine blutige Spur durch die Geschichte und lassen sich letztlich doch nur wie eine Marionette führen. Zwar hilft Ram, ein freakiger Hacker, Waller mit Recherchen. Und auch Selma, eine kühle Blondine, ist immer zur Stelle, wenn Waller Rat braucht. Doch all das reicht nicht aus, das Grauen abzuwenden, das ihn im Schneesturm in einem Zermatter Berghotel erwartet. Continue reading


Genre: Thriller
Illustrated by Kindle Edition

Apfeldiebe

ApfeldiebeFünf Jungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein großmäuliger Anführer, der aber noch gerne mit seinen Ritterfiguren spielend sich heimlich in ein Abenteuerland träumt. Der dicke Mitläufer, das Weichei. Der kleine Bruder, der nichts sehnlicher wünscht, als in der Welt der Großen akzeptiert zu werden. Der langhaarige, verträumte Einser-Schüler, bevorzugtes Mobbing-Objekt der anderen. Und schließlich der düstere Neu-zugezogene, den man ebenfalls mangels Alternativen hänselt. Denn eigentlich hat man Angst vor ihm.

Die Roggenbacher Burgruine, ein verbotener Platz. Alex, der selbsternannte Anführer findet dort eines Tages eine unerforschte Höhle mit mittelalterlichen Gerätschaften. Es sind Ferien und da er schließlich der Anführer ist, führt er die anderen dorthin. Doch was als Abenteuer für einen Tag gedacht war, endet in einer Katastrophe. Die Decke der Höhle stürzt ein, die Jungen sind gefangen. Schluss ist mit Spiel, das Abenteuer wird blutiger Ernst. So jung die Kinder noch sind, so schwer sind die Päckchen, die sie mit sich tragen. Auf sich alleine gestellt, in einer Situation, wo Hoffnung langsam in Panik umschlägt, wo das altbekannte Mobbing die Grenzen des Wahnsinns überschreitet, sind die Kinder auf sich selbst,ihre Ur-Ängste und Ur-Instinkte zurückgeworfen. Wird überhaupt einer von ihnen das Tageslicht wieder erblicken?

Nur ein Mann weiß ungefähr, wo die Kinder sein könnten. An der großangelegten Suchaktion beteiligt er sich jedoch nicht. Er ist der Dorf-Grantler, der Außenseiter, den alle fürchten. Er selbst hat nichts mehr zu verlieren, er wartet nur noch auf den Tod. Die verschwundenen Kinder interessieren ihn nicht wirklich, zunächst einmal sind es für ihn fünf Apfeldiebe weniger, um die er sich kümmern muss. In seinen letzten Lebenstagen denkt er über sich und sein verpfuschtes Leben nach, in dem er nicht einmal über seinen Schatten springen konnte. Nach einer durchwachten Nacht wird ihm klar, dass er sich nur einmal hätte umdrehen müssen, um über eben diesen Schatten zu springen. Schafft er jetzt diese Umdrehung und kann er die Kinder noch retten? Vor der Höhle und vor sich selbst?

Das Thema mutet bekannt an. Natürlich. Doch wer liest heute noch Herr der Fliegen? Leider wohl kaum einer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass dieses Thema nach einer Neuauflage schrie, um in die heutige Zeit transkribiert zu werden. Der Autor Michael Tietz, dem mit „Rattentanz“ ein Überraschungserfolg gelang, wagt dieses Wagnis. Und er macht es gar nicht mal schlecht. Seine Apfeldiebe können zwar nicht mit der Symbolträchtigkeit und der Intertextualität eines Herrn der Fliegen mithalten, doch was das Grauen angeht, das dieser Roman mit seinen klaustrophobischen und befremdlichen Szenen auslöst, kann er durchaus mithalten. Er macht vor nichts halt, scheut vor nichts zurück. Der Kampf ums Überleben wird nicht nur zu einem Kampf gegen die fast aussichtslosen Umstände, in der sich die Jungen befinden, sondern vor allem zu einer Grenzerfahrung im Umgang mit sich selbst und den Freunden. Während die einen dem Wahnsinn nicht mehr fern sind, finden andere erst zu ihrer wahren Stärke.

Tietz entfaltet sein Szenario bildgewaltig, verliert sich zuweilen aber in Details. Fast hat man den Eindruck, dass er seiner eigenen Sprachmacht noch nicht so recht traut. Zu diesem Eindruck passt auch, dass seine Charaktere zwar sorgfältig ausgewählt und gegenübergestellt, aber gelegentlich einfach zu stereotyp gezeichnet sind.

