Pretty Guardian Sailor Moon Crystal

sailor moon crystal

Usagi Tsukino (14) ist eine völlig verschusselte Schülerin der Mittelschule (7. bis 9. Klasse), die ständig schlechte Noten nach Hause bringt. Also kein Stoff, aus dem Heldinnen gemacht sind – bis Usagi Katze Luna über den Weg läuft und der Katze ein Pflaster auf der Stirn entfernt. Der zum Vorschein kommende Neumond symbolisiert das Reich des Mondes, aus dem Luna stammt. Die sprechende Katze entdeckt bald, dass Usagi die wiedergeborene Mond-Kriegerin Sailor Moon ist. Prompt muss diese ihren ersten Fall lösen und gegen einen der Krieger des Dark Kingdom, angeführt von Königin Beryll, antreten. Mit Ach und Krach besiegt sie ihn und dessen Schergen. Seitdem tauchen immer mehr Handlager des Dark Kingdom auf. Zum Glück stehen ihr bald Sailor Kriegerinnen bei, die sie und Luna beinahe zufällig treffen: Sailor Merkur alias Ami Mizuno (das Hirn der Kriegerinnen), Sailor Mars alias Rei Hino (die übernatürliche Kräfte besitzt und Schreindienerin ist), Sailor Jupiter alias Makoto Kino (die sehr groß und mindestens genauso stark ist). Ende der siebten Folge stehen die Sailor Kriegerinnen kurz davor, die 5. Verbündete kennenzulernen: Sailor V(enus) alias Minako Aino mit ihrem Kater Artemis, der wie Luna ebenfalls vom Mond stammt. Usagi erhält außerdem immer wieder Hilfe von einem Unbekannten namens Tuxedo Mask. Im realen Leben heißt dieser Mamoru Chiba und läuft Usagi immer wieder zufällig über den Weg. Anfangs können sich die beiden nicht besonders gut leiden, aber als Usagi entdeckt, wer hinter Tuxedo Mask steckt, entwickelt sie Gefühle für ihn. Luna allerdings ist nicht begeistert, weil sie Tuxedo Mask weder als Freund noch als Feind einordnen kann. Luna leitet die Kriegerinnen an, den Silberkristall und die Mondprinzessin zu finden. Auch die Krieger des Dark Kingdom sind hinter dem Silberkristall her, der sie unglaublich mächtig machen soll. So ergeben sich immer wieder neue Konfrontationen zwischen den Gegnern.

Die ersten 7 Folgen des 2014 in Japan erschienenen Remakes (Produktionsfirma Toei Animation; veröffentlicht in Deutschland von Kazé) dienen dazu, die Hauptcharaktere einzuführen: Sie werden mit ihren Stärken, Schwächen und ihrer oft wenig schönen Vergangenheit vorgestellt. Alle sind irgendwie Außenseiter und erinnern so an berühmte Querdenker: Ami wird wegen ihres überdurchschnittlich hohen IQs von 300 von ihren Mitschülern geschnitten, Rei wegen ihrer übernatürlichen Gaben und Makoto wegen ihrer Größe und Stärke. Mamoru scheint wegen seines Gedächtnisverlustes das Einzelgängertum vorzuziehen. Usagi ist zwar extrem verschusselt, schafft es aber trotzdem durch ihre fröhliche und offene Art, Freunde zu finden. Sie ist als Identifikationsfigur für Mädchen besonders geeignet, da sie alles andere als perfekt ist – selbst als Heldin mit besonderen Kräften bleibt sie trottelig. Damit nimmt sie Mädchen in der Pubertät mit all den damit einhergehenden Gefühls- und Hormonwirren den Druck, perfekt sein zu müssen, bedient aber auch deren Träume, trotzdem etwas Besonderes zu sein. Das macht wohl den Hauptreiz der Serie aus, denn „Sailor Moon“ in seinen Ausgestaltungen als Anime und Manga ist Vorreiter der Mangas und Animes in der westlichen Welt. In Deutschland gab es nach der Veröffentlichung von „Dragon Ball“ einen wahren Sailor-Moon-Boom 1999, als der Anime (in Japan 1992 veröffentlicht) im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Einziger Wehrmutstropfen: Selbst Sailor Moon wird immer wieder von Tuxedo Mask gerettet und sinkt sogar theatralisch in dessen Arme. Das nimmt viel vom emanzipatorischen Grundgedanken, der durchaus in dieser Serie steckt. Auch die Bösewichte werden nach und nach eingeführt und die Verbindung der 4 Prinzen des Dark Kingdom zu den Sailor-Kriegerinnen in ihrem früheren Leben angedeutet.

