Der Frauenmörder

Ein erfolgloser Schriftsteller hat angeblich fünf alleinstehende Mädchen, die er über Kontaktanzeigen kennenlernte, aus Geldgier umgebracht. Die Beweise gegen den Verdächtigen sind erdrückend, allerdings fehlt jede Spur von seinen Opfern. So kommt es zu einem spektakulären Indizienprozess, zumal der Angeklagte jede Erklärung verweigert.

Der angeklagte Autor glaubt, dass er ein genialer Dichter ist. Er sieht aber keine Möglichkeit, den Wall von Hindernissen des Literaturbetriebs, die sich ihm entgegenstellen, zu übersteigen. Sein Buch wird nicht gelesen, sein Stück nicht aufgeführt, er hat kein Geld und fühlt, dass er das elende Leben, das er führt, nicht mehr lange ertragen kann.

Plante der Schriftsteller die Morde, um sich aus dem Dunkel emporzureißen, indem er zum Mittelpunkt einer ungeheuren Sensation wird? Oder ist alles eine große Komödie, die wohlbedacht inszeniert wurde und dem Literaturbetrieb den Spiegel vorhält? Der Berliner Polizeikommissar Joachim von Dengern, dem Qualitäten eines deutschen Sherlock Holmes nachgesagt werden, muss exakt recherchieren, bis er der Wahrheit auf den Grund kommt.

Hugo Bettauers Roman »Der Frauenmörder« erschien bereits 1922. Die Veröffentlichung des Werks, das bei Amazon kostenfrei erhältlich ist, bietet eine Wiederentdeckung mit der Literatur der Zwanziger Jahre. Der als »Entdeckungsjournalist« gefeierte Schriftsteller mit jüdischen Wurzeln wurde 1872 bei Wien geboren und bald durch sein Engagement für sexuelle Freizügigkeit berühmt. Er verursachte diverse Skandale, weil er sich für ein modernes Scheidungsrecht, Straffreiheit bei Schwangerschaftsabruch und die Akzeptanz von Homosexualität einsetzte. Am 26. März 1925 erlag er im Alter von 52 Jahren den Folgen eines Attentats, das ein schießwütiger Nazi nach einer Hetzkampagne in den Medien auf ihn verübte.

Thematisch kann man den Roman auch als ausgeklügelten Marketing-Tip für Self-Publisher lesen. Denn in diesem Werk will der Autor nicht durch die Tat berühmt werden. Er will durch sie seine bereits vorhandenen Werke berühmt machen und hat damit Erfolg.


Genre: Kriminalromane
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Soap

Einer meiner Bekannten hat sämtliche Folgen der »Lindenstraße« gesehen – und zwar von der ersten Sendung im Dezember 1985 an – und er schaltet immer noch ein. Es scheint da einen Suchtfaktor zu geben, der mich bislang verschonte, obwohl mir Süchte alles andere als fremd sind. Bislang habe ich jedenfalls noch keine Episode dieser Endlos-Reihe, die unter ihren Fans Kult-Status genießt, gewidmet. Schlimmer noch: Ich schaue mit gewisser Hochnäsigkeit auf diejenigen, die keine Tele Novela auslassen. Continue reading


Genre: Fortsetzungsgeschichten, Romane
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Die Reise der blauen Perle nach Kambodscha

Im dritten Band ihre fantastischen Erzählung von der blauen Perle, die von Land zu Land wandert, landet die Autorin in Kambodscha. Hier trifft ein kleiner Junge auf eine von Tierfängern bedrohte Gibbonmutter und ihr Junges. Durch die Magie der Perle versteht Heng, der Protagonist, die Affensprache, während die anderen Menschen diese natürlich nicht verstehen. Gemeinsam besuchen die Gefährten Sehenswürdigkeiten des Landes und erfahren dabei viel über Land, Leute und Kultur.

Die Abenteuerserie »Die Reise der blauen Perle« will Mädchen und Jungen die Augen für die Länder der Welt öffnen. Jeder Band der Abenteuerserie spielt in einem neuen Land mit neuen Hauptfiguren und ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Die geheimnisvolle blaue Perle bringt ein Mädchen oder einen Jungen mit einem landestypischen Tier zusammen. Sie freunden sich an und erleben zwei unvergessliche Tage. Die blaue Perle ist eine Metapher für unsere Erde: kostbar und geheimnisvoll. Dass die Kinder die blaue Perle immer an einen Freund senden müssen, symbolisiert, dass die Erde nicht unser Eigentum ist und dass wir zunehmend vernetzt sind. Im Anhang der jeweiligen Abenteuer gibt es Nützliches, wie einen kleinen Sprachführer und kindgerechte Links für die eigene Recherche.