Im Gegensatz zu seiner gelegentlich überbordenden Detailverliebtheit steht jedoch das Ende. So versöhnlich einige Schlußzenen den Leser stimmen mögen, so irritiert bleibt er doch mit der Wertung zurück. Exemplarisch sei da Timis Mutter genannt. Ohne hier zuviel verraten zu wollen, auch sie hat ein Verbrechen begangen. Dies mit einem einzigen, noch dazu recht freundlichen Satz abzuhandeln, das geht und passt gar nicht.

Dennoch: ein atmosphärisch und psychologisch dichter, spannungsgeladener Thriller, der durchaus kunstvoll zu schocken vermag, aber auch berührt und Fragen aufwirft.

Der Autor: Michael Tietz lebt mit seiner Familie als Krankenpfleger im Schwarzwald, wo auch seine Bücher spielen.

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Genre: Thriller
Illustrated by Bookspot

The cold cold ground

Frühling 1981: Während die Menschen im Vereinigten Königreich der Märchenhochzeit von Prince Charles und Lady Di entgegen fiebern, hat man in Belfast auch noch andere Probleme. Im Maze-Gefängnis kämpfen die Gefangenen der IRA mit Hungerstreiks für bessere Haftbedingungen und eine ihrer Ikonen, Bobby Sands, ist gerade gestorben. Premierministerin Thatcher („The dragon lady with no fucking heart“ (Jello Biafra)) ist wieder einmal wild entschlossen, Härte zu demonstrieren und so droht der seit Jahren latente Bürgerkrieg in Nordirland endgültig zu eskalieren.

Sean Duffy, katholischer Polizeipsychologe, hätte also eigentlich schon genug zu tun, als kurz nacheinander zwei Homosexuelle ermordet werden; jeweils versehen mit kryptischen Botschaften. Als dann auch noch bekannt wird, dass einer der Toten Kontakte zur IRA hatte, wird die Lage für Duffy richtig prekär, denn egal, ob Serienkiller oder politisch motivierte Morde, der Ermittler gerät schnell zwischen die Fronten protestantischer und katholischer Kämpfer…

Dieser Roman ist nicht nur ein exzellent geschriebener packender Thriller sondern dank der historischen Umstände, in die er eingebettet ist, auch ein höchst interessantes Dokument der Zeitgeschichte. Dem Autor, der selbst in Belfast aufgewachsen ist, gelingt es in überzeugender Manier, die beklemmend klaustrophobische Atmosphäre dieser Tage zu erfassen, zum Beispiel die Suche nach Autobomben vor jedem Fahrtantritt. McKinty enthält sich dabei weitgehend politischer Statements, macht aber auch sprachlich überzeugend klar, dass sich die Methoden der Kombattanten doch verblüffend ähneln. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Buch aus dieser Reihe!


Genre: Thriller
Illustrated by Serpent\'s Tail

Berlin Gothic

Im Prolog seines Berlin-Thrillers setzt Jonas Winner mit drei Blitzlichtaufnahmen auf Horror, Gewalt und Sex: Till Anschütz erwacht in einer Folterkammer und erfährt, umoperiert worden zu sein; Kommissar Konstantin Butz inspiziert den Torso einer Frau, die mit einem Akkubohrer verstümmelt wurde aber noch letzte Lebenszeichen gibt; Fotografin Claire Bentheim lichtet einen blutigen Boxkampf ab und lässt sich danach mit dem Sieger ein.

Während der Autor offen lässt, welchen Torturen Till ausgesetzt ist, inspiziert Kommissar Butz den Fundort der verstümmelten Frau. Er entdeckt einen verborgenen Tunnel in eine unterirdische Welt und wird dabei fast verschüttet. Seine Lebensgefährtin Claire wird derweil von dem liebestollen Boxchampion Frederik bis in ihre Wohnung verfolgt.

Winners eigentliche Geschichte beginnt zwölf Jahre früher: Till flieht aus dem Kinderheim Brakenfelde. Nie wieder will der elternlose Junge dorthin zurück, nachdem sich sein Bruder Armin erhängt hat. Auf seiner Flucht wird er von einem Auto erfasst und begegnet auf diese Weise der Familie Julia und Xaver Bentheim. Deren Kinder Max, Lisa und Claire freunden sich mit dem Flüchtling an und wollen ihm helfen. Sie verstecken ihn im Schuppen des Anwesens ihrer Eltern.