Warum ich den Anime rezensiere? Ganz einfach: Mangas und Animes sind in Japan eng miteinander verbunden. Ist eine Mangaserie erfolgreich, erscheint sie auch als Anime (manchmal ist es umgekehrt). Man muss beides immer eng verzahnt miteinander sehen, denn beide Erscheinungsformen sind voneinander abhängig. Dasselbe gilt auch für japanische Games, die in Japan ebenfalls gern als Manga und/oder Anime erscheinen (oder umgekehrt). Gerade diese Anime-Neuauflage von „Sailor Moon“ (zur Serie gibt es übrigens auch Musicals, Kinofilme, Spiele und Merchandise) orientiert sich eng an dem Manga-Original. Die Zeichnungen und die gestraffte Handlung entsprechen sichtbar eher dem Original als der beinahe ausufernde Anime von 1992. Nette Anspielung in diesem Zusammenhang: Usagi und ihre Freundinnen treffen sich gern in einer der Spielhallen, die für Japan typisch sind, und spielen dort „Sailor V“. „Sailor V“ ist übrigens die Prequel-Serie für „Sailor Moon“, die Chemikerin und Pharmazeutin Naoko Takeuchi ebenfalls erschaffen hat. „Sailor Moon“ gehört zum Genre der „Magical Girls“ (s. u.a. „Wedding Peach“) und hat viel mehr zu bieten, als die Oberfläche glauben lassen will: Sprechende Namen, Reinkarnation, Zeitreisen (Usagis Tochter Chibiusa reist aus der Zukunft zu den Kriegerinnen), griechische/römische Mythologie, Astrologie. Beschäftigt man sich tiefer mit der Materie, entdeckt man, dass sich Takeuchi sehr viele Gedanken über ihre Serie gemacht hat. Usagi Tsukino bedeutet z.B. übersetzt „Mondhase“. Nicht nur, dass Usagi Hasen-Bettwäsche hat oder Hasenhausschuhe trägt, der Hase kommt im chinesischen Sternzeichenkreis vor und den Mondhasen gibt es in der chinesischen Mythologie, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Hase_im_Mond. Der Mond steht im Übrigen für das weibliche Prinzip. Außerdem verbindet Takeuchi die griechische Mythologie mit ihrem Sailor-Moon-Kosmos: Sie webt die Geschichte um Endymion und Mondgöttin Selene mit ein. Endymion ist in der Mythologie der Geliebte Selenes, in der Serie ist er der Geliebte der Mondprinzessin Serenity (lat. serenitas = Heiterkeit). Der Name Mamoru Chiba spielt auf dieses frühere Leben als Prinz der Erde an, denn er bedeutet „Den Erdplatz zu schützen“.

Rei Hino bedeutet „Geist des Feuers“ und tatsächlich ist Sailor Mars‘ bevorzugte Waffe das Feuer. Mit Mars ist gleichzeitig der Planet und der Gott des Krieges gemeint, der ebenfalls ein feuriges Temperament hat. Sailor Merkur repräsentiert gleichzeitig den Planeten und ist die Verkörperung des Gottes Poseidon (lat. Neptun), denn der Planet Merkur wird im Japanischen mit dem Wasser in Verbindung gebracht. Ihr Name bedeutet „Schönheit des Wassers“. Sailor Jupiters Name lautet übersetzt „Aufrichtigkeit der Bäume“. Schaut man sich Makoto an, so ist sie groß wie ein Baum, stark wie ein Baum, hat grüne Augen (Farbe der Blätter) und braune Haare (Farbe des Stammes und der Erde). Auffallender Charakterzug: Aufrichtigkeit. Sie repräsentiert den Planeten Jupiter – der größte im Sonnensystem – und den Gott Jupiter. Ihre Waffen sind – wie bei Gott Jupiter – die Blitze. Sie ist bodenständig: Kochen, Gärtnern, Haushalt und Kampfsport sind ihre Leidenschaften. Sailor Venus‘ bürgerlicher Name bedeutet „Schönes Kind der Liebe“. Sie repräsentiert den Planeten Venus und die Göttin Venus. Artemis ist in der Mythologie u.a. die Göttin des Waldes, aber auch des Mondes. Der Name „Luna“ spricht für sich. Die beiden Raben Phobos und Daimos begleiten Rei: Sie sind die Begleiter des Planeten Mars, aber auch die Begleiter des Kriegsgottes Mars. Phobos ist griechisch und bedeutet „Furcht“, Daimos „Schrecken“, beides Begleiter in einem Kriegsfall. Nimmt man noch die mythologische Bedeutung der Raben in der germanischen Mythologie dazu, ergibt sich folgendes Bild: Der germanische Gott Odin/Wotan, Gott der Weisheit und der Schlachten, kann sich in einen Raben verwandeln und wird von den Raben Munin und Kunin begleitet, die als Beobachter für ihn fungieren. Die Raben galten den Germanen als Göttervögel. Der Flug und das Verhalten dieser Vögel galt im Vorfeld einer Schlacht als Omen für den Ausgang der Auseinandersetzungen – auch im antiken Griechenland.

