Memento

mementoSchneemannwettbewerb in Minneapolis. Auch die beiden Detectives Leo Magozzi und Gino Rolseth bauen fleißig mit, als plötzlich ein Kind wie am Spieß zu schreien beginnt. Die Mittagssonne hat einen Schneemann zum Schmelzen gebracht und sein makabres Innen-leben enthüllt – einen toten Polizisten. Als einen Tag später eine zweite Leiche in einem Schneemann in Dundas County entdeckt wird, machen sich die Detectives Leo Magozzi und Gino Rolseth inmitten eines Blizzards auf den Weg nach Norden. Dort, am gefühlten Ende der Welt, entdecken sie mehr, als ihnen lieb ist…

Ich erwühlte dieses Buch auf einem Flohmarkt und nahm es spontan mit. Erwartet hatte ich nicht viel, höchstens einen netten 0 8 15 Thriller der mir die Zeit vertreibt bis ich mir neues Lesefutter herangeschafft habe und mit dem ich mein „Notfallregal“ wieder aufrüsten kann…!

Bekommen habe ich aber einen richtig guten, spannenden und kreativen Thriller den ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte und den ich blitzschnell durch hatte!

Die Geschichte entwickelte sich in eine völlig andere Richtung als ich es erwartet hatte und die beiden Ermittler haben mir mit ihrem Witz, ihrem Zynismus und bissigem Humor außerordentlich gut gefallen!

Die Geschichte startet im sehr verschneiten Minneapolis, die Ermittlungen führen Gino und Leo dann aber an den Arsch der Welt, in das große aber sehr dünn besiedelte Dundas Country in Minnesota, wo Fuchs und Hase sich noch gute Nacht sagen und wo seit Tagen ein schrecklicher Schneesturm wütet…

Bei Ihren Ermittlungen bekommen Gino und Leo immer wieder Hilfe von ein paar merkwürdigen/freakigen Computerspezialisten die auf einer Ranch, der „Monkeewrench“ leben und arbeiten und auch diese Figuren haben mir gut gefallen!

Leider kann ich nicht mehr zur Geschichte schreiben da ich sonst schon zu viel verraten würde aber das Buch lohnt sich, ich fand es einfach super!

Auch das Ende fand ich gut denn es handelt sich nicht um ein ewig gleiches „Friede-Freude-Bratkartoffelende“ sondern es bleibt vieles offen und „Recht und Unrecht“ sind auch nicht eindeutig zuzuordnen, was zum nachdenken anregt…!

Jetzt habe ich erfahren dass dieses Buch zu einer ganzen Reihe von Büchern über die Detectives Leo Magozzi, Gino Rolseth und die „Monkeewrench“ gehört und ich hier Band 4 gelesen habe. Das war aber überhaupt nicht schlimm denn dieses Buch kann prima auch unabhängig von den anderen Bänden gelesen werden, mir ist nichts aufgefallen…!

Jetzt werde ich mir aber auf jeden Fall noch die anderen Bände besorgen und hoffe dass mir diese dann auch so gut gefallen wie dieses Buch…!

P.J. Tracy ist das Pseudonym eines Autorenteams welches aus Mutter und Tochter besteht. Die ehemaligen Drehbuchautorinnen erzielten mit ihrem Krimidebüt „Spiel unter Freunden“ einen internationalen Überraschungserfolg, der von Lesern und Kritikern mit Lob überhäuft wurde. Seitdem schreiben sie erfolgreich an ihrer Serie um das Monkeewrench-Team.


Genre: Thriller
Illustrated by Rowohlt Tb.

Terrorist

41sRToLVIZL._SX301_BO1,204,203,200_Ahmad ist 18 Jahre alt und lebt in New Jersey allein mit seiner Mutter, einer Irin. Er verehrt seinen Vater, einen Ägypter, obwohl der sich schon früh absetzte und sich nie wieder um den Jungen kümmerte. Ahmad ist intelligent, dennoch bricht er die Schule ab, um als Lastwagenfahrer zu arbeiten. Er tut dies auf Geheiß seines Imams, bei dem er schon seit mehreren Jahren den Koran studiert. Natürlich kommt es, wie es kommen muss und der Junge gerät in Kontakt mit islamischen Extremisten, die ihn als Selbstmordattentäter einsetzen wollen: Er soll einen Lastwagen gefüllt mit Sprengstoff im New Yorker morgendlichen Berufsverkehr in einem Tunnel zur Explosion bringen…

John Updike reagiert mit seinem Roman auf die Anschläge vom 11. September, aber es ist kein spektakuläres Buch, kein Thriller, sondern es behandelt die psychologischen Hintergründe der terroristischen Ideologien. Der Autor zeichnet dabei ein äußerst düsteres Bild einer US-amerikanischen Gesellschaft, die gerade den Jugendlichen außer Konsum keinerlei geistig moralische Werte und Perspektiven mehr bietet und so den pseudoreligiösen Rattenfängern indirekt Vorschub leistet. Die nicht arabischen Protagonisten sind allesamt desillusioniert, manche zynisch, sie ertragen ihr Leben nur noch und können auch den Sex nicht ohne Schuldgefühle genießen. Der Möchtegern-Terrorist kommt dabei noch einigermaßen sympathisch daher, bezeichnend dafür ist eine Szene, in der er einen auf dem Rücken liegenden Käfer wieder umdreht, weil er dessen Leiden nicht erträgt.