Besonders der strenge Vater, der in einem Gartenhaus Bücher schreibt, reizt die Neugierde Tills. Die Kinder glauben, dass Xaver Bentheim Geschichten schreibt, die nicht nur ausgedacht sind, sondern tatsächlich stattgefunden haben oder sogar immer noch stattfinden. Till belauscht den Schriftsteller nachts bei einer Art Selbstgespräch, in dem dieser einen seltsam-rauschartigen Zustand beschreibt. Doch Bentheim erwischt den heimlichen Zuhörer …

Jonas Winner konstruiert seinen Thriller um Till, Max und Lisa, Xaver und Julia, Butz und Claire in steter Folge von Zeitsprüngen und Rückblenden. Mosaikartig entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers das engmaschige Netz einer spannenden Geschichte, zu der ihm Winner scheinbar unabhängig voneinander baumelnde lose Fäden in die Hand gibt. Diverse Cliffhanger und bisweilen bewusst nebulöse Andeutungen dessen, was die Protagonisten erwartet, geben der Geschichte zusätzliche Würze.

„Berlin Gothic“ ist ein düsterer Krimi mit Lokalkolorit, der den Leser rasch in seinen Bann schlägt. Autor Jonas Winner fand für sein Werk, das er für 99 Cent als E-Book in Amazons Kindle-Shop anbietet, in wenigen Monaten zehntausende Leser. Der stürmische Zugriff der Leser katapultierte ihn auf Spitzenplätze in den Amazon-Bestsellercharts. Das Genre des untergegangen geglaubten Groschenromans feierte neue Triumphe.

Seinen Spitzenplatz wird Winner wohl noch eine ganze Weile halten, denn die Sache hat einen raffinierten Haken: Im spannendesten Augenblick bricht „Berlin Gothic“ ab, und es wird der Erwerb eines weiteren Bandes fällig. Der Autor hat seinen Krimi auf sieben Teile geplant, und das Suchtpotential der Serie ist erheblich. Er schreibt die Fortsetzung, während die Leser schon die ersten Teile lesen können und mit seinen Helden fiebern.

Wie in den guten alten Zeiten der Fortsetzungsromane liefert Winner seinen Thriller häppchenweise. Dabei ist bereits der erste Band derart effektvoll geschrieben, dass man unbedingt wissen will, wie es weiter geht und der Reihe atemlos treu bleibt. Den Leser von „Berlin Gothic“ erwartet indes keine ambitionierte Hochliteratur, es geht um spannende Unterhaltung mit kräftigen Knallern. Diese wird sprachlich durch einen aktiven Stakkato-Stil betont, der das Verständnis von „Gestern“ und „Heute“durch den Wechsel zwischen Präteritum und Präsenz unterstreicht.

Der Autor versteht es, das Kopfkino seiner Leser in Gang anzukurbeln und starke Bilder zu erzeugen. Sicherlich wird es deshalb auch dazu kommen, dass „Berlin Gothic“ verfilmt wird. Denn der Autor schrieb bereits Drehbücher für ARD, ZDF, Sat.1 und RTL und verfügt damit über Erfahrungen, die er in seine Schreibe einfließen ließ.

Zuvor jedoch wurde Jonas Winner von einer ganz anderen Seite unerwartete Anerkennung beschieden: Amazon-Chef Jeff Bezos schickte ihm einen Vertrag für die Übernahme der siebenteiligen Reihe ins Englische. Sein Konzern will den Thriller sowohl weltweit als Elektrobuch wie auch als Papierbuch vermarkten. Damit ist Winner der erste sich selbst verlegende deutschsprachige Autor, der über die E-Book-Schiene so bekannt wurde, dass selbst Amis auf ihn aufmerksam wurden. Bislang war der umgekehrte Weg üblich: US-Autoren werden – so sie sich gut verkauften – ins Deutsche übersetzt und den hiesigen Leservasallen vorgesetzt. Deutsche Autoren galten mehrheitlich als nicht weltmarktgängig …

Wer mehr über Jonas Winner erfahren möchte und seine Erfolgsrezeptur kennen lernen will, der liest mein E-Book „Wie man erfolgreich E-Books verkauft. Exklusivinterviews mit Top-Autoren“.