Kein Wunder also, wenn man als erstes im Anime „Crystal“ die Milchstraße bzw. das Sonnensystem sieht, das in die bruchstückhaften Erinnerungen der Zeit auf dem Mond übergeht, bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Damit wären wir auch schon beim nächsten Aspekt, den Takeuchi in ihr Werk einwebt: die Reinkarnation, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Reinkarnation. Diese findet sich nicht nur in den östlichen Religionen, sondern sogar in den monotheistischen (dem Judentum, dem Islam und dem Christentum), dort in den mystischen Strömungen, wobei sie anscheinend einen Teil des Urchristentums verkörperte, aber im Christentum einer gnadenlosen Verfolgung ausgesetzt war. Sie kommt auch in esoterischen Kreisen vor, und es gibt seit ein paar Jahrzehnten den Ansatz, die Reinkarnation aufgrund von spontanen Erinnerungen von Kindern an ein früheres Leben wissenschaftlich zu belegen, hier v.a. zu nennen den Psychiater Ian Stevenson und seinen Nachfolger Jim B. Tucker. Die Art und Weise, wie die Erinnerungen an ein früheres Leben bei „Sailor Moon“ auftauchen – spontan, bruchstückhaft – ähneln solchen Erinnerungen von Kindern. Auch dass sich Tuxedo Mask für Sailor Moon sofort vertraut anfühlt, ist ein Muster aus der Reinkarnationstheorie, ebenso wie die wiederkehrenden Träume, die Erinnerungsfetzen des/der früheren Leben sind. Makotos Vorliebe für Rosen lässt sich in gleich mehrere Richtungen interpretieren: Die Rose gilt als Symbol der Liebe (die Kriegerinnen stehen u.a. für Liebe), Makoto hat einen großen Bezug zur Natur – und die Rose kann auch als Symbol für das Aufblühen der Seele gesehen werden. In der Reinkarnationstheorie muss sich die Seele gegen das menschliche Ego in den verschiedenen Leben durchsetzen, um ihren Seelenplan zu verwirklichen und sich entfalten zu können. Die Parallele zur Serie ist somit gegeben, denn auch die Kriegerinnen müssen sich an sich selbst erinnern, um ihre Aufgaben vollständig erfüllen zu können. Auffällig auch, dass die Kriegerinnen meist männliche und weibliche Aspekte in sich verbinden, was an das chinesische Yin-Yang-Prinzip erinnert. Yin, die weibliche Seite, wird übrigens mit dem Mond und der Dunkelheit assoziiert. Auf diese Weise werden die weiblichen Charaktere nicht eindimensional dargestellt, sondern entwickeln sich zu je eigenen Persönlichkeiten, die Leserinnen und Zuschauerinnen Identifikationspotential bieten.

Bleibt noch das Matrosenkostüm, das die Kriegerinnen tragen, und das die modische Ausgestaltung des „Sailor“ in „Sailor Moon“ ist. Wikipedia schreibt hierzu: „Der Matrosenanzug ist in der Neuzeit als Kleidung der Matrosen im Sinne einer Uniform eingeführt worden. Er besteht aus Hemd, Hose und Mütze. Im 19. Jahrhundert wurde der Matrosenanzug ein beliebtes Kleidungsstück für Knaben, später auch für Mädchen, wobei die Hose durch einen Rock ersetzt wurde. In einigen Ländern entwickelten sich aus dem Matrosenanzug auch Schuluniformen. […] Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser Matrosenanzug zur typischen Kleidung für Jungen aus begüterten Kreisen. 1880 wurden dann auch Matrosenblusen für Mädchen zum blauen Faltenrock populär.“ (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Matrosenanzug) Zu diesen Ländern gehört Japan, deren Schülerinnen Schuluniformen auch im Matrosenlook tragen und in dessen Mangas und Animes sich diese Vorliebe spiegelt.