Das zentrale Anliegen der Buchreihe um die blaue Perle ist lebendige Wissensvermittlung. Die dosierte Abgabe von Wissen ist eine pädagogische Aufgabe, der sich die Autorin mit Hingabe hingibt. Ob dies jüngere Leser tatsächlich interessiert oder eventuell eher abschreckt, vermag ich nicht zu beurteilen. Sicher bin ich aber, dass mehr Farbe den Geschichten gut bekommen würde. Es handelt sich bei Kambodscha schließlich um ein exotisches Land, das den allermeisten Lesern unbekannt sein dürfte, und da helfen Farbe, Geräusche und Gerüche über allzu trockene Stellen hinweg. Besonders der akademisch gebildete Autor muss mit viel Fingerspitzengefühl trockene Fakten ansprechend verpacken. Nur dann schaltet der Leser sein Kopfkino an und folgt dem Autor atemlos in dessen Welt. Ziel des Buches ist schließlich, den jungen Leser auf eine Reise einzuladen und ihm das gemeinsame Erleben derart schmackhaft zu machen, dass er sehnsüchtig die nächste Folge der magischen Weltreise erwartet. In dieser Hinsicht traue ich der Autorin noch sehr viel mehr zu.

Die Idee zu der Länder-Abenteuerserie kam Mo Anders übrigens auf Maui. Mangels Kinderbücher im Reisegepäck erfand sie die Geschichte eines Kindes, das sich mit einem Delfin anfreundet. Jeden Abend folgte ein weiteres spannendes Abenteuer, in das sie Informationen zum Ausflug des nächsten Tages schmuggelte. Die beiden Freunde tauchten wagemutig nach einem versunkenen Schatz, bestiegen mühsam den Vulkan Haleakala, beobachteten gebannt die imposanten Buckelwale in der Bucht und kosteten beim Luau neugierig hawaiianische Spezialitäten. Eines Tages tappte ihre jüngste Tochter mitten in der Nacht barfuß ans Bett und weckte die Mutter mit der Forderung, die Geschichte sofort weiterzuerzählen. Damit war die Idee für eine Abenteuerserie, in der Kinder Besonderheiten von Ländern entdecken können, geboren.


Genre: Kinder- und Jugendbuch
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Zwölf Jahre als Sklave – 12 Years A Slave

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Durch den mit einem Oscar als bester Film des Jahres 2014 ausgezeichneten Film »12 Years a Slave« des britischen Regisseurs Steve McQueen ist ein 1853 erschienener autobiographischer Text wieder ans Licht der Öffentlichkeit gekommen, der in seiner Eindringlichkeit das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Es handelt sich dabei um »Zwölf Jahre als Sklave« von Solomon Northup, die bewegende Autobiographie eines frei geborenen schwarzen Amerikaners, der entführt und versklavt wurde, ehe er endlich befreit wurde. Dieser Augenzeugenbericht schildert aus erster Hand die barbarischen Bedingungen, unter denen viele Schwarze in den Südstaaten arbeiten und vegetieren mussten. Northup, den Sklavenhändler betäubten und seiner Familie entrissen, beschreibt eindringlich seine Erlebnisse als herrenloses Tier, das von seinen jeweiligen Besitzern nach Gutdünken herumgestoßen, misshandelt und verkauft werden konnte. Er bezeugt zugleich, dass es unter den Sklavenhaltern sowohl menschliche als auch grausame Männer gab.

Regisseur Steve McQueen hatte schon länger den Wunsch, einen Film über Sklaverei zu machen und über einen Schwarzen zu erzählen, der in die Sklaverei verschleppt wird. Aber er wusste nicht, wie sich so etwas tatsächlich abgespielt hatte. Seine Frau riet ihm, sich an einem historisch verbürgten Fall zu orientieren. So entdeckten sie das Buch von Solomon Northup. Steve McQueen im Interview: »Als ich es las, war ich fertig … Es war, als hätte ich das Tagebuch der Anne Frank in die Hände bekommen.«

\"Solomon_Northup_001\"Die Historikerin Petra Foede legte gemeinsam mit dem Buchgestalter und Setzer Rainer Zenz parallel zum Film eine Übersetzung der Erinnerungen Northups vor. Ihr E-Book brilliert (im Unterschied zu zeitgleich vorgelegten Ausgaben) mit Originalillustrationen, umfangreichen Anmerkungen, einem Nachwort zum weiteren Leben der Autors, zur Rezeptionsgeschichte des Buches sowie einer historischen Fotodokumentation. Die Übersetzerin erläutert den Erfolg des Buches, der an »Onkel Toms Hütte« von Harriert Beecher Stowe anknüpfte, das ein Jahr (1852) früher erschienen war. Sie ordnet das Werk in einen Kreis von rund 80 ähnlichen Autobiographien ein, die seinerzeit eine neue Literaturgattung, die »Sklavenerzählung« (slave narrative), begründeten. Northups Werk erreichte Auflagenzahlen wie kein anderes Werk des Genres, deren Autoren sich der Antisklaverei-Bewegung verpflichtet sahen.

Die Lektüre der Lebensschilderung von Solomon Northup hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck über das Martyrium eines frei geborenen Amerikaners, der lediglich aufgrund seiner Hautfarbe in die Sklaverei verschleppt wurde. Es handelt sich um die ergreifende Schilderung eines der vielen traurigen Kapitel der amerikanischen Geschichte, die ohne Schwarzweißmalerei auskommt.