Genre: Thriller
Illustrated by Kindle Edition

Carte Blanche

In Serbien droht nach Zündung eines Sprengsatzes ein Zug mit Giftgas zu entgleisen und so trifft es sich gut, dass James Bond gerade noch rechtzeitig zur Stelle ist, um eine Katastrophe zu verhindern. Der britische Geheimdienst hatte das Fragment einer Nachricht abgefangen, nach der ein Anschlag mit Tausenden von Toten bevorsteht; nähere Umstände allerdings ungewiss. 007 macht sich also auf die Suche und eine Spur führt ihn bald zu dem undurchsichtigen Geschäftsmann Severan Hydt, Spezialist in Sachen Abfallbeseitigung mit morbid nekrophilen Neigungen. Doch damit nicht genug, nebenbei versucht der Super-Spion auch noch, den mysteriösen Tod seiner Eltern aufzuklären…

„Carte Blanche“ bietet alles, was man von einem Bond-Roman (oder Film) erwarten darf: Schöne Frauen, exotische Schauplätze, trockene Drinks und ebensolcher Humor, böse Bösewichter, strahlende Helden, technische Wunderwerke und aufregende Verfolgungsjagden mit schnellen Autos. Mit Jeffery Deaver konnte ein erfahrener Genre-Autor gewonnen werden, der sein Handwerk versteht und es als Ehre und Verpflichtung empfindet, die berühmte Reihe fortzuführen, dabei aber auch willkommene neue Akzente setzt. Deaver ist ja berüchtigt dafür, stets mit unerwarteten Wendungen in seinen Geschichten den Leser zu überraschen und spielt diese Karte natürlich auch diesmal aus.

Fazit: Frischer Wind bei einem Klassiker der Agentenliteratur sorgt für spannendes Lesevergnügen auf hohem Niveau!


Genre: Thriller
Illustrated by Simon & Schuster

Die Spieler

dieSpielerAnnabelle Conroy – ebenso schöne wie begabte Trickbetrügerin – hat den ebenso skrupellosen wie mächtigen Kasinobesitzer Jerry Bagger aus Rache für die Ermordung ihrer Mutter um sagenhafte 40 Millionen Dollar erleichtert. Nun ist sie vor dem auf Rache sinnenden Unsympath auf der Flucht. Zum Glück gibt es Oliver Stone und seine bekannten Mitstreiter aus dem Camel Club – immer auf der Suche nach der Wahrheit, gerne aber auch auf Vergeltung und Rache sinnend. Der Camel Club bietet Annabelle Schutz und Unterstützung, doch unversehens wendet sich das Blatt und der Club kann seine Zusage nicht nur nicht einhalten, er braucht seinerseits die Hilfe Annabelles. Stone wird von seiner bis dato streng geheim gehaltenen Vergangenheit eingeholt und muss sich auf einen gnadenlosen Überlebenskampf mit ehemaligen Mitstreitern aus seiner CIA-Zeit einlassen.

So wirklich haben beide Storylines nichts miteinander zu tun, Baldacci gelingt es in seinem Thriller aber gekonnt, diese spannend zu verweben. Die Spieler, nun als Taschenbuch erschienen, sind der dritte Teil der Reihe um den Camel Club. Wie man es von Baldacci erwartet, surren die Verschwörungstheorien dem Leser nur so um dem Kopf, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, das Katz-und-Maus Spiel hält die Spannung bis zum furiosen, blutgetränkten Finale.

Gut, stattgegeben – hohe Literatur ist das nicht. Manches zu konstruiert, manches zu zufällig, manch Protagonist zu sehr mit der Schablone gezeichnet, manch zeitliche Abfolge mit Macht so hingebogen, dass es so gerade eben noch in den vorgegebenen Rahmen passt und der Charakter Harry Finn erinnert sicher auch nicht zufällig an Jack Ryan. Aber – mal ehrlich, ein gut gestrickter Thriller zwischendurch muß auch mal sein. (zumal, wenn der Titel so dezent auf einen unser tapferen Mit-Rezensenten verweist ).

David Baldacci ist ein amerikanischer Thriller-Autor und Bestseller Garant. Seine Romane wurden in mehr als 45 Sprachen übersetzt und erreichen weltweit eine Gesamtauflage von über 40 Millionen Exemplaren. Sein erster Roman „Der Präsident“ ( Absolute Power ) war ein durchschlagender Erfolg und wurde kurz darauf verfilmt. In den letzten Jahren gab es immer wieder Romane von ihm, die nur bedingt überzeugen konnten. Mit inzwischen drei Romanserien scheint es, als liefe er sich selbst hinterher und nicht wenige seiner Fans bemängelten holzschnittartige Schluddrigkeiten und wenig Spannung. Mit den Spielern kriegt er aber nun wieder die Kurve und liefert solide Kost. Spannend und flüssig, ein Pageturner, dessen Auflösung man entgegenfiebert. Es steht Thriller drauf, es ist Thriller drin. Mehr braucht es eben manchmal nicht.

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Genre: Thriller
Illustrated by Bastei Lübbe