Die Rückkehr der Monster

Lizzy und Luke kehren in Begleitung von Fernsehreportern ins HorrorLand zurück. Sie wollen der Öffentlichkeit die Gefahren des Parks zeigen…

Die Reihe „Gänsehaut“ ist für jugendliche Leser von 10 bis 14 Jahren angelegt. Die Helden wechseln. Es handelt sich dabei immer gemischte Gruppen aus Jungen und Mädchen von zwei bis vier Personen. Die Handlungen sind an Orten, die einen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Leser haben. Die Schule der Kinder, die Ferien mit den Eltern oder die Wochenenden zuhause seien hier als Beispiele genannt. Die Kinder leben in westlichen amerikanischen Kleinstädten mit fiktiven Namen.

Gewöhnlich spielen Monster eine ebenso große Rolle. Ein jugendlicher Ich-Erzähler erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive. Dieser Erzähler ist es auch, der als Erster, manchmal als Einziger, den Horror bemerkt. Die Sprache ist eher locker und umgangssprachlich. Einfach strukturierte Sätze gehören ebenfalls zum Erzählstil.

Stine hat ein relativ simples, einfaches Erzählschema entwickelt. Ein Jugendlicher (meist ein junger Teenager) zieht in ein etwas abgelegenes Haus, in dem es spukt oder dessen Umgebung von Spukgestalten heimgesucht wird. Meist glauben die Erwachsenen den Kindern nicht, wenn diese ihnen von den Geistern berichten. Gelegentlich kommt es am Ende zu einer unerwarteten Wendung in der Handlung, in deren Verlauf sich die Protagonisten selbst als Monster entpuppen.

Dies hier ist Band 67 aus der Gänsehaut-Jugendbuchreihe. Ausgehend von dem obigen literaturwissenschaftlichen Hintergrundwissen lassen sich einige Abweichungen von den Regeln erkennen.

Es gibt zwar mehrere Kinder, die gemeinsam ein Abenteuer erleben; einer von ihnen ist auch der Ich-Erzähler. Die Geschichte spielt aber nicht zuhause, sondern in einem Vergnügungspark ohne Begleitung der Eltern. Die Handlung hat eher episodenhaften Charakter, so, als seien einige Teilgeschichten miteinander verwoben. Jede für sich ist spannend und endet harmlos – die kindlichen Leser müssen also keine nächtlichen Alpträume befürchten.

Wer als Kind und Jugendlicher leicht gruselige Geschichten mag, wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Als Erwachsener mag man Bücher wie dieses natürlich als einfach strukturiert und oberflächlich empfinden. Es kann aber trotzdem als spannende und gut lesbare Alternative zu den Klassikern der Jugendbuch-Klassikern empfunden.

Robert Lawrence Stine stammt aus Columbus, Ohio, wo er am 8. Oktober 1943 geboren wurde. Er lebt heute in New York, wo er auch schon als Lehrer gearbeitet hat. Der literarische Erfolg begann in den 1980er Jahren mit Buchreihen wie „Gänsehaut“ und der „Fear Street“, die auch auf Deutsch erschienen sind.

R. L. Stine: Die Rückkehr der Monster; cbj Verlag München 2011; 121 Seiten; ISBN: 978-3-570-22012-2


Genre: Jugendbuch
Illustrated by cbj Verlag München

Fünf Freunde im Orient-Express

Die fünf Freunde sind in den Sommerferien mit dem Zug auf dem Weg zu einem Ferienkurs. Doch plötzlich muß der Expreßzug halten – ein umgestürzter Baum verhindert das Weiterfahren. Ein Unglücksfall? Oder sind Eisenbahnräuber am Werke?
Auf den ersten Blick ist der Buchtitel etwas irreführend. Die Kinder sind in England mit einem Nachtzug und nicht mit dem berühmten Zug durch den Balkan unterwegs.
Interessant sind eher die Bezüge zu der englischen Kriminalschriftstellerin Agatha Christie und deren Roman „Mord im Orientexpress“, der bei uns auch unter dem Titel „Kimono“ erhältlich ist.
Die fünf Freunde sind der Detektiv, der sich auf eine Reise begibt. Sie treffen eine Truppe unterschiedlichster Personen an, zu denen auch der „Chef“ des Eisenbahnunternehmens gehört. Der Zug bleibt aus irgendeinem Grunde stecken und hat einen längeren Aufenthalt – ein Kunstkniff, den jeder Krimi-Liebhaber sofort erkennt: Ort und Personen sind überschaubar, der Detektiv arbeitet unter Zeitdruck, weil sich die Tatverdächtigen ansonsten in alle Winde verstreuen würden.
Ein Verbrechen aus der Vergangenheit spielt auch hier eine Rolle. Die Kinder können die Tat auch (fast) ohne Hilfe von Erwachsenen lösen – die Eltern von George werden hier noch nicht einmal namentlich erwähnt.
Für Kinder und Jugendliche welchen Alters ist das Buch am besten geeignet? Gezielte Angaben darüber sind in dem Buch nicht enthalten? Es dürften Kinder im Alter von 10 – 14 Jahren sein. Die Geschichte wurde behutsam modernen Lesegewohnheiten angepaßt, ohne die Originalgeschichte völlig in die Neuzeit zu holen. Gegenstände wie Computer oder gar Mobiltelefonie sind also nicht enthalten – wer die Originalgeschichten noch von früher aus seiner eigenen Kindheit kennt, wäre heute als Mama / Papa wohl auch reichlich überrascht darüber.
Trotz aller offensichtlichen Bezüge zu Agatha Christie gefällt die Geschichte aber. Die Handlung ist gut lesbar; man kann sie leicht und locker an einem Wochenende schaffen.

Enid Blyton wurde 1897 in London geboren. Sie ist bereits 1968 verstorben. Dieses Buch wurde nicht etwa posthum veröffentlicht. Es stammt vielmehr aus der Feder von Sarah Bosse.

Und Bosse ist mitnichten Engländerin. Sie erblickte 1966 in Düsseldorf das Licht der Welt, lebt seit 1975 im Münsterland, hat Germanistik und Skandinavistik studiert. Und schreibt so nebenbei Kinderbücher.

Enid Blyton: Fünf Freunde im Orient-Express; cbj München 2012; 156 Seiten; ISBN: 978-3-570-13818-2


Genre: Kinder- und Jugendbuch
Illustrated by cbj Verlag München