Diskussion dieser Rezension im Blog der Literaturzeitschrift


Genre: Biographien, Memoiren, Briefe
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Der Fluchpalast

»Fluchpalast« wird das spätbarocke Schloss mit dem unvergleichlichen Ausblick auf das hessisch-nassauische Mainpanorama im Volksmund genannt. Denn die unbewohnte Prunkresidenz hat den unheimlichen Ruf, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Bereits beim Bau verunglückten sechs Arbeiter tödlich aus ungeklärten Ursachen, und einen Tag nach der prunkvollen Einweihungsfeier verschwanden die Erbauer, zwei steinreiche italienische Tabakhändler, spurlos.

Keiner der Ortsansässigen wagt es seitdem, den düsteren Palast zu betreten. Lediglich der Badersohn Bartel Häcklein, ein achtzehnjähriger Betrüger und Dieb, der gern in die obere Gesellschaft aufsteigen möchte, nutzt das zerfallende Gemäuer als Schatzkammer für Diebesgut.

Doch eines Nachts wird dem Gelegenheitsdieb im Keller des Palais bei lebendigem Leibe das Herz heraus gerissen. Der Tote landet im Laboratorium von Professor Dr. Johann Jakob Fürchtegott Froebius, der vom städtischen Polizeicommissär den offiziellen Auftrag erhält, das Verbrechen aufzuklären. Doch als der Medicus den auf geheimnisvolle Weise umgekommenen jungen Mann sezieren will, mag er seinen Augen kaum zu trauen … und als bald darauf auch der Bürgermeister des Ortes ohne Herz tot aufgefunden wird, will Froebius unbedingt das geheimnisvolle Rätsel um das mit einem Fluch belegte Schloss klären …

Mit seinem 4. Froebius-Roman entführt Autor Norman Nekro seine Leser in die Welt okkulter Mächte, zu Untoten und Wiedergängern. Eine durch ein Zeitfenster mögliche Reise nach Venedig, ein böse starrender goldener Drache an einer barocken Brunnengalerie, Zaubersprüche aus Exorzistenhandbüchern und das Geheimnis des Dunklen Engels spielen in dieser spannenden Erzählung zentrale Rollen.

Der Autor versteht es, einen hochmodernen Genremix in ein historisch treffsicher gewebtes Kostüm zu kleiden. Hochspannung ist dabei ebenso garantiert wie das Überleben des Haupthelden, dessen Fans bereits auf weitere Abenteuer warten.


Genre: Kriminalliteratur
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The Wings of Kilimanjaro

Alex Tannen heftet kurze Berichte von Eindrücken seiner Reisen durch Ostafrika wie an einer Perlenschnur aneinander und lässt den Leser teilhaben an abenteuerlichen Fahrten. Denn trotz guter Vorbereitung per Internet und sonstiger Kommunikationsmittel lässt sich beispielsweise Tansania, das frühere Deutsch-Ostafrika, nicht so bereisen, wie der Weltenbummler es erwartet.

Eines der Hauptziele, dem sich Tannen verschrieben hat, ist eine Fahrt mit der »Liemba« über den Tanganjikasee. Der Dampfer lieft vor hundert Jahren als »Graf Goetzen« vom Stapel und dampft seitdem tapfer von der Regionalhauptstadt Kigoma die Ostseite des Sees hinunter bis nach Sambia, ohne auf den Fahrplan zu achten. Nach diversen Anläufen schafft der Autor es auch tatsächlich, den Dampfer zu entern. Seine Fahrt verläuft sorgenfrei, der Motor fällt nicht aus, der Kahn gerät nicht in schwere See und selbst seine Kabine wird nicht aufgebrochen. Er schlägt vor, einen Nationalfeiertag auszurufen, sollte einmal ein Boot pünktlich ankommen, zumal einige Sansibar-Fähren leider erst gar nicht ankamen (zwei von ihnen sind 2011 und 2012 untergegangen).

Noch gefährlicher als uralte Schiffe sind Busfahrten. Der Autor fährt seit 15 Jahren durch Ostafrika und wundert sich immer wieder, dass man ihm noch nie ein Ticket für einen Bus verkaufte, den es gar nicht gibt und er zudem noch nie am Ziel feststellen musste, dass sein Rucksack schon ein paar Stunden vorher ausgestiegen war. Dafür erlebt er Fahrer, die kompromisslos durch eine Kraterlandschaft heizt und dabei Bodenwellen, Treibsand, Rillen und Löcher zu Lasten der Knochen seiner Fahrgäste ignoriert.

Doch es gibt auch Fluggerät zum Reisen. Der Titel des Buches »Wings of Kilimanjaro« ist dem Firmenslogan von »Air Tanzania« entlehnt, der auf dem Heck der teilweise abenteuerlichen Maschinen prangt. Diese starten und landen beispielsweise in der Metropole Dar, wo nicht nur planmäßig der Strom, sondern unplanmäßig auch das Notstromaggregat für die Befeuerung der Landebahn ausfällt.