Wie man unschwer erkennen kann, verbirgt sich hinter der Serie viel mehr als man an der Oberfläche sieht. Ich selbst habe diese Vielschichtigkeit Sailor Moons dazu nutzen können, in einem Seminar der Germanistik mit dem Titel „Griechische Mythologie“ 1999 einen Unterrichtsentwurf anzufertigen, der später als Vorbild für andere Unterrichtsentwürfe verwendet wurde – ein Beispiel dafür, was man alles mit Nerd-Themen anstellen kann. Animes, Mangas, Comics, Zeichentrickfilme, Fantasy, Science Fiction und alles, was gemeinhin abwertend als nerdig bezeichnet wird, haben zu Unrecht einen schlechten Ruf, denn aus ihnen lässt sich sehr viel mehr herausholen als ihr Ruf ahnen lässt– wenn man sich die Mühe macht, hinter die Kulissen zu schauen. Ich habe das während meines Studiums der Germanistik, der evangelischen Theologie und der Bibliotheks- und Informationswissenschaft immer wieder getan und damit meine Dozenten in Staunen versetzt. Ich würde mir wünschen, dass mehr Studenten den Mut dazu finden würden!

Zur Limited Edition: Sie kommt in einem niedlichen Schuber daher, der außerdem noch Postkarten der Kriegerinnen, zwei Sticker und ein Heft mit Hintergrundinfos zur Serie bereithält. Die Synchro ist prima, die Synchronstimmen unterstreichen den Charakter der Figuren. Auch der Ton ist sehr gut. Der Vor- und Abspann ist ebenfalls gelungen: Der Vorspann präsentiert sich flott und energisch, um auf die Serie einzustimmen, der Abspann als Ausklang ruhig. Die Farben passen ebenfalls besser zum Stil des Originals als die der ersten Anime-Serie. Typisch (und auch hier vorhanden) sind die Rück- und Vorschauen, die an die jeweiligen Folgen anknüpfen.

Fazit: Daumen hoch!


Genre: Anime, Manga

Ihr Name war Tomoji

ihr name war tomoji

Beginn des 20. Jahrhunderts: Die kleine Tomoji Uchida wächst in einfachen, aber liebevollen Verhältnissen auf. Sie arbeitet schon als Kind im Laden der Familie mit und hilft, wo sie kann. Aber Tomoji erlebt auch Schicksalsschläge: Ihr Vater stirbt, als sie vier Jahre alt ist, ihre Mutter verlässt einige Zeit später die Familie und ihre kleine Schwester stirbt aus Kummer darüber, dass die Mutter sie im Stich gelassen hat. Tomoji, ihr Halbbruder und ihre Großmutter stemmen trotz aller Schicksalsschläge weiterhin ihr Leben. Eines Tages besucht Fotograf Fumiaki Ito Tomojis Großmutter, seine Tante, und fotografiert sie. Dabei verpasst er knapp das junge Mädchen. Jahre später heiraten die beiden, bekommen Kinder – und Tomoji wird Gründerin eines Tempels.

Das neue Werk Jiro Taniguchis, eine Graphic Novel, überzeugt wie seine anderen Werke (Vertraute Fremde, Der spazierende Mann, Die Sicht der Dinge, Der Gourmet, Der Wanderer im Eis, Die Stadt und das Mädchen, Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß u.a.) durch die Tiefe und Eindringlichkeit der Figuren, die dennoch oberflächlich sehr verhalten reagieren – nach dem Motto: „Stille Wasser sind tief“ – und den ebenso detaillierten Zeichnungen, die die Detailliertheit der Geschichte und der Figuren unterstützt. Man merkt auch diesem Werk an, wieviel Gedanken und Mühe sich der Autor gemacht hat, um die kleinen Besonderheiten im Alltag und den Alltag im Allgemeinen lesenswert rüberzubringen. Diese tiefe Stille und Besonnenheit in den Geschichten bringt die LeserInnen dazu, auch nach der Lektüre über das Werk, seine Figuren und seine Story nachzusinnen und trotz aller Schicksalsschläge der Figuren eine Stärke und Zufriedenheit mit ihrem Leben zu spüren, die uns in unserer hektischen Zeit nur allzu oft abhandenkommt. Diese Verwurzelung im Alltag, egal, ob dieser gegenwärtig oder längst Vergangenheit ist, zeichnet auch diesen Manga aus – Taniguchi wählt bewusst die Vorgeschichte seiner weiblichen Hauptfigur und eben nicht den Lebensabschnitt, in dem sie und ihr Mann in ihrer Gegend berühmt geworden sind. Er will lieber aufzeigen, wie Tomoji zu der Frau herangereift ist, die gerade wegen ihres einfachen Lebens den spirituellen Weg eingeschlagen hat. „Auch großartige Menschen wurzeln im Alltag“: Das will dieser Manga vermitteln. Wie bei Taniguchi üblich arbeitet er mit Symbolen. So folgen sowohl Tomoji als auch Fumiaki der Flugbahn eines Milans, als sie sich knapp verpassen. Der gemeinsame Blick in den Himmel steht für ihre gemeinsame Zukunft und ihre Flügel, die ihnen spirituell wachsen und mit denen sie weite Kreise ziehen werden.