„Terrorist“ ist für mich ein gelungenes Buch, eben weil es gar nicht erst versucht, vermeintlich einfache Lösungen für das Problem anzubieten, es hält uns vielmehr den Spiegel vor, allerdings ohne moralisch erhobenen Zeigefinger. Deutlich wird aber auch, dass der Kampf gegen den Terrorismus nicht militärischen Mitteln gewonnen werden kann, es bedarf stattdessen einer geistigen Auseinandersetzung mit dieser für uns so fremden Ideologie. Empfohlen den verantwortlichen Herrschenden zur Lektüre.


Genre: Romane
Illustrated by Rowohlt Tb.

Gibt es intelligentes Leben?

„Sind wir nicht alle irgendwie ein bisschen dummdödeligdoof? Und: Warum akzeptieren wir das nicht einfach?“ Diese Fragen wirft Dieter Nuhr in seinem neuen Buch „Gibt es intelligentes Leben?“ auf. Er begeistert mit intelligentem Witz und sprachlicher Eloquenz. Nicht umsonst ist er der einzige deutsche Künstler, der sowohl den Deutschen Kleinkunstpreis als auch den deutschen Comedypreis gewonnen hat.

So hat er auf seiner Suche nach Intelligenz die halbe Welt bereist, dabei aber nicht all zu viel Intelligentes erlebt: „Wenn Blödheit den Menschen in den Selbstmord treiben könnte, wäre Überbevölkerung wahrscheinlich kein Thema mehr auf dieser Welt. Aber wir hätten ein Problem mit der Enge auf unseren Friedhöfen.“

Intelligenz und Intelligenz sind zwei Paar verschiedene Schuhe, wie er immer wieder feststellt. Alles scheint relativ: „Es gibt zum Beispiel Menschen, die können zwei und zwei nicht zusammenzählen, anderen Menschen aber glaubhaft vermitteln, dass fünf als Lösung gar nicht so schlecht ist. So einer verfügt über emotionale Intelligenz.“

Zahlreiche schöne bunte und skurrile Fotos im Buch deuten von der Intelligenz in der Welt – oder halt vom Abhandensein selbiger. Und, stets mittendrin statt nur dabei: Dieter Nuhr. Er wolle mit seiner Präsenz auf den Fotos dem Leser vermitteln, dass er auch überall nach intelligentem Leben gesucht habe, so der Autor.

Verbunden mit den Bildern sind die genialen Bildunterschriften. Diese sind noch besser als der eigentliche Text. Sie bringen kurz und knapp in eloquenter Brillanz Nuhrs Weisheiten witzig auf den Punkt: „Südsee. Man stellt sich das Leben auf Palmeninseln paradiesisch vor. Aber eine Ernährung, die ausschließlich auf Caipirinhas und Kokosnüssen basiert, ist auf Dauer nicht gut für den Blutzuckerspiegel.“

Dass Nuhr sich von anderen Comedians unterscheidet, beweist nicht nur, dass er ein Buch geschrieben hat. Auch die Art und Weise des Herangehens stellt ihn auf eine andere Stufe als die restlichen Spaßmacher Deutschlands..

So verpasst er seinem Werk einen intellektuellen Touch, der pädagogisch wertvoll ist. Durch die zahlreichen Rezitationen und Bezüge auf Kant, Heidegger und Nietzsche merkt der Leser, dass Dieter Nuhr ein Studierter ist. Der Historiker spricht über Bartholin-Drüsen oder sozialer Konditionierung. Welch anderer deutscher Comedian käme schon auf eine solche Idee bzw. kennt denn überhaupt diese Begriffe?

So kommt Nuhr auch nicht umhin seine politische Auffassung durchblicken zu lassen. Religiöse Ereiferer und politische Ideologen lehnt er ab. Genauso stellt er die Weltpolizistenrolle der USA in Frage, wenn er zum Beispiel über den Amerikaner schreibt: „Er glaubt, wenn jemand anders lebt als er selbst, dann muss er durch einen Diktator dazu gezwungen worden sein. Und zack, schon steht er vor der Tür und befreit den Unterdrückten, vorausgesetzt, der wähnt eine Ölquelle sein Eigen, aber das ist ein anderes Kapitel.“

Manchmal jedoch vergisst der Autor lustig zu sein. So scheint es jedenfalls, wenn er beispielsweise die Dicken in Deutschland im Visier hat. Natürlich gäbe es wenige mit Stoffwechselstörungen. Doch die meint er aber nicht. Er nimmt die auf die Schippe, die zuviel Nahrung konsumieren. Das Rezept für ein schlankeres Leben ist logisch einfach wie er schreibt: „Da hilft nur weniger essen und weniger Selbstbetrug. Eine der großen Lügen der Menschheit lautet: Ich verstehe das nicht, ich esse gar nichts. Doch. Man sieht es.“ Klare Worte

Von solchen wenigen ernsten Momenten im Buch von Dieter Nuhr abgesehen, bieten die 190 Seiten ein wahres Pointenfeuerwerk. Die Kracher zünden immer: Mal prasselnd komisch, mal prickelnd frisch.


Genre: Humor und Satire
Illustrated by Rowohlt Tb.