Züge fahren nach dem Zufallsprinzip, Toilettenspülungen funktionieren selten, Türen von Taxis sind oft nur durch absurde Verrenkungen zu öffnen. Der Leser fragt sich, warum der Autor sich all das antut, statt daheim auf der Couch zu liegen und Romane zu verfassen.

Aber immerhin funktionieren Mobilfunk, privater Flugverkehr und die Versorgung mit Kilimanjaro-Bier. Außerdem hängt zum Trost in jeder Hotelrezeption im ganzen Land das gerahmte Porträt des Staatspräsidenten Kikwete. Zumindest das ist gut organisiert.


Genre: Reisen
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Was am Anfang aller Dinge geschah

Sakin Kale wurde von Schriftstellern der europäischen wie von der orientalischen Klassik inspiriert. Er empfindet Schreiben als eine Liebeserklärung an seinen Leser und lädt diesen ein, Teil seiner Gedankenwelt zu werden.

Dazu stellt der Autor in seiner ersten Arbeitsprobe Lyrik und Prosa zusammen, die bunt gefächert über Liebe und Leid, Freude und Kummer, Krieg und Frieden, Sehnsucht und Zufriedenheit erzählen. Er folgt dabei dem Gedanken von Goethe, der im »Faust 1« den Theaterdirektor sagen lässt: »Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.«

Bereits das titelgebende Gedicht macht Sakes Weltsicht deutlich. Denn als der Mensch begann, die Gesetze der Natur zu brechen, erhob er sich selbst zum Schöpfer und damit zum Zerstörer der Welten, in die ihn ein Schöpfer vor Jahrmilliarden sezte.

In »Erzengel Gabriel« lässt der Autor den Engel der Verkündigung berichten, was am Anfang aller Dinge geschah und wie es zum Sündenfall und damit zum Bösen auf Erden kam.

Ausklang des Bandes sind Kurzgeschichten sowie einige Gedichte auf Türkisch, der Muttersprache des Autors.

Großartig ist das Titelbild des Buches, das von dem chinesischen Illustrator Wie Chen stammt und ein von Kolibris umschwärmtes lesendes Mädchen zeigt.

Insgesamt ist das vorliegende Werk eine beachtenswerte Probe eines heranwachsenden Talents, das Anerkennung verdient.


Genre: Lyrik
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Copyworld

Michael Szameit (* 1950) zählte zu den viel gelesenen Autoren im Genre wissenschaftliche Phantastik der untergegangenen DDR. Sein veröffentlichtes Werk ist umfangreich und wurde in großen Auflagen verbreitet. Der Roman »Copyworld«, man glaubt es kaum, entstand tatsächlich schon zu einer Zeit, als Hammer und Zirkel noch regierten, und manch ein Leser erkennt darin auch Anspielungen auf das autokratische System des sozialistischen Deutschlands. Nun liegt das Opus nach komatösem Schlummer in einer Schreibtischschublade als E-Book vor, und es ist zu hoffen, dass der Text neue Freunde des Genres erreicht.

Szameit wagt mit seinem Buch einen Spagat. Es versetzt eine klassische Fantasygeschichte mit einer Science-Fiction-Story und lässt beide erst ganz zum Schluss ineinander verschwimmen.

Eine Schwierigkeit beider Genres besteht bekanntlich darin, dem Leser in eine vom Autor erschaffene Kunstwelt zu helfen. Wird zu wenig geliefert, wirkt die Geschichte vielleicht nicht fantastisch genug. Wird zu viel des Guten getan, springt der überanstrengte Leser ab, bevor die Handlung richtig ins Rollen kommt und ihn gefangen nimmt. Szameit beansprucht seine Leser überdurchschnittlich. Zwar wird bereits im ersten Kapitel ein spannendes Kampfgeschehen im Präsenz erzählt, indem er einen jungen Krieger gegen einen mächtigen Gegner antreten lässt, um dessen wertvolles Ei zu rauben, das dazu dient, Macht, Herrschaft und Ansehen zu gewinnen. Aber der Autor konfrontiert seinen Leser auch mit einer Vielfalt von Figuren, Waffen, Kleidungsstücken Zubehör und naturwissenschaftlichen Betrachtungen, die den Einstieg nicht gerade leicht machen.