Extras: Ein recht ausführliches Interview mit Jiro Taniguchi, das die Hintergründe zu diesem Werk, Vergleiche zu seinen anderen Werken und seine Arbeitsweise aufzeigt, sowie eine Kurzbiografie des Autors.

Fazit: Wie immer sehr gelungen, still tiefsinnig und wirklich lesenswert! Taniguchi gehört zu den ganz Großen seiner Zunft, was er auch in seinem neuesten Werk unter Beweis gestellt hat.

Zur Person Tomojis und der Gründung des Tempels: https://de.wikipedia.org/wiki/Shinnyo-En


Genre: Manga
Illustrated by Carlsen Verlag Hamburg

Wonderland Date

wonderland date

Als Arisu wieder einmal von Adligen verfolgt und bedrängt wird, fällt er in einen Brunnen – und landet im Wunderland. Dort empfängt ihn der verrückte Hutmacher Rihito mit einem „Willkommen daheim!“ und einem Kuss. Arisu ist entsetzt und will so schnell wie möglich wieder zurück in seine Welt, denn Rihito hält ihn offensichtlich für seinen Geliebten „Alice“ und will ständig mit ihm schlafen. Nach langer Abwehr beginnt aber auch Arisu etwas für Rihito zu empfinden – und fängt an, sich an die Zeit im Wunderland zu erinnern.

„Alice im Wunderland“ hat schon viele Bearbeitungen im Comic- und Manga- (und dort auch im erotischen) Bereich erfahren/erlitten. Diese Bearbeitung ist auf Shonen Ai zugeschnitten, aber von der Story her leider ziemlich einfallslos geraten. Außerdem wirkt sie etwas an den Haaren herbeigezogen und bedient die üblichen Klischees im Shonen-Ai-Genre wie das des blondhaarigen naiven, aber süßen Jünglings, der von einem geheimnisvollen dunkelhaarigen und sehr selbstbewussten Mann umgarnt wird. Aus der Bearbeitung des ursprünglichen Stoffes hätte man bestimmt mehr herausholen können. Die Männer sind gewohnt hübsch wie schwul. Zu „Wonderland Date“ gibt es noch das Sequel „Wonderland Love“, das die homosexuelle Beziehung des Roten und des Weißen Königs zueinander behandelt.

Insgesamt kein wirklich schlechter Shonen-Ai-Manga, aber leider auch kein wirklich guter. Ich würde ihn als unteren Durchschnitt bezeichnen.


Genre: Manga
Illustrated by Egmont Ehapa

Kuroneko – Spiel mit mir!

kuroneko

Shingo ist ein schwuler Katzenmensch und liebt erotische Abenteuer. Eines Tages trifft er auf den arroganten Fernsehstar Kagami, der sich nicht darum schert, ob Shingo ihn gut findet oder nicht – Kagami schleppt ihn einfach ab. Obwohl Shingo Kagamis arrogant-dominante Art nicht mag, verfällt er ihm zusehends.

Der in sich abgeschlossene Manga, der zu einer Reihe von Mangas Sakos über Werkatzen gehört, bedient die Sparte Porno: Die Handlung ist oberflächlich und die Sexszenen zahlreich und explizit, daher nicht für Minderjährige geeignet. Die pornografische Darstellung lässt leider auch ein problematisches Klischee nicht aus, das Frauen momentan auch bei Change.org in Bezug auf die Gesetzgebung gegenüber Vergewaltigung anprangern: Ein „Nein“ heißt im Porno eben nicht „Nein“, sondern wird hier als versteckter Wunsch dargestellt, mehr oder weniger hart rangenommen zu werden. Das verfälscht die Wirklichkeit, egal, ob es sich um Mann oder Frau handelt, denn es verringert die Wertschätzung gegenüber dem anderen und geht von falschen Voraussetzungen aus, die in der Realität dem (Sex-)Partner schaden, wenn dessen „Nein“ nicht akzeptiert wird. Nicht nachvollziehbar ist für mich folglich Shingos Reaktion, der die Vergewaltigungen auch noch gutheißt und Kagami unterstellt, er würde sich um ihn kümmern.

Daher ein klares „Nein“ zu diesem Manga, denn schädliche Klischees unterstütze ich nicht.


Genre: Manga
Illustrated by Egmont Ehapa