Nach einem Cliffhanger – der Kampf auf Leben und Tod bleibt vorerst unentschieden – wechselt er in eine andere Welt – eben die titelgebende Copyworld – und lässt den Leser am Leben des Internatsschülers Hyazinth Blume teilhaben, der für eine besondere Mission auserwählt wurde. Es ist die Rolle des Märtyrers, der sich für die reine Lehre opfert und nicht – wie angeblich alle anderen Bewohner – zu ewigem Leben in Form einer digitalen Kopie finden. Dazu sollen sich die Auserwählten nehmen, was sie zu nehmen imstande sind, bis es ihnen zur Qual wird, Reichtum und Besitz hinterherzujagen. Ein »Shoppingdebit« muss erfüllt werden, sie müssen so viel Geld wie möglich ausgeben, die doppelte Summe wird ihnen dann zur Belohnung gutgeschrieben. Allerdings darf ein bestimmtes Tagessoll nicht unterschritten werden, sonst gibt es Strafpunkte. Im Ergebnis soll ein Wohlstand erreicht sein, der jede Sorge um Materielles entbehrt. Wer einen vorgegebenen Kontostand erreicht, empfängt die ersehnte Märtyrerweihe.

Hyazinth Blume erkennt bald, dass sich in seinem Ohr ein Wächter befindet, der im vorgeschriebenen jährlichen Gesundheits-Check eingesetzt wurde. Damit können observierende Instanzen nicht nur alles hören, was um ihn herum vorgeht, sie können sogar seine Gedanken, Fragen und Zweifel lesen. Nichts kann im Verborgenen gedacht, nichts unbeobachtet gesagt, nichts getan werden, was nicht in intellektronischen Impulsen aufgezeichnet worden wäre. Damit öffnet sich die Ebene, wonach der junge Mann selbst lediglich eine Matrix für die Vorstellungen und Phantasien einer anderen Kaste sein könnte, die das wirkliche Geschehen von Copyworld bestimmt.

Diese wiederum gründet auf der Gedankenwelt von Arthur Schopenhauer (1788-1860), einem Philosophen des 19. Jahrhunderts. Der lehrte – im Gegensatz zum Materialismus von Karl Marx (»Das Sein bestimmt das Bewusstsein«) die Erschaffung des Seins aus dem Bewusstsein. Es geht damit um die Schöpfung aus dem Nichts durch das einzelne Subjekt, Schöpfung im Sinne einer veritas aeterna.

Dasjenige, das alles erkennt, aber von keinem erkannt wird, ist das Subjekt. Nur für das Subjekt ist alles, was Gegenstand seiner Erkenntnis ist – also auch der eigene Körper – Objekt. Objekte liegen in Raum und Zeit, das Subjekt hingegen liegt außerhalb von Raum und Zeit, daher sind Subjekt und Objekt zwei unzertrennliche Hälften, eines kann ohne das andere nicht existieren. Die Welt der Objekte aber ist und bleibt Vorstellung, sie hat transzendentale Identität, weil die ganze Wirklichkeit nur durch den Verstand und im Verstand ist.

Copyworld nun ist ein Projekt, bei dem jedes Subjekt sich seine Welt aus Wille und Vorstellung erschaffen kann, und die Akteure träumen einen vom Autor als »Schopenhauerwelt« bezeichneten Traum, der gleichzeitig real ist. Das Projekt Copyworld ist nicht schlechthin der Übergang von einer Existenzsphäre in die andere – Unsterblichkeit wird zu etwas qualitativ vollkommen anderem als die Bannung des physischen Todes. Als Schöpfer der Realität werden Subjekt und Copyworld eins, Bewusstseinsinhalte sind der Stoff, aus dem die Welt geschaffen wird.

So ist die Fantasygeschichte, die Szameit erzählt, eine derartige Schopenhauerwelt, die erträumt und durch subjektiven Willen gesteuert wird. Aber auch die Welt des Hyazinth Blume könnte eine Ebene sein, die aus Träumen, Phantasien und möglicherweise bösen Absichten geschaffen wurde. Und so fiebert der Leser, der sich auf die streckenweise hochphilosophischen Gedankengänge Szameits einlässt, der Lösung des Rätsels entgegen: Wer kontrolliert eigentlich wen, wozu und mit welchem Interesse …

Auf Position 8324 seines E-Books hilft der Autor dem Kritiker zu dessen Entlastung beim Abfassen seiner Rezension: »Nur der Stümper braucht Kritiker, die seinem Publikum erklären, was Sinn und Anliegen seines Werkes war.« Erleichtert seufze ich auf und danke Michael Szameit, der mir eine Last von den Schultern nimmt, denn es ist wahrlich keine ganz leichte Aufgabe, seinen Roman angemessen zu interpretieren.

Unter dem berühmten Strich schenkt das immer wieder an eine Melange aus Tad Williams »Otherworld« und »Shadowmarch« erinnernde Szameit-Epos Erkenntnis über die Funktion der Gesellschaft: »Gib dem Volk eine Ideologie, ein Ziel und einen Weg. Kontrolliere damit ihre Sehnsüchte und Ängste, ihr Fühlen und Denken«, meint einer der Protagonisten. »Dann wirst du frei sein, um wie ein Gott schaffen und wirken zu können, denn sie selbst werden dich zu ihrem Gott machen«.

Ob es dem Buch insgesamt wirklich dient, die Fantasyebene mit hineinzuheben, – und damit komme ich auf den Ausgangspunkt zurück – bezweifele ich, zumal diese unvermittelt an einer wirklich spannenden Stelle abbricht. Letztlich zerfällt das Werk in zwei Geschichten, eine spannende erzählte, klassische Fantasy-Story und ein anspruchsvolles existenzphilosophisch angehauchtes Stück Science-Fiction-Literatur.

PS. Bekannt wurde Schopenhauer nicht nur durch sein Hauptwerk »Die Welt als Wille und Vorstellung«, sondern auch durch seinen leidenschaftlichen Kampf gegen Setzfehler. Vor diesem Hintergrund sei dem Autor empfohlen, noch einmal Korrektur lesen zu lassen und vor allem die massenhaft auftretenden doppelten Leerzeichen zu beseitigen, die den Lesefluss auf einem Reader beeinträchtigen.


Genre: Science-fiction
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Die Self-Publisher-Bibel

Dieses Buch hat eine spannende Entstehungsgeschichte: Ursprünglich war im Sommer 2012 angedacht, den Erfahrungsschatz für das noch junge Medium E-Book zu sammeln und einen kleinen Teil der dafür erforderlichen Arbeitskraft quasi im Subskriptionsverfahren via Crowdfunding zu finanzieren. Dieser Plan wurde spontan von bereits erfolgreichen Self-Publishern wie Emily Bold, Michael Linnemann und Jonas Winner unterstützt. In der Masse der Indie-Autoren fand er jedoch kaum Zuspruch, weil die Gratis-Mentalität des Internets vorherrschte. Man brauchte nur in einschlägigen Foren oder in der Facebook-Gruppe der Self-Publisher Fragen stellen, und schon kamen mehr oder weniger hilfreiche Antworten aus allen Richtungen. Continue reading


Genre: Lexika und Nachschlagewerke
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Hurenehre

zack_hurenehreTreibt in Zürich eine Organmafia ihr Unwesen? Die Mädels, die im Kreis 4 auf den Strich gehen, bangen um ihr Leben. Aus der Perspektive eines ehemaligen sizilianischen »Vollstreckers«, der als Barmann arbeitet, wird aus dem Leben der Bordsteinschwalben berichtet.

Luigi, der Ich-Erzähler, erzählt seine Story: Seine erste Station in Zürich ist das »Rialto« an der Rosentalbrücke. Dort ist er tätig, bis an einem Abend drei PKW langsam am Lokal vorbeifuhren, in denen jeweils vier Männer sitzen. Er entkommt durch einen Hinterausgang. In der Zeitung steht später, die Polizei habe einen Drogenring zerschlagen.

Im nächsten Club, in dem er tätig ist, kümmert er sich um die Prostituierten, die von ihren Freiern teilweise böse misshandelt werden. Doch er entwickelt auch eigene Bedürfnisse und kuschelt mit Chantal aus Brasov, in die er sich schließlich verliebt …

Eine Hure sei wie ein Schmetterling, dem das Leben die Flügel gebrochen hat, meint der Verfasser dieses Romans. Eddy Zack, das Alter Ego von Autor Detlef Crusius, erzählt seine Geschichte unprätentiös und dicht. Da ist nichts Überflüssiges, Crusius beschränkt auf das Wesentliche ohne hypotaktischen Verschraubungen. Es dominiert die Parataxe. Der Leser wird klar und leicht von einem Ereignis zum nächsten geführt.

Eddy Zack ist ein Lesevergnügen!


Genre: Kriminalliteratur
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Zehntausend Fallen

Auch nachdem sie den Dienst quittiert und ein kleines Unternehmen am Stadtrand von Berlin etabliert hat, findet Ellen Faber keine Ruhe. Die ehemalige Hauptkommissarin rettet einem Landmann, der sich erschießen will, das Leben (leider wird diese Figur zwar in die Geschichte eingeführt, taucht dann aber nicht mehr auf). Faber will die Hintergründe des schief gelaufenen Selbstmordes klären und gerät darauf ins Blickfeld einer weltweit ihr Unwesen treibenden Gen-Mafia.

Hintergrund der Story ist das Bemühungen der Genmanipulateure, eigene Pflanzen auf ganz bestimmte Pflanzenschutzmittel abzustimmen, die aus eigener Produktion stammen. Dieses System wird unter dem Deckmantel verkauft, dadurch die Menge der Pestizide zu reduzieren. Hauptsächlich dient es aber zur Gewinnmaximierung. Es entsteht eine nahezu zwanghafte Kundenbindung, denn der Landwirt, der von einem bestimmten Unternehmen Saatgut bezieht, hat kaum eine Chance, zu wechseln. Ist das Saatgut auch noch so manipuliert, dass es keine Erträge bringt, dann ist der Bauer bald pleite und erledigt.

Der hinter allem stehende skrupellose Weltkonzern erfährt sehr rasch von den Nachforschungen der neugierigen Dame und will sie ausschalten. Dazu werden Unterlagen gefälscht, Analysen verändert, Wissenschaftler unter Druck gesetzt und Polizisten gekauft. Aufgrund von Falschinformationen wird Ellen Faber bald auch von ehemaligen Kollegen gejagt, und sie hat kaum eine Chance, bis zum Ende der Story durchzuhalten …

Vor diesem Hintergrund spielt der zweite Ellen-Faber-Krimi, den Klaus Seibel vorlegt. Außergewöhnlich an seinem Plot ist, dass sich die Ex-Kommissarin mit ihrem schlimmen Widersacher aus Band Eins, »Zehntausend Augen«, einem technologisch äußerst fitten Erpresser, zusammen tut, um ihre Haut zu retten und den Fall aufzuklären. An dieser ungewöhnlichen Wendung wird die individuelle Handschrift des Erzählers spürbar.

Seibel erzählt seine Geschichte geradlinig und schnell. Es gibt weder plötzliche Brüche noch verschlungene Pfade, die erst nach vielen hundert Seiten ineinander fließen. Gut und Böse sind deutlich gezeichnet, es fällt leicht, dem Lauf der Handlung zu folgen, es handelt sich um Literatur, die entspannt und unterhält.

Stilistisch bedient sich der Autor der Schilderung, wobei die Figuren relativ farblos bleiben. Er erklärt gern und wiederholt manches, was dem flüchtigen Leser hilfreich ist. Seibel schreibt in der Diktion der Sixties. Seine Wortwahl ist nicht jung, frech oder überraschend, sie entspricht dem Stil des Romans, der im Ergebnis als flüssig geschriebener, klassischer Krimi mit hohem Aktualitätsbezug bezeichnet werden darf.


Genre: Kriminalliteratur
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LINNEN – Das Grabtuch Mysterium

Auf geschickte Weise verknüpft Norman Nekro die umstrittene Geschichte einer der wertvollsten und zugleich umstrittensten Ikonen der katholischen Kirche mit einer ultraspannenden Handlung. Es geht um das Leinentuch, in dem angeblich Jesus von Nazareth nach der Kreuzigung begraben wurde. Dieses Linnen fiel vermutlich im Jahre 1204 bei der Eroberung Konstantinopels in die Hände christlicher Kreuzritter und wurde auf Anordnung des Großmeisters des Tempelordens nachgebildet. Das mysteriöse »Turiner Grabtuch« wird aktuell in einer Seitenkapelle des Turiner Doms aufbewahrt.

In eben diese Kathedrale bricht nun plötzlich ein Trupp Bewaffneter ein und raubt den Schatz. Im Geheimen operierende Nachfahren der Tempelritter versuchen im Wettlauf mit der vatikanischen Geheimpolizei, die Reliquie wieder in die Hände zu bekommen, da sie darauf einen historisch begründeten Rechtsanspruch erheben. In einer wilden Jagd durch halb Europa verfolgen sich die konkurrierenden Parteien, wobei beide auch vor Mord, Raub und Erpressung im Namen Christi nicht zurückschrecken.

Sowohl von der Erzählweise wie auch vom Sujet erinnert der vorliegende Roman an die Werke von Dan Brown. Vor dem geistigen Auge des Lesers läuft sofort ein Kinofilm ab, der diesem Werk quasi auf den Leib geschrieben ist. Anders als bei Brown ist Nekros Protagonist allerdings ein kreuzgefährlicher einzelgängerischer Mörder. Ihm stellt der Autor keine bildhübsche Partnerin zur Seite, die schlanke Blonde mit dem langen Zopf agiert vielmehr auf der anderen Seite und zählt zu seinen zu allem entschlossenen Widersachern.

Der vorliegende Roman ist Nekros bislang umfangreichste Arbeit. Der Autor hat damit einen Quantensprung in der literarischen Entwicklung vollzogen, indem er einen atemlosen Thriller verfasste, der sich tatsächlich genau so ereignet haben könnte und schon deshalb Öl ins Feuer aller Verschwörungstheoretiker gießt. Denn wer weiß schon so genau, welches geheimnisvolle Linnen in Turin ausgestellt wird …


Genre: Thriller
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Der Aufbewarier

Berlin, Februar 1943: Mit regelmäßigen nächtlichen Luftangriffen erntet nun auch die Hauptstadt die Früchte, die das deutsche Volk mit ihrer Massenmörder-Regierung einst säte. In einer dieser Nächte findet der degradierte Kriminalpolizist Axel Daut den zerstückelten Torso einer jungen Frau. Nach und nach tauchen mehr Leichenteile auf und es wird klar, dass es sich bei der Toten um eine Jüdin handelt, was die Ermittlungen natürlich nicht einfacher macht.

Daut muss vorsichtig sein, in diesen Zeiten kann man nur wenigen trauen und auch er selbst hat jüdische Freunde, denen er helfen möchte, den Wahnsinn zu überleben. Bald konzentriert sich die Suche auf den „Aufbewarier“ der Toten; so nennt man die guten unbescholtenen Deutschen, die die Wertsachen der Verfolgten an sich nehmen und verwahren, um sie der Beschlagnahmung zu entziehen. Währenddessen wird die Lage der Juden immer prekärer und Daut ist gezwungen, enorme Risiken einzugehen um seine Freunde vor der Deportation nach Osten zu schützen. Unerwartete Hilfe aber naht, und zwar in Person seines Leinwandidols Zarah Leander…

Auf den Autor Béla Bolten (hinter dem Pseudonym verbirgt sich der renommierte Historiker und Biograf Matthias Brömmelhaus) stieß ich bei der Lektüre des äußerst empfehlenswerten Elektrobuchs „Wie man erfolgreich E-Books verkauft“ von W.R. Frieling.

Bolten ist einer der unabhängigen Kindle-Autorenstars und er hat sich diesen Erfolg redlich verdient: Geschliffene Sprache, klare Handlungsstränge, gediegene Krimi-Spannung und nicht zuletzt die akribische historische Recherche sorgen für ungetrübte Lesefreude. Die zeitgeschichtlichen Bezüge sind dabei mindestens ebenso wichtig wie der Kriminalfall, wer diese Art von Lektüre schätzt (und ich tue das!), wird hier bestens bedient.

„Der Aufbewarier“ (nicht „Aufbewahrer“, bitte in der nächsten Auflage ändern, lieber Prinz Rupi!) ist der zweite Band in der Reihe um Axel Daut und ich hoffe, dass bald weitere folgen; klare Lese- und Kaufempfehlung!


Genre: Kriminalromane
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Wie man garantiert (fast) einen Bestseller schreibt

Erfolgsautorin Louise Krämer ist die einzige Dame eines Autorenkränzchens, die es – nach eigenen Angaben – geschafft hat, ein Buch in einem Verlag unterzubringen. Deshalb kommen zwei andere Teilnehmerinnen dieses illustren Kreises schreibender Frauen auf die Idee, sie in ein Gemeinschaftsprojekt einzubinden, das den Buchmarkt erstürmen soll. Inspiriert durch eine Überdosis Eierlikör wollen sie ihre »Zielgruppen bündeln«, indem sie ein Gemeinschaftsbuch verfassen.

Insgeheim wird zwar jeder der Damen übel, wenn sie daran denkt, mit einer der anderen Tussen zusammenarbeiten zu müssen, aber da man sich wechselseitig immer wieder Wertschätzung, Hochachtung, ja Liebe, beteuert, kann frau schlecht Nein sagen. Allerdings versuchen Lousies Co-Autorinnen recht schnell, sich selbst in den Vordergrund zu spielen und sie auszubooten. Dass dies nicht ohne Zwischenfälle verläuft, lässt sich denken.

Die Autorinnen leben nach der Bestsellerformel »Sei bieder, aber tu so, als seist du verrucht. Tu so, als hättest du die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber sei nicht arrogant. Schreib so, dass es alle verstehen, aber nicht so, dass es jemand für banal hält. Setz dich in Talkshows und lass die Titten halb raushängen, auch wenn du fünfzig bist«. Klar ist den Autorinnen dabei, dass das Geheimnis der Bestsellerei darin besteht, »Ansammlungen von Klischees zu schaffen, denn originelle Bücher werden prinzipiell keine Bestseller. Jedenfalls nicht zu Lebzeiten des Autors.« Zuerst schreiben sie jedoch fünfsternige Amazon-Kritiken, dann folgt der Text, auf den sich diese beziehen.

Catrin Alpach legt mit diesem kurzen Text eine vergnügliche Humoreske vor, die auf hinreichende Erfahrungen in Schreibgruppen schließen lässt und ebenso gut in einer der zahllosen Indie- und Self-Publisher-Foren im Internet spielen könnte. Ohne weh zu tun, karikiert sie die Welt der Hobbyschreiberinnen, von der es mehr zu geben scheint als manch eine(r) ahnt. Denn für jede Frau gibt es, so die Verfasserin, drei existentielle Entscheidungen, die sich nach den ersten Stürmen der Pubertät treffen muss: »Welchen Mann heirate ich? Was ziehe ich zur Hochzeit an? Und: Welchem Genre widme ich mich, wenn die Ehe so öde geworden ist, dass nur noch Schreiben Linderung verschafft?«

Für meinen Geschmack hätte das Thema zwar deutlich mehr Biss verdient, das entwertet den Text jedoch weder in Form noch Inhalt.


Genre: Humor und Satire
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Die Elefanten meines Bruders

Billy Hoffmann will mit seiner Familie zu einer Zirkusvorstellung gehen. Unterwegs erlebt er Schreckliches: Sein älterer Bruder Philipp wird von einem tonnenschweren Reisebus erfasst, der ihn durch die Luft schleudert. Er stirbt. Die entsetzte Mutter, so das Bild, das sich unauslöschlich in das Kind einbrennt, steht schreiend an der Böschung, wo der Tote hingeschleudert liegt. Blut befleckt ihren neuen Mantel. Continue reading


Genre: Jugendbuch, magischer Realismus, Romane
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